Sexting ist auf Onlyfans ein riesiges Business – jetzt übernimmt das die KI

Martin Gardt14.6.2024

Onlyfans-Creatorinnen verdienen nur mit dem Schreiben von Nachrichten viel Geld. Jetzt mischen KI-Firmen das Business auf

Bezahlte Chats sind auf der Paid-Content-Plattform ein riesiges Geschäft. Viele Creatorinnen machen mit anzüglichen Nachrichten an ihre Fans den Großteil ihres Onlyfans-Umsatzes. Jetzt wollen KI-Firmen ihnen dabei helfen, mit Chatbots noch schneller noch mehr Geld zu verdienen.

Ihr habt sicher schon von Onlyfans gehört. Wenn nicht, kurze Infos zur Plattform: Creator*innen zeigen hier exklusive Inhalte (oftmals nicht jugendfrei) und können über verschiedene Wege damit Geld verdienen. Viele bieten ein Abo für fünf bis 20 Euro im Monat an. Auch einzelne Content-Pakete mit Bildern und Videos können Geld kosten. Fans können den Creator*innen auch "Trinkgeld" geben – also einfach Geld spenden. Ein offenbar immer lukrativerer Umsatzhebel bei Onlyfans ist aber die Chat-Funktion. Besonders große Fans zahlen zwischem drei und fünf Euro pro Minute, um mit Onlyfans-Models schmutzige Nachrichten zu schreiben.

Wenn viele Fans gleichzeitig Sexting-Sessions starten, schnellen die Umsätze in ungeahnte Höhen. Das schwedische Onlyfans-Model Amber Sweetheart erklärte schon 2022, dass sie nur mit Sexting auf der Plattform über zwei Millionen US-Dollar verdient hat. Sie spricht von 16-Stunden-Tagen, die sie dafür nur mit Onlyfans-Chats verbracht hat. Findige Agenturen und Creator*innen schrecken vor so viel Arbeit offenbar zurück. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Onlyfans-Agenturen sogenannte Chatter engagieren, die für ihre Klientinnen sexten. Teilweise sitzen die in Ländern wie den Philippinen, Nigeria, Pakistan oder Indien und verdienen drei US-Dollar die Stunde.

Jetzt kommen die Onlyfans-Chatbots

Wie in so vielen Bereichen könnten die Arbeitskräfte jetzt durch KI ersetzt werden. Mehrer Firmen bieten jetzt speziell auf Onlyfans abgestimmte Sexting-KI-Bots an. "Wir haben eine Chance gesehen: Was wenn wir ein Wesen hätten, dass weiß, wie man sich verkauft, weiß wie man mit jemandem chattet und eine Creatorin perfekt nachahmen könnte?", sagt Kunal Anand, Gründer des KI-Chatbots ChatPersona gegenüber Fortune.

Sein Unternehmen und Wettbewerber FlirtFlow erleben laut eigener Angaben aktuell ein explosives Wachstum. Hinter FlirtFlow steht die Onlyfans-Agentur Neo, die über 500 Creatorinnen vertritt. ChatPersona habe in dem knappen Jahr seines Bestehens über 110 Agentur-Kunden gewonnen (neben einzelnen Creator*innen). Insgesamt wirbt das Unternehmen mit über 2.300 Kund*innen. Diese würden teilweise mit wenigen Tagen Abstand immer wieder den VIP-Plan kaufen. Dieser erlaubt 10.000 Chats pro Monat und liefere den realistischsten Chatbot. Kosten: 99 US-Dollar pro Monat.

Onlyfans-KI Chats

So zeigt FlirtFlow, wie die eigene KI mit den Fans von Onlyfans-Models chattet.

Laut den KI-Firmen seien ihre Bots perfekt für Onlyfans-Sexting, weil sie mit echten Chats auf der Plattform trainiert wurden. Sie könnten nicht nur klassisch schmutzige Dinge schreiben, sondern würden auch – typisch Onlyfans – immer wieder auf die anderen Angebote der Creatorinnen hinweisen. Dabei sind die Trainigs-Ansätze für die Sprachmodelle bei CharPersona und FlirtFlow unterschiedlich. ChatPersona habe Zugang zu den Chats von bekannten Onlyfans-Creatorinnen gehabt. FlirtFlow verlangt 1.000 US-Dollar für das Onboarding von seinen Kund*innen und trainiert sein Modell dann individuell mit den Chats der jeweiligen Creatorinnen.

Kritik ist vorprogrammiert

Onlyfans erlaubt auf seiner Plattform eigentlich keine KI-Chatbots. Deshalb klicken bei beiden Unternehmen immer noch Menschen auf "Senden" wenn die KI eine Nachricht verfasst hat. Trotzdem sind so Hunderte gleichzeitige Chats für Onlyfans-Models möglich – das ging auch mit Chattern aus dem Ausland vorher nicht. Mit den KI-Bots lässt sich nicht nur das Chat-Business skalieren. Weil die KI auf Upselling programmiert werden kann, können Creatorinnen ständig Ihre Content-Pakete und Subscriptions in den Unterhaltungen mit den Fans bewerben.

Natürlich regt sich aber auch Kritik an dem Modell. Die Chatbots können offenbar noch nicht mit ernsteren Themen umgehen, die von Seiten der Fans zur Sprache kommen können, wenn es mal nicht um Erotik gehen soll. Große Creator*innen sind gleichzeitig besorgt, dass die ganze Branche in Verruf gerät. Isla Moon, die im vergangenen Jahr fünf Millionen US-Dollar auf Onlyfans verdient hat, sagt gegenüber Fortune: "Das erste Wort, dass mir in den Sinn kommt ist Angst. Einer der Gründe, warum ich so erfolgreich bin, ist, dass die Leute wissen, dass sie mit mir persönlich chatten."

Da entsteht eine Ökonomie

Was sich bei all dem nicht mehr von der Hand weisen lässt: Es ist eine riesige Onlyfans-Ökonomie aus Creator*innen, Agenturen, Technologiedienstleistern entstanden. Dabei haben besonders die Agenturen nicht den besten Ruf. Oft vertreten sie Hunderte Onlyfans-Models, sacken hohe Provisionen ein und beuten dann Chatter im Ausland aus. Oft war bisher vor allem das Beantworten von Chat-Nachrichten ein Verkaufsargument vieler Agenturen.

Vielleicht ist es also gar nicht schlecht, wenn Chatter in ärmeren Ländern nicht mehr Sexting-Schichten von 16 Stunden pro Tag abreißen müssen, sondern das in Zukunft die KI übernimmt.

OnlyfansKünstliche Intelligenz
MG
Autor*In
Martin Gardt

Martin kümmert sich vor allem um neue Artikel für OMR.com und den Social-Media-Auftritt. Nach dem Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft ging er zur Axel Springer Akademie, der Journalistenschule des Axel Springer Verlags. Danach arbeitete er bei der COMPUTER BILD mit Fokus auf News aus der digitalen Welt und Start-ups. Am Wochenende findet Ihr ihn auf der Gegengerade im Millerntor.

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