Dean&David-Gründer: Wie gesundes Fast Food ein Millionen-Business wurde
Tanja Karrasch31.12.2025
David Baumgartner hatte die Idee zu Dean&David auf einer Weltreise. Heute macht sein Unternehmen 140 Millionen Jahresumsatz mit Bowls & Salat.
OMR-Gründer Philipp Westermeyer mit David Baumgartner von Dean&David. Foto: OMR
Einen Dean gibt es nicht, einen David schon: David Baumgartner ist der Gründer der Gastro-Kette, die gesundes Fast Food an Bahnhöfen, in Innenstädten und Einkaufszentren anbietet. Die Idee dazu kam ihm während einer Weltreise – heute gibt es bereits über 160 Filialen. Im OMR Podcast spricht Baumgartner über ambitionierte Wachstumspläne, seine größten Fehlentscheidungen, seine Investments in Startups und darüber, wie er einmal von eigenen Mitarbeitern im großen Stil betrogen wurde.
David Baumgartner hat Dean&David 2007 gegründet. Manchmal wundert er sich selbst, dass es in der Sparte der gesunden Mahlzeiten to go immer noch keine Mitbewerber gibt, die ihm ernsthaft Konkurrenz machen. Im OMR Podcast spricht er über...
... den Kern des Unternehmens: "Das Foodteam hat ein recht großes Büro, weil das für mich immer der Kern und die Essenz von Dean&David ist. Das ist bis heute so. Es geht kein Gericht raus, das ich auch jetzt als Bordmitglied oder New Shareholder, nicht verkostet habe. Ich muss schauen, dass sie passen, dass die schmecken. Und das muss ehrlich und gut sein. Das haben, glaube ich, viele andere Konzepte am Ende irgendwo vergessen zwischen Excel-Tabellen und Marketing und Expansion und so weiter. Am Ende geht es darum, dass du richtig gutes Essen hast."
... die Idee zur Gründung auf seiner Weltreise: "Im Grunde ist Dean&David ein Sammelsurium von Eindrücken, die ich auf dieser Reise kennengelernt habe. Das ist ein Potpourri von Sachen, die ich gefunden habe, die ich richtig gut fand. Ich war total beeindruckt in Bangkok von diesen Straßenküchen. Das war 2005, das kanntest du in Deutschland ja gar nicht. Oder dann bin ich nach Australien gekommen, da war an jeder Ecke schon eine Juice Bar. Das war völlig normal. Die Australier sind morgens aus dem Haus gegangen, haben sich erstmal frisch gepressten Saft geholt. Gab es alles nicht in Deutschland. Oder Salatbars, die sind in New York aufgekommen. Und dann hatte ich einen Aha-Moment, das war in Australien, Neuseeland. Die waren uns da wahrscheinlich 20 Jahre voraus, was das gesunde Essen angeht. Da stand ich eines Morgens in Sydney vor so einem Laden und habe gesagt: Mensch, das ist eigentlich genau das, was ich machen will."
... die Vor- und Nachteile eines breit aufgestellten Konzepts: "Das war sicherlich ein Thema, wo ich rückblickend vielleicht den ein oder anderen Fehler gemacht habe. Ich habe das Talent, zu kreativ zu sein und Sachen zu komplex werden zu lassen. Ich habe mal gelesen von dem ehemaligen Fiat-Manager, der hat gesagt, die größte Kunst eines CEOs ist es eigentlich, die Firma nicht immer komplexer werden zu lassen, weil das einfach so ein natürlicher Drang ist. Du denkst: Das, was ich jetzt habe, funktioniert. Jetzt probiere ich doch noch was anderes dazu und noch was dazu und noch was dazu. Und am Ende würde ich sagen, es gibt kein Konzept im deutschsprachigen Raum, was so breit aufgestellt ist, wie Dean&David. Wir sind am Flughafen, wir sind an der Tankstelle, wir sind im Bahnhof, wir sind im Shopping-Center, wir sind Downtown, wir sind in reinen Business-Lagen, wir machen Catering, wir machen Delivery. Und das hat uns natürlich in Corona zum Beispiel richtig geholfen. Delivery ist ja durch die Decke gegangen. Also von daher hat das auch seine Vorteile. Aber es macht die Firma auch extrem komplex."
...seine Entscheidung, das Unternehmen nicht zu verkaufen: "Das ist eine Frage, die werde ich oft gefragt und ich frage dann immer zurück: Guck mal, wir leben hier im Land von Bosch, Siemens, Mercedes-Benz, wie sie alle heißen. (...) Und ich verstehe nicht, wo dieser Wunsch herkommt, wenn man was Großartiges aufgebaut hat – und so stolz und frei bin ich jetzt mal, das von Dean&David zu behaupten – warum soll ich das verkaufen? Warum soll ich das nicht behalten und vielleicht sogar irgendwann in die nächste Generation überführen? Und deswegen ist das für mich eigentlich überhaupt kein Thema, sondern ganz im Gegenteil: Ich bin in meiner neuen Rolle echt glücklich und ich glaube, ich bringe da auch echt einen Mehrwert. Meine neue CEO ist sicherlich hier und da mal ein bisschen genervt von mir, aber das ist auch okay, das gehört dazu. Und dann freue ich mich jetzt einfach unfassbar auf die nächsten Jahre, Jahrzehnte."
...gehypte Food-Spots: "Es gab in den letzten Jahren auch durch Social Media befeuert viele Konzepte, die sehr steil und schnell nach oben gegangen sind. Und ich frage mich immer: Wenn du einen Hype entfachst und dann stehen da Leute vor deinem Laden in einer riesigen Schlange, dann kann es ja eigentlich nur noch nach unten gehen. Also du machst auf, dann lädst du irgendeinen Influencer ein und der postet das und am nächsten Tag hast du eine Schlange von 100 Metern vor mit der Tür. Und dann komme ich als Gast und stelle mich vielleicht 100 Meter in die Schlange rein, warte eine Stunde, kriege was zu essen. Erstens ist die Erwartungshaltung riesig, denn wenn ich eine Stunde draußen warte und es ist dann nicht gut, dann komme ich eh nicht mehr wieder. Zweitens kann kein Konzept der Welt eine 100-Meter-Schlange aufrechterhalten. So, was passiert dann? Dann komme ich drei Monate später, dann ist die 100 Meter-Schlange nur noch 20 Meter lang oder vielleicht nur noch 10 Meter lang. Dann denke ich doch als Gast: Hm, warum ist die nicht mehr 100 Meter lang? Lohnt sich das überhaupt noch? Also es geht ja eigentlich nach unten, statt nach oben."
Im OMR Podcast spricht David Baumgartner außerdem über seinen außergewöhnlichen Ausbildungsweg, erste Berufserfahrungen als Kellner im legendären P1 und das Franchise-Konzept gesprochen.
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