Intueat: Wie Mareike Awe mit ihrem Online-Abnehm-Programm über 18.000 Kunden erreicht hat

Intueat-Co-Gründerin Mareike Awe

Intueat-Co-Gründerin Mareike Awe (Foto: Intueat)

Über die großen Plattformen, einen Podcast und ihr Buch erreicht sie neue Kunden für ihr digitales Abnehm-Seminar

Nicht nur im Internet gibt es unzählige Abnehm-Programme und -Kurse. Denkt nur mal an Weight Watchers. Gar nicht so leicht also, mit einem neuen Abnehm-Programm aufzufallen. Mareike Awe hat mit ihrem Partner Marc-Christopher Reinbach einen Weg gefunden, mit Intueat einen erfolgreichen Online-Kurs zu etablieren. Awe hat OMR erzählt, wie sie mit nahbarer Social-Media-Strategie, einem viel gehörten Podcast und einem Bestseller jedes Jahr Tausende Kundinnen überzeugt und so siebenstellige Jahresumsätze macht.

„Ich bin Ärztin und Ernährungsmedizinerin. Bereits während meines Medizinstudiums habe ich mich dazu entschieden, gemeinsam mit meinem Mitgründer und Partner Marc Reinbach, der ebenfalls Arzt ist, ein Gesundheitsunternehmen zu gründen“, sagt Mareike Awe gegenüber OMR. „Mich hat damals in meiner Arbeit im Krankenhaus gestört, dass in vielen Fällen nur an den Symptomen herumgedoktert wird, anstatt die Ursache zu beheben. Und eine der häufigsten Ursachen für Krankheiten sind Übergewicht und Stress. Und genau da setzen wir mit unserem Online-Coaching ‚intueat‘ an.“ Uns hatte Digistore24-Gründer Sven Platte (hier im OMR Podcast) auf Mareike Awe hingewiesen. Sie sei eine der erfolgreichsten Online-Kurs-Anbieterinnen auf seiner Plattform, die von insgesamt 40.000 Kursanbietern genutzt wird.

Aus eigener Erfahrung

Mareike Awe erklärt die Herangehensweise an ihr Online-Coaching mit eigenen Erfahrungen: „Ich habe früher eine Diät nach der anderen ausprobiert. Leider ohne Erfolg: Irgendwann war mein Heißhunger so groß, dass ich vor dem Süßigkeitenschrank saß und einen Schokoriegel nach dem anderen gegessen habe.“ Sie habe sich für die größte Versagerin der Welt gehalten. „Ich habe dann vom sogenannten ‚Intuitiven Essen‘ gehört: Beim Essen auf den eigenen Körper hören – so essen, wie Menschen, die von Natur aus schlank sind.“, so Awe. Sie überträgt die Idee des intuitiven Essens auf ein mehrwöchiges Online-Programm. Die Teilnehmer sollen bei Intueat lernen, nur zu essen, wenn sie wirklich Hunger haben und nur das, worauf sie Lust haben. Am Ende soll das von Mareike Awe beschworene „Wohlfühlgewicht“ stehen – ganz ohne Verzicht und richtige Diät.

Intueat-Gründerin Mareike Awes Transformation

So zeigt Mareike Awe ihre Transformation auf der Intueat-Webseite

Das Konzept ist – wie viele andere Diät- und Abnehmstrategien auch – umstritten. Die Ergebnisse sind oft individuell unterschiedlich. Trotzdem liegt das Thema im Trend: Auf dem Markt finden sich unzählige Bücher zu intuitivem Essen. Verschiedene Ernährungsberater versuchen, sich als Experten zu platzieren. Wer nach dem Keyword googlet landet nur trotzdem sehr schnell bei Mareike Awe und Intueat. Laut dem SEO-Analyse-Tool Sistrix landet intueat.de bei Keywords wie „intuitives essen“, „intuitiv essen“ oder „sättigungsgefühl“ auf Rang 1 der Google-Suche.

550 Euro für einen zehnwöchigen Kurs

„Intueat ist keine Crash Diät bei der es darum geht, möglichst schnell abzunehmen. Wir legen den Fokus auf langfristiges, stressfreies und vor allem dauerhaftes Erreichen des persönlichen Wohlfühlgewichts. Ganz ohne Jojo-Effekt“, sagt Mareike Awe. Ihr Hauptprodukt ist das „Intueat Wohlfühlprogramm“. Das 10-wöchige Online-Abnehm-Programm besteht aus einer Kombination aus Mentalübungen vermittelt über Videos und PDFs, Audiotrainings, Arbeitsblätter, E-Mails und einer internen Facebook-Gruppe zum Austausch mit anderen Kurs-Teilnehmern. Kostenpunkt: 549 Euro, wenn die Kunden den gesamten Betrag auf einmal zahlen. Andere Möglichkeiten sind 185 Euro monatlich über drei Monate (gesamt 555 Euro) oder 93 Euro monatlich über sechs Monate (gesamt 558 Euro).

