Deutschlands größter Netzwerker: Harald Christ über Politik, Milliarden & Macht

Florian Rinke25.1.2026

Im OMR Podcast spricht der Unternehmer über den Aufstieg vom Hauptschüler in die Top-Zirkel des Landes.

Philipp Westermeyer und Harald Christ trafen sich in Hamburg zur Aufnahme.
Philipp Westermeyer und Harald Christ trafen sich in Hamburg zur Aufnahme. Foto: OMR
Inhalt
  1. Multimillionär dank eines Börsengangs
  2. 18 Stunden täglich, sieben Tage die Woche
Er gilt als einer der am besten vernetzten Männer Deutschlands: Harald Christ. Der Unternehmer hat sich vom Arbeiterkind in die elitärsten Zirkel Deutschlands gearbeitet, hat als Unternehmer ein mutmaßlich mindestens dreistelliges Millionenvermögen aufgebaut und wollte im Schattenkabinett von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier Wirtschaftsminister werden. Im OMR Podcast erzählt Harald Christ, wie seine Karriere begann, wieso er heute noch von 5:30 Uhr bis Mitternacht arbeitet und wieso es erfolgreiche Unternehmer*innen in der Politik schwerer haben.
Harald Christ sagt, Unabhängigkeit sei ihm immer wichtig gewesen – und das bedeutet natürlich auch, dass man manchmal einfach aufsteht und geht. Rund 30 Jahre lang war der Unternehmer Mitglied der SPD. Aber je weiter die Partei nach links rückte, desto mehr fremdelte er mit ihrem Kurs, bis er irgendwann ging. Neustart. Dieses Mal in der FDP. Sozialliberal, so würde er sich wahrscheinlich selbst beschreiben. Als Schatzmeister der Partei unterstützte er den damaligen Parteivorsitzenden Christian Lindner beim Comeback-Versuch der Liberalen. Bis dieser beschloss, die Ampel-Koalition mit einer Intrige zu sprengen – da ging Harald Christ erneut. Ein politischer Mensch ist er aber geblieben, erzählt er im OMR Podcast. Dort spricht er außerdem über...
... den Beginn seiner Karriere: "Ich war Baufinanzierungsexperte und Immobilienberater und bekam für meine Arbeit eine Provision. Das heißt, jeder Monat beginnt bei Null – und da lernt man schnell, dass sich Leistung lohnt, weil du für den Erfolg, den du erreichst, bezahlt wirst. Und wenn du keinen Erfolg hast, verdienst du halt nichts. Ich habe damals sehr viel gearbeitet, hatte zwischen fünf und sieben Termine am Tag. Vertriebserfolg ist harte Arbeit. Aber mir war auch klar: Wenn ich dort gut bin, kann ich mein Einkommen optimieren und wenn ich gute Ergebnisse mache, komme ich auch in der Karriere weiter und das hat ja auch ganz gut geklappt, wie man heute weiß."

Multimillionär dank eines Börsengangs

... über seine Zeit beim Fondsanbieter HCI, durch dessen Börsengang er mehr als 100 Millionen Euro verdient haben dürfte: "Ich habe ein Darlehen aufgenommen, um mich am Unternehmen beteiligen zu können. Das war volles Risiko und wenn es schief gegangen wäre, hätte ich das irgendwann zurückzahlen müssen und wäre pleite gewesen. Aber als Unternehmer ist man Risktaker. Wir haben dann den Börsengang gemacht und der war dann zugegebenerweise für alle Beteiligten spannend."
... sein heutiges Arbeitspensum: "Bei mir geht es in der Regel zwischen 5:30 und sechs Uhr los und abends schlafe ich in der Regel nie vor null Uhr. Aber ich nehme das nicht als Arbeit wahr, weil das mein Leben ist. Bei mir geht das Soziale, das Wirtschaftliche, das Politische alles ineinander über. Mit einer Ausnahme, das ist meine Familie. Die meisten meiner Freunde abseits von Jugendfreundschaften und Schulfreundschaften sind alle in diesem Biotop unterwegs."

18 Stunden täglich, sieben Tage die Woche

... die Niederlage im Wahlkampf als Schattenminister im Team von SPD-Kandidat Frank-Walter Steinmeier: "Das musste ich erstmal verarbeiten, weil es auch körperlich sehr anstrengend war. Wir hatten über Wochen einen polarisierenden Wahlkampf, in dem sich die gesamte deutsche Medienöffentlichkeit an dir abarbeitet, das sind teilweise 18 bis 20 Stunden an sieben Tagen die Woche. Du hast keine Ruhephase. Ich musste danach dann erst mal ein Stück weit die Batterie wieder aufladen."
... die Schwierigkeiten, als erfolgreicher Unternehmer ein politisches Amt anzustreben: "In Deutschland ist es so, dass Menschen, die ein Vermögen haben, die ein Vorleben vor der Politik haben, die etwas geleistet haben, sehr schnell in die mediale Auseinandersetzung hineingeraten. Da wird sich erstmal ganz anders an einem abgearbeitet, als wenn man diese klassische Ochsentour-Karriere. Klar, wenn du vom Kreißsaal in den Hörsaal, in den Plenarsaal gehst, hast du weniger Reibungsfläche. Du hast ja nie was anderes gemacht. Ich habe Entscheidungen getroffen, ich habe investiert, ich habe restrukturiert, ich musste Menschen entlassen, ich musste Unternehmensbereiche schließen, ich musste in Krisensituationen Dinge tun, die getan werden mussten. Das sind alles Dinge, die ein Politiker nicht machen muss – zumindest der Großteil nicht. Ich werde am 3. Februar 54 Jahre alt und bringe mich gerne politisch ein. Aber ich bin lange rausgewachsen aus dem Ziel, politische Mandate anzustreben."
Wie Harald Christ sein Netzwerk aufgebaut hat – und welche Rolle er heute beim 500 Milliarden Euro schweren Sondervermögen der Bundesregierung spielt, hörst du hier:
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Florian Rinke
Autor*In
Florian Rinke

Florian Rinke ist Host des Podcast "OMR Rabbit Hole" und verantwortet in der OMR-Redaktion den "OMR Podcast". Vor seinem Wechsel Anfang 2022 zu OMR berichtete er mehr als sieben Jahre lang für die Rheinische Post über Start-ups und Digitalpolitik und baute die Rubrik „RP-Gründerzeit“ auf. 2020 erschien sein Buch „Silicon Rheinland".

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