Sascha Lobo und Florian Heinemann live: Tech-Talk im OMR Podcast

Florian Heinemann (l.) und Sascha Lobo (r.) bei der Live-Aufnahme des OMR Podcasts mit Philipp Westermeyer

Eine Debatte über das "System Mark Zuckerberg", Politik als Produkt und das (Anti-)Vorbild China

Bereits zum dritten Mal treffen der digitale Vordenker Sascha Lobo und Investor Florian Heinemann im OMR Podcast aufeinander. Und wie jedes Mal, wenn Host Philipp Westermeyer die zwei zusammenbringt, kommt dabei ein extrem spannendes Gespräch über alle Themen heraus, die die Digitalbranche gerade umtreiben: Was erwarten die beiden Gäste von der kommenden Bundesregierung? Warum läuft bei Facebook gerade gefühlt alles schief? Und weshalb sind Lobo und Heinemann sehr verschiedener Meinung, was Chinas Eignung als Vorbild für die deutsche Digitalpolitik angeht? Antworten auf diese und viele weitere Fragen hört Ihr in der neuen OMR Podcast-Folge, die live auf der „Project A Knowledge Conference“ in Berlin aufgenommen wurde.

Betrachtet man den Ausgang der Bundestagswahl mit den Augen eines Marketers, drängt sich ein Aspekt auf: Haben tatsächlich alle Parteien ihr „stärkstes Produkt“ ins Rennen geschickt? Mit dieser Frage bringt Philipp Westermeyer die Runde direkt zum Einstieg in diese Ausgabe des OMR Podcasts auf Temperatur. Ob dieses Label zu Olaf Scholz passt, mag keiner der Gäste klar mit „ja“ oder „nein“ beantworten. Doch einig sind Lobo und Heinemann sich, dass CDU und Grüne unter ihren Möglichkeiten geblieben sind. Allerdings, gibt Sascha Lobo zu bedenken, mache man sich es mit einem Verständnis von Politik als Produkt „zu einfach, was die Inszenierung von Politik angeht“.

Doch Philipp Westermeyer fasst nach: Müsse man die vergangene Bundestagswahl nicht als erste verstehen, in der die Digitalisierung und damit Marketing-Praktiken und Netz-Effekte eine entscheidende Rolle gespielt haben? Etwa mit Blick auf Rezos vor allem gegen die CDU gerichtete „Zerstörungs“-Videos oder die massiven Social-Media-Reichweiten von Christian Lindner oder den Grünen.

Die Politik braucht besseres Storytelling

Das hält auch Lobo für denkbar, erkennt darin allerdings eher ein „Symptom“ von strukturellen Problemen der Parteien. „Was der Union dieses Mal am meisten geschadet hat, war die Union“, sagt Lobo. Etwa Armin Laschets Lachen bei einem Termin im Flutgebiet, das es über soziale Medien in den Nachrichten-Mainstream geschafft und so Stimmen gekostet habe. Auch Florian Heinemann glaubt, dass man Politik und Politiker:innen nicht als Produkte betrachten sollte. Trotzdem stimmt er Philipp Westermeyers Ansatz zu, Politik auch durch die Marketing-Brille zu verstehen: Es herrsche Bedarf für „besseres Storytelling“ und die Darstellung des politischen Personals der Parteien sei optimierbar.

Von einer neuen Regierung erhoffen sich sowohl Florian Heinemann als auch Sascha Lobo endlich den überfälligen Schub für die Digitalisierung. Denn in dieser Hinsicht ist vor allem Lobo von der Ära Merkel extrem enttäuscht. „Ich empfinde das im Digitalisieurungskontext als 16 Jahre Stillstand und totale Katastrophe“, sagt Lobo. Heinemann ergänzt, die Pandemie habe den bedeutendsten Grund für die Passivität der vergangenen Regierung offenbart: Der deutsche Föderalismus habe sich als eines der größten Hindernisse für die konsequente und effiziente Umsetzung von Maßnahmen erwiesen.

Föderalismus vs. erfolgreiche Digitalisierung

Was die Lösung dieses Dilemmas angeht, verwiest Heinemann auf die Gründerszene. Aus dem Startup-Kontext wisse man: „Es ist sehr schwer, ein hohes Level an Exzellenz zu erreichen, wenn man sehr dezentral agiert.“ Die Digitalisierung zeige daher die Grenzen des deutschen Föderalismus auf und es sei unrealistisch die alten Probleme in der bestehenden Struktur überwinden zu können „Wenn du keinen Vordenker hast, der diese Themen zentralistisch voranbringen kann, dann wird es sehr lange nicht passieren“, so Heinemann.

Doch Lobo macht Hoffnung: Ihm begegne in Gesprächen mit jungen Menschen viel politische Aufbruchstimmung. Mit Blick auf die Jugendorganisationen der voraussichtlichen Ampel-Regierung wittert er die Chance, dass diese ihre Themen – von der Legalisierung von Cannabis bis zu ambitionierteren Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise – durchbringen könnten und hofft diesmal auf einen „echten Aufbruch“ nach der Ära Merkel.

