OMR Takeaway: KI-Giganten, die Schlacht um den Checkout und Schafe im Supermarkt

Martin Gardt16.1.2026

Wie Apple und Google die KI-Welt neu ordnen, Amazon unter Druck gerät und 1-Minuten-Videos Spotify erobern

Inhalt
  1. Die Apple-Google-Allianz
  2. Die Schlacht um den Checkout: Google gegen Amazon
  3. Reichweiten-Hacks: Warum Spotify das neue TikTok wird
  4. Momentum Marketing: Wenn Marken über sich selbst lachen
In der neuesten Folge unseres Podcasts OMR Takeaway mit Plattform-Expertin Julia Guembel und Roland Eisenbrand, Head of Content bei OMR, analysieren die beiden die Apple-Google-Allianz, Googles direkten Angriff auf Amazon und einen verblüffenden Reichweiten-Hack auf Spotify.

Die Apple-Google-Allianz

In dieser Folge von OMR Takeaway sprechen Julia und Roland zuerst über eine Partnerschaft, die die Tech-Welt 2026 nachhaltig prägen dürfte: Apple nutzt künftig Googles KI-Modell Gemini als Basis für seine Intelligence-Funktionen. Roland ordnet den Schritt als klares Zeichen für Apples Zeitnot ein: "Ein bisschen ist jetzt so für mich das Eingeständnis: Wir kriegen es selbst nicht hin. Jetzt müssen wir da mit Google partnern." Trotz jahrelanger Bemühungen, Siri eigenständig auf das Niveau von Wettbewerbern zu heben, setzt Apple nun auf die bewährte Geschäftsbeziehung zu Google, um im KI-Wettrüsten nicht weiter an Boden zu verlieren.
Für Google ist dieser Deal ein massiver strategischer Sieg, weil der eigene Chatbot Gemini jetzt tief in der technischen Infrastruktur von Hunderten Millionen iPhones verwurzelt wird. Roland betont dabei die Besonderheit der Integration: "Es ist jetzt nicht so, dass das im Gemini-Branding ist, sondern es ist dann alles über der Apple-Oberfläche und auch quasi auf Apples technischer Infrastruktur." Auch wenn der durchschnittliche Nutzende Google also nicht direkt als Absender sieht, zementiert der Suchmaschinenriese damit seine Vormachtstellung in der Post-Search-Ära.

Das sind deine Takeaways:

  • Apples Eingeständnis: Die Nutzung von Gemini beweist, dass selbst Apple externe Hilfe benötigt, um im KI-Rennen technologisch konkurrenzfähig zu bleiben.
  • Googles Reichweiten-Sieg: Gemini wird zum technischen Rückgrat von Apple Intelligence und erreicht damit eine globale Nutzerbasis ohne prominentes eigenes Branding.
  • Verschiebung der Dominanz: Während die klassische Suche erodiert, sichert sich Google den Platz als unverzichtbares Fundament der neuen KI-Assistentenwelt.

Die Schlacht um den Checkout: Google gegen Amazon

Nächstes Thema der Folge ist Googles massiver Vorstoß in den E-Commerce durch das neue "Universal Commerce Protocol". In Gemini und dem neuen AI-Mode soll künftig ein direkter Checkout möglich sein, der es Nutzenden erlaubt, Produkte ohne Umwege direkt aus der KI-Antwort heraus zu kaufen. Roland sieht darin eine fundamentale strategische Neuausrichtung gegen den bisherigen Marktführer: "Im Grunde ist jetzt glaube ich so ein bisschen [...] eine Allianz von allen gegen Amazon. Alle versuchen Amazon so ein bisschen den Checkout wegzunehmen." Durch Partner wie Shopify, Walmart und Zalando baue besonders Google ein kraftvolles Gegengewicht auf.
Der Internetriese versuche dabei, die Bequemlichkeit der Plattform mit den Interessen der Händler zu vereinen. Roland erklärt, dass Google den Marken "verschiedene Karotten vor die Nase hält", damit diese im Ökosystem bleiben: Händler behalten die Hoheit über Kundendaten und können sogar eigene KI-Chatbots zur Beratung steuern. "Das Ideal von Google ist ja, dass du in dieser Google-Welt sowieso schon sehr verankert bist, [...] dann sind die Paypal-Daten schon da und du musst dann nur noch eins, zwei mal klicken". Dieser Ansatz ziele darauf ab, die gesamte Customer Journey – von der ersten Frage bis zum fertigen Kauf – innerhalb der Google-KI zu schließen.

Das sind deine Takeaways:

  • Direktkauf in der KI: Google verwandelt Gemini von einer Auskunftsstelle in einen Marktplatz mit nahtlosem Checkout, der externe Shop-Besuche überflüssig macht.
  • Anti-Amazon-Bündnis: Die Integration großer Player wie Shopify und Zalando schafft eine ernsthafte Konkurrenz zum geschlossenen System von Amazon.
  • Datenhoheit für Händler: Im Gegensatz zu klassischen Marktplätzen ermöglicht Google den Marken den Aufbau eigener Kundenbeziehungen innerhalb der KI-Umgebung.

