Peter Harf ist Selfmade-Milliardär – doch seine größte Leistung rettet Menschenleben
Der langjährige Kopf hinter der JAB Holding über den Aufbau eines Milliarden-Portfolios rund um Dr Pepper, Coty & Kaffee
OMR-Gründer Philipp Westermeyer traf Unternehmer-Legende Peter Harf (rechts) in dessen Villa am Comer See. Foto: OMR
Peter Harf ist eine lebende Legende der deutschen Wirtschaft: Als angestellter Manager baute er rund um das Chemieunternehmen Benckiser mit der JAB Holding eine Multi-Milliarden-Investmentgesellschaft – mit Marken wie Dr Pepper, Coty oder diversen Kaffee-Brands wie Jacobs Douwe Egberts. Im OMR Podcast liefert der 79-jährige Harf eine Masterclass in Sachen Skalierung. Er spricht über seine Kindheit im vom Krieg gezeichneten Köln, erklärt, warum er Calgon erfolgreich gemacht hat, indem er den Preis auf einen Schlag um 40 Prozent erhöhte, und gibt exklusive Einblicke in Treffen mit Warren Buffett. Es geht um seine größten Erfolge, Management-Fehler und einen Schicksalsschlag, der sein Leben für immer veränderte und zur Gründung eines Projekts führte, das der Selfmade-Milliardär heute als sein wahres Vermächtnis sieht.
Peter Harf kam als einfacher Manager in das Firmenreich der Reimann-Familie – und ging als Legende. Seine Leistungen trugen dazu bei, dass aus der extrem öffentlichkeitsscheuen Familie eine der reichsten des Landes wurde. Denn Harf machte baute im Laufe der Jahre rund um das einstige Geschäft mit Marken wie Calgon und Finish ein Firmenkonglomerat auf, zu dem bekannte Namen wie Dr Pepper, Coty oder Krispy Kreme gehören. Die JAB Holding wuchs so zu einem angeblich rund 40 Milliarden Euro schweren Player heran. Im OMR Podcast spricht Peter Harf, der sich inzwischen aus der operativen Führung zurückgezogen hat, über diese Zeit. Es geht um...
... seine Kindheit in Köln: "Ich bin 1946 in einer Handwerkerfamilie im total ausgebombten Köln geboren. Der Grund, warum ich überhaupt zum Gymnasium gehen sollte, lag in meiner extremen Ungeschicklichkeit. Mein Großonkel sagte zu meiner Mutter: ‚Annie, wenn der Junge mit seinen Händen Geld verdienen muss, bringt er sich um‘. Mein Vater war ein großer Athlet und Sprinter, aber ich war ein kleines, dickes Kind mit dicker Brille und völlig ungeschickt. Von daher sind wichtige Schritte meiner Karriere im Gymnasium meiner Ungeschicklichkeit zu verdanken.“
... die Neupositionierung der Marke Calgon in seiner Anfangszeit bei Benckiser: "Da haben wir das wirklich in großer Tiefe untersucht und festgestellt, dass wir im Endeffekt nicht Wasch-Hilfsmittel verkauft haben, sondern Versicherungen. Die Hausfrau, die das kaufte, wollte alles richtig machen; ihr Albtraum war, dass am Freitagnachmittag die Waschmaschine stehen bleibt und sie ihrem Mann sagen muss, dass sie Geld für eine neue Maschine braucht. Calgon war quasi die Versicherung, dass dieser Albtraum sich nicht realisiert. Wir haben dann erstmal die Preise um 40 Prozent erhöht, weil wir gesagt haben: Wenn wir Versicherungen verkaufen, dann kann man auch Versicherungspreise verlangen."
... seine Strategie der großen Nischen: "Was ich liebe und immer gesucht habe, waren große Nischen, in der ein Anbieter mit Werbung eine Marke und eine Position aufbauen kann, aber kein Platz mehr ist für den zweiten. Alle Großen haben versucht, Konkurrenz gegen Calgon zu machen, aber du konntest mit Werbung alle plattmachen. Deren Umsatz stand am Ende nicht im Verhältnis zum Werbeaufwand, den sie hätten reinpushen müssen. Es ist verdammt schwer, in einem Markt, der eng und begrenzt ist, eine Konkurrenzmarke gegen einen Dominator aufzubauen. In Akquisitionen habe ich immer gezielt nach solchen Portfolios gesucht."
... seine Begegnungen mit Warren Buffett: "Warren Buffett ist ein absolutes Phänomen und als Gesamtpaket der beeindruckendste Businessman, den ich getroffen habe. Er ist im Kopf unglaublich schnell und unheimlich neugierig; an jedem Knochen, den man ihm hinwirft, knabbert er. Ich hatte ein paar Mal das Vergnügen, mit ihm zu reden. Er hat sich damals totgelacht, dass er mit nur 25 Leuten ein Imperium von 600 Milliarden führt, während wir für einen Bruchteil davon 40 Leute brauchen. Sein Ansatz ist wie unserer: Buy and Hold. Er verkauft relativ wenig und macht dabei meistens auch nicht viel Geräusch um die Deals."
... sein Lebenswerk jenseits der Wirtschaftswelt: "Wenn du mich fragen würdest, du darfst dir eine Sache aussuchen, für die du gerne erinnert werden willst, würde ich immer sagen: DKMS. Das ist für mich die große Leistung meines Lebens, die aufzubauen gegen viele Widerstände und mit riesigen finanziellen Problemen. Ich musste meiner ersten Frau an ihrem Sterbebett versprechen, dass wir die DKMS weiter betreiben, damit anderen Menschen dieses Los erspart bleibt. Heute haben wir 14 Millionen potenzielle Spender und haben 130.000 Menschen eine zweite Lebenschance gegeben. Meine Familie hat sich diesem Thema voll verschrieben."
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