KPI-Insights zur Baller League: So lief die erste Saison

Ein Streifzug durch Reichweiten, Engagement-Werte und die Entwicklung der Follower-Zahlen

Zweikampf in der Baller League: "Wir sind unsere Reise nie für irgendwelche Reichweiten angetreten." (Foto: Baller League)
Zweikampf in der Baller League: "Wir sind unsere Reise nie für irgendwelche Reichweiten angetreten." (Foto: Baller League)

Was mit einem exklusiven OMR-Artikel Ende Juli 2023 zu den Plänen der neuartigen Indoorfußball-Kleinfeldliga begann, hat knapp neun Monate später den Praxistest erfolgreich bestanden: Seit vergangenem Montag ist die erste Saison der Baller League in den Büchern. OMR hat mit den Machern gesprochen und einen exklusiven Einblick in die wichtigsten KPI des innovativen Fußball-Wettbewerbs um Co-Founder Mats Hummels bekommen.

Am 8. April pilgern rund 12.000 Sport- und Entertainment-Interessierte zum Final Four der Baller League in den Düsseldorfer PSD Bank Dome. Eine Sache fällt an diesem Montagabend besonders auf: Das Publikum ist sehr gemischt – manche tragen Trikots, einige kommen mit Partner*in, andere mit einem Elternteil. Es liegt eine gehörige Portion Neugier in der Luft. Viele Dialoge in der pickepacke vollen Straßenbahn-Linie 701 zur Arena deuten darauf hin, dass ein großer Teil der Besucher*innen auch nicht so ganz genau weiß, was er in den dann folgenden über fünf Stunden zu erwarten hat.

Diese Neugier bei den Menschen rund um den PSD Bank Dome hat sich die Baller League mit ihrem Mut verdient, als First Mover in Deutschland ein saisonales Fußball-Entertainment-Produkt an den Start zu bringen. Und diese Neugier spiegelt sich nicht nur auf Fan-Seite wider, sondern auch in der Business-Welt. Die Baller League ist "talk of town" – alle wollen vor allem wissen, welche KPI die Liga in ihrer Premieren-Saison erreicht hat.

2,9 Millionen Live-Views pro Spieltag

"Schon die Hälfte von allem hätten wir als Erfolg definiert. Die Hälfte der Zuschauer, die Hälfte der sportlichen Qualität. Wir haben unsere Erwartungen verzehnfacht", hatte Baller-League-CEO Felix Starck schon vor anwesenden Journalisten beim Final-Four-Turnier im Düsseldorfer PSD Bank Dome mitgeteilt. Und wieviele Menschen waren zusätzlich zu den 12.000 Fans vor Ort von zu Hause aus dabei?

Gegenüber OMR liefert die Baller League erstmals exklusive Einblicke in verschiedene mediale Kennzahlen – und die können sich zweifelsohne sehen lassen, wie die folgenden Werte exemplarisch zeigen:

  • Die durchschnittlichen Live-Views auf Twitch lagen pro Spieltag bei 2,9 Millionen. Die Zahl beinhaltet sowohl den Kanal der Baller League als auch die jeweils teilweise streamenden Team-Manager. Insbesondere sind hier HandOfBlood, Knossi, MontanaBlack und Trymacs zu nennen, die zusammen auf 12,2 Millionen Follower*innen bei Twitch kommen. Beim Final Four stieg die Zahl der Live-Views auf knapp 3,7 Millionen.
  • Der absolute Peak der gleichzeitigen Live-Zuschauer*innen lag in der ersten Saison der Baller League bei 453.083; Die Zahl bezieht sich auf die Summe der Twitch-Channels sowie der TV-Übertragung bei Pro Sieben Maxx. Der durchschnittliche Peak pro Spieltag lag bei 349.678.
  • Seit dem ersten Spieltag ist die Baller League auf Platz eins der deutschsprachigen Twitch-Charts nach durchschnittlichen Zuschauer*innen. Zum Ende der Saison und dem Final Four erreichte der Channel außerdem den dritten Platz im globalen Twitch-Ranking.

