OMR Takeaway: Strava-Hacks am Spielfeldrand und das schmutzige Geheimnis der KI-Sichtbarkeit
Martin Gardt12.2.2026
Vom viralen Büschel-Workout auf Strava bis zur neuen Reichweiten-Macht der Karussell-Posts
Inhalt
- Strava als Lifestyle-Plattform und der Social-First-Move
- Die Renaissance der Karussell-Posts: Reichweite durch die Hintertür
- GEO und das schmutzige Geheimnis der Listicles
Es ist wieder Zeit für den „heißen Scheiß“ aus dem Internet und Marketing. In der aktuellen Folge unseres Podcasts OMR Takeaway mit Julia Guembel und Roland Eisenbrand werfen die beiden einen Blick hinter die Kulissen der größten Werbebühne der Welt, entlarven Reichweiten-Hacks auf Instagram und lüften ein schmutziges Geheimnis der KI-Sichtbarkeit.
Strava als Lifestyle-Plattform und der Social-First-Move
Der Super Bowl 2026 ist Geschichte, doch die Marketing-Nachbeben sind gewaltig. Während die klassischen TV-Spots für Millionenbeträge über die Bildschirme flimmerten, spielten sich die eigentlichen Coups oft am Rande ab. Vor allem die Halftime-Show mit Bad Bunny bleibt im Gedächtnis. Sie polarisierte nicht nur politisch, sondern brauchte auch einen völlig unerwarteten Star hervor: das Gras. Über 500 Statisten tanzten als Grasbüschel verkleidet über das Feld. Einer von ihnen, Austin Klepman, nutzte den Moment für einen genialen Social-Media-Move. Er trackte seinen Auftritt via Strava und teilte das "Büschel-Workout" als Karte auf LinkedIn und Instagram.
Roland sieht darin den endgültigen Beweis für den Wandel einer Plattform: "Strava ist mittlerweile weit mehr als eine reine Fitness-App. Sie hat sich zur echten Lifestyle-Marke und zum sozialen Netzwerk entwickelt. Es ist faszinierend zu beobachten, wie die Leute ihre Workouts – vom Gang zum Kühlschrank bis zum Stadion-Auftritt – massiv in anderen Feeds teilen." Auch bei den klassischen Ads gab es Gewinner ohne TV-Budget. Doordash verzichtete auf den teuren 30-Sekünder und setzte stattdessen auf eine "Social First"-Kampagne mit 50 Cent. Unter dem Motto "Deliver the Beef" generierte das Unternehmen laut Roland rund 20 Millionen organische Impressions, ohne acht Millionen Euro für Sendezeit auszugeben.
Das sind deine Takeaways:
- Plattformen zweckentfremden: Strava zeigt, dass sportfremde, humorvolle Inhalte (wie das Halftime-Workout) eine enorme Markendynamik auslösen können.
- Social First statt TV-Zwang: Doordashs Erfolg zeigt, dass man das Super-Bowl-Momentum auch ohne teures Media-Budget im Fernsehen für sich nutzen kann.
Die Renaissance der Karussell-Posts: Reichweite durch die Hintertür
Ein Thema, das Julia aktuell besonders antreibt, ist das Reichweiten-Comeback der Karussell-Posts. Lange Zeit galten Reels als das Nonplusultra auf Instagram, doch nun wendet sich das Blatt. Expert*innen berichten, dass Karussells aktuell oft besser performen als Videos. Der Grund liegt in der algorithmischen "zweiten Chance": Wenn Nutzende beim ersten Mal nicht reagieren, spielt Instagram den Post erneut aus – diesmal mit dem zweiten Bild als Teaser. Roland kommt dabei mit der "Watchtime-Theorie" um die Ecke: "Je länger die Leute auf einem Post verweilen, desto besser wertet der Algorithmus dessen Relevanz. Karussells mit zehn Slides und ausführlichen Captions steigern die Aufenthaltsdauer massiv und sichern sich so einen algorithmischen Push."
Wichtig für den Erfolg ist jedoch die Qualität der Aufbereitung. Julia mahnt, Karussells nicht als "Müllhalde" für Fotos zu missbrauchen. Ein erfolgreiches Karussell muss eine Geschichte erzählen. Erfolgreiche Marken wie die Cerealien-Firma Surreal machen es vor: Eine starke Hook auf dem ersten Slide zieht Nutzende in eine Story, die sie zum Weiterswipen animiert. "Es fällt mir wie Schuppen von den Augen: Karussells sind die perfekte Gelegenheit, gleich mehrmals im Feed der User aufzutauchen, ohne als Spam wahrgenommen zu werden", sagt Roland. Auch Youtube erkennt diesen Trend und testet derzeit Foto-Karussells im Shorts-Feed.
Das sind deine Takeaways:
- Zweifache Ausspielung nutzen: Karussells erhalten durch Instagram eine zweite Chance im Feed, was die Wahrscheinlichkeit für Engagement signifikant erhöht.
- Algorithmus durch Verweildauer füttern: Längere Slideshows erhöhen die "Watchtime" pro Post, was die Relevanzbewertung der Plattform positiv beeinflusst.
- Storytelling statt Foto-Dump: Ein erfolgreiches Karussell braucht eine klare Struktur, eine spannende Hook und sollte den Nutzer durch eine in sich geschlossene Geschichte führen.
GEO und das schmutzige Geheimnis der Listicles
In der Welt der Künstlichen Intelligenz gibt es derzeit ein Phänomen, das Roland als das "schmutzige Geheimnis der GEO-Szene" (Generative Engine Optimization) bezeichnet: Listicles. Top-10-Listen zu Software oder Produkten sind das meistzitierte Format in Tools wie ChatGPT und Google AI Overviews. Das nutzen jetzt clevere Marketeers für sich und ihre Brand: Marken erstellen auf ihrem eigenen Blog z.B. eine Liste der "besten Tools" ihrer Nische und setzen sich selbst auf Platz eins. "Der Clou ist, dass die KI Produkte nicht selbst testen kann. Sie greift auf strukturierte Daten zurück – und wenn du dich in deinem eigenen Blog auf Platz eins einer Top-Liste setzt, wirst du oft als führende Empfehlung ausgespuckt", erklärt Roland.
Doch der Trend birgt Gefahren. SEO-Expertinnen wie Lily Ray warnen davor, dass Google gegen minderwertigen "Listen-Spam" vorgeht. Einige Firmen, die es mit automatisierten Listicles übertrieben haben, erlebten Anfang 2026 drastische Sichtbarkeitsabstürze. Der Schlüssel liegt in der Authentizität: "Ich glaube, dass dieser Hack langfristig nur funktioniert, wenn man ihn transparent spielt. Wer ehrlich vergleicht und auch eigene Schwächen benennt, schafft wertvollen Content, den die KI als vertrauenswürdig einstuft, statt ihn als Trash zu deklassieren", so Roland.
Das sind deine Takeaways:
- Listen als KI-Futter: Strukturierte Formate wie Listicles werden von LLMs (Large Language Models) bevorzugt zitiert und bieten enorme Chancen für die KI-Sichtbarkeit.
- Qualität vor Quantität: Google straft „Listen-Spam“ ab; nur wer echten Mehrwert und ehrliche Vergleiche liefert, behält seine Rankings.
- Transparenz ist Pflicht: Offenheit über die eigene Rolle im Vergleich schafft Vertrauen beim Nutzer und schützt vor algorithmischen Abstrafungen.
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