Mit Kostümen zum Marktführer: Wie Deiters das Business Karneval neu erfunden hat
Florian Rinke28.1.2026
Karneval ist ein Saisongeschäft – der Unternehmer hat trotzdem eine Multi-Millionen-Player gebaut.
Optik: Mailänder Kaufmann, Business: Kölner Karneval – Philipp Westermeyer (r.) besuchte Deiters-Chef Herbert Geiss in Frechen. Foto: OMR
Inhalt
Herbert Geiss ist gerade mal 20 Jahre alt und kommt frisch aus der Ausbildung, als er von seinem Onkel ein kleines Unternehmen für Schausteller-Bedarf übernimmt. Geiss ändert das Konzept – und baut innerhalb von rund 20 Jahren mit Deiters Europas größten Player für Karnevals-, Halloween- und Partybedarf auf. Im OMR Podcast verrät der Unternehmer, mit welchen Konzepten er inzwischen ganzjährig mehrere tausend Quadratmeter Ladenfläche bespielt, welcher Standort extrem riskant war – und wie er zu Robert Geiss steht.
Mit Karneval werden Schätzungen zufolge rund zwei Milliarden Euro pro Jahr umgesetzt – der größte Teil im Einzelhandel. Der Markt ist also riesig, trotzdem gab es dort jahrelang keine großen Unternehmen – es bleibt am Ende ein Saisongeschäft. Herbert Geiss hat das mit Deiters geändert. Mit 20 Jahren hat er ein kleines Unternehmen für Schausteller-Bedarf von seinem Onkel übernommen. Heute betreibt er 34 Kostüm-Kaufhäuser mit mutmaßlich zwischen 40 und 50 Millionen Euro Umsatz. Im OMR Podcast spricht er über...
...die Entstehung des Kostümverkaufs: "Wir hatten eigentlich ein reines Großhandelsgeschäft. Die Zahlungsmoral unserer Kund*innen war allerdings nicht die Beste. Irgendwann haben wir dann gesagt: Ok, wir machen jetzt hier Cash and Carry, das heißt: Ware, die rausgeht, ist auch immer direkt bezahlt – selbst wenn ich dafür auf Marge verzichten muss. Und weil Karneval bei uns im Endeffekt der Fokus war, haben wir beschlossen, den Fokus auf Verkleidung zu legen."
60 Prozent des Umsatzes mit Karneval
... die Entwicklung neuer Themen: "Aus unserer Sicht wurde das Thema Halloween nicht richtig angepackt von Discotheken und so. Auch in Köln war es damals noch nicht so hip, sich als Hexe oder als Dracula in die Bahn zu setzen. Also haben wir die größte Halloween-Party Deutschlands in der Lanxess-Arena gemacht. Und auf einmal wurde in den Medien nicht nur über Kostüm-Trends berichtet, sondern auch über die große Party – und dadurch haben wir uns die Nachfrage ein Stück weit selbst geschaffen."
... die Diversifizierung des Geschäftsmodells: "Also früher waren wir sehr stark abhängig vom Geschäft in den Monaten Januar und Februar, aber mittlerweile machen wir mit Karneval nur noch rund 60 Prozent des Umsatzes, der Rest verteilt sich aufs Jahr. Wir haben ein abweichendes Wirtschaftsjahr zum 1. April, weil wir dann bei der Inventur weniger zählen müssen, weil hoffentlich der größte Teil abverkauft ist. Und nach der Inventur starten wir eigentlich schon direkt mit Abi-Gags, Motto-Partys, Mallorca-Openings, auch die Festivalsaison geht los, Ibiza geht los und natürlich gibt es auch noch den Schlager-Move in Hamburg."
"Sowas brauchen wir hier nicht"
... Neueröffnungen an ungewöhnlichen Standorten: "Das Krasseste, was wir gemacht haben, war nach Berlin zu gehen. Damals hat mein Vater noch gelebt, den ich dann auch mitgeschleppt habe zu unserer Filiale am Alexanderplatz. Da war eine Riesenbaustelle. Wir haben auf den Fernsehturm geguckt und gesagt: Also wenn, dann hier. Später sind wir dann nochmal hingeflogen und haben den Taxifahrer gefragt, wo man hier Karneval feiert. Und er meinte nur: Sowas brauchen wir hier nicht – und wir dachten uns nur: Scheiße, was haben wir gemacht? Aber am Ende muss man sagen, gerade zu Halloween ist das eine unserer besten Filialen. Es ist am Ende unsere größte Stadt mit mehr als vier Millionen Einwohnern. Und da verkleidet sich am Ende halt immer irgendwer mal. Deswegen suchen wir auch noch nach einem weiteren Standort.
... Kooperationen mit Marken: "Ich glaube, eine tolle Kooperation hatten wir beim Thema Haribo. Da hatten wir im Endeffekt alles, was jeder zum Naschen kennt, als Kostüm auf der Straße. Wir hatten denen vorher schon mal eine Anfrage geschickt, das hat aber irgendwie nicht so gefruchtet. Und dann kamen die auf und uns zu und sagten, wir wollen ich mit euch zusammenarbeiten.
... seinen Cousin, den Fernseh-Promi Robert Geiss und dessen Bruder, die das Modelabel Uncle Sam gegründet haben: "Die zwei haben es gut gemacht und ja, es sind definitiv auch gute Kaufleute gewesen. Aber wir haben gar keinen Kontakt. Wir haben, glaube ich, andere Sichtweisen, was das Leben angeht. Aber es ist auch nicht schlimm. Ich habe keinen Beef, keinen Stress."
Mehr über das Geschäft von Deiters hörst du hier:
OMR Podcast