Markus Dohle: Aus dem Sauerland an die Spitze des weltgrößten Buchverlags

Im OMR Podcast blickt der Ex-Chef von Penguin Random House auf seine Karriere zurück

Normalerweise geht Markus Dohle nicht ans Handy, wenn sich jemand mit unterdrückter Rufnummer meldet. Aber dieses Mal machte er eine Ausnahme. Zum Glück, muss man rückblickend vermutlich sagen. Die Stimme am anderen Ende der Leitung ist tief. "Is this Markus?", fragt sie. Markus Dohle bejaht. "This is Barack Obama".

Markus Dohle ist damals Vorstandschef von Penguin Random House, dem zu Bertelsmann gehörenden größten Buchverlag der Welt. Und Barack Obama ist seit wenigen Wochen nicht mehr Präsident der Vereinigten Staaten – aber dafür so ziemlich die heißeste Aktie auf dem Buchmarkt. Denn viele Verlage buhlen damals um die Gunst von ihm und seiner Frau Michelle, wollen die beiden als Autoren gewinnen und die Erinnerungen des Ex-Präsidenten verlegen. Am Ende bekommt Penguin Random House den Zuschlag. Weil man 65 Millionen Dollar für zwei Bücher bezahlt hat, wie es in den Medien kolportiert wurde? Markus Dohle sagt, so viel sei es nicht gewesen. Vielleicht waren es die eine Million Kinderbücher, die der Verlag im Namen der Obamas an Kinder in Not spenden will. So oder so: Die Obamas unterschreiben.

New York nach 15 Jahren Gütersloh

Der Aufstieg von Markus Dohle zum einflussreichsten Buchmanager der Verlag ist im Grunde selbst eine tolle Geschichte. Denn der gebürtige Sauerländer und Ingenieur startet seine Karriere zwar auch im Medienbereich. Doch zunächst kümmerte er sich im Bertelsmann-Konzern weniger um die Inhalte als um die technische Umsetzung – im Druckbereich. 2008 wechselte er dann an die Spitze des Verlags Random House, mitten in der Weltfinanzkrise beginnt er in New York seine Arbeit. Dohle sagt, er habe bewusst niemanden nachahmen wollen. Er habe den Job auf seine Weise interpretiert, "als der Markus Dohle aus dem Sauerland, der 15 Jahre in Gütersloh gelebt hat".

Im OMR Podcast, der gemeinsam mit dem "On the way to New Work"-Podcast entstanden ist, erklärt Markus Dohle auch, wie schwierig das Buchgeschäft in Wahrheit ist. Rund 15.000 Bücher bringt Penguin Random House auf den Markt. Bis zu 60 Prozent davon schaffen es allerdings nicht mal, die Produktionskosten zu erwirtschaften. "Es ist ein Portfolio-Geschäft" sagt Markus Braun, der den Buchmarkt daher auch das "Silicon Valley der Medien" getauft hat. Denn wie bei Startups sind es auch bei Büchern die wenigen Tophits, die das Geschäft am Ende so profitabel und erfolgreich machen.

Shades of Grey wird zum Millionen-Erfolg

Insofern war auch das Geld für die Obamas gut investiert. Allein das Buch "Becoming" von Michelle Obama hat sich weltweit fast 20 Millonen Mal verkauft. Auch die Millennium-Trilogie von Stieg Larsson erwies sich für den Verlag als großer Erfolg, ebenso wie diverse Bücher von Dan Brown. Markus Dohle erzählt im OMR Podcast, dass der zweite Teil von Stieg Larssons Buchreihe sogar in den USA auf Platz 1 der Charts im Bereich Fiktion landete. "Das gibt es nur alle 25 Jahre", sagt Markus Dohle. Zuvor sei dies nur Umberto Eco mit "Im Namen der Rose" und Boris Pasternaks "Doktor Schiwago" gelungen.

Großer Name gleich großer Erfolg – diese Rechnung kann funktionieren. Aber es geht manchmal auch anders. Zum Beispiel im Fall von E.L. James. Die Schriftstellerin hatte ihre ersten Texte einfach auf Self-Publishing-Plattformen veröffentlicht, 2011 nahm sie dann Penguin Random House unter Vertrag. Es ist ein Experiment. Doch es erweist sich als Erfolg. Denn die Bücher von E.L. James verkaufen sich weltweit mehr als 165 Millionen Mal. Ihre Buchreihe "Fifty Shades Grey" wird sogar verfilmt.

Trotz all der Erfolgs zieht sich Markus Dohle 2022 nach einer geplatzten Fusion von der Verlagsspitze zurück. Im OMR Podcast verrät er die Hintergründe, erzählt auch, warum er nie Angst vor Amazon hatte und wieso er sich einerseits Sorgen um Amerika macht, andererseits aber die US-Staatsbürgerschaft angenommen hat.

Die Themen des OMR Podcasts mit Markus Dohle im Überblick:

  • (00:00:00) Intro
  • (00:04:00) Aus dem Sauerland über Druckereien ins Buchgeschäft
  • (00:17:00) Das Buchgeschäft funktioniert wie Startup-Investments
  • (00:29:00) Warum Markus Dohle keine Angst vor Disruption im Buchmarkt hat
  • (00:40:00) Abendessen mit Jeff Bezos
  • (00:57:00) "Mein Fokus war die Exzellenz, dann kommt der Cashflow automatisch"
  • (01:09:00) Warum Markus Dohle für einen höheren Spitzensteuersatz ist
  • (01:25:00) Wie sich Penguin Random House den Obama-Deal gesichert hat

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Florian Rinke
Autor*In
Florian Rinke

Florian Rinke ist Host des Podcast "OMR Rabbit Hole" und verantwortet in der OMR-Redaktion den "OMR Podcast". Vor seinem Wechsel Anfang 2022 zu OMR berichtete er mehr als sieben Jahre lang für die Rheinische Post über Start-ups und Digitalpolitik und baute die Rubrik „RP-Gründerzeit“ auf. 2020 erschien sein Buch „Silicon Rheinland".

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