Die Zielsetzung mit den verschiedenen Lernformaten ist, dass sich die Teilnehmer jeden Tag mit dem Programm auseinandersetzen. Auf der Webseite gibt Intueat an, dass es fünf Meilensteine während des Kurses gebe, die jeweils 45 Minuten bis zwei Stunden in Anspruch nehmen. Jeden Tag sollten die Teilnehmer 20 Minuten für die Audio-Trainings einplanen. „Die Zielgruppe besteht zu 99 Prozent aus Frauen, deren Durchschnittsalter bei Ende 30 liegt. Der größte Wunsch unserer Zielgruppe ist es, sich nach einer langen und erfolglosen Diätkarriere endlich wieder im eigenen Körper wohlzufühlen“, sagt Awe. Bisher hätten über 18.000 an dem Programm teilgenommen. „Mittlerweile starten mit uns pro Jahr mehrere Tausend Menschen ihre Reise zum Wohlfühlgewicht“, so Mareike Awe. „Im letzten Jahr konnten wir einen siebenstelligen Umsatz erzielen und in unserem Team sind aktuell 13 Mitarbeiter.“ Sie suche derzeit sogar nach Online Marketing Managern und wolle das Team so weiter ausbauen.

Das Gesicht der Marke

Wie aber erreicht Intueat Jahr für Jahr die Zielgruppe? Das Erfolgsgeheimnis scheint Mareike Awe selbst zu sein. Die 27-jährige Gründerin ist das Gesicht ihres Unternehmens, verleiht dem Programm mit ihrer eigenen Geschichte Glaubwürdigkeit und hat über Social Media eine Eigenreichweite aufgebaut, die auf das Unternehmen abstrahlt. Auf ihrem Instagram-Kanal folgen Awe über 54.000 Nutzer. Hier zeigt sie immer wieder private Momente und Fotos – reichert das aber immer wieder mit Visual Statements über die Nachteile von Diäten oder Vorteile des intuitiven Essens und erbaulichen Mindset-Sprüchen („Du bist viel größer als deine Angst“) ab. Die Social-Strategie erinnert an Laura Malina Seiler, die ebenfalls Online-Selbsthilfe-Kurse verkauft, allerdings mit stärkerem Fokus auf Spiritualität (wir hatten hier ausführlich über Seiler geschrieben).

Die Konzentration auf die Personal Brand Mareike Awe setzt Intueat auch auf Plattformen fort. Auf Youtube (über 24.000 Abonnenten) nimmt Awe die Nutzer auch mal mit zum Friseur, gibt Tipps rund um intuitives Essen und ihre Abnehm-Strategie. In den letzten Wochen dient Youtube offenbar vor allem der Zweitverwertung der Folgen ihres Podcast. Zu dem kommen wir gleich noch. Auch der Facebook-Account (knapp 30.000 Likes) ist voll von Content rund um Mareike Awe. Das mag aber daran liegen, dass hier vor allem Beiträge von Instagram repostet werden.

Facebook-Gruppen für die Community

Eine Sonderrolle in der Social-Strategie von Intueat nehmen verschiedene Facebook-Gruppen ein. Wie bereits beschrieben, gibt es zu jedem neuen Kursstart eine Gruppe, in der sich die Teilnehmerinnen austauschen können (dementsprechend sind etwa in der geschlossenen Gruppe für Januar bis März 2020 knapp über 1.000 Mitglieder). Eine „Wohlfühl-Buddy-Gruppe“ für die Community mit knapp 2.800 Mitgliedern und eine Gruppe für Podcast-Hörer mit 6.000 Mitgliedern sind eher Vehikel, um die Community aktiv zu halten und für das Programm zu begeistern. „Wir beobachten, dass für unsere Zielgruppe aktuell die Plattform Facebook die höchste Priorität hat, gefolgt von Youtube, oder auch Instagram oder Pinterest“, sagt Awe.

Dass Facebook für Intueat so gut funktioniert, könnte auch an den Marketing-Ausgaben auf der Plattform liegen. Wer in die Werbebibliothek der Facebook-Seite schaut, findet 43 auf Instagram, Facebook und im Facebook Messenger geschaltete Werbeanzeigen. Meist spielt auch hier Mareike Awe die Hauptrolle. Einige Anzeigen zeigen auch Erfolgsgeschichten von mutmaßlichen Teilnehmerinnen am Intueat-Programm. Die Anzeigen führen stets auf ein kostenloses Online-Seminar, das als Schnupper-Kurs dient. Insgesamt ist dieses Schnupperpaket wohl der wichtigste nächste Schritt im Funnel hin zur Buchung des bezahlten Kurses. Auf allen Kanälen weißt Awe immer wieder auf das kostenlose Seminar hin und auch auf der Webseite führen die meisten Links dort hin. Wer an dem Gratis-Programm teilnehmen möchte, muss seine E-Mail-Adresse eintragen und landet so im Adressverteiler des Unternehmens.

