Liefer-Startup Gorillas: Auf dem Weg zu 100 Millionen Umsatz und der Milliarden-Bewertung?

Philipp Westermeyer mit Gorillas-Gründer Kağan Sümer (r.)

Gründer Kağan Sümer gibt im OMR Podcast exklusive Einblicke in Geschäfsmodell und -entwicklung

Philipp Westermeyer hatte schon viele Unternehmer im OMR Podcast zu Gast. Wenn er also bereits im Januar 2021 die Business Story des Jahres kürt, muss eine wirklich außergewöhnliche Geschichte dahinter stecken. Und das tut sie im Fall von Gorillas: Das Startup liefert Supermarkt-Artikel innerhalb von zehn Minuten für 1,80 Euro aus. Wie es ihm gelungen ist, mit diesem Modell 36 Millionen Euro von Investoren einzusammeln, und wie das Ganze langfristig wirtschaftlich funktionieren soll – das erklärt Gründer Kağan Sümer in seiner ersten Podcast-Appearance im OMR Podcast.

Vor 16 Monaten ist Gorillas im Heimatmarkt Berlin gestartet; mittlerweile ist das Unternehmen auch in Hamburg, Köln und einer Reihe weiterer deutscher Großstädte aktiv. Zu den Early Adoptern gehören viele, die in der Digitalbranche arbeiten. Und so diskutiert man in der Szene viel über das Gorillas-Konzept: Wer macht das? Wie funktioniert das? Kann das überhaupt nachhaltig funktionieren? Und wenn ja, wie groß kann Gorillas werden?

Traumarbeitgeber Rocket Internet

Die Antworten darauf kann wohl m besten Gründer Kağan Sümer geben: Der Türke kam vor zwei Jahren nach Berlin, um ein Unternehmen zu gründen. Es war nicht der erste Versuch, in der Stadt Fuß zu fassen. Der erste Anlauf lag damals vier Jahre zurück. Ursprünglich wollte Sümer zu Rocket Internet, um dort zu lernen, wie man Unternehmen aufbaut und schnell groß macht. Doch der Berliner Company Builder habe auf seine Bewerbung nicht reagiert, erzählt Sümer. Nicht auf die erste – und nicht auf die folgenden fünf, die er innerhalb eines Monats verschickte.

Also blieb Sümer in Istanbul, verdiente sich die ersten unternehmerischen Sporen im Dienst einer Beratungsfirma, ehe er dann vor rund zwei Jahren doch bei Rocket in Berlin landete und für deren B2B Food Group arbeitete. Das ging aber nicht lange gut, der Wunsch nach der eigenen Company gewann die Oberhand.

Storytelling ist das halbe Startup

Sümer hat verstanden, dass Gründen heute neben einer smarten Idee von gutem Storytelling lebt. „Du musst drei Dinge von mir wissen: Ich liebe Fahrräder. Ich liebe Teamsport. Und ich liebe Consumer Business“, sagt der Gorillas-Gründer im OMR Podcast. Er ist einmal mit dem Rad von Istanbul nach China gefahren und war früher Kapitän der türkischen Wasserball-Jugend-Nationalmanschaft. Nach seiner Ankunft in Berlin, so erzählt es Sümer, habe er 100 Euro in der Tasche gehabt. 88 Euro davon habe er direkt in ein Fahrrad investiert.

Darum ist es folgerichtig, das Sümers Business nicht nur mit Zweirädern zu tun hat – Gorillas-Lieferboten sind auf Bikes unterwegs – sondern auch, dass die Lager, in denen die Fahrer ihre Bestellungen kommissionieren, mit lauter Technomusik beschallt werden und die aufgepeitschte, motivierende Stimmung in einer Wasserballer-Umkleide nachahmen sollen, wie der 33-Jährige erzählt.

Das Businessmodell von Gorillas sei von Vorbildern aus Istanbul inspiriert, aber auch von einer Erfahrung aus seiner Kindheit. „Wir haben unsere Einkäufe damals so erledigt“, sagt Sümer. „Meine Mutter hat das Fenster aufgemacht und gerufen. Zwei Brote, Eier und so weiter. Und der Kiosk gegenüber hat die Waren dann gebracht und meine Mutter hat einen Korb heruntergelassen. Das Ganze hat zehn Minuten gedauert.“

Das Geld liegt auf der Straße

Als er dann in Berlin an einem Tag auf dem Heimweg Geld auf der Straße gefunden habe, sah er das als eine Art Zeichen (und Startkapital), den Versuch zu unternehmen, die Shopping-Experience seiner Kindheit in die Gegenwart zu überführen. Schnell konnte Sümer einen Freund, der Software-Entwickler ist, gewinnen, ihm einen Marktplatz zu bauen. Sein Wohnzimmer habe er mit Regalen aus dem Baumarkt zu einem Warenlager umgebaut. Und wenig später sei die Firma – damals noch unter dem Namen Get Goodies – gestartet, so Sümer.

