Maserati-Wetten & Millionen-Risiken: Wie Bauunternehmer Kurt Zech ein Imperium aufgebaut hat
Tanja Karrasch4.1.2026
Der Bremer hat aus einem Zwei-Mann-Handwerksbetrieb ein Milliardenbusiness geschaffen. Im OMR Podcast spricht er über Meilensteine und Hürden auf dem Weg dorthin.
OMR-Gründer Philipp Westermeyer und Bauunternehmer und Immobilienentwickler Kurt Zech nach der Aufnahme in Hamburg. Foto: OMR
An der Spitze des fünftgrößten Bauunternehmens Deutschlands steht der Bremer Kurt Zech. 1978 hat er das Unternehmen als kleinen Handwerksbetrieb von seinem Vater übernommen und daraus ein Imperium geschaffen. Heute baut er Bürogebäude, Fußballstadien, Eventhallen, Gefängnisse, betreibt Hotels und zwischenzeitlich auch mal eine Reederei. Und wo Zech eine neue Chance sieht, ergreift er sie: Rund 80 Firmen hat Zech inzwischen aus der Insolvenz übernommen. Im OMR Podcast spricht Kurt Zech über seine Prognose für den Immobilienmarkt, die größten Meilensteine seiner Karriere – vom Bau des Düsseldorfer Kö-Bogens über seinen Start in die Hotelbranche mit Luxushotels von Sylt bis zum Tegernsee – und darüber, warum viele andere Bauunternehmen aktuell ums Überleben kämpfen.
Wenn es nach seinem Vater gegangen wäre, hätte Kurt Zech als Bankkaufmann Karriere gemacht. Doch stattdessen kehrte er der Sparkasse den Rücken und baute den kleinen Familienbetrieb zu einem Firmenimperium aus. Seine Zech Group macht heute rund 4,5 Milliarden Euro Umsatz im Jahr und beschäftigt mehr als 14.000 Mitarbeitende. In der aktuellen Episode spricht der Bauunternehmer über...
... die Bandbreite seiner Bauprojekte: "Also die BAM, diese Firma, die wir übernommen haben, die jetzt Zech Sports heißt, die hat zum Beispiel die Schalke Arena gebaut. Wir haben in Dresden das Stadion gebaut, wir haben in Karlsruhe das Stadion gebaut. Wir hoffen jetzt irgendwann den Zuschlag in Kiel zu kriegen. Wir sind mit Sicherheit der größte Stadionbauer in Deutschland. Wenn man unseren Katalog sieht von Zech Sports, ist das schon sehr, sehr beeindruckend. Ich habe das selbst erst durch den Prospekt gesehen, was wir alles bauen, und bin natürlich sehr, sehr stolz. (...) Eine andere Spezialeinheit, die wir haben, sind Justizvollzugsanstalten. Also Gefängnisse auf Deutsch."
... seine Einstellung zum Thema Homeoffice: "Ich bin ein absoluter Verfechter von Präsenz im Büro. Ich halte das Homeoffice für die größte soziale Ungerechtigkeit, die es gibt. 70 Prozent aller Deutschen können kein Homeoffice machen, weil sie entweder Lkw-Fahrer sind oder in einem Krankenhaus arbeiten oder Einzelhändler und Verkäufer sind oder im Hotel an der Rezeption sind, als Mauer, Handwerker oder in Fabriken arbeiten. Die können das alle nicht. Das ist diese elitäre Gruppe, diese Sesselfurzer, die um neun kommen und um 17 Uhr gehen und sich danach beschweren, wenn die Temperaturen ein halbes Grad zu viel sind. Das sind die, die das Thema Homeoffice machen."
... die Auftragslage und seine aktuell größten Projekte: "Wir haben einen irrsinnigen Auftragseingang: Wir bauen hier mit Züblin zusammen die neue U-Bahn U5 in Hamburg. Das ist ein Auftrag von 1,5 Milliarden. Und wir bauen jetzt hier in Hamburg gerade eine Schule in der Hafen City. Ich glaube, das sind auch 100 Millionen. Wir bauen für 350 Millionen eine Klinik. Wir bauen für 500 Millionen für die NRW-Bank eine neue Hauptverwaltung in Düsseldorf, auch mit Züblin zusammen. Das sind alles Auftragseingänge aus den letzten Wochen. Und das größte Projekt – darüber dürfen wir aber nicht sprechen – ist etwas für die Bundeswehr, auch mit zwei Partnern zusammen, das ist im 10-stelligen Bereich."
... die Wohnungsnot in Berlin und warum sie seiner Meinung nach vermeidbar wäre: "In Berlin wird im Augenblick am lautesten über Wohnungsnot geschrien. Aber die haben mal drei Flughäfen gehabt. Die haben Tempelhof geschlossen und haben dann eine Bürgerumfrage gemacht und mit einer geringen Mehrheit beschlossen, dass das nicht bebaut wird. Aber dann müssen die Stadt und die Bürger auch akzeptieren, wenn sie so ein Riesenfeld nicht bebauen wollen, dass sie sich nicht über Wohnungsnot beschweren können. (...) Dann hat man in Berlin den Flughafen Tegel zugemacht. Das ist sechs oder sieben Jahre her. Wenn ich da jetzt vorbeifahre, würde ich mich fragen: Wie viele tausend Wohnungen stehen da schon? Da steht noch gar nichts. Das kann doch nicht sein, dass da nur diskutiert wird, und hin und her lamentiert wird. Dass der Flughafen geschlossen wird, das wussten die schon Jahre vorher. Die hätten den Bebauungsplan fertig haben können, müssen und sollen. Und am Tag, nachdem das geschlossen wurde, hätten die da 100 Lkw, Radlader usw. hinstellen können, um anzufangen zu bauen."
... was geschehen muss, damit die Konjunktur in Deutschland wieder bergauf geht: "In Deutschland arbeiten wir wenigstens in Europa. Der Schnitt arbeitet 20 Prozent mehr. Ich meine, die Griechen, über die wir immer gelästert haben in der Finanzkrise, die führen die Sechs-Tage-Woche wieder ein. Und wir haben 30 Tage Urlaub. Wir arbeiten 35 Stunden, teilweise bei der IG Metall oder teilweise noch weniger. Das ist nicht mehr bezahlbar. Ich habe jetzt gerade gelesen, ein Automobilhersteller verlagert jetzt Produktionsreihen von Deutschland nach Ungarn. Ich glaube, das war Mercedes sogar, weil es dort 70 Prozent günstiger ist. Das müssen wir uns einfach vor Augen führen. Und ich glaube, es muss noch weiter runtergehen, bis dann auch die SPD bereit ist, Reformen zu machen. Die Rente ist ja auch so ein Thema. Wir wissen alle: Das, was da jetzt beschlossen wurde, ist nicht finanzierbar. Und ihr, die Jungen, ihr seid die Gekniffenen."
Im OMR Podcast spricht Kurt Zech außerdem über die Maserati-Wette, die er abgeschlossen hat, wie lang er noch arbeiten möchte, wie er sich die Zukunft der Zech Group vorstellt und welchen Luxus er sich leistet.
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