OMR Takeaway: Der Steinberger-Transfer, Web-Bots und das Comeback der Seifenoper

Martin Gardt19.2.2026

Warum Peter Steinberger jetzt für Sam Altman baut und weshalb Marken mit trashigen Mini-Serien plötzlich Millionen-Reichweiten generieren

Peter Steinberger
Peter Steinberger wechselt zu OpenAI (Quelle: steipete.me)
Inhalt
  1. Der Millionen-Transfer: Peter Steinberger wird Teil von OpenAI
  2. Google WebMCP: Ein neues Interface für die Bot-Ära
  3. Micro-Dramas: Die Renaissance der Seifenoper auf Tiktok
  4. Der praktische Tipp: Instagram Posts als Conversation Starter
Vom spektakulären Wechsel eines österreichischen KI-Genies zu OpenAI über Googles neuen Standard für autonome Agenten bis hin zur "Cringe-Reichweite" von Micro-Dramas – Julia Guembel und Roland Eisenbrand analysieren die Strategien hinter den Schlagzeilen.
Es ist wieder Zeit für den "heißen Scheiß" aus dem Internet und Marketing. In der aktuellen Folge unseres Podcasts OMR Takeaway mit Plattform-Expertin Julia Guembel und OMR-Chefredakteur Roland Eisenbrand geht es dieses Mal um ein echtes Branchen-Beben: Der österreichische KI-Superstar Peter Steinberger wechselt unter das Dach von OpenAI. Während die KI-Welt diesen Transfer feiert, rüstet Google technisch auf, um das Internet "bot-freundlicher" zu machen. Außerdem besprechen wir, warum Marken wie P&G und Crocs plötzlich auf trashige Miniserien setzen und wie man mit simplen Memes die wichtigste Währung bei Instagram knackt: die "Sends" per Direktnachricht.

Der Millionen-Transfer: Peter Steinberger wird Teil von OpenAI

Die größte News der Woche ist zweifellos der Wechsel von Peter Steinberger zu OpenAI. Der Entwickler hinter OpenClaw (vormals ClawBot) wurde von Sam Altman persönlich als "Genie" willkommen geheißen. "Das hat die größten Wellen überhaupt geschlagen. OpenAI hat sich hier nicht nur ein Talent gesichert, sondern einen echten PR-Coup gelandet. Sam Altman, Greg Brockman und Fuji Shimo haben alle gleichzeitig dazu gepostet – das zeigt die enorme Relevanz dieses Wechsels", erklärt Roland. Steinberger selbst gab auf seinem Blog das Ziel für seine Zeit im Silicon Valley vor: "Meine nächste Mission ist es, einen Agenten zu bauen, den meine Mutter nutzen kann."
Obwohl OpenClaw als Open-Source-Projekt erhalten bleibt und in eine Stiftung wandert, ist Steinberger nun der Kopf, der Agentic AI für den Mainstream tauglich machen soll. Dass Anthropic – auf dessen Modell Claude das Steinberger-Tool ursprünglich basierte – leer ausgegangen ist, sieht Roland als vertane Chance: "Anthropic hat ihm quasi nur Liebesbriefe von Rechtsanwälten geschickt, um den Namen zu schützen, statt ihn einzukaufen." Für den europäischen Tech-Standort ist der Abgang auf jeden Fall ein herber Verlust.

Das sind deine Takeaways:

  • Mainstream-Agenten: Das Ziel ist die radikale Vereinfachung; KI-Agenten sollen so intuitiv werden, dass keine technischen Vorkenntnisse mehr nötig sind.
  • Brain Drain in Europa: Der Wechsel eines Top-Entwicklers aus Österreich in die USA unterstreicht die enorme Anziehungskraft (und Kapitalkraft) von OpenAI gegenüber europäischen Alternativen.
  • Distribution gewinnt: Steinberger entschied sich laut eigenen Aussagen primär wegen der massiven Reichweite von ChatGPT für OpenAI, um seine Vision global zu skalieren.

Google WebMCP: Ein neues Interface für die Bot-Ära

Während OpenAI personell aufrüstet, schafft Google die technische Infrastruktur für die Zukunft. In einer experimentellen Chrome-Version wurde das Model Context Protocol (WebMCP) integriert. Dieser neue Standard soll es KI-Agenten erleichtern, mit Webseiten zu interagieren. Roland erklärt das Problem der aktuellen Generation: "Bisher müssen Agenten mühsam Screenshots von Webseiten machen und per Bilderkennung raten, wo sie klicken müssen. Das ist ineffektiv und langwierig. WebMCP erlaubt es Website-Betreibern, Buttons und Funktionen direkt für Bots zu deklarieren."
Google verfolgt damit ein klares strategisches Ziel: Den E-Commerce-Vorteil von Amazon anzugreifen. Wenn Agenten reibungslos durch Webshops navigieren können, wird Google zum zentralen Gatekeeper für transaktionale Suchen. Roland sieht darin auch einen neuen SEO-Hebel: "Ich glaube, dass Google diesen Standard massiv pushen wird. Unternehmen könnten künftig mit Sichtbarkeitsgewinnen in den KI-Antworten belohnt werden, wenn sie ihre Seiten für WebMCP optimieren." Marken sollten also prüfen, ob sie ihre digitalen Schaufenster für die "nicht-menschlichen" Besucher*innen umbauen.

