Von Göppingen nach Old Trafford: Teamviewer-CEO Oliver Steil erklärt den ManUnited-Deal

OMR Podcast: Deshalb investiert die Firma aus Göppingen gerade jetzt in teure globale Partnerschaften

Manchester United ist nicht nur einer der umsatzstärksten Fußballvereine der Welt, der Traditionsclub aus der englischen Premiere League gilt auch als einer der global populärsten. Und wenn die aktuelle Spielzeit im Sommer endet, wird das Logo eines vor 16 Jahren in Göppingen bei Stuttgart gegründeten Unternehmens auf allen Trikots zu sehen sein. Teamviewer wird fünf Jahre neuer Hauptsponsor – und hat zeitgleich eine Partnerschaft mit den Mercedes-Teams der Formel 1 und Formel E verkündet. CEO Oliver Steil erklärt im OMR Podcast, weshalb die Company plötzlich teuer und weltweit in Branding investiert, gewährt Einblicke in die komplizierten Vertragsverhandlungen und nennt die dank der Deals etwas geschrumpften Ebitda-Margen (kleiner Spoiler: sie sind immer noch absurd hoch).

„Man muss das wie einen M&A-Prozess sehen. Mit signifikanten Mitteln und sehr komplizierten Vertragsverhandlungen“, sagt Oliver Steil im Gespräch mit Philipp Westermeyer. Die Assets, also die Sponsorings und Partnerschaften mit dem Fußballverein Manchester United und den Formel-Teams von Mercedes seien natürlich begehrt. „Wenn man da lange unterwegs ist, wird es schwierig und unwahrscheinlich. Das waren intensive Prozesse über Wochen.“ Etwas mehr als 46 Millionen Euro pro Jahr zahlt Teamviewer alleine für das Logo auf der Brust der ManU-Trikots.

„Das Trikot ist die eine Sache“, erklärt Steil, der seit 2018 CEO bei Teamviewer ist. Schon die Verkaufszahlen der Shirts seien unglaublich groß. „Das ist ein sehr großes Paket. Da gibt es die Werbung im Stadion, Pre-Tours vor der Saison, Spieler, mit denen man was machen kann, alle Social-Media-Kanäle, digitale Plattformen. Das ist ein enormer Rechtekatalog beziehungsweise Katalog an Assets.“

Was Teamviewer mit dem Sport-Sponsoring erreichen will

Beide Deals, mit Manchester United und den Formel-Teams von Mercedes, kamen einigermaßen überraschend. Teamviewer war in der Vergangenheit schließlich nicht mit großen Kampagnen aufgefallen. „Wir haben im Marketing relativ wenig ausgegeben und eigentlich kaum in Markenbildung investiert. Und die viralen Effekte des Produktes waren schon ein wesentlicher Erfolgsfaktor“, stellt Oliver Steil fest. Das habe man ändern wollen, auch mit Blick auf geplantes, deutlich stärkeres Wachstum in Asien und den USA. „Wir haben uns gefragt: Wie bekommt man es hin, zügig Breitenwirkung zu erzielen?“.

Man habe sich alles angeschaut, erzählt Steil. „Und das, was uns sofort einen signifikanten Schritt nach vorne bringt. Und dann sind wir zum Fazit gekommen: Wenn man es macht, dann wirklich groß und mit den absoluten Top-Partnern, die man bekommen kann. Weil trotz der finanziellen Aufwände, die man hat, hat man natürlich auch eine größere Sicherheit, dass es funktioniert. Das war letztlich ausschlaggebend.“ Das Ergebnis sind zwei Partnerschaften, die der Teamviewer-CEO als „Top-End“ bezeichnet. Während die Formel-Deals stärker im Bereich Großkunden und industrielle Prozesse seien, gehe man mit Manchester United noch etwas mehr in Richtung Massenmarkt. „Besser geht es dann auch letztlich irgendwie nicht“, so Steil. „Damit erhöhen wir aus unserer Sicht signifikant die Erfolgswahrscheinlichkeit.“

Teamviewer will zeigen, was es kann

Ein wichtiger Erfolg dürfte in dem Zusammenhang vor allem auch sein, potenziellen Kunden zu erklären, dass Teamviewer eben nicht mehr nur die Software ist, mit der sich Rechner per Remote steuern lassen. Genau dafür sei das Produkt aber häufig bekannt. „Grob die Hälfte unseres Geschäfts hat jetzt schon seit längerem eigentlich nichts mehr mit der Büroumgebung zu tun“, erklärt Oliver Steil. „Wir müssen und wollen das jetzt in der ganzen Welt entsprechend positionieren, was man alles mit Teamviewer tun kann.“ Das seien Bereiche wie Internet of Things, Industrie 4.0, Logistik, Montage und Produktion – und in Zukunft verstärkt Augmented Reality, auch dank einiger Zukäufe in jüngster Vergangenheit. „Das werden wir intensiv spielen. Das ist die nächste große Sache“, ist sich Steil sicher.

