Diese Alexa-Skill-Entwickler verdienen mit Tierlauten über 3.200 Euro im Monat

169 Labs-Gründer

169 Labs-Gründer Tim Kahle (l.) und Dominik Meißner

Warum Amazon die Voice-Agentur 169 Labs für die Nutzung ihrer Skills bezahlt

Gibt es rund um Sprachanwendungen bald einen ähnlichen Goldrausch wie zu Beginn der „App Economy“? Zumindest fängt Amazon gerade an, die Entwickler von „Skills“ für die Sprachplattform Alexa zu entlohnen. Die Münchner Voice-Agentur 169 Labs setzt aktuell mit ihren Skills bereits mehrere Tausend Euro um. OMR gewährte die Agentur einen tieferen Einblick in ihre Zahlen.

Amazon verrät keine Verkaufszahlen für seine Echo-Geräte, Marktforscher gehen aber von insgesamt etwa elf Millionen verkauften Geräten aus – allein in deutschen Haushalten dürften zwischen 400.000 und 500.000 Echos stehen. Amazon dürfte damit Marktführer im Voice-Assistant-Bereich sein und will diese Rolle offenbar durch die Förderung von Skill-Entwicklern weiter ausbauen. In Deutschland zeigt die Voice-Agentur 169 Labs, wie viel Amazon derzeit auszahlt. Wir haben mit den Gründern Tim Kahle und Dominik Meißner über die Marketing-Chancen der Plattform gesprochen.

Tierlaute bringen 3.200 Euro im Monat

„In Summe haben wir bisher 15 Skills veröffentlicht, die 140.000 Mal aktiviert wurden“, sagt 169 Labs-Co-Gründer Dominik Meißner. Die Münchner Agentur hat sich auf die Entwicklung von Skills spezialisiert und setzt neben eigenen Anwendungen auch Projekte für Unternehmenskunden um. Der erfolgreichste Skill des Unternehmens ist derzeit „Tiergeräusche“ (Alexa spielt auf Anfrage aufgenommene Tierlaute ab). Der lief so gut, dass ihn das Team jetzt aufgeteilt und die meistabgespielten Tiergeräusche in einzelnen Skills veröffentlicht hat.

Diese Tierlaute-Skills sorgen für die kompletten Einnahmen von bisher über 5.500 Euro, wovon 3.200 Euro allein im letzten Monat von Amazon überwiesen wurden. Der übergeordnete Tiergeräusche-Skill wurde im letzten Monat mit mehr als 1.300 Euro vergütet, der Pferdelaute-Skill mit über 1.500 Euro.

Auszahlung gibt Rätsel auf

Dabei ist selbst 169 Labs nicht ganz klar, nach welchen Kriterien Amazons Auszahlung erfolgt. „Nach unserer Vermutung zählen die Anzahl der Aktivierungen in Verbindung mit der (wiederkehrenden) Nutzung, und auch die Dauer einer Nutzung (Session-Länge) spielte dort vielleicht (!) eine Rolle. Also im Grunde die gleichen KPIs, die man selbst für einen erfolgreichen Skill anlegen würde“, sagt 169-Labs-Co-Gründer Tim Kahle. „Aus den USA verbreitete sich aber auch die Annahme, dass die Auszahlungssumme pro Skill bei 5.000 US-Dollar gedeckelt ist und darüber hinaus ein limitierter Budget-Topf pro Kategorie bestehen könnte, der dann auf die einflussreichsten Skills innerhalb der Kategorie verteilt wird.“

Amazon Skill Rewards

Die Mail, mit der Amazon über die Auszahlung der Skill-Rewards informiert hat. (Quelle: 169 Labs)

Laut Angaben von 169 Labs wurde der Tiergeräusche-Skill von Mitte Oktober bis Mitte November von 2.000 neuen Nutzern aktiviert, insgesamt wurden 8.281 Sessions ausgeführt und 1.250 Nutzer haben den Skill in der Zeit mehr als ein Mal genutzt. Der besser vergütete Pferdelaute-Skill verbuchte in der gleichen Zeit 8.890 neue Nutzer, 15.900 Sessions und 2.800 aktive Nutzer – deutlich bessere Zahlen, aber nur 200 Euro Vergütungs-Plus. So richtig verwirrend wird es beim Blick auf den Affenlaute-Skill, der mit 6.200 neuen Nutzern, 15.700 Sessions und 2.500 aktiven Nutzern fast genauso stark performt hat wie die Pferde. Trotzdem zahlte Amazon dafür nur 184,50 Euro.

„Mögliche Nutzungsszenarien kannten wir vor Veröffentlichung des Skills auch nicht wirklich. Mittlerweile hat sich aus dem Feedback der Nutzer ergeben, dass vor allem Kinder nicht genug von den Tiergeräuschen bekommen können. Das leuchtet rückblickend natürlich ein und die Zahlen bzw. Auszahlungen Amazons belegen das. Wir wollen den Skill in Zukunft auch noch ausbauen und Lerninhalte zu den Tieren hinzufügen“, so Kahle.

Nicht jeder Skill kann monetarisiert werden

Erst im Mai 2017 hatte Amazon überhaupt angekündigt, Skill-Entwickler zu bezahlen. Zu der Zeit sollten jedoch nur Spiele-Entwickler am Reward-Programm teilnehmen können. „Mittlerweile stellt Amazon auch Skill-Entwicklern der Kategorien Bildung & Nachschlagewerke, Essen & Trinken, Gesundheit & Fitness, Lifestyle, Musik & Audio und Produktivität einen Scheck aus, wenn sie besonders gut performen“, sagt Kahle.

