Tausende gucken zu, wie dieser ASMR-Youtuber beim Essen typisch deutscher Speisen schmatzt

Youtube ASMR Food Schmatzen OMR

Dennis Hodel während eines seiner typischen ASMR-Videos (Screenshot: Youtube)

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Leise Geräusche, Flüstern und Schmatzen: Das Web-Phänomen ASMR treibt kuriose Blüten

Seit einigen Jahren wird in Youtube-Videos und Podcasts jetzt schon geflüstert, geknistert, über Gegenstände gestrichen – und geschmatzt. ASMR, kurz für „Autonomous Sensory Meridian Response“, heißt das Web-Phänomen, das ein angenehmes, kribbelndes Gefühl beschreibt. Und es soll genau durch solche Geräusche und Reize bei einigen Menschen ausgelöst werden. Der Berliner Youtube-Kanal „German Freak ASMR“ erreicht das mit für die Mehrheit vermutlich weniger appetitlichen Sounds: lautem Schmatzen, das beim Essen hauptsächlich typischer deutscher Gerichte entsteht. OMR hat mit dem Macher des ungewöhnlichen Kanals gesprochen.

Der Ende April 2017 gestartete Youtube-Kanal kommt auf knapp drei Millionen Aufrufe und 13.700 Abonnenten. Die erfolgreichsten Videos des Channels haben etwas mehr als 80.000 Views. Heutzutage sind das eigentlich keine Werte, die herausstechen. Das ändert sich aber schnell, wenn man die Namen des Kanals und des am häufigsten angeschauten Videos anschaut, die eher weniger mit dem Influencer-Mainstream und Themen wie Beauty oder Fitness zu tun haben: „German Freak ASMR – Eating sounds made in Germany“ heißt der Channel, „ASMR Eating Vienna sausage & German potato salad (No talking)!“ das erfolgreichste Video.

Und die Namen sind dann auch Programm. Es wird in allen der inzwischen über 300 hochgeladenen Videos wenig bis gar nicht geredet, Zuschauer hören den Großteil der Zeit Ess- und Schmatz-Geräusche. Auch die Einstellung der Kamera ändert sich quasi nie, fokussiert wird immer das entsprechende Gericht – von Wiener Würstchen mit Kartoffelsalat über Strammer Max bis zu Gulasch. Außerdem sieht der Zuschauer das Gesicht vom Schmatzer Dennis Hodel, allerdings lediglich den unteren Teil. Denn komplett zeigen möchte sich der Macher des Youtube-Kanals zumindest vorerst nicht.

Wie wird man ASMR-Schmatzer auf Youtube?

„Vor ein paar Jahren hatte ich mal eine recht stressige Phase und habe bei Youtube deshalb nach Videos zum Thema Meditation gesucht“, erzählt Hodel im Gespräch mit OMR. In der Liste der von der Video-Plattform vorgeschlagenen Clips tauchen dann auch welche zum Thema ASMR auf; und Dennis Hodel kommt zum ersten Mal mit dem Netz-Phänomen in Berührung. „Ich fand das ganz spannend, habe mich ein wenig durchgeklickt und bin dann irgendwann bei einem Video gelandet, bei dem einfach nur gegessen und laut geschmatzt wird.“

Während viele das Video wahrscheinlich nach wenigen Sekunden abbrechen oder höchstens zum Spaß weitergucken würden, findet Hodel direkt Gefallen an den Ess-Geräuschen. „Irgendwie konnte ich dabei seltsamerweise sehr gut abschalten“, so der 33-Jährige. Schnell entsteht die Idee, das einmal selber auszuprobieren – denn einen deutschsprachigen und zusätzlich auf typische deutsche Gerichte spezialisierten ASMR-Kanal im Food-Bereich gibt es zu dem Zeitpunkt offenbar noch nicht. Im Mai 2017 lädt er das erste Video auf seinem Kanal hoch.