Es folgte ein wilder Ritt. Sümer hatte zwar einen Plan, aber immer zu wenig Geld für dessen nächsten Schritt. Im Podcast erzählt er, wie er parallel zur Suche nach einem ersten Investor sein letztes Geld für die App zusammengekratzt und ein Lager angemietet habe, ohne zu wissen, wie er zweite die Miete würde zahlen können. Letztlich fand er doch rechtzeitig seine ersten Angel-Investoren, die zunächst eine niedrige siebenstellige Summe in die Firma steckten. Inzwischen hat Gorillas eine erfolgreiche Series-A-Runde hinter sich und konnte 44 Millionen US-Dollar einwerben (hier der Bericht bei Techcrunch dazu).

1.000 Mitarbeiter, Dutzende neue Standorte

Derzeit beschäftige Gorillas 800 Leute, so Sümer, bald sollen es 1.000 sein. Man betreibe elf Warehouses und suche permanent nach neuen Stadtorten. Demnächst komme ein Redesign der App, zudem werde das Sortiment gerade überarbeitet. Noch im laufenden Quartal will der Gründer expandieren, dann sollen die sieben größten deutschen Städte bedient werden.

Was aber ist mit der viel diskutierten Frage, ob das Businessmodell auch nachhaltig funktionieren kann? Sümer sagt dazu: „Das Modell ist einfach wunderschön. Nicht, wegen der zehn Minuten. Sondern weil es so primitiv ist.“ Was er wortwörtlich meint. Gorillas spreche primitive Bedürfnisse der Kunden an. Es sei wie vor 20.000 Jahren. „Ich glaube nicht, dass es jemals einen Höhlenmenschen gegeben hat, der gesagt hat: Wir gehen jetzt nicht jagen, wir warten bis Samstag und dann gehen wir alle zusammen auf die Jagd.“ Bedürfnisse aufzuschieben und zu sammeln und dann – wie einen Wocheneinkauf – in einem Zug zu erledigen, das stecke nicht in unseren Genen, so Sümer.

Warenkörbe über 30 Euro als Ziel

Auf die zivilisierte Welt übertragen leitet der Gorillas-Gründer daraus die These ab, bisherige Online-Shopping-Angebote zielten immer auf möglichst große Warenkörbe und wollten den Wocheneinkauf ersetzen. Der sei zwar nervig, aber die Supermärkte seien im Grunde ja genau darauf ausgerichtet. Mit Gorillas will er dagegen bislang unbefriedigte Einkaufs-Needs befriedigen: wenn eine Zutat in der Küche in dem Moment fehlt, in dem man sie dringend braucht. Oder wenn man ausgerechnet auf den Snack Lust hat, der nicht auf der Einkaufsliste gestanden hat.

Ein valides Businessmodell soll aus solchen „Emergency-Einkäufe“, wie Sümer sie nennt, entstehen, wenn die Kunden sie um Produkte ergänzen, um ihre Vorräte zu ergänzen. Auf lange Sicht kalkuliert er darum mit Warenkörben von über 30 Euro, sagt Sümer. Es zeige sich bereits eine Entwicklung in diese Richtung.

Wenn Ihr außerdem wissen wollt, wieso Sümer glaubt, in diesem Jahr bereits über 100 Millionen Euro Umsatz machen zu können, wie viele Lieferungen er selbst als Fahrer in einer Stunde erledigt und warum der Gründer wegen weinender Babys auf den vielleicht effektivsten Marketing-Gag der Firma verzichtet hat, dann hört unbedingt rein in die aktuelle Folge des OMR Podcast.

Unsere Podcast-Partner im Überblick:

Wir hatten Euch an dieser Stelle schon mehrmals die Vodafone eleVation Digital Days an Herz gelegt. Leider kann das Event aufgrund der aktuellen Corona-Lage nicht wie geplant stattfinden. Es geht zwar um ein virtuelles Event, aber auch das muss vor Ort produziert werden. Um die daran beteiligten Kollegen keinem Risiko auszusetzen, hat Vodafone entschieden, die Elevation zu verschieben. Es gibt also einen neunen Termin 27.-29. April. Also direkt mal updaten im Kalender. Falls Euer Handytarif ebenfalls ein Update gebrauchen kann, hat Vodafone ein neues Angebot für Geschäftskunden, das Ihr Euch mal anschauen solltet: Der Tarif „Smart Business Digital“ umfasst 10 Gigabyte Datenvolumen für nur 17,99 Euro im Monate. Dazu gibt es praktische Features wie „My office number“, wodurch beim Anrufer nicht die Mobilnummer, sondern eine Festnetznummer angezeigt wird. Alle Infos und Abschluss nur online – und zwar hier.