Baller-League-Chef Starck und CMO Daniel Donaldson freuen sich zwar einerseits über derartige Zahlen. Doch Im Gespräch mit OMR betonen sie auch, dass es ihnen im Grunde um etwas ganz anderes geht. "Wir sind unsere Reise nie für irgendwelche Reichweiten angetreten. Deswegen tue ich mich da etwas schwer, zu frohlockend zu sein", sagt CEO Starck. Natürlich stünden "in Sponsoring-Verträgen Reichweiten-Ziele, die wir gewissermaßen erreichen müssen, aber die wollte ich da nie zwingend verankert wissen". Umso mehr freue es ihn, dass diese Ziele teilweise schon am dritten, vierten, fünften Spieltag erfüllt wurden: "Das hat uns die Ruhe gegeben, uns verstärkt um unser fußballerisches Produkt zu kümmern", sagt Starck und schiebt noch hinterher: "Die Baller League ist aus einem emotionalen Grund gegründet worden – und nicht aus einem monetären. Sie soll eine Bühne für talentierte Fußballspieler sein."

Draft bringt exponentielles Follower-Wachstum

Abseits der Live-Reichweite lohnt sich ein tieferer Blick in die Daten. Bereits Anfang November 2023 launcht die Baller League ihre Accounts bei Twitch und Instagram. In den ersten Wochen tut sich dort naturgemäß noch recht wenig, wie Zahlen zeigen, die der Social-Media-Analyst Result Sports exklusiv für OMR erhoben hat. Als das Produkt dann allerdings mit dem Draft am 15. Januar zum ersten Mal mit Leben gefüllt wird, schnellen die Werte schlagartig in die Höhe.

Bei Instagram wächst die Zahl der Follower*innen binnen einer Woche von 50.381 auf 90.475 (+79,58 Prozent), bei Twitch von 21.425 auf 51.251 (+139,21 Prozent). Auch der dann folgende erste Spieltag am 22. Januar gibt den Kanälen der Baller League noch einmal einen gehörigen Push von jeweils über 70 Prozent auf 157.028 Follower*innen (Instagram) beziehungsweise 89.374 (Twitch). Im Anschluss fällt das Wachstum zwar deutlich geringer aus. Dennoch legt die Baller League im elfwöchigen Zeitraum zwischen dem ersten Spieltag bis zum Final Four am 8. April deutlich zu: bei Instagram um 338 Prozent auf 305.943 Follower*innen, und bei Twitch um 451 Prozent auf 231.338.

Die Zahlen des Tiktok-Accounts der Baller League zeichnen bei der Entwicklungskurve ein identisches Bild – allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau. Offensichtlich steht der im Dezember gestartete Kanal für die Baller League in der Prioritätenliste der ersten Saison noch nicht an allerhöchster Stelle. In der Woche des Drafts wächst der Account um 250 Prozent von 3.200 auf 11.200 Follower*innen und legt in der Folge bis zum Final Four immerhin auf 71.700 zu.

Hinzu kommen über 50.000 Abonnent*innen bei Youtube. Die Baller League hat hier bis heute 219 Videos veröffentlicht und damit 13,9 Millionen Aufrufe generiert. Das entspricht im Schnitt rund 63.500 Views. Auch die einzelnen Teams kommen bei Youtube auf zum Teil hohe Reichweiten und zeigen die Bedeutung des Kanals.

Zwischen dem ersten Spieltag am 22. Januar und bis kurz nach dem Final Four hat die Baller League via Instagram, Tiktok und Youtube zusammengerechnet rund sechs Millionen Interaktionen erzielt, wie die Verantwortlichen gegenüber OMR mitteilen. "Lediglich die Bundesliga sorgte von allen nationalen Sportwettbewerben für ein höheres Engagement in diesem Zeitraum", heißt es vonseiten der Baller League.

