Ist der Notebooksbilliger-Gründer der einzige Milliarden-Bootstrapper aus Deutschland?

Arnd von Wedemeyer, Gründer von notebooksbilliger.de (Montage: OMR).

Arnd von Wedemeyer im OMR Podcast: Ist Notebooksbilliger ein Unicorn?

Mit 14 fängt Arnd von Wedemeyer mit dem Programmieren an; 1989, im Alter von 17 Jahren, gründet er C&P Network Consulting. Im Laufe der Jahre wird aus dem kleinen Beratungsgeschäft mit Softwarevertrieb einer der größten und bekanntesten Online-Händler im deutschsprachigen Raum, der heute pro Jahr über eine Milliarde Euro umsetzen dürfte. Bootstrapped wohlgemerkt, also ohne je fremdes Kapital aufgenommen zu haben. Notebooksbilliger-Gründer von Wedemeyer hat sich inzwischen allerdings aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Welches Projekt er seitdem auf Mallorca verfolgt, weshalb er keine Personal Brand sein möchte und ob er nicht manchmal darüber nachdenkt, sein Unternehmen – vermutlich ein Unicorn – doch noch zu verkaufen, verrät er in der aktuellen Folge des OMR Podcasts.

„Und abends beim Bierchen haben wir dann gedacht: Lass uns doch mal schnell so einen blöden Online-Shop zusammenzimmern“ – so beschreibt Arnd von Wedemeyer im Gespräch mit Philipp Westermeyer den vermutlich einschneidendsten Momente innerhalb der Entstehungsgeschichte der notebooksbooksbilliger.de AG. Bis zu dem Zeitpunkt war er im Beratungsgeschäft unterwegs: für Firmen Konzepte entwickeln, Hardware zusammenstellen und Software einrichten.

„Ein Mittelstandskunde hat dann mal gefragt, was ein Produkt ausmachen muss, damit es online gut verkauft werden kann“, erklärt von Wedemeyer. Und weil das auf keines der Produkte des Kunden zutraf, die in seiner Analyse aufgestellten Thesen aber ziemlich gut zu Sony-Notebooks passten, schien er eine Nische entdeckt zu haben. „Dann waren wir einen Monat später in Deutschland der größte Verkäufer von Sony Notebooks“, so von Wedemeyer über den, wie er selber sagt, an vielen Stellen von Opportunismus geprägten Entstehungsweg von Notebooksbilliger.

Eine Reise durch die deutsche E-Commerce-Geschichte

Mit dem Zustand zum offiziellen Start von Notebooksbilliger vor rund 20 Jahren hat der heutige Online-Handel nahezu nichts mehr zu tun. „Online-Shopping war etwas für die hartgesottenen Geizknoten“, sagt von Wedemeyer über die Anfänge der Branche um die Jahrtausendwende. „Die haben durchaus auch ein gewisses Risiko auf sich genommen haben, um irgendwo zu bestellen. So sicher wie heute war das alles ja nicht.“

Die erste Phase beschreibt Arnd von Wedemeyer heute als reines Preissuchmaschinen-Business. „Damals waren Guenstiger.de und Geizhals stark und eigentlich so die Hauptplattformen. Idealo kam im Grunde erst später. Denen haben wir sicherlich auch zu verdanken, dass wir so raketenartig aus dem Nichts durchstarten konnten, gerade die ersten Jahre“, erklärt der Gründer. Die ersten Versuche, direkte Deals und Kooperationen mit Hardware-Herstellern einzutüten, tragen zu dem Zeitpunkt noch keine Früchte. „Die haben gesagt: Ihr könnt uns mal, das hat keinen Mehrwert für uns.“ Die Absagen sind gleichzeitig der Startschuss für eine eigene Redaktion, die seitdem Tests und anderen Content produziert. „Bis vor ein paar Jahren haben wir kein SEO gemacht“, sagt von Wedemeyer. „Wir haben einfach so guten Content gemacht.“

Vom Preisvergleich zur eigenen Brand

Auch heute spielen klassische Preisvergleichs-Seiten eine Rolle für Notebooksbilliger. „Aber sie ist sicher nicht so dominant wie für die meisten Onliner in unserer Branche“, so von Wedemeyer. Notebooksbilliger habe sich im Laufe der Jahre vielmehr zu einer eigenen starken Marke und Anlaufsstelle für Hardware-Beratung entwickelt. Laut von Wedemeyer sei vermutlich jeder zweite bis dritte Deutsche schon einmal Kunde gewesen. „Wir haben schon vor zehn Jahren gesehen, dass der relevanteste Traffic die direkte Eingabe war. Die Marke ist so stark und ein Synonym für sich informieren.“

