Warum Porno-Banner möglichst hässlich und billig aussehen müssen

„Das... das... ist aber ein wirklich hässlicher Banner!“ (Foto: ransomtech / Flickr / CC BY-NC-SA 2.0

Was eine junge Grafik-Designerin in der Sex-Industrie gelernt hat

„Das... das... ist aber ein wirklich hässlicher Banner!“ (Foto: ransomtech / Flickr / CC BY-NC-SA 2.0

„Das… das… ist aber ein wirklich hässlicher Banner!“ (Foto: ransomtech / Flickr / CC BY-NC-SA 2.0)

Werbung muss schön sein, um so gut als möglich zu wirken? Dass dem nicht unbedingt so sein muss, hat Adi Aviram erst lernen müssen – nachdem sie in Berlin aus Geldmangel einen Job als Porno-Banner-Gestalterin angenommen hatte. Immer wieder wies sie ihr Traffic-Manager dazu an, die Banner noch hässlicher zu gestalten.

"Die Bilder müssen so aussehen, als seien sie zu Hause gemacht"

„Die Bilder müssen so aussehen, als seien sie zu Hause gemacht“

„Die sind zu schön. Das Bild muss aussehen, als wäre es zu Hause gemacht worden“ – mit dieser Aussage habe ihr Ad-Trafficker zu Beginn ihrer „Karriere“ häufig auf ihre Entwürfe reagiert, wie Aviram gegenüber dem Vice Magazin erzählte. „Als ich anfing, die Banner zu machen, machte ich sie zu gut. Die Mädchen waren zu hübsch und die Schriftart war Helvetica! Sie unterschieden sich eigentlich nicht groß von American-Apparel-Werbungen. Andererseits ist die jetzt auch nicht weit von Pornographie entfernt.“

Schlechte Übersetzung sorgt für mehr Klicks

"Ich kann sehen Sie in der Nähe sind"

„Ich kann sehen Sie in der Nähe sind“

Ihr Kollege gab ihr die Anweisung: „Halte es so amateurhaft, wie du nur kannst.“ Es müsse alles nur richtig hässlich aussehen, damit die Leute daran glauben, dass es echt ist und sich wirklich um eine reine Amateurseite handelt – denn dann würden die User mehr klicken. Die Texte übersetzte sie zum Teil mit Google Translate in verschiedene Sprachen. Auf ihre Bedenken hin, dass das Ergebnis möglicherweise sprachlich nicht korrekt sein könnte, entgegnete ihr Kollege nur: „Dann klicken die Leute noch mehr drauf.“

Die Banner-Erstellung muss man sich wohl wie am Fließband vorstellen: Aviram erstellte Werbemittel zu vorgegebenen Texten wie „Ugly needs cock“, „Fuck the neighborhood sluts“ oder „Hot MILFs“. Feedback erhielt sie vom Traffic Manager Feedback in Form von Excel-Tabellen – „die schaust Du Dir an und lernst dabei, wie du die Banner gestalten kannst, damit sie noch besser laufen“.

„Das hat alles einen homoerotischen Touch“

Gefakete Facebook Messenger-Anzeigen

Gefakete Facebook Messenger-Anzeigen

Sie habe versucht, auch selbst Texte zu verfassen; beispielsweise für gefakete Facebook-Messenger-Banner. Diese seien jedoch immer wieder von ihren Vorgesetzten ersetzt worden. „Es schreiben quasi Männer für Männer; die Frauen sind dabei nur die Fassade und haben nichts zu sagen. Das hat alles einen sehr homoerotischen Touch.“

Beim Vice-Magazin sind auch einige „Arbeitsproben“ aus Avirams „Oeuvre“ zu besichtigen. Wir haben in langer, mühevoller Arbeit versucht, auf diversen Erwachsenenunterhaltungsseiten vergleichbare Werbemittel zu finden und für Euch eine kleine Sammlung erstellt. whatsapp

Wer mehr über das Online Marketing in der XXX-Branche in der Tiefe lernen will, dem sei das Video des Vortrags von Daniel Schiemann bei unserer Online Marketing Rockstars Konferenz vor zwei Jahren empfohlen:

Dank an Axel Jack Metayer für den Hinweis auf den Vice-Artikel!

Roland Eisenbrand
Autor*In
Roland Eisenbrand

Roland ist seit mehr als zehn Jahren als Journalist in der Digitalbranche aktiv. Seit 2014 verantwortet er als Head of Content (und zweiter Mitarbeiter) alle inhaltlichen Komponenten von OMR, darunter vor allem den OMR Blog und redaktionelle Arbeit rund um das OMR Festival.

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