Sven Weizenegger: "Wir sind das rebellische Element der Bundeswehr"

Florian Rinke11.2.2024

Im OMR Podcast spricht der Leiter des Cyber Innovation Hubs der Bundeswehr über seine Arbeit.

Philipp Westermeyer und Sven Weizenegger nach der Aufnahme bei OMR.
Philipp Westermeyer und Sven Weizenegger nach der Aufnahme des OMR Podcast. Foto: OMR

Sven Weizenegger leitet den Cyber Innovation Hub der Bundeswehr. Die Einheit soll Brücken zwischen Startups und Militär bauen und so für Innovationen sorgen – von besserer Beleuchtung bei der Versorgung Verwundenter über die Digitalisierung alter Fregatten bis hin zu Reise-Apps für die Truppe. Im OMR Podcast spricht Sven Weizenegger über die Strategie der Innovationseinheit – und den Wechsel aus der Wirtschaft zum Bund.

Es ist nicht die Antwort, die man im ersten Moment erwartet hätte. Wer Sven Weizenegger nach einem Beispiel fragt, was genau der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr macht, der hört nichts von Kriegsführung im digitalen Raum, nichts von der Abwehr von Hackerangriffen oder gar künstlicher Intelligenz, mit der künftig Panzer, Hubschrauber und Raketen gesteuert werden. Stattdessen spricht Sven Weizenegger von Beleuchtung, genauer gesagt von Licht-Teppichen mit mehreren Stunden Akku-Laufzeit – und im ersten Moment denkt man an die Meldungen zu Beginn des Ukraine-Krieges zurück, als Panzer gen Kiew rollten und es hieß, Deutschland würde 5000 Schutzhelme schicken. Ganz nett, ja, aber ist das wirklich alles?

Genau wie bei der deutschen Hilfe für die Ukraine lohnt allerdings der zweite Blick. Deutschland ist längst einer der wichtigsten Waffenlieferanten der Ukraine und eine zentrale Stütze im Versuch des Landes, den völkerrechtswidrigen russischen Angriff abzuwehren. Und auch die Bedeutung des Cyber Innovation Hub geht weit über ein paar Lämpchen hinaus. "Unsere Hauptaufgabe ist letztendlich, militärische Herausforderungen der Truppe zu lösen", sagt Sven Weizenegger, der Leiter des Hubs, der einräumt: "Der Name ist ziemlich seltsam gewählt, ehrlich gesagt." Um Cyber-Security gehe es nämlich nicht schwerpunktmäßig.

Eine App für die Bahntickets der Truppe

Stattdessen ist der Hub, der 2017 noch unter der damaligen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ins Leben gerufen wurde, eine Art Brückenbauer zwischen Bundeswehr und Startups, zwischen Militär und ziviler Welt. Es geht hier nicht um die Entwicklung der neusten Waffensysteme, nicht um die große Revolution. Es geht darum, durch kluge Lösungen in kurzer Zeit Verbesserungen herbeizuführen, die Bundeswehr schneller und agiler zu machen und ein Entwicklungstempo einzuführen, dass in der zivilen Welt längst Standard ist – und das im Idealfall sehr kostengünstig.

Beispiel Licht-Teppich: Wenn es darum geht, im Einsatz Verwundete zu versorgen, steht nicht immer ausreichend Licht zur Versorgung, Stirn- und Taschenlampen wiederum sind eher umständlich in der Handhabung. Das Hub-Team suchte nach einer einfachen Lösung und fand sie bei einem Hamburger Startup. Die LED-Matten sind leicht und flexibel – und weckten laut Sven Weizenegger sogar Interesse bei den ukrainischen Streitkräften. Das Team hat auch schon Lösungen entwickelt, um alte Fregatten digital aufzurüsten oder eine App, mit der Soldat*innen kostenlos mit der Deutschen Bahn reisen können. Vorher, sagt Sven Weizenegger, hätten sie sich freitags in der Kaserne Dokumente ausfüllen müssen, um damit einen Voucher zu bekommen, dessen Code sie anschließend an einem Ticket-Automaten einlösen können. "Ein echt beschissener analoger Prozess", sagt Sven Weizenegger.

"Das rebellische Element der Bundeswehr"

"Unsere Rolle ist das rebellische Element in der Bundeswehr zu sein, der Stachel im System", beschreibt Sven Weizenegger die Rolle des Cyber Innovation Hubs, bei dem zivile Kräfte und Soldat*innen zusammenarbeiten. Sein eigener Lebenslauf ist dafür eine gute Visitenkarte. Der Berliner ist quasi Autodidakt, hat nach dem Realschulabschluss als erster professioneller Hacker bei der Telekom-Tochter T-Systems angefangen, sich später um Cybersicherheit beim Hamburger Startup Kreditech gekümmert und dann selbst mithilfe des Inkubators Finleap (Gründer Ramin Niroumand war hier zu Gast im OMR Podcast) ein Startup gegründet, bevor er dann die Leitung des Cyber Innovation Hubs übernahm.

Im OMR Podcast spricht Sven Weizenegger darüber, was Wirtschaftsunternehmen von der Kultur der Bundeswehr lernen können, wie er die Bedrohung durch Russland einschätzt und wieso offene Schnittstellen und Software den Krieg in der Ukraine prägen.

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Florian Rinke
Autor*In
Florian Rinke

Florian Rinke ist Host des Podcast "OMR Rabbit Hole" und verantwortet in der OMR-Redaktion den "OMR Podcast". Vor seinem Wechsel Anfang 2022 zu OMR berichtete er mehr als sieben Jahre lang für die Rheinische Post über Start-ups und Digitalpolitik und baute die Rubrik „RP-Gründerzeit“ auf. 2020 erschien sein Buch „Silicon Rheinland".

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