Reichweiten-Hacks: Warum Spotify das neue TikTok wird

Danach bringt Julia eine überraschende Story aus der Podcast-Welt mit: Die Creatorin Mana Benya stürmt mit einminütigen Videosequenzen die Spotify-Charts. Sie lädt ihre bereits für Social Media produzierten Kurzserien einfach als Videopodcast hoch und erzielt damit enorme Erfolge. Roland ist besonders von der Effizienz beeindruckt: "Ich glaube, der erste Upload: zweihunderttausend Abrufe. [...] In den Spotify-Podcast-Charts auf Platz 65. [...] Übrigens einen Platz vor dem OMR-Podcast."
Julia erklärt das Phänomen damit, dass besonders Teenager so an noch mehr Content kommen, weil Spotify oft nicht unter die von Eltern gesetzte "Handyzeit" für soziale Netzwerke wie Tiktok fällt. Zudem locke Spotify Creator*innen aktuell mit sehr aggressiven Konditionen: Laut Roland wird im Markt berichtet, dass die Vergütung pro tausend Aufrufe "doppelt so hoch sei wie bei YouTube", was die Plattform zu einem extrem lukrativen neuen Spielfeld für Video-Content macht.

Das sind deine Takeaways:

  • Effektives Content-Recycling: Kurze Video-Reels können auf Spotify als Videopodcast eine zweite, hochgradig engagierte Karriere mit massiver Reichweite starten.
  • Umgehung von Zeitlimits: Spotify fungiert für junge Zielgruppen als "Tiktok-Ersatz", weil die App oft großzügiger bewertet wird als klassisches Social Media.
  • Hohe Monetarisierung: Durch attraktive Auszahlungsraten greift Spotify die Vormachtstellung von Youtube an und wird zur ernsthaften Alternative für Video-Creator*innen.

Momentum Marketing: Wenn Marken über sich selbst lachen

Zum Abschluss diskutieren Julia und Roland über ein aktuelles Beispiel von "Momentum Marketing". Was ist passiert? Vor ein paar Tagen stürmten 50 Schafe einen Penny-Markt im bayerischen Burgsinn. Das Unternehmen nutzte den bizarren Vorfall für humorvolle Social-Media-Inhalte, reagierte sympathisch gegenüber dem Schäfer und dichtete seinen Claim in "Erstmal zu Mähny" um. Roland betont, wie wichtig diese Lockerheit für den modernen Markenerfolg ist: "Wenn man sich irgendwie ein bisschen locker im Kopf macht, kann das sehr gut funktionieren." Ähnliche Erfolge feierten Marken wie Axe, die auf unkonventionelle Fan-Ideen und sogar "schlechte" Logo-Redesigns reagieren.
Ein mahnendes Beispiel für eine "vertane Chance" sieht Roland hingegen bei Dr. Pepper. Ein viraler Fan-Jingle im 70er-Jahre-Stil erreichte Millionen von Views, wurde von der Marke jedoch nicht konsequent für eine eigene Kampagne genutzt. Roland rät Unternehmen daher, die Augen nach User-Generated Content offen zu halten: "Guckt euch das auch für eure eigene Marke an. Vielleicht gibt's ja so Videos, die vielleicht so im Umlauf sind, [...] das kann man ja schon ganz gut humorvoll irgendwie aufnehmen." Wer das Momentum der Community erkennt und schnell agiert, kann organische Reichweiten erzielen, die mit klassischen, teuren Werbekampagnen heute kaum noch erreichbar sind.

Das sind deine Takeaways:

  • Mut zur Authentizität: Marken, die auf Pannen oder kuriose Vorfälle mit echtem Humor reagieren, gewinnen massiv an Sympathie und digitaler Relevanz.
  • Community als Co-Creator: Fan-generierte Inhalte bieten oft die beste Vorlage für virale Hits, wenn die Brand bereit ist, die Kontrolle über das eigene Image zu lockern.
  • Schnelligkeit schlägt Perfektion: Erfolgreiches Real-Time-Marketing erfordert kurze Entscheidungswege, um Chancen sofort zu ergreifen, bevor der Trend wieder verfliegt.
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Autor*In
Martin Gardt

Martin kümmert sich vor allem um neue Artikel für OMR.com und den Social-Media-Auftritt. Nach dem Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft ging er zur Axel Springer Akademie, der Journalistenschule des Axel Springer Verlags. Danach arbeitete er bei der COMPUTER BILD mit Fokus auf News aus der digitalen Welt und Start-ups. Am Wochenende findet Ihr ihn auf der Gegengerade im Millerntor.

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