Podcast bringt Erstkontakt

Der wohl größte Kanal, um neue Kunden zu erreichen, ist aber der Podcast von Mareike Awe. Der hört auf den nicht ganz so kurzen Namen „Wohlfühlgewicht – intuitive Ernährung, Achtsamkeit, Selbstliebe, Meditation & Motivation, ‚Erst annehmen, dann abnehmen'“. Der Name dient sicher der Auffindbarkeit für derzeit vielgesuchte Begriffe auf Apples Podcast-Plattform – und damit auch dem Reichweitenaufbau.

Bisher verzeichne der Podcast laut Mareike Awe vier Millionen Downloads in den drei Jahren seines Bestehens. „Eine einzelne Folge hat bis zu 52.000 Downloads“, sagt sie. „Ich beobachte, dass viele HörerInnen erstmals die Inhalte des Podcasts konsumieren, bevor sie sich im nächsten Schritt entscheiden, ihren Abnehmwunsch mithilfe meines Programms an der Wurzel anzugehen.“ In den Apple Podcast-Charts liegt der Podcast aktuell auf Rang 141. Auch bei ihrem Audio-Format setzt Awe verschiedene Themenschwerpunkte. Neben kurzen Abnehmtipps, die sie allein gibt, spricht sie auch immer wieder mit Gästen über Selbstliebe, Meditation & Co. Am Ende der Podcasts weist sie stets auf ihr kostenloses Online-Seminar hin. Auch hier volle Konzentration auf das Sammeln neuer Mail-Adressen über den Gratis-Kurs.

Blogger helfen als Affiliate-Partner

Ein weiterer Kanal für neue Nutzer sind Affiliate-Partner. Wer nach „intueat“ bei Google sucht, findet verschiedene Erlebnisberichte von Bloggern, die dabei auch direkt auf das Intueat-Programm, das Gratis-Seminar und den Podcast hinweisen. Intueat nutzt dafür das eingebaute Affiliate-Programm von Digistore24. Pro erfolgreicher Weiterempfehlung mit anschließender Buchung des Intueat-Kurses, bekommen die Partner 65 Euro.

PR mit „Die Höhle der Löwen“

Für große Aufmerksamkeit sorgt Intueat übrigens erstmals schon 2016. Mareike Awe und Marc Reinbach sind in dem Jahr in der Startup-Show „Die Höhle der Löwen“ zu Gast. Die beiden lehnen in der Sendung eine Investition von Jochen Schweizer ab – Frank Thelen bezeichnet die Idee damals als „groben Unfug“. Für das Unternehmen erweist sich der TV-Auftritt allerdings als PR-Gold. Neben den typischen Zusammenfassungs-Artikeln zur DHDL-Folge, probiert zum Beispiel die Gala direkt das Intueat-Programm aus. Auch Focus, Welt, Brigitte und Freundin berichten.

Ende 2019 folgt der nächste Schritt für Mareike Awe. Mit „Wohlfühlgewicht: Wie du dich vom Diät-Zwang befreist und intuitv deine Wohlfühlfigur erreichst“ gießt sie das Intuitiv-Programm in Buchform. „In erster Linie war das für mich ein Instrument um viele Menschen über die Mythen der Diätindustrie aufzuklären und eine Alternative anzubieten, die einen wirklich langfristig zum eigenen Wohlfühlgewicht bringt“, sagt sie. „Mein Ziel – mit meinem ersten Buch möglichst viele Menschen zu erreichen – ist eingetroffen und so wurde mein erster Ratgeber kurz nach der Veröffentlichung vom Spiegel als Bestseller gekürt.“ Auf Amazon feiern einige Rezensenten das Buch als Schlag gegen die Diät-Industrie. Andere kritisieren die vielen Hinweise auf ihr Gratis-Seminar und sehen in dem Buch eher einen Verkaufshebel für den Online-Kurs. Insgesamt bekommt das Buch auf Amazon bei 245 Bewertungen auf 4,5 Sterne. Das Buch soll ein weiterer Schritt zu Awes großem Ziel sein: „In den nächsten ein bis zwei Jahren möchte ich es geschafft haben, dass ‚intueat‘ das erste ist, woran Menschen denken, wenn es um das Thema gesundes Abnehmen geht.“

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