Neue Fans für die Formel 1: Das Gen-Z-Playbook der Visa Cash App Racing Bulls

Florian Rinke23.9.2026

Einst war das Team der erfolgloseste Rennstall der Formel-1-Geschichte. Dann kam Red Bull.

Mit 22 Jahren im Formel-1-Cockpit: Der Japaner Yuki Tsunoda fährt in dieser Saison für die Visa Cash App Racing Bulls, wie hier beim Großen Preis von Madrid. Foto: Getty Images/Red Bull Content Pool
Mit 22 Jahren im Formel-1-Cockpit: Der Japaner Yuki Tsunoda fährt in dieser Saison für die Visa Cash App Racing Bulls, wie hier beim Großen Preis von Madrid. Foto: Getty Images/Red Bull Content Pool
Einst waren die heutigen Racing Bulls das erfolgloseste Team der Formel-1-Geschichte. Inzwischen ist das Team die Talente-Fabrik der Rennserie geworden. Der Fokus auf die Jugend hat nicht nur sportliche Gründe. Teamchef Peter Bayer hat die Marke Racing Bulls im großen Red-Bull-Reich speziell auf junge Generationen ausgerichtet. Es ist nicht das erste Mal, dass ihm dieser Schritt gelingt.
Um in der Formel 1 vorne dabei zu sein, optimieren die Teams quasi ganzjährig alle erfolgsentscheidenden Bausteine, vom Fahrwerk bis zum Luftwiderstand. Bei den Visa Cash App Racing Bulls optimieren sie noch etwas anderes: Ihre Social-Reichweiten. Teamchef Peter Bayer weiß, dass es auf der Rennstrecke schwer wird, gegen Ferrari, Mercedes und Co. zu bestehen. Doch bei Tiktok und Co. kann das Zweitteam der Brausemarke Red Bull ganz eigene Bestmarken aufstellen.
Seit Liberty Media die damals angeschlagene Rennserie Formel 1 im Jahr 2017 gekauft hat, wächst das Interesse in keiner Zielgruppe so stark wie bei den jungen Menschen. Das liegt vor allem an der Netflix-Doku-Serie "Drive to survive", die sogar aus F1-Teamchefs inzwischen gefragte Stars gemacht hat. Vor dem Start der Serie „Drive to survive“ waren 2018 rund 264.000 Zuschauer beim Rennen in der texanischen Stadt Austin an der Strecke. 2021 waren es bereits 400.000, von denen 70 Prozent zum ersten Mal bei einem Rennen der Formel 1 waren. Laut Daten der Formel 1 hat jeder dritte Fan den Sport erst in den vergangenen vier Jahren für sich entdeckt, die Mehrheit davon ist unter 30. 
"Wir sind der größte Talenteproduzent der Formel 1"
Peter Bayer hat von Red Bull den Auftrag bekommen, dieses Potenzial zu heben. "Unser Team ist ganz klar fokussiert auf eine junge Zielgruppe, die Gen Z", sagt der Racing-Bulls-CEO im OMR Podcast. Dafür setzt der Nachwuchs-Rennstall der Brause-Marke Red Bull einerseits auf junge Fahrertalente. Liam Lawson ist 24 Jahre alt, Arvid Lindblad sogar erst 19 Jahre. "Wir sind der größte Talenteproduzent der Formel 1", sagt Peter Bayer im OMR Podcast und verweist auf rund 20 Fahrer, die ihre Karriere im Team begonnen haben, von Sebastian Vettel bis Max Verstappen. 
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Racing-Bulls-Chef Peter Bayer (stehend) zeigt OMR-Gründer Philipp Westermeyer beim Treffen in Italien einen der Formel-1-Rennwagen. Foto: OMR
Andererseits überlegt das Team auch, wie man rund um die Rennboliden neue Geschichten abseits der Asphaltstrecke erzählen kann. Peter Bayer erzählt, man sei dieses Jahr beispielsweise mit einem Fahrzeug zu Gast beim "Glücksgefühle"-Festival gewesen. Bei jungen Menschen kommt das offenbar an. "Wir haben die größten Wachstumsraten an Fans", sagt Peter Bayer im OMR Podcast. Generell sei man sehr früh bei Plattformen wie Tiktok und Snapchat dabei gewesen, auch Instagram und Youtube spielen in der Strategie eine große Rolle. 
