New Yorker Notizen: OMR-Gründer Philipp Westermeyer schreibt aus dem Big Apple

Postet nie auf Instagram und ist dementsprechend wenig Selfie-geschult: OMR-Gründer Philipp Westermeyer in der Tom-Ford-Lederjacke von Howard Lerman am Hamburger Flughafen

Über eine 3.000-Euro-Lederjacke und ein Wochenendhaus im New-York-Dependant von Sylt

An welchem Ort der Welt kann man sich innerhalb von wenigen Wochen am besten über die wichtigsten Entwicklungen in der Marketing- und Medienbranche informieren und spannende Leute kennenlernen? OMR-Gründer Philipp Westermeyer ist großer New-York-Fan und wird ab morgen mehrere Wochen in der Stadt verbringen. Auf OMR.com veröffentlichen wir ab heute regelmäßig Berichte über das, was er erlebt.

NY Notizen: Vorab und Anreise

Viele meiner Freunde und Bekannten posten ständig über ihre Reisen. Ich hab das bislang wenig gemacht, was aber auch daran liegt, dass ich in den letzten Jahren einfach wenig gereist bin (außer mal für eine Nacht aus Hamburg raus). Ich hatte fast ein schlechtes Gewissen, dass ich die Chancen, die sich mir boten, nicht nutzte. Alle fliegen in der Welt umher, sammeln Eindrücke, treffen Leute – und ich surf nur (im Netz). Dieses Jahr wollte ich auch mal wieder los, was anderes sehen, woanders connecten und tiefer eintauchen, und zwar am besten nicht als geführte Tour, sondern unabhängig herumlaufen.

Als Ort erschien mir zum einen Lissabon denkbar. Alle reden von der Stadt; ein Bekannter kauft sich da sogar ein Haus, weil es so schön und aufstrebend und noch nicht voll-entdeckt ist. Und weil ein Haus in Lissabon wohl auch einfach eine gute Story ist. Oder Tel Aviv: Reden auch alle von, weil es so „digital“ ist, und die Strände, und so viele Startups… Dann natürlich Asien: Da hätte ich sogar ein kleines bisschen Netzwerk gehabt und häufig gut gegessen. Aber am Ende dachte ich, dass ich dort innerhalb weniger Wochen nicht richtig tiefer reinkomme, außer vielleicht in eine Expat-Gemeinde. Und außerdem leben die Europäer, die ich in Asien kenne, am Ende über Tausende Kilometer verstreut zwischen Bangkok und Peking. Klar, die Westküste der USA hätte auch ein Ziel sein können.

Von Schauspielschulen und Teenager-Träumen

Aber wenn USA, so dachte ich, ist für mich NY besser. Meine Branchen Marketing, Content, Tech sind dort alle kompakt vor Ort. Ich kenne viele Leute aus jüngeren Zeiten und habe noch ein paar Anlaufstellen von früher. Denn von 1999 bis 2002 war ich schon mal drei Jahre in NY, wegen meiner damaligen amerikanischen Freundin, Neugier und Ambitionen. Lebensinhalt damals: arbeiten (Praktika), studieren, jobben, und sogar ein paar Tage auf einer Schauspielschule, Teenager-Träume, die mir meine Zivi-Kohle aufgefressen haben. Prägende Zeit damals – jetzt also wieder hin.

Seit ein paar Tagen versuche ich die NY-Zeit etwas zu füllen und habe von dem geplanten Aufenthalt erzählt. Das Resultat sind Termine, die zu OMR Podcasts, neuen Keynote-Speakern, Partnern oder Stories für OMR führen sollen. Praktischerweise ist NY ja die „Lieblingsstadt“ insbesondere vieler deutscher Internet- & Medienleute meiner Generation. Also gab es reichlich Anknüpfungspunkte und überraschende Angebote. Ein Hamburger Internet-Unternehmer hat mir sogar für ein Wochenende sein Haus in den Hamptons angeboten („Sylt in warm“). Mega hilfreich waren Philippe (refinery29) und Howard (Yext), dem ich außerdem seine Tom-Ford-Lederjacke zurückbringe, die er mir im März bei OMR versehentlich geschenkt hat (bei OMR sind Zuwendungen über 3.000 Euro verboten…). Großen Dank gebührt außerdem Christian Busch (German Accelerator) und Brian Morrissey (digiday).

Bingewatching im Flugzeug

Was sind nun die ersten Eindrücke, eher aus dem Flugzeug als aus NY? Auf Empfehlung (Danke Dr. Heinemann) habe ich die Amazon Prime Doku „All or nothing“ gebinge-watched. Eine Football-Mannschaft wird eine Saison lang komplett all-access mit der Kamera begleitet – für Sportfans mega. Kurz überlegt, warum gibt es so was noch nicht mit deutschen Teams? Vermutlich besteht in der Bundesliga noch zu wenig Bereitschaft, die Türen komplett zu öffnen. Das wird kommen, denn es ist wie immer mit Marketing: Am Anfang traut sich keiner, dann macht es doch einer, und der Effekt verkehrt sich in die andere Richtung. Alle sehen, was es an Aufmerksamkeit (lies: Geld) bringt, und alle wollen dabei sein. Zuletzt war dieser Effekt auch extrem erstaunlich zu beobachten beim US-Sensations-Startup masterclass.com, das die größten Stars der Welt auf magische Weise zur Kooperation bewegen konnte – es ist einfach die Aufmerksamkeit. Beeindruckend also auch, was Amazon Prime an Content quasi gratis rausgibt. Mir ist komplett unklar, wie sich vor dem Hintergrund (plus Netflix etc.) Sky auf Dauer die Zukunft als unabhängige Firma vorstellt. Schon richtig; sie sind jetzt auch nicht ganz unabhängig und werden ja gerade verkauft, aber trotzdem…

Und da ich in acht Stunden Flug so viel Medien konsumieren kann wie sonst nie, ist mir bei Instagram der junge Basketball-Superstar Ben Simmons aufgefallen. NBA-Fans wissen: Der wird erstens ziemlich sicher ein wichtiges Gesicht des US-Sports der nächsten zehn Jahre und ist zweitens seit einigen Wochen mit der jüngsten Kardashian-Jenner-Tochter zusammen. Beeindruckend ist daran auch, wie clever die Marke Kardashian geführt wird. Man könnte fast den Eindruck bekommen, dass jemand nach genauer Analyse von Reichweiten und Brand-KPIs gesagt hat: Den Typen musst Du daten, um zukünftig Relevanz aufzubauen. Klingt skeptisch-deutsch, aber man muss wissen, dass vier Kardashian-Jenners jetzt den neunten NBA-Star daten. Die Familie liebt halt auch die Aufmerksamkeit, und die liefern NBA-Spieler so beständig und planbar, zielgruppen-und länderübergreifend wie wenige andere Personengruppen auf der Erde.

Morgen am Tag 1 in der Stadt treffe ich als erstes, die beiden Deutschen Joachim und Friedemann für einige gemeinsame Stunden (klingt nach harten IT-Nerds und anstrengendem Meeting, ist aber besser), und mit ihnen die ersten NY-Digital-Protagonisten. Bis morgen!

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