Die Krise des „Systems Mark Zuckerberg“

Das zweite große Thema bei dieser Podcast-Session heißt Facebook. Die Runde analysiert ausführlich die massiven Probleme des Konzerns, der zwischenzeitlich zehn Prozent seines Börsenwerts verloren hatte. Lobo sieht sowohl im Totalausfall der Plattformen neulich als auch in der Debatte um geschönte Zahlen im Kampf gegen Fake-News die Folge einer auf den Gründer zugeschnittenen „Monokultur“. Der Wunsch, alles zu kontrollieren, führe zwangsläufig zu einem System, das durch kleine Fehler verwundbar würde und zu einem Umfeld, in dem für Kritik und Diskussionen kein Raum bleibe.

Florian Heinemann betont die Ambivalenz dieses Modells, das in gewisser Hinsicht einer Diktatur ähnele. Denn in vielen US-Tech-Konzernen würden Gründer über unterschiedliche Aktien-Formen sicherstellen, dass sie auch nach einem Börsengang zentrale Entscheidungen weiterhin selbst treffen. Allen Problemen dieser Struktur wie sie gerade bei Facebook sichtbar würden, stünden auf der anderen Seite aber auch immense Wertzuwächse entgegen.

CEOs als Diktatoren

Es sei nicht zu klären, ob diese in einer demokratischeren Unternehmenskultur auch erzielt worden wären. Allerdings weist auch Heinemann auf ein entscheidendes Problem dieser effizienten Monokulturen hin, das schon viele erfolgreiche Tech-Gründer vor ihre vielleicht größte Herausforderung gestellt habe: „Selbst wenn du ein guter Diktator bist, musst du dafür sorgen, dass dein System überlebt.“

Wenn Ihr außerdem erfahren wollt, warum Sascha Lobo trotz aller Skandale von Mark Zuckerbergs Lernfähigkeit überzeugt ist, was passieren muss, damit er sich seinen Iro abrasiert, und weshalb Tiktok das neue Lego ist, dann hört Euch unbedingt die neue Folge des OMR Podcasts an.

Unsere OMR Podcast-Partner

OMR hat einen offiziellen Tee-Partner, nämlich Meßmer. Das Traditionsunternehmen wurde 1852 gegründet – und ist trotzdem auf der Höhe der Zeit. Neben innovativen Artikeln wie Cold Tea Sparkling und Sorten wie Miami Vibes gibt es einen Online-Shop mit über 100 Tee-Sorten. Und mit dem Rabattcode OMR10 bekommt ihr zehn Prozent Rabatt.

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Audi ist OMR-Partner der ersten Stunde und immer wieder denken die Kolleg:innen sich Aktionen aus, die Ihr dann unter audi.de/omr findet. Aktuell sind das die Audi Gebrauchtwagen :plus-Wochen. Das heißt: Wenn Ihr gerade auf der Suche nach einem Auto seid, schaut mal rein.

Zum Schluss der Hinweis auf das neue Seminar-Angebot der Hamburg Media School: Beim „Digital Storytelling Day“ geht es am 15. November 2021 darum, wie man als Firma Geschichten erzählt, die Menschen faszinieren. Alle Infos gibt es hier – und mit dem Gutscheincode OMR10 außerdem zehn Prozent es Rabatt.

Alle Themen des OMR Podcasts mit Florian Heinemann und Sascha Lobo im Überblick:

  • Wie zufrieden Sascha Lobo und Florian Heinemann mit dem Ausgang der Bundestagswahl sind (ab 4:23)
  • Warum nicht jede Partei ihr „stärkstes Produkt“ ins Rennen geschickt hatte (ab 6:59)
  • Welchen Einfluss Rezos Youtube-Videos und Social Media allgemein auf den Wahlkampf hatten (ab 8:51)
  • Was hinter der Politik-Müdigkeit jüngerer Wähler:innen steckt (ab 12:41)
  • Wie die Politik hinsichtlich Digitalisierung durch mehr Zentralismus besser werden kann (ab 14:23)
  • Welche „jungen“ Themen die künftigen Regierungsparteien voranbringen könnten (ab 18:48)
  • Wie groß der Effekt eines radikalen Ausbaus von Breitband-Internet für die digitale Wirtschaft aber auch die Gesellschaft wäre (ab 21:23)
  • Welche weiteren staatlichen Maßnahmen es für die Digitalisierung braucht (ab 24:01)
  • Was China und die USA bei Tech-Förderung besser machen und wie Deutschland sich aufstellen sollte (ab 26:05)
  • Wie Lobo und Heinemann Facebooks aktuelle Krise und das „System Mark Zuckerberg“ bewerten (ab 30:57)
  • Wie die drei in ihrer Rolle als Vater auf Plattformen wie Instagram blicken (ab 39:46)
  • Warum wir die in Deutschland übliche negative Perspektive auf Tech-Themen umkehren sollten (ab 43:42)
  • Weshalb Entwicklungen in Chinas Digitalbranche auch Diskussionen in Europa prägen werden (ab 45:26)
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