Das sind deine Takeaways:

  • Vom Human- zum Bot-Interface: Webseiten müssen künftig nicht nur für das menschliche Auge, sondern auch für maschinelle Agenten lesbar und steuerbar sein.
  • Strategischer Commerce-Move: Google nutzt WebMCP, um KI-gestütztes Shopping effizienter zu machen und Marktanteile von geschlossenen Marktplätzen zurückzugewinnen.
  • Neues SEO-Kriterium: Die technische Bereitstellung von Bot-Interaktionen könnte zum entscheidenden Rankingfaktor in der Generative Engine Optimization (GEO) werden.

Micro-Dramas: Die Renaissance der Seifenoper auf Tiktok

Tiktok hat in den USA und Brasilien heimlich die App "PineDrama" gelauncht, die sich ausschließlich auf vertikale Miniserien konzentriert. Die Episoden dauern nur 60 bis 90 Sekunden und erinnern in ihrer Machart an klassische Telenovelas – oft hochglanzpoliert, aber inhaltlich bewusst trashig. "Es fühlt sich ein bisschen wie GZSZ auf Speed an. Man sieht eine Folge, ist sofort gehookt und soll dann für weitere Episoden bezahlen", erklärt Julia. Was in China bereits ein Milliardenmarkt ist, erreicht nun mit Macht den Westen.
Interessant wird es, wenn Brands dieses Format für sich nutzen. Procter & Gamble hat für seine Marke "Native" die Serie „The Golden Pear Affair“ produziert. Crocs arbeitet mit der App ReelShort zusammen und nutzt dabei das trashige Image der Plattform. Julia sieht hier einen fundamentalen Shift im Content-Marketing: "Kommen wir vielleicht in ein Zeitalter, in dem wir weggehen von der perfekten Hook am Anfang und hin zum größten Cliffhanger am Ende? Diese Serien sind perfekt darauf ausgelegt, die Retention-Rate massiv nach oben zu schrauben." Roland ergänzt, dass die Strategie eine verlässliche Reichweite über eine ganze Serie hinweg ermöglicht, statt nur auf vereinzelte virale Peaks zu hoffen.

Das sind deine Takeaways:

  • Retention durch Cliffhanger: Miniserien setzen auf Bindung über mehrere Episoden hinweg und erhöhen so die Verweildauer der Nutzer mit der Marke.
  • Moderne Seifenoper: Marken greifen auf bewährte Soap-Strukturen zurück, um in der Digitalära emotionale (und oft trashige) Unterhaltung zu bieten.
  • Plattform-Hopping: Micro-Dramas dienen als Brücke, um Nutzende von Social-Media-Plattformen in eigene Apps oder Bezahlsysteme zu locken.

Der praktische Tipp: Instagram Posts als Conversation Starter

Zum Abschluss der Folge gibt es einen praktischen Tipp von Plattform-Expertin Julia Guembel. Sie empfiehlt, Posts zu erstellen, die weniger auf Likes, sondern gezielt auf "Sends" (Teilen per DM) optimiert sind. Ein Beispiel ist ein simpler Instagram-Post mit dem Text "Can you hangout?", der massenhaft an Freunde verschickt wird. "Adam Mosseri betont immer wieder, dass Shares per DM eine der wichtigsten Kennzahlen für Instagram sind. Marken sollten Posts erstellen, die als direkter Aufhänger für eine private Unterhaltung dienen", erklärt sie.
Gleichzeitig sorgt ein viraler LinkedIn-Post für Staunen: Die "Will Smith Eating Spaghetti Progression". Das Video vergleicht KI-generierte Clips von 2023 bis 2026. Wo früher noch ein deformierter KI-Will-Smith Spaghetti in Augenhöhlen schiebt, sieht man heute fotorealistische Szenen. Roland vermutet dahinter geschicktes Marketing von KI-Startups wie Hicksfield: "Es zeigt einfach extrem eindrucksvoll, wie schnell die Entwicklung voranschreitet. Von bizarren Memes hin zu cineastischer Qualität in nur drei Jahren – das ist die Geschwindigkeit, in der wir uns gerade bewegen."

Das sind deine Takeaways:

  • "Sends" als Leitmetrik: Optimiere Content darauf, dass Nutzende ihn privat weiterleiten wollen; das signalisiert dem Algorithmus höchste Relevanz.
  • KI-Entwicklungstempo: Die Fortschritte in der Video-Generierung (siehe Will-Smith-Meme) machen professionelle Produktionen für Marken zunehmend zugänglich und erschwinglich.
  • Meme-Marketing: Marken können gezielt auf KI-Trends aufspringen, um Teil der Internetkultur zu werden, statt nur als klassischer Werber aufzutreten.
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Martin Gardt
Autor*In
Martin Gardt

Martin kümmert sich vor allem um neue Artikel für OMR.com und den Social-Media-Auftritt. Nach dem Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft ging er zur Axel Springer Akademie, der Journalistenschule des Axel Springer Verlags. Danach arbeitete er bei der COMPUTER BILD mit Fokus auf News aus der digitalen Welt und Start-ups. Am Wochenende findet Ihr ihn auf der Gegengerade im Millerntor.

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