Burgergate, KI-Musik auf Spotify und das OpenAI-Update
Martin Gardt12.3.2026
Von komischen Fast-Food-CEOs über virtuelle Popstars bis hin zu gestoppten E-Commerce-Plänen
In der aktuellen Folge von OMR Takeaway analysieren Julia Guembel und Roland Eisenbrand, wie Unbeholfenheit zum viralen Marketing-Hebel wird, warum KI-generierte Songs die Streaming-Charts fluten und warum OpenAI bei seinen Shopping-Ambitionen einen Rückzieher macht.
Burgergate: Wenn Unbeholfenheit zum Viral-Hit wird
Ein Video des McDonald’s-CEO Chris Kempczinski hat in den letzten Wochen für massives Aufsehen gesorgt. In dem Clip präsentiert er den neuen "Big Arch"-Burger, wirkt dabei jedoch sichtlich überfordert mit dem Produkt-Handling. "Er beißt da rein und es ist einfach der kleinste Bissen, den man jemals gesehen hat. Er ist der CEO von einer Milliarden-Company und weiß nicht, wie man einen Burger hält", sagt Julia. Was als steifes Corporate-Video begann, wurde durch Reactions von Comedians wie Garron Noone und Cat Sullivan zum Millionen-Hit.
Die Konkurrenz ließ nicht lange auf sich warten. Burger King und Wendy’s setzten mit herzhaften Gegenentwürfen und cleveren Stellenanzeigen für "Chief Tasting Officer" nach. Trotz – oder gerade wegen – der unfreiwilligen Komik war die Aktion für McDonald’s ein Erfolg. Roland zieht Parallelen zu bekannten Marketing-Phänomenen: "Dadurch, dass das so merkwürdig und awkward war, ist es viral gegangen und hat letzten Endes seinen Zweck erfüllt." Laut McDonald’s stieg das Following des CEO durch die Aufmerksamkeitswelle um 30 Prozent und die Bekanntheit des neuen Burgers ging durch die Decke.
Das sind deine Takeaways:
- Cringe als Hebel: Unfreiwillige Authentizität oder Fehler können mehr Reichweite generieren als perfekt polierte Kampagnen.
- Reaction-Economy: Der eigentliche virale Push kommt oft erst durch die Einordnung und Parodie der Community oder durch Comedians.
- Sympathie durch Understatement: Ein CEO, der menschlich (und überfordert) wirkt, kann eine Marke nahbarer machen als laute Keynotes.
KI-Musik: Die lautlose Revolution auf Spotify
Die halbe Welt rätselt derzeit über Künstlerinnen wie Sierra Rose oder Kayla Cross. Diese "Sängerinnen" erreichen Millionen von monatlichen Hörer*innen auf Spotify, existieren aber real gar nicht – sie sind rein KI-generiert. Roland sieht darin eine Gefahr für echte Kreative: "Die Künstlerinnen können mit ihren wirklich selbst geschriebenen Songs nicht mehr durchdringen, weil bis 2028 geschätzt 20 Prozent der Streaming-Umsätze auf KI-Musik zurückgehen könnten." Das Phänomen wird besonders brisant, weil die KI-Modelle oft mit genau den Songs trainiert wurden, denen sie jetzt die Umsätze streitig machen.
Im Marketing bietet die Technologie allerdings enorme Chancen, etwa für maßgeschneiderten Content ohne Lizenzprobleme. Roland, der früher selbst in einer Rockband gespielt hat, zeigt sich zwiegespalten zwischen Neugier und Sorge um die menschliche Kreativität. Julia sieht vor allem praktische Vorteile: "Für den Marketing-Case sehe ich das total. Musik unter Videos zu legen ist oft das Nervigste beim Schnitt – dafür ist KI ein richtig geiler Usecase." Plattformen wie Suno oder Udio machen das Komponieren mittlerweile für jeden zugänglich.
Das sind deine Takeaways:
- Streaming-Welle: KI-Musik belegt immer mehr Plätze in Playlists und verdrängt menschliche Künstler aus der Wahrnehmung.
- Urheberrechts-Grauzone: Die Debatte um Trainingsdaten und die Kennzeichnungspflicht von KI-Inhalten auf Plattformen wie Spotify verschärft sich.
- Effizienz im Content-Marketing: KI-Tools ermöglichen die schnelle Erstellung von lizenzfreier, passgenauer Musik für Social-Media-Formate.
Update zu OpenAI: Der Traum vom direkten Checkout ist (vorerst) vorbei
Roland behält (mal wieder) recht: Die großen Pläne von OpenAI, einen direkten Checkout innerhalb von ChatGPT zu etablieren, werden laut Berichten von The Information vorerst gestoppt. Schon im Oktober hatte sich Roland skeptisch gezeigt: "Ich glaube, die Leute wollen immer noch eine Trennung zwischen demjenigen, der die Empfehlung gibt, und der Instanz, wo man den Kauf abschließt." OpenAI schwenkt nun um und setzt verstärkt auf die Integration von Partner-Apps wie Expedia oder Etsy.
Der Weg zum transaktionalen Interface ist also steinig. Während OpenAI noch an der Infrastruktur baut, hat Google durch Jahrzehnte an Such-Erfahrung einen massiven Vorsprung beim effizienten Crawling von Webseiten. Dennoch bleibt der Bereich "Agentic AI" – also KI-Agenten, die Aufgaben für Nutzende erledigen – eines der größten Schlachtfelder in der KI-Welt.
Das sind deine Takeaways:
- Strategiewechsel: OpenAI fokussiert sich weg vom eigenen Shop-System hin zur Vermittlung an etablierte Partner-Apps.
- Hürden im E-Commerce: Nutzergewohnheiten lassen sich schwerer brechen als technologische Barrieren; der direkte Kaufabschluss im Chat wird noch nicht angenommen.
- Infrastruktur-Wettlauf: Google hält durch effizienteres Daten-Handling und Marktmacht vorerst die Oberhand im Such- und Shopping-Segment.
Social-Post der Woche: Samurai-Katzen und KI-Dramen
Zum Abschluss präsentiert Julia ein aktuelles Highlight aus ihrem Instagram-Feed: KI-animierte "Micro Dramas" mit Tieren. In diesen kurzen Clips agieren Katzen und Hunde in Samurai-Kostümen oder Agenten-Settings. "Wir können immer noch was Geiles und Witziges mit KI erschaffen, was jedem ein Schmunzeln entlockt", sagt sie.
Das sind deine Takeaways:
- Neue Entertainment-Formate: KI ermöglicht die Erstellung von komplexen Animationen in Nischen, die früher zu teuer in der Produktion gewesen wären.
- Viralität durch Absurdität: Humorvolle, KI-generierte Tier-Inhalte sind prädestiniert für hohe Share-Rates auf Social Media.
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