Die eigene Historie ermöglicht es dem Team dabei, in viele Richtungen kreativ zu sein. Denn anders als traditionsreiche (Auto-)Marken wie Ferrari oder Mercedes, sind die Racing Bulls noch immer ein sehr junges Team – zumindest mit Blick auf den Namen. Zwar hatte Red-Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz bereits 2005 das damalige Team Minardi, einst das erfolgloseste Team der Formel-1-Geschichte, übernommen und zum Nachwuchsteam des ein Jahr zuvor gestarteten Red Bull Racing-Teams aufgebaut. Anfangs hieß der Rennstall allerdings noch Toro Rosso, später dann Alpha Tauri. Erst 2024 wurde der Name Racing Bulls eingeführt. 
Racing-Bulls-Chef machte Snowboard zum Lifestyle
Kurz zuvor hatte sich Peter Bayer dem damals nach Red Bulls Modemarke benannten Team Alpha Tauri angeschlossen. Und allein mit Blick auf den Lebenslauf scheint er der perfekte Kandidat für die Mission Jugend der Racing Bulls zu sein: Vor seinem Wechsel 2023 in das Red-Bull-Reich war der 55-Jährige bereits im Wintersport und Eventbereich tätig. Er arbeitete für den Snowboard-Verband und positionierte die Sportart als Jugendphänomen. "Wir hatten die Idee, dass Snowboard nicht eine Idee, sondern einen Lifestyle propagiert", sagt Peter Bayer im OMR Podcast. Später war er auch CEO der Olympischen Jugend-Winterspiele und Regelwächter bei der Formel-1-Organisation FIA unter dem legendären Präsidenten Jean Todt.
Für Marken mit Fokus auf junge Zielgruppen sind die Racing Bulls mit ihrem Fokus auf die Jugend daher besonders interessant. Der deutsche Modehersteller Hugo Boss platziert bewusst seine Jugendmarke "Hugo" bei den Racing Bulls, der US-Techkonzern Block wiederum nutzt das Team, um seine "Cash App" bekannt zu machen. Und natürlich ist das Team auch ein Marketing-Vehikel von Eigentümer Red Bull, das eine junge Zielgruppe erreichen möchte, wenn rund um die Rennen Promis und Influencer*innen zu Besuch sind und von ihren Erlebnissen bei den Racing Bulls berichten. 
Fehlt nur noch, dass die Racing Bulls auch Titel gewinnen – aber das, sagt Peter Bayer offen, sei noch ein weiter weg. Dennoch: Als reines Party-Halligalli-Projekt will er die Racing Bulls auch nicht verstanden wissen. Im Kern geht es auch ihm um Performance: "Letztes Jahr waren wir Sechster in der Weltmeisterschaft. Das war für alle eine riesige Geschichte. Aber fünf Minuten nachdem das klar war, haben wir ein Bier getrunken auf der Terrasse in Abu Dhabi und uns das Ziel gesetzt, nächstes Jahr Fünfter zu werden."
Formel 1Red BullNetflixDrive to surviveOMR Podcast
Florian Rinke
Autor*In
Florian Rinke

Florian Rinke ist Head of Content bei Podstars und Host des Podcast "OMR Rabbit Hole". In seiner Rolle kümmert er sich um alle redaktionellen Formate von Podstars – insbesondere natürlich um den OMR Podcast. Vor seinem Wechsel Anfang 2022 zu OMR berichtete er mehr als sieben Jahre lang für die Rheinische Post über Start-ups und Digitalpolitik. 2020 erschien sein Buch „Silicon Rheinland".

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