Baller League im Sandwich zwischen Icon League und Kings League

Stand 22. April sieht die Anzahl der Follower*innen der Baller League wie folgt aus: Instagram = 312.000, Twitch = 231.357, Tiktok = 76.300, Youtube = 52.900; Die Lücke zur führenden spanischen Kings League, die wiederum bereits Anfang 2023 als First Mover in das saisonale Influencer-Fußball-Game eingestiegen war und damit genau ein Jahr Vorsprung hat, ist wenig überraschend sehr groß: Die Liga des Ex-Profis Gerard Piqué weiß bei Instagram (2,4 Millionen), Twitch (3,1 Millionen) und Tiktok (6,3 Millionen) jeweils eine siebenstellige Anhängerschaft hinter sich. Die internationalen Accounts kommen sogar noch dazu. Bei Youtube sind es 870.000 Subscriber*innen (2.328 Videos mit insgesamt 218,7 Millionen Aufrufen, beziehungsweise durchschnittlich 94.000).

Interessant an den Zahlen: Anders als bei der Baller League ist Tiktok der mit Abstand stärkste Kanal der Kings League. Das Verhältnis der Video-Likes liegt hier bei 1,6 Millionen (Baller League) zu 264,1 Millionen (Kings League).

Auch wenn sie, wie von CEO Starck formuliert, keinen Fokus auf Reichweiten-Maximierung hat, sollte die Baller League darüber hinaus den Blick in den Rückspiegel nicht versäumen. Denn hier drängelt bereits die im November 2023 bekannt gegebene Icon League mit vergleichsweise beachtlichen Zahlen – und das, obwohl die Liga von Real-Madrid-Profi Toni Kroos und Streaming-Star Elias Nerlich erst nach der im Sommer stattfindenden Fußball-Europameisterschaft starten wird. Die Icon League zählt bei Instagram bereits 262.000 Follower*innen, bei Youtube 51.000 und bei Tiktok 45.100 – und damit deutlich mehr, als die Baller League vor ihrem ersten Anpfiff hatte.

Tiktok-Team-Manager*in für Verjüngungskur

Die Anzahl der Zuschauer*innen und Follower*innen ist das eine. Aber wie sieht denn eigentlich der typische Baller-League-Fan aus? Beim Blick auf die Altersstruktur bestätigt sich das, was beim Final-Four-Turnier rund um den Düsseldorfer PSD Bank Dome schon nach wenigen Minuten ersichtlich wurde. "Die 20- bis 35-Jährigen sind mit großem Abstand unsere aktuelle Kernzielgruppe. Dabei hatten wir zuvor gedacht, dass diese die am schwersten zu erreichende für uns wäre", sagt Felix Starck. Und weiter: "Es war von Beginn an gleichermaßen unsere Herausforderung und unser Wunsch, die Baller League nicht nur für die Generation Tiktok zu gestalten. Dass unsere Kernzielgruppe nun in der ersten Saison etwas älter ist, hat mich daher unglaublich gefreut."

Die aktuelle Kernzielgruppe der Baller League spiegelt sich auch in der Zusammensetzung der Team-Heads wider. "Wir haben die ganz großen Namen der Streaming-Szene, aber genauso auch Comedians, Musiker und Fußball-Weltmeister. Das ist aus unserer Sicht ein ziemlich gesunder und diverser Mix", sagt Starck. Nichtsdestotrotz wolle die Baller League perspektivisch auch "noch relevanter in der jüngeren Zielgruppe der unter 20-Jährigen werden". Er sagt: "Wir glauben, dass wir das am besten über die richtigen Held*innen der Generationen Z und jünger und die entsprechenden Kanäle wie Tiktok schaffen. Hier werden wir zur zweiten Saison auch im Bereich der Team-Manager*innen nachlegen."

Baller League wächst auf 14 Teams

Zur zweiten Saison wird die Baller League von zwölf auf vierzehn Teams wachsen. Wer die neuen Team-Manager*innen sein werden, steht derzeit noch nicht fest. CEO Starck bestätigte aber gegenüber OMR, dass die bisherigen zwölf Teams samt ihren prominenten Köpfen in Gänze bei der Baller League an Bord bleiben werden.

