Mit Schnäppchen zum Starbucks-Killer? So will LAP Coffee den Kaffeemarkt erobern
Florian Rinke21.1.2026
Das Startup expandiert rasant, Gründer Ralph Hage hat große Pläne. Das gefällt nicht jedem.
Ralph Hage (rechts, hier mit OMR-Gründer Philipp Westermeyer) stammt aus dem Libanon. Er spricht und versteht zwar Deutsch, das Interview wollte er aber lieber auf Englisch führen. Foto: OMR
Inhalt
2,50 Euro für einen Cappuccino, 1,50 Euro für einen Espresso: LAP Coffee-Gründer Ralph Hage fordert mit Kampfpreisen große Player wie Starbucks heraus – und landet mitten in einem Shitstorm, auf dessen Höhepunkt Randalierende seine Filialen in Berlin mit Farbe beschmieren. Wie konnte das passieren? Im OMR Podcast spricht der Gründer über seinen Weg vom Investmentbanker zum Kaffee-Unternehmer, das Scheitern seines Liefer-Startups Yababa und die Farbbeutel-Attacken auf die Standorte in Berlin.
Im Grunde ist es verrückt: Da versucht ein Gründer eine Café-Kette aufzubauen und Cappuccino, Latte und Co günstiger zu machen – und gerät dadurch in einen Shitstorm, bei dem am Ende sogar Läden mit Farbe beschmiert werden. Genau das ist bei LAP Coffee passiert, obwohl die Kette gerade mal 26 Standorte hat und sich selbst erstmal gegen große Player wie Starbucks oder McDonald’s mit ihren McCafés behaupten muss. Im OMR Podcast diskutieren Podcast-Host Philipp Westermeyer und Gründer Ralph Hage diesen Widerspruch. Außerdem spricht Ralph Hage darüber,...
... wie er vom Libanon nach Berlin gekommen ist: "Versteh mich nicht falsch, ich habe schon immer den deutschen Fußball und deutsche Autos geliebt, aber es war eigentlich nicht mein Plan, wirklich nach Deutschland zu ziehen. Ich wollte eigentlich Banker in New York sein. Das habe ich auch erreicht, doch irgendwann wurde mir klar, dass das vielleicht doch nicht der richtige Ort für mich ist. Ich bin dann eher zufällig in Berlin gelandet."
Die Lehren aus dem Scheitern mit Yababa
... wie Yababa gegründet wurde und welche Lehren er aus dem Scheitern zieht: "Damals gab es weltweit gute Vorbilder, speziell in den USA, wo sich ein Startup auf asiatische Produkte spezialisiert hatte und extrem schnell skalierte. Am Ende des Tages ist Essen ein ganz besonderer Teil unseres Lebens. Essen ist das, was einen der Heimat näher bringt und wir wollten es den Menschen erleichtern, Zugang zu den Produkten zu bekommen, die sie lieben. Aber als der Markt einbrach, waren die Investor*innen natürlich finanziell stärker eingeschränkt – und für uns war es ohne zusätzliche Liquidität schwierig, die Geschäfte am Laufen zu halten. Letztlich mussten wir das Geschäft dann einstellen. Das uns alle sehr mitgenommen. Rückblickend ist das wahrscheinlich auch eine der wichtigsten Lehren, die ich aus dieser Zeit mitnehme. Für mich war damals klar: Wenn ich das noch einmal machen sollte, würde ich ein profitables Unternehmen aufbauen wollen, das unter allen Marktbedingungen überleben kann."
... wie es mit LAP Coffee los ging: "Im Kern wollten wir nicht einfach nur eine weitere Café-Kette aufbauen. Wir wollten ein Community-Unternehmen aufbauen, bei dem Kaffee als verbindendes Element dient. Gleichzeitig haben wir gesehen, was außerhalb von Deutschland im Kaffee-Bereich passiert – und haben dann geschaut, welche Schlüsse wir für den hiesigen Markt ziehen können. Tatsächlich ist Deutschland gemessen am Pro-Kopf-Verbrauch der größte Markt für Kaffee in Europa. Die Hälfte der Deutschen trinken mindestens einmal täglich Kaffee, meistens allerdings zu Hause. In Deutschland wird nur jeder zehnte Kaffee außer Haus getrunken, in Italien sind es vier bis fünf Tassen pro Tag. Und genau da sehen wir das größte Potenzial."
"Das hat uns als Team ziemlich getroffen"
... wie er die Farbbeutel-Angriffe auf LAP-Coffee-Filialen in Berlin wahrgenommen hat: "Eine Zeit lang gab es immer wieder solche Vorfälle – und wir hatten uns damit abgefunden, ohne viel Aufhebens darum zu machen. Natürlich war ich sehr überrascht, dass so etwas in Deutschland passiert. Am schlimmsten war, als alle Geschäfte in Berlin am selben Tag angegriffen wurden. Das hat uns kurzfristig ziemlich geschadet und uns auch als Team ziemlich getroffen. Denn eigentlich bauen wir ja ein Unternehmen auf, dass einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft haben soll. Und es gibt ja auch viele Leute, die LAP lieben, immer wieder zu uns in die Läden kommen und auch eine tolle Beziehung zu unseren Baristas haben. Am Ende haben wir uns gesagt, dass es eigentlich gar nicht um uns persönlich geht. Es ist schließlich auch unmöglich, den Kaffeemarkt zu monopolisieren. Es gibt 11.000 Cafés in Deutschland. In Berlin sind es 2.500. Ich habe nachgerechnet: Wir würden 450 Jahre brauchen, um den Kaffeemarkt in Deutschland zu monopolisieren."
... welche Wachstumspläne das Unternehmen hat: "Letztendlich ist unser Ziel, einen deutschen Player aufzubauen, der die Größe von Starbucks hat. Aktuell haben wir 26 Filialen. Zum Vergleich: Starbucks hat 180. Unser Ziel ist, bis Ende 2026 auf insgesamt 60 Fililalen zu kommen. Wir wollen daher in den Städten, in denen wir heute vertreten sind – also Berlin, München und Hamburg – weiter profitabel wachsen und mit Frankfurt, Köln und Düsseldorf in drei weitere Städte expandieren."
Was es kostet, eine LAP Coffee-Filiale zu eröffnen und welche anderen Ideen er für die Expansion von LAP hat, hörst du hier im OMR Podcast:
OMR PodcastGastronomieFood-Startups