Teamviewer befinde sich in einer sehr guten Ausgangslage und sei mit 330 bis 340 Millionen aktiven Geräten im Jahr und weltweit insgesamt 1.300 Mitarbeitenden schon jetzt global aufgestellt. Und dass sich das Unternehmen auch Millionen-Deals mit den ganz großen Sport-Brands dieser Welt offenbar gut leisten kann, machen die Ziele für das laufende Geschäftsjahr deutlich. Nach 460 Millionen Billings, also Rechnungsstellungen im vergangenen Jahr, peile Teamviewer nun 585 bis 595 Millionen an. Die Ebitda-Marge korrigierte das Software-Unternehmen etwas nach unten: von 55 bis 57 Prozent auf 49 bis 51 Prozent. Und dennoch: „Du wirst weltweit kaum ein Unternehmen finden, was so gut wächst und so profitabel ist“, sagt Steil. Bis 2023 wolle das Unternehmen aus Göppingen die Umsatz-Milliarde knacken.

Weshalb Teamviewer trotz einer enormen Profitabilität mit aktuell rund acht Milliarden Euro Marktkapitalisierung für viele etwas unterbewertet scheint, was die Company von Zoom, Microsoft Teams & Co. unterscheidet und mit welchem Return on Invest Oliver Steil für die beiden großen Koops rechnet, hört Ihr in der aktuellen Folge des OMR Podcasts.

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Alle Themen des Podcasts mit Oliver Steil von Teamviewer im Überblick:

  • Deshalb sitzt das derzeit mit fast acht Milliarden Euro bewertete Unternehmen Teamviewer immer noch in Göppingen bei Stuttgart (ab 04:20)
  • Wie aus einem Tool für Vertriebs- und Salesmitarbeiter das Kernprodukt von Teamviewer wurde (ab 05:45)
  • Hat Teamviewer direkte Wettbewerber? (ab 08:00)
  • So unterscheidet sich Teamviewer beispielsweise von Microsoft Teams. Und deshalb übernimmt das Unternehmen Augmented-Reality-Companys (ab 10:00)
  • Die Hälfte der Umsätze macht Teamviewer außerhalb von klassischen Büro-Anwendungsfällen (ab 10:50)
  • So wichtig sind die Themen Security und Data Protection für das Unternehmen (ab 12:00)
  • Wie ist Oliver Steil CEO von Teamviewer geworden? (ab 14:20)
  • Schon ein Jahr nach Steils Antritt bei Teamviewer ging das Unternehmen an die Börse (ab 16:40)
  • Wie funktioniert das Geschäftsmodell von Teamviewer? (ab 17:30)
  • So global ist die Marke Teamviewer wirklich (ab 18:40)
  • Enorme Profitabilität: Mit diesem Umsatz und Ergebnis plant Oliver Steil 2021 (ab 20:20)
  • So kam es zu den spektakulären Sponsoring-Deals mit dem Premiere-League-Club Manchester United und den Mercedes-Teams in der Formel 1 und Formel E (ab 22:35)
  • Gab es weitere Sportarten oder konkrete Teams, die in Frage gekommen wären? (ab 26:00)
  • Wie lange haben die Verhandlungen für den Deal gedauert? (ab 27:55)
  • War Oliver Steil über die Reaktionen der Märkte auf die Kooperationen überrascht? (ab 30:25)
  • Mit welchem Return on Investment rechnet Steil für die beiden großen Koops? (ab 32:40)
  • Wie sind die Ideen für die Partnerschaften eigentlich entstanden? (ab 33:45)
  • So haben Manchester United und Mercedes Teamviewer als potenziellen Partner identifiziert (ab 38:00)
  • Mit Lisa Agona hat Teamviewer seit heute auch eine CMO. Folgen noch weitere große Partnerschaften? (ab 39:40)
  • Weshalb hat Teamviewer im Vergleich zu anderen Remote-Playern seit Corona an der Börse vergleichsweise wenig zugelegt? (ab 42:30)
  • Ist Oliver Steil viel auf „Roadshows“ unterwegs in den USA unterwegs, um Teamviewer bei Investoren ins Gespräch zu bringen? (ab 48:30)
  • Wie und wo macht Teamviewer sonst Marketing? Spielen Software-Bewertungsplattformen eine Rolle? (ab 50:00)
  • Rechnet Oliver Steil damit, dass Firmen wie Zoom irgendwann mal Teamviewer übernehmen wollen könnten? (ab 54:20)
  • Welche Stellenwert hat es für Teamviewer, ob Manchester United sich für die Champions League qualifiziert? (ab 58:45)
  • Das sind die nächsten großen Schritte für das Unternehmen (ab 59:45)
  • Stehen bald (vielleicht auch größere) Übernahmen an? (ab 1:02:30)
  • Audio Producer Chris hijackt den OMR Podcast. Wieso, weshalb, warum? (ab 1:06:30)

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