OMR Takeaway: Google-Klicks, KI-Podcasts und Bot-Engagement

Martin Gardt6.3.2026

Von bezahlten Suchergebnissen über automatisierte Podcasts bis zu Social-Media-Bots

Inhalt
  1. Wenn Google immer mehr zur Pay-to-Play-Plattform wird
  2. KI-Podcast: Wie „The Epstein Files“ viral ging
  3. Social Media: Wenn Bots Engagement simulieren
  4. LinkedIn-Post der Woche: Werbung in ChatGPT
In der aktuellen Folge OMR Takeaway, analysieren Julia Guembel und Roland Eisenbrand drei Entwicklungen, die zeigen, wie sich digitale Plattformen gerade verändern: Google wird noch stärker zur Pay-to-Play-Fläche, KI kann Podcasts in Rekordzeit skalieren – und Bots verwässern die Bedeutung von Reichweite. Dabei wird deutlich: Plattformen und Inhalte verändern sich schneller denn je – und Marketeers müssen sich an neue Spielregeln anpassen.

Wenn Google immer mehr zur Pay-to-Play-Plattform wird

Eine aktuelle Analyse der SEO-Expertin Aleyda Solis zeigt, dass in der Google-Suche immer mehr Klicks auf bezahlte Anzeigen statt auf organische Ergebnisse gehen. Grundlage sind Daten von SimilarWeb, die anhand von Provider- und Browserdaten analysieren, wo Nutzende tatsächlich klicken. In mehreren untersuchten Branchen – etwa bei Kopfhörern, Jeans oder Online-Gaming – stiegen die Klicks auf Anzeigen im zweistelligen Prozentbereich. Viele sehen AI Overviews als Auslöser des Rückgangs organischer Klicks. Roland Eisenbrand sieht die Entwicklung differenzierter: "Alle Welt denkt so ein bisschen, dass wegen der AI Overviews der Traffic einbricht – aber es ist gar nicht so, zumindest nicht nur so. Die Klicks auf bezahlte Anzeigen haben stark zugenommen."
Parallel verändert sich auch die Darstellung der Suchergebnisse. Anzeigen sind heute deutlich präsenter und zugleich weniger klar erkennbar als früher. Während Google Ads früher als klar abgegrenzte Blöcke erschienen, sind sie heute oft direkt in die Suchergebnisse integriert. Für Nutzende führt das dazu, dass die Grenze zwischen Werbung und organischem Ergebnis verschwimmt. Julia Guembel beschreibt die Erfahrung so: "Die ersten drei bis fünf Ergebnisse sind mittlerweile alle 'Sponsored'. Dann kommt vielleicht ein organisches Result, dann wieder AI-Overviews – und erst danach geht es weiter mit den nächsten Treffern." Auch Roland beobachtet, dass die Kennzeichnung immer subtiler wird: "Man scrollt durch die Ergebnisse und merkt teilweise erst später: Das waren ja alles Anzeigen."

Das sind die Takeaways:

  • Mehr Anzeigen, mehr Klicks: In mehreren Branchen wachsen die Klicks auf bezahlte Suchanzeigen im zweistelligen Prozentbereich.
  • Schwieriger zu erkennen: Die Kennzeichnung von Anzeigen ist subtiler geworden, wodurch Nutzer häufiger auf Werbung klicken.
  • Organische Sichtbarkeit schrumpft: Features wie AI Overviews und zusätzliche Anzeigen verdrängen klassische Suchergebnisse weiter nach unten.

KI-Podcast: Wie „The Epstein Files“ viral ging

Ein zweites Thema der Folge ist ein ungewöhnlicher Podcast-Erfolg: Unternehmer Adam Levy hat mit "The Epstein Files" ein Format gestartet, das fast vollständig automatisiert mit KI produziert wird. Millionen Seiten an Dokumenten rund um die Epstein-Akten werden dabei von KI-Modellen analysiert, zusammengefasst und anschließend in Podcast-Episoden übersetzt. Tools wie NotebookLM helfen dabei. Julia beschreibt das Prinzip so: "Die 3,5 Millionen Seiten der Dokumente werden von einem Bot durchsucht und zusammengefasst. Daraus entstehen Podcast-Folgen mit KI-Stimmen, die sich gegenseitig darüber unterhalten."
Der Podcast entwickelt sich schnell zu einem Erfolg: Bereits in der ersten Woche erreicht er rund 100.000 Downloads, landet in den Top 10 der Apple-Podcast-Charts und später sogar bei über einer Million Downloads. Roland hat mehrere Episoden gehört und beschreibt das Ergebnis als überraschend solide: "Ich fand schon, dass man sich das ganz gut anhören kann. Ein paar Mal hatte ich einen Glitch, aber insgesamt funktioniert das erstaunlich gut." Gleichzeitig sieht er Grenzen für das Format: "Als kurzer Wissenssnack funktioniert das gut. Aber ob ich mir wirklich 120 Folgen davon anhören würde, da bin ich mir nicht sicher."
Das sind deine Takeaways:
  • KI automatisiert Podcastproduktion: Dokumente werden analysiert, zusammengefasst und vertont.
  • Menschlicher Faktor fehlt: Langfristig vermissen viele Hörer Persönlichkeit und Storytelling.

