Amazon-Traffic: Diese Firmen machen den Giganten noch mächtiger

Wie Axel Springer und andere Affiliates Millionen verdienen, indem sie Amazon Kunden vermitteln

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Es sind möglicherweise an die 100 Millionen Euro Umsatz pro Jahr, die Axel Springer durch die Vermittlung von Besuchern an Amazon erwirtschaftet. Wie eine Auswertung von Online Marketing Rockstars ergeben hat, ist der Medienkonzern mit Portalen wie Idealo und Ladenzeile für knapp zwei Prozent des gesamten Traffics von Amazon.de verantwortlich. Aber auch andere, bislang unbekanntere deutsche Firmen dürften durch Amazon ansehnliche Einnahmen generieren.

10,5 Milliarden US-Dollar (nach derzeitigem Kurs rund 8,3 Milliarden Euro) hat Amazon im vergangenen Geschäftsjahr in Deutschland umgesetzt – ein Wachstum von 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Geschafft hat das Unternehmen das nicht alleine. Rund um den E-Commerce-Giganten hat sich ein komplettes kleines Ökosystem von Portalen entwickelt, die Amazon Kunden zuführen: 17,5 Prozent des Traffics von Amazon.de kommt laut dem Statistikdienst SimilarWeb über so genannte Referral Links zustande. Ein Großteil davon dürften Affiliate-Links sein – Verweise und Empfehlungen anderer Portale wie Preisvergleichsdienste und Produktsuchmaschinen. Kauft ein User, der durch einen Affiliate-Partner vermittelt wurde, bei Amazon ein, erhält der Makler eine von Preis und Kaufvolumen abhängige Provision.

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Unter den deutschen Affiliate Partnern von Amazon vermittelt Axel Springer mit den Tochterfirmen Idealo und Ladenzeile mit deutlichem Abstand die meisten Besucher an die E-Commerce-Plattform: Von April 2013 bis September 2014 stammten mehr als zehn Prozent des Referral Traffics von Amazon.de von diesen beiden Websites.

Amazon Affiliates Ranking

Wichtigste Traffic-Quelle von Idealo selbst ist Google: Rund drei Viertel der Besucher gelangt über die US-Suchmaschine zu dem deutschen Preisvergleichsdienst. Weniger als fünf Prozent davon haben auf eine kostenpflichtige Adwords-Anzeige geklickt; die überwiegende Mehrheit stammt aus den organischen Suchergebnissen. Der Umstand, dass Idealo einer der größten Adwords-Spender in Deutschland ist, lässt erahnen, wie gut die Preissuchmaschine in den organischen Ergebnissen der Suchmaschine vertreten sein muss.

Idealo holt User günstig bei Google ab und leitet sie an Amazon weiter

Idealo ist somit zwar stark von Google abhängig, bislang aber ist das Geschäftsmodell des Unternehmens offensichtlich äußerst profitabel: Im Geschäftsjahr 2012 haben die Portalbetreiber laut Bundesanzeiger 52,6 Millionen Euro umgesetzt, 90 Prozent davon in Deutschland. Unter dem Strich stand ein Jahresüberschuss von 20 Millionen Euro. Amazon dürfte dabei wichtigste Einnahmequelle gewesen sein: Von allen Besuchern leitet Idealo laut SimilarWeb rund ein Drittel zu Amazon weiter (bei Ladenzeile sind es sogar 46 Prozent). Zwar besteht zwischen dem Anteil des Traffics und dem Umsatz keine direkte Korrelation. Es dürfte trotzdem nicht unwahrscheinlich sein, dass Idealo jährlich einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag durch Vermittlung von Kunden an Amazon einnimmt.

Auf den Rängen hinter Idealo finden sich diverse kleinere Affiliate Publisher, die ihren Seiten offenbar ebenfalls zu großen Teilen durch Amazon-Links monetarisieren. Die Berliner Producto AG etwa bündelt auf dem Portal Testberichte.de (Rang zwei im Ranking) Auszüge aus Produktrezensionen und Testberichten aus Printmedien und von anderen Websites. Rund 70 Prozent der Besucher werden ebenfalls an Amazon weiter vermittelt. Die drittplatzierte Website Mydealz.de wird von der Berliner 6Minutes Media betrieben. Auch bei dem „Schnäppchenblog“ ist Amazon mit 17 Prozent Weiterleitungsquote größtes Traffic-Ziel.

Wird der Wechsel des Vergütungssystems zu Verschiebungen führen?

Möglicherweise wird Amazons Affiliate Ranking in den kommenden Monaten jedoch stark durcheinander gewirbelt. Anfang Oktober hat das Unternehmen aus Seattle das Vergütungsmodell seines Partnerprogramms komplett umgekrempelt. Bisher waren Transaktionen in nahezu allen Produktsparten durchgehend mit fünf Prozent Provision vergütet worden; die finale Provisionshöhe stieg zudem staffelweise abhängig von der Zahl der generierten Verkäufe. Nun hat Amazon eine feste Provision eingeführt, deren Höhe je nach Produktsparte variiert. Das Transaktionsvolumen spielt somit für die Provisionshöhe keine Rolle mehr. Im Technik- und Elektronik-Bereich (traditionell eine Stärke von Preisvergleichen wie Idealo, da in diesem Bereich Produkte gut vergleichbar sind) dürfte die effektive Provisionshöhe damit gesunken sein – „zu den Verlierern gehören eindeutig alle Affiliates, die Fernseher, Smartphones und Tablets bewerben“, schreibt Affiliate-Experte Peer Wandiger in seinem Blog. Es wird sich zeigen, ob die betroffenen Publisher verstärkt andere Partner suchen – beispielsweise Amazon-Konkurrenten Ebay.

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