Dann der Hinweis auf unseren Partner Just. Die Full-Service-Filmproduktion aus München bietet Euch die Lösung, wenn Ihr eine Alternative sucht, um den Ausfall von Veranstaltungen und Kundenbesuche zu kompensieren: handgezeichnete Erklärfilme. Damit lassen sich Informationen zu Unternehmen und Produkten rund um die Uhr und in allen gewünschten Sprachen verfügbar machen. Just hat 35 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet – und sicher auch für Euch eine passende Lösung. Alle Infos und die Möglichkeit, ein unverbindliches, kostenloses Kreativgespräch mit Just auszumachen, gibt es unter just-online.de/omr.

Ihr habt in diesem Jahr Lust, einmal keinen Ärger mit Eurer Buchhaltung zu haben (wer hat die schon?). Dann schaut Euch mal Sevdesk an. Dahinter steckt eine junge Firma aus Offenburg. Deren Buchhaltungssoftware nimmt Euch alles ab, was nervt: die Belegerfassung wird automatisiert, Rechnungen können schnell und intuitiv erstellt werden, Ihr könnt die Umsatzsteuervoranmeldung automatisch durchführen lassen, Online-Banking ist integriert. Und natürlich gibt es auch Schnittstellen zur Software Eures Steuerberaters und eine Steuerschätzung. Klingt gut? Dann probiert es sechs Monate kostenlos aus unter sevdesk.de/omr mit dem Code OMR100.

Wir möchten Euch einen neuen Podcast ans Herz legen: „Datenkasper“, einen Selbsthilfepodcast für „Daten-Betroffene“, so nennen es Gründer Lennard Stoever und János Moldvay, die beiden Host. Die beiden sind ausgewiesen Experten im Bereich Data-Science und haben Firmen in dem Feld gegründet. Mit ihrem Podcast wollen sie dieses wichtige Thema, vor dem viele Nicht-Experten aber zurückscheuen, mit Humor und anschaulich aufbereiten, Transparenz schaffen und zu Diskussionen anregen. Spannender Ansatz, umbedingt reinhören.

Zum Schluss ein Hinweis in eigener Sache: Mit dem Podcast-Newsletter MIXDOWN von den Podstars werdet Ihr jeden Tag in aller Kürze auf die wichtigsten Entwicklungen in der Podcast-Branche hingewiesen. Abonniert jetzt den Newsletter und seid immer auf dem Laufenden. Das geht ganz einfach unter podstars.de/newsletter.

Alle Themen des Podcasts mit Gorillas-Gründer Kağan Sümer im Überblick:

  • Wie der gebürtige Türke nach Berlin gekommen ist, um hier sein Startup zu gründen (ab 6:01)
  • Warum er mit dem Rad von Istanbul nach China gefahren ist. (ab 8:30)
  • Weshalb er aus taktischen Gründen eine Zwischenstation als Berater eingelegt hat (ab 11:12)
  • Wie türkische Liefer-Startups und die Servicekultur seiner Heimat zum Vorbild für Gorillas wurde (ab 13:08)
  • Warum die eigene Geldnot wesentlichen Anteil am Entschluss hatte, Gorillas zu gründen (ab 18:24)
  • Wie er mit Handzetteln seine ersten Kunden für den Lieferdienst akquiriert hat und herausfand, welche Produkte er anbieten muss (ab 21:11)
  • Warum Sümer seiner Mutter die Unwahrheit erzählt hat, um ein Scheitern seiner Firma abzuwenden (ab 32:32)
  • Wie er mit Christoph Maire einen ersten Investor fand, der an die Idee geglaubt hat (ab 34:36)
  • Warum die Firma ihren Namen zu Gorillas wechselte und wie Sümer auf diesen kam (ab 35:50)
  • Wie groß Gorillas mittlerweile ist und was die anstehenden Schritte sind (ab 39:52)
  • Wo genau er die Marktlücke für Gorillas sieht (ab 42:46)
  • Warum er glaubt, dass die Warenkörbe mit der Zeit wachsen werden (ab 45:21)
  • Warum er sein Businessmodell dem von Lieferando überlegen hält (ab 48:57)
  • Was Sümer zu Mutmaßungen sagt, Gorillas könnte im Jahr 2021 über 100 Millionen Umsatz machen (ab 55:10)
  • Welche Chancen er für das Businessmodell in kleineren Städten sieht (ab 56:23)
  • Was die Kriterien bei der Wahl neuer Standtorte sind (ab 58:33)
  • Wie viele Kunden Gorillas mittlerweile hat (ab 1:03:50)
  • Welche Marketing-Strategie das Startup verfolgt (ab 1:06:28)
  • Weshalb der Chef selbst von Zeit zu Zeit in ein Gorilla-Kostüm schlüpft (ab 1:09:55)
  • Warum Bananen das aktuell meistverkaufte Produkt sind (ab 1:17:50)
  • Wann er mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Euro rechnet (ab 1:21:42)
  • Wie er zu Gorillas-Klonen und Fairness im Wettbewerb steht (ab 1:25:43)
  • Warum sich das Durchschnittsalter der Kunden verändert hat (ab 1:34:10)
  • Welche anderen Produktkategorien wie Medikamente hinzukommen könnten (ab 1:36:12)
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