Social Media: Wenn Bots Engagement simulieren

Dann diskutieren Julia und Roland die zunehmende Rolle von Bots in Social-Media-Debatten. Ausgangspunkt ist eine aktuelle Kontroverse rund um Rapperin Nicki Minaj, mitten in der aufgeheizten politischen Debatte in den USA gelandet ist. Während sie in klassischen Medien teilweise stark kritisiert wird, wirken die Kommentare unter ihren Social-Posts überraschend positiv. "Unter ihren Posts sieht man ganz viele Kommentare, die sie feiern. Aber ein Teil davon soll von gekauften Bot-Profilen kommen", erzählt Julia.
Die Accounts wirken oft erstaunlich realistisch. Sie verfügen über Profilbilder, Biografien und interagieren mit echten Nutzenden. Dadurch wird es immer schwieriger zu erkennen, ob es sich um echte Menschen oder automatisierte Profile handelt. Für Rolandstellt sich deshalb eine grundlegende Frage zur Glaubwürdigkeit von Online-Reichweite: "Wenn Engagement so authentisch zu faken ist, dass man es kaum noch erkennt – wie verlässlich ist Reichweite dann überhaupt noch?" Julia sieht darin ein strukturelles Problem für Plattformen: "Der Algorithmus entscheidet dann nicht mehr danach, was wirklich interessant ist – der wird einfach ein bisschen gehackt."

Das sind deine Takeaways:

  • Realistische Bot-Profile: Fake-Accounts sind zunehmend schwer von echten Nutzenden zu unterscheiden.
  • Social Proof wird manipulierbar: Likes und Kommentare können gezielt erzeugt werden.
  • Viewbotting verbreitet sich: Besonders in Creator-Ökosystemen wird künstliche Reichweite diskutiert.
  • Algorithmische Verzerrung: Bots können Plattformmechaniken gezielt beeinflussen.

LinkedIn-Post der Woche: Werbung in ChatGPT

Zum Abschluss der Folge stellen Julia und Roland traditionell ihren Linkedin-Post der Woche vor. Roland empfiehlt einen Beitrag von Ashley Fletcher, Marketingchef des Startups Athena, der analysiert hat, welche Marken bereits Werbung im Umfeld von ChatGPT testen. Zu den ersten Unternehmen gehören unter anderem Best Buy, AT&T, Pottery Barn, Qualcomm und Expedia. Fletcher hat außerdem untersucht, bei welchen Nutzeranfragen Anzeigen erscheinen.
Dabei zeigt sich ein Muster: Anzeigen werden vor allem bei Suchanfragen ausgelöst, die eine klare Kaufabsicht signalisieren. Roland Eisenbrand erklärt: "Typische Trigger sind Wörter wie 'best', 'buy' oder 'new'. Zum Beispiel eine Anfrage wie: 'I’m going to buy a new phone – what is the best phone?'" Roland Eisenbrand empfiehlt, solche Entwicklungen früh zu beobachten: "Es kann ein ganz guter Follow sein, dieser Typ. Da bleibt man ganz gut auf dem Laufenden, was ChatGPT-Ads angeht."

Das sind deine Takeaways:

  • Erste Marken testen Ads: Unternehmen experimentieren bereits mit Werbung in ChatGPT.
  • Kaufintention als Auslöser: Begriffe wie „best“, „buy“ oder „new“ triggern Anzeigen.
  • Neue Werbeumgebung: KI-Interfaces könnten eigene Advertising-Ökosysteme entwickeln.
PodcastKünstliche IntelligenzAI
Martin Gardt
Autor*In
Martin Gardt

Martin kümmert sich vor allem um neue Artikel für OMR.com und den Social-Media-Auftritt. Nach dem Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft ging er zur Axel Springer Akademie, der Journalistenschule des Axel Springer Verlags. Danach arbeitete er bei der COMPUTER BILD mit Fokus auf News aus der digitalen Welt und Start-ups. Am Wochenende findet Ihr ihn auf der Gegengerade im Millerntor.

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