Ihr Essay erreichte sogar den Kanzler: Wie Judith Dada Europas Antwort im KI-Wettrennen aufbaut
Florian Rinke14.10.2026
Im OMR Podcast spricht die frühere Investorin über ihren Wechsel zum KI-Startup Langdock.
Langdock-Co-CEO Judith Dada und OMR-Gründer Philipp Westermeyer trafen sich bei einem Live-Event von OMR Reviews in Berlin zum Gespräch. Foto: OMR
Noch bevor Judith Dada überhaupt von der Idee für Langdock gehört hatte, wusste sie innerlich: Egal, was dieser Gründer plant – ich investiere. Heute ist aus dem Gründer des KI-Startups ihr Geschäftspartner geworden. Judith Dada hat die Seiten gewechselt. Die einstige Venture-Capital-Investorin hat als Co-CEO bei Langdock angeheuert, auch wenn sie dafür kurzfristig auf viel Geld verzichten musste. Was treibt sie an?
Auf den ersten Blick klingen die Ambitionen des Startups Langdock mal wieder typisch deutsch: Bau eines Rechenzentrums für ein paar Millionen statt Milliarden wie in den USA, lieber Fast-Follower als Frontier-Firma, profitables Wachstum statt Finanzierungsrunden im Wochenrhythmus. Alles also ein bisschen kleiner, ein bisschen langsamer, eben ein bisschen deutscher als das, was da gerade im Silicon Valley passiert, würde man meinen. Wenn da nicht Judith Dada wäre.
Ihr Lebenslauf passt irgendwie so gar nicht zu diesem ersten Eindruck. Aufgewachsen in einfacheren Verhältnissen, Studium an den Top-Universitäten der Welt, Venture-Capital-Investorin mit Anspruch. "Ich will in einen Raum gehen, in dem der Fakt, dass ich in dem Raum bin, einen Unterschied macht", hat sie beschrieben, warum sie einst ihren Job bei Meta aufgab, um stattdessen zu einem auf Europa fokussierten Venture-Capital-Geber wie La Famiglia zu gehen. Und im Grunde gilt der Satz noch immer, nur jetzt eben bei Langdock.
Das Startup hat eine Plattform entwickelt, über die Unternehmen KI-Lösungen nutzen können – datenschutzkonform und modellagnostisch. Den Langdock-Nutzenden soll es egal sein können, ob jetzt gerade das neuste Modell von OpenAI, Anthropic oder Google führend ist, weil Langdock bei jeder Anfrage im Hintergrund nach dem effizientesten Weg der Beantwortung sucht – und dabei mal auf dieses und mal auf jenes Modell zurückgreift. Judith Dada ist überzeugt, dass dieser Ansatz langfristig deutliche Vorteile für Unternehmen bieten wird, weil es Fehlanreize nivelliert: Während Kund*innen bei KI-Anbietern immer das beste Modell zum niedrigsten Preis haben wollen würden, sei es bei den KI-Firmen genau umgekehrt. Ihr Interesse müsse sein, der Einzelperson die geringste Intelligenz für den höchsten Preis zu verkaufen.
Gründer Lennard Schmidt hat Judith Dada so sehr überzeugt, dass sie schon während ihrer Zeit als Venture-Capital-Geberin signalisiert hatte, ihn unterstützen zu wollen: "Ich habe damals schon gesagt: 'Lenny, ganz egal, was du machst, ich will investieren', weil ich so viel von ihm gehalten habe." Und als er sie dann fragte, ob sie seine Co-CEO werden wolle, verzichtete sie sogar auf einen größeren Teil ihres Gehalts, um den Job übernehmen zu können (auch wenn das Equity-Package diese Einbußen im Erfolgsfall um ein Vielfaches kompensieren dürfte).
Mit Langdock setzt sie jetzt voll auf die Stärken der Positionierung als deutsche bzw. europäische Firma. Sogar der Firmensitz in den USA, den man damals für eine Finanzierung durch den renommierten Y Combinator benötigt hatte, hat man inzwischen wieder aufgegeben. Europe first. Sogar ein Rechenzentrum soll zeitnah in Deutschland entstehen, auch wenn die Bundesrepublik gemeinhin als Hochpreis-Energieland gilt und nicht unbedingt ideal als Standort erscheint. Aber auch diesen Gedanken lächelt Judith Dada bei der Aufnahme des OMR Podcasts in Berlin einfach weg: Klar, Energie sei teurer, das sei aber angesichts der hohen Profitabilität von Rechenzentren verkraftbar, solange man an anderer Stelle effizient sei.
Europa und dessen Zukunft, das ist ein Thema, was Judith Dada auch abseits des eigenen Unternehmens umtreibt. Im Juni hat sie gemeinsam mit anderen Autor*innen einen Essay veröffentlicht, "Europe 2031". In diesem skizzieren sie in Chat-artiger Form die Folgen, wenn Europa seinen Zugang zu KI verspielen sollte. Die Form ist dabei Teil des Konzepts. "Wir haben viele Reports, wir haben viele Zahlen, die haben irgendwie nichts bewirkt. Wir müssen Menschen emotional erreichen", sagt Judith Dada im OMR Podcast. Der Essay schlug Wellen, wurde bis in die höchsten Kreise der Politik gelesen. Kürzlich durfte Judith Dada bei einer Kabinettsklausur der Bundesregierung sprechen und auch Kanzler Friedrich Merz (CDU) ihre Sichtweise schildern.
Was sie der Bundesregierung mitgegeben hat und warum aus ihrer Sicht selbst die vergleichsweise geringen Investitionskosten von etwa zehn bis 20 Millionen Euro für das Rechenzentrum kein gravierender Nachteil sind angesichts von Milliarden-Investitionen in den USA, erklärt sie im OMR Podcast.
Hier geht's zur ganzen Folge:
KIOMR Podcast