Das aus fußballerischer Sicht wohl prominenteste Manager*innen-Duo besteht dabei aus Lukas Podolski und Alisha Lehmann. Die Schweizer Nationalspielerin ist aktuell bei Aston Villa in der höchsten englischen Spielklasse Women's Super League im Einsatz und erfreut sich auch in den Sozialen Medien großer Beliebtheit. Bei Instagram zählt sie 16,7 Millionen Follower*innen. Das sind beispielsweise deutlich mehr, als ihr Landsmann und Tennislegende Roger Federer in dem Netzwerk aufweisen kann (12,3 Millionen). Und auch in der ersten Saison der Baller League lief es für das Gespann Podolski/Lehmann rund. Mit ihrem Team Streets United sicherten sie sich im Endspiel von Düsseldorf sogar den Titel.

Eintracht Spandau ist "Godfather des Contents"

Auf dem Weg zum Triumph schaltete Streets United im Halbfinale das Team von Eintracht Spandau aus, was wiederum nicht nur bei dem Team um Ex-Bundesliga-Profi Hans Sarpei und Maximilian Knabe aka "Hänno" aka "HandOfBlood", seines Zeichens ebenfalls Präsident des gleichnamigen Esports-Teams, für einen Dämpfer sorgte. Auch in der gesamten Arena wurde es in der Folge ruhiger. Denn: Die Berliner Vorstädter sind mit ihren frenetischen Fans die absoluten Stimmungskanonen der Baller League – und für selbige hinsichtlich der Content-Produktion ein absoluter Glücksfall.

"Ehre, wem Ehre gebührt: Der Godfather des Contents in der Baller League ist Eintracht Spandau. Sie haben gezeigt, wie es geht", sagt Liga-Chef Starck. Fairerweise müsse man dazu sagen, "dass bei weitem noch nicht alle der aktuell noch zwölf Teams über vergleichbare Strukturen und Ressourcen verfügen". Eintracht Spandau und die dahinterstehende Holding Instinct3 haben bereits im Esports mit ihren kreativen Inszenierungen und Storytelling-Konzepten bewiesen, dass sie die Sprache der jeweiligen Zielgruppe bestens verstehen.

Felix Starck hofft derweil, dass sich die anderen Teams künftig eine Scheibe von Eintracht Spandau abschneiden werden. Er sagt: "Wir wachsen mit unseren Team-Manager*innen gerade zu einer kleinen Familie zusammen. Alle sind gewillt, in der zweiten Saison in der Content-Produktion noch eine Schippe draufzulegen. Dabei hilft auch, dass alle Streamer in der ersten Saison gesehen haben, dass Baller-League-Inhalte in der Regel höhere Zugriffszahlen erzielen, als ihr nativer Content."

Mit dem eigenen Content sei die Baller League derweil "aktuell noch sehr nahe an den Live-Spieltagen dran". Hier gibt es laut Starck "in Sachen Formate und Dingen, die wir künftig unter der Woche machen wollen, noch viele Möglichkeiten".

Eintracht Spandau dominiert Instagram-Ranking

Eintracht Spandau dominiert nach exklusiven Erhebungen von Result Sports für OMR ganz klar auch das Instagram-Ranking in der Baller League. Im Zeitraum vom 1. November 2023 bis 21. April 2024 erlebt das Team dort bei seinen Follower*innen einen Zuwachs um rund 64 Prozent von 86.076 auf 135.081. Der Anstieg ist sehr wahrscheinlich vor allem auf das Engagement in der Baller League und nicht auf bereits vorhandene Aktivitäten im Esports-Segment zurückzuführen. Im genannten Zeitraum vereinen die Spandauer bei Instagram 639.174 Interaktionen auf sich. Der Wert aller zwölf Teams liegt bei in Summe 924.113 und im Schnitt 84.010.

Den zweitgrößten Instagram-Account innerhalb der Baller League stellt Calcio Berlin, neben Eintracht Spandau das einzige Team, das bereits zuvor auf der Social-Media-Plattform vertreten war. Die Hauptstädter legten im Referenzzeitraum laut Result Sports um gut 24 Prozent zu – von 19.533 auf 80.368 Follower*innen. Bei den Interaktionen fällt Calcio Berlin aber deutlich ab – 7.933 bedeuten nur den achten Platz.