Community-Building und Reichweitenaufbau mit Schmatz-Geräuschen

Das Equipment zum Filmen hat der ASMR-Fan zu diesem Zeitpunkt bereits; schon vorher hatte er sich an zwei Youtube-Projekten ausprobiert. „Einmal während des Studiums über Wirtschaftsthemen und einmal eher in Richtung Comedy“, sagt er. Zu beiden hätte es aber kaum bis gar kein Feedback gegeben, weshalb er sie wieder eingestellt hätte. „Das hätte ich auch mit meinem ASMR-Kanal gemacht, wenn es nicht sofort gute Reaktionen gegeben hätte. Die waren aber direkt da.“

Vor allem am Anfang holt sich Dennis Hodel noch Inspiration bei großen amerikanischen ASMR-Channels auf Youtube, versucht aber schon früh, einen eigenen Stil zu entwickeln und auf Wünsche aus der Community zu hören. So würden Videos, in denen er alle möglichen Arten von Würsten isst, nicht nur überdurchschnittlich viele Views, sondern auch am meisten Abos generieren – dicht gefolgt von Fast Food.

Kooperationen mit anderen ASMR-Youtubern

Den ersten für Hodel relevanten Wachstumsschub seines Kanals gab es, nachdem Becky, die Betreiberin des US-Channels „Hungry Cakes“, eines seiner Videos geliket hatte. Der Kanal ist mit 643.000 Abos und rund 185 Millionen Aufrufen seit Oktober 2011 deutlich größer. Trotzdem kam Anfang September sogar eine Kooperation zustande: In einem gemeinsamen Video essen beide Burger von McDonalds.

Während die Food-ASMR-Szene in Deutschland offenbar noch sehr klein ist, gibt es international neben Beckys „Hungry Cakes“ noch einige weitere Beispiele, für recht große Kanäle. Auf seiner Webseite listet Dennis Hodel einen Teil davon auf. Um mit seinem Projekt selber weiter zu wachsen und die Sichtbarkeit des Kanals zu steigern, testet er aktuell weitere Plattformen aus. So hat er bereits fünf Folgen seines Podcasts „Ohrgasmus“ auf Spotify veröffentlicht und hier bereits rund 500 Plays generieren können. Auf Pinterest versucht er aktuell ähnlich wie auf Instagram, mit Hilfe von Visual Statements und Thumbnails seiner Videos Traffic auf seinen Kanal zu leiten. „Da bin ich noch ganz am Anfang. Ich will aber einfach schauen, wo die Zielgruppe ist“, sagt er.

Wie verdient man mit ASMR Geld?

Obwohl seine Reichweite insgesamt noch verhältnismäßig klein ist, versucht Dennis Hodel, der sonst eigentlich als Freiberufler im Online Marketing unterwegs ist, diese bereits zu monetarisieren. Vier seiner Fans unterstützen ihn über die Membership-Plattform Patreon. „Ich glaube daran, dass das noch echt groß werden kann“, sagt er. „Food-ASMR finden mehr Menschen gut, als man denkt. Und das sind einfach ganz normale Leute, wie du und ich, die damit entspannen oder sich Appetit holen zum Beispiel.“

Zwei Kooperationen mit Marken habe er zuletzt schon durchgeführt: Tokyo Treats, die mit aus Japan stammenden Snacks und Süßigkeiten gefüllte Boxen verschicken, und die Chilli-Sauce „Food Narco Hot Sauce“. Beide Brands hätten sich bei ihm gemeldet, er selber gehe aber jetzt auch aktiv auf Firmen zu. Bisher sei so ein vierstelliger Umsatz zustande gekommen – bei rund zehn Stunden pro Woche, die er in Zubereitung, Filmen, Schneiden, Community Management & Co. investiert.

Unwahrscheinlich ist es nicht, dass Hodel bei weiterem Wachstum seines Kanals mehr Marken-Deals abschließen können wird. Das Phänomen ASMR gibt es bereits seit rund zehn Jahren; viele Marken haben das Potenzial bereits verstanden und ASMR für Werbezwecke genutzt. Vorn Hornbach über KFC und zuletzt auch der schwedische Möbelhaus-Konzern Ikea. Der Ursprung der Kombination aus AMSR und Essen dürfte in Südkorea liegen. Unter dem Namen „Mukbang“ erreichen hier Streams, in denen Menschen einfach (häufig möglichst viel) essen, seit Jahren Millionen-Reichweiten.

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