Die Marketing-Trends der Woche: Fruit Slop, Shady-Marketing und das Sora-Aus

Martin Gardt27.3.2026

OMR Takeaway: Tiktok-Dramen mit betrügenden Erdbeeren, Fake-Beziehungsstress als Download-Turbo und die nackten Zahlen der ChatGPT-Ads

Inhalt
  1. Der "Fruit Slop"-Trend: Wenn die Aubergine das Baby ist
  2. Shady-Marketing: Emotionale Fallen für Klicks
  3. LinkedIn-Post der Woche: Bullshit-Bingo Deluxe
In der neuesten Ausgabe von OMR Takeaway werfen Julia Guembel und Roland Eisenbrand einen Blick in die bizarren Abgründe der aktuellen Aufmerksamkeitsökonomie: Von weinenden Erdbeeren in KI-generierten "Fruit Slop"-Dramen über manipulative Marketing-Fallen mit vorgetäuschten Beziehungsdramen bis hin zur ernüchternden Realität von Werbeanzeigen in ChatGPT.

Der "Fruit Slop"-Trend: Wenn die Aubergine das Baby ist

Ein bizarres Phänomen flutet derzeit Tiktok: KI-generierte Dramen, in denen Früchte die Hauptrolle spielen. Was nach Quatsch klingt, generiert durch serielle Storylines Millionenreichweiten. Alles begann Ende Februar 2026 mit dem Account Trombone Chef, der eine Seifenoper startete, in der eine Erdbeere ihren Partner mit einer Aubergine betrügt. "Man bleibt wirklich dran hängen, obwohl es wirklich hanebüchener Unsinn ist. Ich weiß gar nicht, warum ich das geguckt habe", sagt Roland. Julia ergänzt mit Blick auf das Format Fruit Love Island: "Es ist einfach Trash-TV mit Früchten. Aber es ist so crazy, weil die erste Episode 27 Millionen Views hat."
Trotz der absurden Inhalte steckt ein handfestes Geschäftsmodell dahinter, da erfolgreiche Creator über das Tiktok Rewards Programm zwischen 400 und 1.000 US-Dollar pro einer Million Views verdienen können. Marken wie Edeka springen jetzt auch auf den Trend auf. Doch massiver Backlash wegen "sexualisierter Früchte" ist direkt da. "Dieser Slop ist schrecklich, aber wir Marketing-Leute müssen gucken: Wo verbringen unsere Kund*innen passiv ihre Zeit?" Während Edeka Kritik einstecken muss, zeigt Slim Jim mit einem einfachen Kommentar (53.000 Likes), wie man den Hype charmant für sich nutzt.

Das sind deine Takeaways:

  • Absurdität als Reichweiten-Garant: KI-generierte Dramen mit Früchten erzielen durch bizarre Storylines und hohe Verweildauer Millionen von Views.
  • Wirtschaftliche Anreize: Das Tiktok Creator Rewards Programm bietet lukrative Verdienstmöglichkeiten für virale KI-Inhalte.
  • Marken-Experimente: Während direkte Adaptionen Backlash riskieren können, bietet humorvolles Community-Management eine risikoarme Teilhabe am Hype.

Shady-Marketing: Emotionale Fallen für Klicks

Eine zunehmend verbreitete Taktik auf Tiktok ist das Inszenieren von gefälschten Beziehungsdramen, um App-Downloads zu generieren. Ein Beispiel ist eine virale Slideshow, in der eine Läuferin vorgibt, während eines Marathons eine emotionale Nachricht von ihrem Ex-Freund erhalten zu haben. Roland entlarvt die Masche: "Man denkt erst mal, das sei eine private Story, aber wenn man in die Bio geht, sieht man: Marketing. Da werden Fake-Beziehungsdramen inszeniert, um Aufmerksamkeit zu generieren." Apps wie Cheaterbuster oder The Ik nutzen weinende Protagonist*innen und dramatische Push-Nachrichten, um die Neugier der Nutzenden zu wecken.
Zusätzlich erschüttert eine neue Form von KI-Influencer*innen die Branche auf Instagram. Computergenerierte Profile posten fotorealistische Aufnahmen an der Seite von Weltstars wie Elon Musk oder Sydney Sweeney. Diese gefälschten Begegnungen dienen dazu, massiv Reichweite aufzubauen, um Nutzende anschließend auf monetarisierte Plattformen wie Fanvue (KI-Onlyfans) zu locken. "Es ist ein bisschen 'trashy' und nicht so ganz seriös, aber augenscheinlich scheint es zu funktionieren", sagt Roland.

Das sind deine Takeaways:

  • Narrative Täuschung: Marken nutzen zunehmend fiktive, emotionale Geschichten, um Nutzer durch Neugier in die App-Stores zu leiten.
  • Engagement durch Konflikt: Emotionale Trigger wie Trennungsschmerz funktionieren algorithmisch hervorragend, schaden aber der langfristigen Glaubwürdigkeit.
  • KI-Promi-Fakes: KI-generierte Influencer nutzen die Strahlkraft von Prominenten durch gefälschte Fotos für schnelles Community-Wachstum.

ChatGPT-Ads: Kinderkrankheiten oder Goldgrube?

Der Start der Werbevermarktung bei ChatGPT verläuft laut Berichten von The Information eher holprig. Werbekunden beklagen, dass sie kaum Daten zur Performance erhalten und technische Hürden verhindern, dass gebuchte Budgets vollständig ausgeschöpft werden. Roland berichtet: "Die Kunden werden wohl auch teilweise ihr Budget nicht los, weil die Anzeigen nicht genügend ausgeliefert werden. Das klingt alles noch nach Frühphase." Auch der direkte In-App-Checkout performt bisher deutlich schlechter als die eigenen Webseiten der Unternehmen.
Zudem gibt es Neuigkeiten zur Video-KI Sora. Die App wird offenbar komplett eingestellt: "Es soll wohl sogar so sein, dass man Sora nicht mehr über ChatGPT nutzen kann. Offensichtlich ist das Ganze so teuer, dass OpenAI da gerade ein bisschen beschneiden muss", erklärt Roland. Das unterstreiche die enorme Kostenbelastung, vor der selbst Giganten wie OpenAI bei der Skalierung von Videomodellen stehen.

Das sind deine Takeaways:

  • Frühphase der KI-Werbung: Reporting und Skalierbarkeit sind derzeit die größten Hürden für Werbetreibende bei ChatGPT.
  • Ads schlagen Checkout: Es ist derzeit leichter, Aufmerksamkeit über Anzeigen zu generieren, als komplexe Kaufprozesse effizient in den Chat zu verlagern.
  • Sora-Aus: Die hohen Betriebskosten zwingen OpenAI offenbar zur Einstellung seiner Video-App.

LinkedIn-Post der Woche: Bullshit-Bingo Deluxe

Zum Abschluss präsentiert Julia den Kagi.com Translator. Das Tool übersetzt einfache Aussagen wie "I hate everyone" in feinstes Linkedin-Sprech: "I am currently re-evaluating my professional ecosystem to focus on high impact synergies and more alignment driven networking."
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Martin Gardt
Autor*In
Martin Gardt

Martin kümmert sich vor allem um neue Artikel für OMR.com und den Social-Media-Auftritt. Nach dem Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft ging er zur Axel Springer Akademie, der Journalistenschule des Axel Springer Verlags. Danach arbeitete er bei der COMPUTER BILD mit Fokus auf News aus der digitalen Welt und Start-ups. Am Wochenende findet Ihr ihn auf der Gegengerade im Millerntor.

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