Aufs Treppchen der Instagram-Accounts der Baller-League-Teams schafft es mit 23.325 Follower*innen und 147.393 Interaktionen dann noch VfR Zimbos. Das Team um "Gamerbrother" (bürgerlicher Name: Simon Schildgen) und das Duo Simon Bechtold und Timo Schulz vom Account Tisi Schubech vereint die bekanntesten deutschen Creator für Themen rund um die Fußballsimulation EA Sports FC 24.

Alle anderen neun Teams der Baller League bleiben bei Instagram unterhalb der Marke von 10. 000 Follower*innen. "Die Baller League ist in ihrer Community gut angekommen, allerdings muss sie in der zweiten Saison in allen Bereichen besser werden. Besonders bei der Einbindung und den Multiplikationsmöglichkeiten der Teams und der Spieler", urteilt daher Mario Leo, der Gründer von Result Sports.

Xing erzielt über 300 Millionen Kontaktpunkte

Bei der Einbindung der Partner scheint die Baller League in ihrer ersten Saison derweil Vieles richtig gemacht zu haben. Hauptsponsor Xing, der im ersten Jahr der Partnerschaft einen mittleren siebenstelligen Millionen-Betrag für das Engagement zahlt, ist laut Thomas Kindler jedenfalls "mit den Ergebnissen unseres Sponsorings sehr zufrieden". "Unsere Zielwerte hinsichtlich Sichtbarkeit in der jungen Zielgruppe und Markenpräsenz bei den Spielen der Baller League haben wir weit übertroffen", sagt der Managing Director der Jobs-Plattform. Nach dem elften Spieltag waren es dem Vernehmen nach bereits über 300 Millionen Kontaktpunkte mit der Marke Xing, die durch die eigenen Social-Media-Kanäle der Baller League, durch TV-Präsenz, Berichterstattung in Print- und Online-Medien und durch die Kanäle der Team-Manager*innen generiert wurden. Xing hat in der ersten Saison eigenen Angaben zufolge darüber hinaus über 100 verschiedene Inhalte für seine Social-Media-Kanäle produziert und damit mehr als 60 Millionen Kontaktpunkte mit der Marke erzielt.

Ähnlich positiv äußern sich auch andere Marken-Vertreter*innen von Nivea über die Techniker Krankenkasse bis Vodafone, die allesamt auf kreative Art und Weise in das Produkt eingebunden werden. "So ein Produkt aufzubauen, kostet Geld. Und unsere einzige wirkliche Einnahmequelle ist das Sponsoring. Dennoch wollen wir nicht einfach alles mit Logos zukleben. Vielmehr wollen wir gemeinsam mit unseren Partnern eine jeweils möglichst native Einbindung ins Produkt erarbeiten. Denn der Fußball steht bei der Baller League im Vordergrund", sagt Baller-League-Chef Felix Starck. Nichtsdestotrotz habe die Liga bei den Netto-Ad-Impressions ihre Partner-Ziele um 300 bis 500 Prozent überschritten und so für eine extrem hohe Markensichtbarkeit sorgen können.

Ob neben Hauptsponsor Xing auch alle weiteren Partner in die zweite Saison der Baller League gehen, ist derweil noch offen. Auch mögliche neue Partner – beim Final Four in Düsseldorf waren angeblich über 50 interessierte Brand-Verantwortliche vor Ort – sind denkbar. "Zu viele Partner können es in Summe natürlich nicht werden. Aber es gibt ganz sicher noch die eine oder andere gute Einbindungsmöglichkeit. Wir wollen dabei in Synergien und weniger in Leistungskatalogen denken", sagt Starck und ergänzt: "Wir müssen unsere Kunden überzeugen, aber mittlerweile müssen auch potenzielle Partner uns überzeugen. Von daher fühlt es sich momentan manchmal wie ein beidseitiges Bewerbungsgespräch an. Grundsätzlich suchen wir Partner, die uns bei unserer Mission helfen, dem Straßenfußball eine große Bühne zu geben."

"Bolzplatz-Mentalität" trifft auf Kommerz-Kritik

Nicht allen gefällt das Konzept der Baller League, sie polarisiert. Während die Macher mit dem Slogan "A new era of football" sowie für "Bolzplatz-Mentalität" und die "wahre Magie des Fußballs" werben, müssen sie von verschiedensten Stellen auch eine Menge, zum Teil sehr harte Kritik einstecken. Die Baller League sei eine "copy cat" der Kings League, heißt es. Die Baller League sei Gift für den Amateurfußball, heißt es. Das fußballerische Niveau in der Baller League sei zu schlecht, heißt es. Die Baller League sei zu durchkommerzialisiert, heißt es.