„Damit schlägt Amazon drei Fliegen mit einer Klappe: Das Unternehmen motiviert die Entwickler, Skills stetig zu verbessern, lockt gleichzeitig neue Entwickler an, damit die Zahl der Anwendungen steigt und macht die Plattform an sich damit immer interessanter für den Nutzer.“ Bisher sind alle Amazon Skills kostenlos, das Unternehmen trägt also alle Kosten und pusht so die Plattform mit eigenem Geld.

Problem für Nutzer lösen, um entdeckt zu werden

Schwierig bleibe in der Skill-Ökonomie die Discovery. „Im Skill Store von Amazon gibt es über alle Anwendungen hinweg und für jede Kategorie ein Ranking der ‚Top aktivierten Skills‘ – hier hat sich unser Tiergeräusche Skill auch schon wiedergefunden. Ich behaupte aber mal, dass die meisten Aktivierungen von Skills momentan noch auf das zufällige Browsen des Nutzers durch den Amazon Skill Store zurückzuführen sind. Allmählich werden die Nutzer mit steigendem Angebot vielleicht auch gezielt nach Skills suchen“, sagt Tim Kahle.

„Um auf steigende Erwartungen vorbereitet zu sein, haben wir uns dazu entschieden, wie es viele Mobile App Entwickler ja auch tun, für unsere Skills eigene Landingpages zu veröffentlichen und empfehlen das auch unseren Kunden. So sind wir gerüstet, falls Nutzer auch im Internet beginnen, nach Sprachanwendungen suchen oder sich über deren Funktionalitäten im Detail informieren wollen.“

Skill-Entwickler müssten sich aber darauf einstellen, dass Skills in Zukunft ohne vorherige Aktivierung per Sprachbefehl nutzbar sein werden. Das löst das Discovery-Problem nicht, macht aber deutlich in welche Richtung sich die Voice-Branche entwickelt: Nur wer mit seinem Skill einen expliziten Use Case für den Nutzer baut oder einen passenden Zeitvertreib bietet, wird auch entdeckt. „Must-have für jeden Entwickler sind jetzt schon ordentliche Skill-Beschreibungen, vernünftige Keywords, Impressum & Datenschutzhinweise und vor allem ein weise gewählter Invocation (Rufname) des eigenen Skills“, so Kahle.

Unternehmen wollen aufspringen

Für 169 Labs sind eigene Skills wie Tiergeräusche vor allem Marketing-Instrument um möglichen Kunden die Möglichkeiten im Voice-Bereich aufzuzeigen. Das wolle das Team auch in Zukunft so handhaben: „Wir haben für uns drei Branchen ins Visier genommen, in denen wir unsere Kunden gefunden haben und zukünftig finden wollen. Hospitality, Gesundheit/Fitness und Bildung (vor allem für Kinder). Neben den Kundenprojekten werden wir in Zukunft auch weiter eigene Skills veröffentlichen, um Neuerungen der Technologie auszuprobieren und damit das Potenzial der Plattform zu demonstrieren“, sagt Dominik Meißner. „Neben dem Projektgeschäft beauftragen uns Firmen aktuell mit Workshops, in denen wir den Einsatz von Alexa für bestehende oder neue Geschäftsmodelle vorstellen oder sie engagieren uns, um Handlungsempfehlungen für die Optimierung von bestehenden Skills oder der Vermarktung auszusprechen.“

Schon jetzt arbeite 169 Labs eng mit Unternehmen zusammen, die Nutzern mit Skills einen Mehrwert bieten wollen – durch den mit einem Bildschirm ausgestatteten Echo Show auch immer stärker im Videobereich, wie Meißner berichtet: „Neben den Tiergeräusche-Skills haben wir auch einen Hausnotruf Skill veröffentlicht, den wir momentan gemeinsam mit dem Malteser Hilfsdienst weiter ausbauen. Durch unsere Erfahrung in der TV- und Radiobranche haben wir beispielsweise für die Fernsehgruppe High View (strahlt den Digital-Musiksender Deluxe Music aus) Radio- und Video-Skills entwickelt, die sie nun für die Verbreitung der Radio- und Videoinhalte einsetzen können.“ Demnächst starte ein Voice-Adventskalender, mit dem die Entwickler Verlosungs- und Promotion-Möglichkeiten ausloten wollen.

Neue Erlösmodelle erschließen

Bisher fehlt es den Amazon-Zahlungen also an Transparenz und es ist nicht abzusehen, wie lange das Unternehmen Entwickler selbst unterstützt. Diese unsichere Lage zwingt Entwickler wie 169 Labs dazu, sich andere Erlösquellen zu suchen.

„Die Technologie und Möglichkeiten ändern sich momentan tatsächlich wöchentlich. Während wir gerade versuchen, Monetarisierungsmöglichkeiten mit bspw. Freemium Skills in Pilotprojekten auszutesten hat Amazon kürzlich mitgeteilt, dass sie in ausgewählten Skills paid content in Form eines Abo-Modells ermöglichen, welches dann direkt über den Amazon Account abgerechnet wird. Vergleichbar mit In-App-Subscriptions bei Smartphone Apps“, sagt Dominik Meißner.

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