Über 750 Mitarbeitende hat das Unternehmen mit Hauptsitz in Sarstedt, südlich von Hannover, derzeit. Auf der eigenen Stellenseite sind 48 offene Positionen ausgeschrieben. Laut den jüngsten öffentlichen Zahlen betrug der Umsatz 2019 über 900 Millionen Euro. Spätestens im Zuge des durch Corona verursachten Online-Booms dürfte also die Umsatz-Milliarde geknackt worden sein. Ist Notebooksbilliger nicht längst schon ein Unicorn? Auf den einschlägigen Listen in Wirtschaftsmedien wird das Unternehmen jedenfalls nicht als solches geführt. „Ich kenne solche Listen nicht“, sagt von Wedemeyer. „Und ich frage mich bei solchen Listen auch immer, ob da Gier den Verstand frisst.“ Er wisse außerdem nicht, ob das Unternehmen überhaupt ein Unicorn, also eine Milliarde Euro wert wäre. Er schaue weniger auf Umsatz–, mehr auf Ebit-Multiples. „Das kann sich irgendwo zwischen sechs und zwölf abspielen. Alles andere ist Spinnerei.“

Der Rückzug vom Lebenswerk

Ob Unicorn oder nicht: Mit Notebooksbilliger hat Arnd von Wedemeyer sicher einen der größten deutschen Online-Händler aufgebaut. Anders, als es in der Branche fast schon zum guten Ton gehört, scheint er diese Geschichte aber nur ungerne und wenn dann selten öffentlich erzählen zu wollen. Dabei wäre eine starke Personal Brand mit dieser Gründer-Story sicher auch kein Nachteil für das Unternehmen. „Ich persönlich würde Prominenz eher als Strafe sehen und nicht als positives Momentum“, kommentiert von Wedemeyer. „Es würde vielleicht dem Geschäft helfen, aber meinem Leben nicht.“

Seit knapp zwei Jahren ist Gründer von Wedemeyer kein Vorstandsmitglied mehr. „Ich hatte den Eindruck, ich will mal was Neues lernen“, sagt er. Oliver Hellmold und Martin Schwager, die den aktuellen Vorstand bilden, würden es eh besser machen als er. „Was soll ich denen dann Zeit klauen? Wenn die Lust haben, zu quatschen, rufen sie an. Natürlich reden wir auch mal über Notebooksbilliger, aber ich muss da keine Ratschläge geben. Da bin ich auch zu weit weg für.“ Ein Verkauf des Unternehmens kommt für von Wedemeyer aber dennoch nicht in Frage. „Ich würde jetzt keinen großen Vorteil darin sehen und fände es irgendwie auch schade, Notebooksbilliger zu verkaufen“, sagt er. „Ich mag die Firma, ich mag die Leute und sie funktioniert gut. Ich würde ja lieber eine Firma verkaufen, die scheisse funktioniert. Aber habe ich halt gerade keine.“

Im Podcast erklärt Arnd von Wedemeyer außerdem noch, welche Rolle die seit 2010 ingesamt sieben Notebooksbilliger-Stores für das Unternehmen spielen, weshalb seit Jahren ein langsames Rebranding zu NBB.com stattfindet und was eine geplante Internationalisierung damit zu tun hat, wie ein Preisfehler auf Ebay zur Firmenpleite hätte führen können – und welches Projekt er in seiner neuen Heimat Mallorca unter dem Namen „Predator SL“ gerade vorantreibt.

Die Themen des Podcasts mit Arnd von Wedemeyer im Überblick:

  • Die lange und kurvige Entstehungsgeschichte von notebooksbilliger.de und erste Partnerschaften mit Herstellern (03:00)
  • Der frühe Online-Handel, opportunistische Camcorder-Deals und SEO-Rankings (14:00)
  • E-Commerce-Wachstum ohne Investoren und ein angeknackstes Verhältnis zu Banken und Versicherungen (19:00)
  • Radsport-Sponsorings, Konkurrenz durch Amazon & Co. und die Produkte mit den meisten Verkäufen (27:00)
  • Fernsehwerbung, Shop-Systeme, der eigene Energy-Drink „Raubtierbrause“ und technische Eigenmarken (38:00)
  • Kundenanzahl, Strahlkraft der Brand und die Rolle von Preisvergleichs-Seiten (44:30)
  • Von notebooksbilliger.de zu nbb.com und eine theoretische Pleite nach einem Preisfehler (49:00)
  • Der Stellenwert von B2B, Arnd von Wedemeyer als Personal Brand und seine Meinung zu MediaMarktSaturn (58:00)
  • Die abgesagte Medimax-Übernahme, Offline-Potenziale und von Wedemeyers Ausstieg aus dem operativem Geschäft (1:03:00)
  • Tourismus, Investments & Co.: Die neuen Projekte von Arnd von Wedemeyer (1:18:00)
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