Starck, der die Baller League nach dem Ausscheiden von Co-Founder Thomas de Buhr inzwischen alleinig führt, nimmt die Kritik, die von außen auf "sein Baby" einbricht, durchaus wahr. Er macht sich aber auch nicht zu viel daraus. "Ich bin als Fan des 1. FC Kaiserslautern selbst ein großer Fußballromantiker und in den Neunzigerjahren mit einem sehr echten Fußball aufgewachsen. Dem Produkt Baller League aus der Ferne eine Überkommerzialisierung vorzuwerfen, werte ich mal als Versuch, einem neuen Produkt die Glaubwürdigkeit abzusprechen", sagt er gegenüber OMR. "Die Baller League ist ein frei empfangbares Live-Sportprodukt – weniger Kommerz geht ja eigentlich nicht. Das sieht man auch beim moderaten Durchschnittspreis von 25 Euro für normale Tickets beim Final Four in Düsseldorf – für über fünf Stunden Entertainment", sagt Starck.

Auch die Kritik am vermeintlich fehlenden fußballerischen Niveau könne Starck "überhaupt nicht ernstnehmen", denn sie entbehre jeglicher Grundlage. Er hält vielmehr dagegen: "Schon in der allerersten Saison hatten wir die talentiertesten Amateurkicker dabei, die es da draußen so gibt. 80 Prozent unserer Spieler kommen aus der Ober- oder Regionalliga, über 50 Prozent haben bereits in einem Nachwuchsleistungszentrum der Bundesliga gespielt", sagt er. Die sportliche Qualität sei auf allerhöchstem Amateurniveau. "Eine Kategorie höher würden wir uns schon im Lizenzspielerbereich bewegen – und da wollen wir ja gar nicht hin." Ganz abgesehen davon müsse man diesen Spielern zugestehen, dass sie auch mal nervös sind, wenn sie vor so großen Reichweiten spielen. "Da würden mir ehrlich gesagt auch die Knie schlottern", sagt Starck.

Kein "Mario Kart in real life"

Der Anpfiff zur zweiten Saison der Baller League ist bereits für Juli 2024 geplant. Aktuell ist aber noch völlig unklar, wann genau es losgehen soll. Wie Starck durchblicken lässt, scheint dabei nicht ausgeschlossen zu sein, dass es schon während der noch bis 14. Juli laufenden Fußball-Europameisterschaft losgehen könnte.

Zwei andere Dinge stehen laut Starck dagegen schon heute fest. Zum einen schließt er überbordende Show-Elemente wie beim jüngsten Final-Four-Turnier der spanischen Kings League aus, als prominente Vertreter*innen der Teams sich im Madrider Wizink Center vor dem ersten Halbfinale in einem Kart-Rennen duellierten. "Solange ich bei der Baller League etwas zu melden habe, wird es so etwas nicht geben. Wir wollen ja nicht Mario Kart in real life spielen. Bei uns geht es darum, eine sportliche Liga zu entwickeln. Dafür brauchen wir Qualität auf dem Platz, darauf liegt unser Hauptaugenmerk", sagt Starck. Zum anderen ist laut dem Liga-Chef auch der Wochentag für die Spieltage der zweiten Saison bereits in Stein gemeißelt: "Montag ist gesetzt, Montag ist Baller-League-Tag!"

Baller LeagueInfluencerSportbusiness
Henning Eberhardt
Autor*In
Henning Eberhardt

Henning ist bei OMR seit Anfang 2023 für Sport- und Gaming-Inhalte zuständig. Von 2010 bis 2019 pendelte er für den Sportbusiness-Verlag SPONSORs als Redakteur zwischen Fußballstadion und Formel-1-Rennstrecke. Anschließend wechselte der waschechte Insulaner zum Marketing-Medium absatzwirtschaft in die Handelsblatt-Gruppe.

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