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Die 1,4 Milliarden-Dollar-Wette inmitten der Streaming Wars: Wie viel Potenzial hat Quibi?

Ein Ausschnitt aus der Quibi-Show „Flipping“

Themen:

Im April startet das "Netflix für unterwegs" mit 175 Formaten

Ist am Markt noch Platz für einen zahlungspflichtigen Streaming-Dienst, der Kurz-Formate bis zu einer Länge von zehn Minuten produziert und damit in erster Linie auf Mobile-Nutzer abzielt? Jeffrey Katzenberg und Meg Whitmann, beide altgediente und solvente Unternehmer und Manager in der Entertainment- und Digitalbranche, glauben das. Mit einer Milliarde US-Dollar Kapital in der Hinterhand starten sie im April Quibi („Quick bites“). Post aus LA wirft einen prüfenden Blick auf das Modell.

Jeffrey Katzenberg does not mess around. Gerade mal 18 Monate ist es her, dass er zusammen mit der ehemaligen Hewlett-Packard- und Ebay-Chefin Meg Whitman eine Milliarde (!) Dollar Kapital einsammelte, um seinen neuen Short-Form-Video-Streaming-Service Quibi zu starten. Am 6. April ist es nun soweit und Quibi startet mit – wie Deadline Hollywood berichtet – sage und schreibe 175 neuen Original Shows: Komödien, Dramen, Action Serien, Horror, News und Reality Shows. Konzipiert für den Konsum am Mobiltelefon, sowohl im Hoch- als auch Panorama-Format abrufbar und vorportioniert auf kleine Episoden-Häppchen à sieben bis zehn Minuten. “Quick Bites, Big Stories.” – so der Werbeslogan. Und den bläst Quibi seit ein paar Wochen in massiver Lautstärke und mit 400 Millionen Dollar Werbebudget-Wumms heraus: mit TV-Spots zum Super Bowl, mit TV-Spots zur Oscar-Verleihung. Und mit fast täglich neuen Pressemeldungen zu neuen Shows und neuen Partnerschaften.

Langsam, wer ist dieser Katzenberg nochmal?

Jeffrey Katzenberg war von 1984 bis 1994 Studioboss von Walt Disney. Danach gründete er DreamWorks und DreamWorks Animation (“Shrek”, “Kung Fu Panda”, etc.), die zwanzig Jahre später für knapp vier Milliarden Dollar an NBC Universal verkauft wurden. Katzenberg macht seitdem mit seiner Tech und New Media Company WndrCo Investments. Und im August 2018 gründete er Quibi. Das Startkapital holte er sich übrigens von den zehn größten Hollywood-Studios und Produktionshäusern und schuf so eine clevere Content-Allianz für Quibi. Die Investoren bekamen nicht nur Anteile für ihr Geld, sondern wurden mit dem Kapital gleich wieder beauftragt, Content zu produzieren.

The odd streaming couple: Meg Whitman und Jeffrey Katzenberg

Aber wer braucht so einen neuen Streaming-Service?

Tja, das ist die große Frage. Skeptiker meinen, der Bedarf an Kurzvideos sei bei Quibi’s Zielgruppe, den 18-44-jährigen, ja schon zu Genüge durch Youtube gedeckt. Und zwar kostenlos. Auf der anderen Seite reicht das Ad-Revenue-Share-Modell von Youtube nicht aus, auf Hollywood-Niveau-produzierte Inhalte (zu Kosten von bis zu 125.000 Dollar pro Minute) zu refinanzieren. Und deshalb gibt es solchen Content bislang kaum im Netz.

Mit welchen Shows startet Quibi?

Katzenberg kennt sich mit großem Kino aus und so sehen die Shows auch allesamt viel versprechend aus: Chance The Rapper, macht eine neue Version der MTV-Kultserie “punk’d” (hier der Trailer), Sophie Turner (“Games of Thrones”) und Corey Hawkins (“The Walking Dead”) kämpfen in “Survive” nach einem Flugzeugabsturz in verschneiten Bergen ums Überleben (hier der Trailer). Und Will Forte (“The Last Man on Earth”) und Kaitlin Olson (“It’s Always Sunny in Philadelphia”) legen sich in der Komödie “Flipped” als verpeilte Innenarchitekten mit einem geschmacklosen Drogenkartell-Boss an (hier der Trailer). Dazu kommen Shows mit Zac Efron, dem FaZe Clan, Kevin Hart, Idris Elba, Demi Lovato, Lior Suchard, John Travolta und vielen, vielen mehr.

Warum interessant?

Katzenberg und Whitman haben auf jeden Fall eine Menge Chuzpe. Quibi könnte zum größten Flop der Streaming-Ära werden. Denn es baut auf gleich zwei steilen Thesen auf: dass Menschen für hochwertig produzierten Kurzform-Video-Content, den sie ausschließlich auf ihren Telefonen ansehen können, 4,99 US-Dollar (mit Werbung) oder 7,99 US-Dollar (ohne Werbung) im Monat bezahlen werden. Und dass das Format von fünf bis zehnminütigen Episoden, die Katzenberg als die “Next Generation of Storytelling” bezeichnet, von den Zuschauern überhaupt angenommen wird. Wir werden die 1,4-Milliarden-Dollar-Wette des Jeffrey Katzenberg in den nächsten Monaten genau beobachten.

Über Quibi hatten unsere Buddys Tobias Bauckhage und Jon Handschin in ihrem Newsletter „Post aus LA“ geschrieben. Den wollen wir Euch übrigens wärmsten ans Herz legen, falls Ihr in Zukunft immer die neuesten Nachrichten, Insights und Gerüchte aus der US-Entertainment-Branche direkt in Euer Postfach bekommen wollt. In der aktuellen Ausgabe geht es außerdem um die Meme-Kampagne des demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Mike Bloomberg. Zum Abonnieren einmal hier entlang!

 

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