Warum Fan-Edits Millionen-Reichweiten erzielen und darüber entscheiden, was zum Streaming-Erfolg wird
OMR Takeaway: Von super erfolgreichen Fan-Edits bis hin zu KI-generierten Hollywood-Kämpfen – wir analysieren die Hebel hinter den viralen Erfolgen
In der neuesten Folge von OMR Takeaway sprechen Julia Guembel und Roland Eisenbrand über die Übernahme von OpenClaw durch OpenAI, werfen wir einen Blick hinter die Kulissen der Creator Economy und diskutieren, warum kleine Kurzvideo-Schnipsel ("Edits") mittlerweile über den Erfolg von Multimillionen-Dollar-Produktionen entscheiden.
Das 30-Millionen-Dollar-Nugget: Peter Steinberger bei OpenAI
Ein Thema, das die Branche gerade extrem beschäftigt, ist der Wechsel des österreichischen Entwicklers Peter Steinberger zu OpenAI. Lange wurde über die Kaufsumme für sein Projekt OpenClaw spekuliert – war es das erste "One-Person-One-Billion"-Unternehmen? Roland liefert exklusiv ein Gerücht aus dem Silicon Valley: Laut einer verlässlichen Quelle und Diskussionen auf der Insider-Plattform Blind soll die Summe bei rund 30 Millionen US-Dollar gelegen haben. Auch wenn dies weit entfernt von der Milliarden-Marke ist, bleibt es eine beachtliche Summe für ein Projekt, das innerhalb weniger Monate Wellen schlug.
Julia ordnet den Deal im Vergleich zu anderen Marketing-Ausgaben ein: "Wir haben uns über Super-Bowl-Clips aufgeregt, die für 30 Sekunden acht Millionen kosten. OpenAI hat jetzt als PR-Move jemanden für 30 Millionen Dollar angestellt." Für OpenAI ist die Akquise Steinbergers, der nun KI-Agenten bauen soll, die "auch seine Mutter nutzen kann", vor allem ein strategischer Erfolg im Kampf um die besten Köpfe und mediale Aufmerksamkeit.
Das sind deine Takeaways:
- PR schlägt Produktwert: Die 30 Millionen US-Dollar für OpenClaw sind für einen Giganten wie OpenAI eine vergleichsweise günstige Investition in massives Storytelling und Experten-Branding.
- Speed is King: Steinbergers Erfolg zeigt, dass kleine, agile Einheiten im KI-Sektor aktuell Werte schaffen können, für die klassische Unternehmen Jahrzehnte brauchen.
Fan-Edits: Liebesbriefe der Community als Marketing-Hebel
Danach sprechen die beiden über das Social-Phänomen der Stunde: sogenannte "Edits". Am Beispiel der HBO-Serie Heated Rivalry zeigt sich die Macht dieser Kurzvideos. Fans schneiden packende Szenen aus Serien oder Filmen stakkatohaft auf den Rhythmus von Songs zusammen und teilen diese auf Tiktok und Instagram. Die Videos wirken nicht wie polierte Agentur-Inhalte, sondern wie Liebesbriefe aus der Community. Das Hollywood-Studio Lionsgate ging sogar so weit, einen dieser Fan-Edit-Creator fest anzustellen, um diesen organischen Hype professionell zu nutzen. "Das ist nicht irgendwer, der Marketing von einer Agentur macht, sondern da steckt richtig Herzblut dahinter", erklärt Julia.
Die Strategie beschränkt sich dabei nicht mehr nur auf Serien. Der Song "Rain Me In" von Sam Fender und Olivia Dean landete in Großbritannien auf Platz 1 der Charts – vermutlich getrieben durch Edits von Sport-Fans in Australien und der Großbritannien, die den Song als Untermalung für Spieler-Zusammenschnitte nutzten. Studien zeigen, dass sich bereits 71 Prozent der Nutzenden auf Kurzvideoplattformen inspirieren lassen, was sie später streamen. Die sogenannten Clipper hinter den Edits, oft Teenager, die über Discord-Server organisiert sind, werden so zu den neuen Gatekeepern des Erfolgs.
Das sind deine Takeaways:
- Authentizität gewinnt: Fan-Edits funktionieren besser als klassisches Marketing, weil sie echtes Herzblut und Identifikation aus der Community widerspiegeln.
- Discovery-Hoheit: Kurzvideo-Plattformen sind heute der wichtigste Kanal für die Entdeckung von Long-Form-Content (Filme, Serien, Musik).
- Willingness to let go: Erfolgreiche Marken müssen bereit sein, die Kontrolle über ihre CI abzugeben und zuzulassen, dass Clipper die Inhalte radikal und unperfekt neu interpretieren.
Hollywood unter Druck: Seedance und das Ende der Perfektion
Für Unruhe in Hollywood sorgt derzeit das neue Videogenerierungsmodell Seedance 2.0 von Bytedance. Ein viraler Clip einer (nie gedrehten) Schlägerei zwischen Brad Pitt und Tom Cruise lässt die Branche erzittern. Der Autor von Deadpool kommentierte trocken, es sei wahrscheinlich "vorbei für uns", wenn eine einzelne Person am Computer Filme erstellen kann, die nicht mehr von Hollywood-Produktionen zu unterscheiden sind. Schauspieler wie Matthew McConaughey fordern bereits Patente auf ihre Gesichtszüge und Körperbewegungen, um ihre Identität in der KI-Ära zu schützen.
Interessanterweise führt diese "KI-Angst" zu einem Gegentrend in der Popkultur: Der Flucht in das Unperfekte und Authentische. Formate wie Chicken Shop Date, Subway Takes oder der neue Podcast Friends Keep Secrets von Benny Blanco setzen auf ungewöhnliche, oft ungeskriptete Settings. Wenn KI alles perfekt replizieren kann, wird das Menschliche, das Ungeplante und das Rohe zur neuen Luxus-Währung im Marketing.
Das sind deine Takeaways:
- Schutz der Identität: Prominente und Marken müssen künftig rechtlich absichern, wie ihre digitalen Abbilder genutzt werden dürfen, um dem "Diebstahl" durch generative KI vorzubeugen.
- Fokus auf das Unperfekte: Um sich von KI-Inhalten abzuheben, sollten Marken auf authentische, rohe Formate setzen, die menschliche Interaktion ins Zentrum stellen.
LinkedIn-Post der Woche: Wird Spotify zum Social Network?
Abschließend werfen Julia und Roland einen Blick auf eine Linkedin-Beobachtung von Ben Harmanus von Hubspot. Er stellt die Frage, ob Spotify durch die Einführung von Gruppenchats zum sozialen Netzwerk mutiert. Durch interaktive Community-Features greift der Streaming-Riese nun gezielt Plattformen wie Youtube oder Whatsapp an, um das Engagement innerhalb der App zu maximieren. Roland sieht darin eine klare Strategie: "Ich sehe auf jeden Fall, dass Spotify sich stärker zu einer Creator-Plattform wandelt".
Das sind deine Takeaways:
- Community-Integration: Spotify testet Gruppenchats, um Nutzer und Creator enger an die Plattform zu binden und den Austausch über Inhalte zu fördern.
- Plattform-Konvergenz: Die Grenzen zwischen Streaming-Dienst, Messenger und Video-Plattform verschwimmen zusehends.
- Fokus auf Engagement: Die Verweildauer in der App wird durch soziale Features massiv gesteigert, was Spotify für Werbetreibende attraktiver macht.
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