Anzeige

Mehr Reichweite für weniger Kohle geht (fast) nicht: Das TikTok Ads Tool im Test

Ein Fazit nach dreimonatiger Nutzung des Selbstbuchungs-Tools der Plattform

TikTok dürfte aktuell eine der meistbeachteten und -diskutierten Plattformen im Marketing sein. Doch noch kann nicht jeder auf der Plattform ohne Weiteres Werbung schalten – der Zugriff auf das Selbstbuchungs-Tool ist derzeit nur nach Einladung möglich. Social-Advertising-Experte Sebastian Vogg hat eine solche erhalten. Exklusiv für OMR fasst er in einem Gastbeitrag seine ersten Erfahrungen und Ergebnisse zusammen – und die sind durchaus interessant.

800 Millionen Nutzer weltweit, davon 300 Millionen in der westlichen Welt und 5,5 Millionen in Deutschland: Wer die zuletzt zu TikTok kolportierten Nutzerzahlen gesehen hat, wird mir wohl oder übel zustimmen, dass TikTok viel mehr als nur eine lustige Plattform für Kinder und Jugendliche ist (auch wenn wir Millennials und Boomer zuerst skeptisch waren 😉).

Das Ökosystem des TikTok Ads Managers kennenlernen

Neben den Branding-Formaten auf TikTok (wie beispielweise die Hashtag Challenges), die direkt über TikToks Sales-Team sowie Partner-Agenturen buchbar sind, gibt es mittlerweile auch für TikTok ein Selbstbuchungs-Tool für eher Performance-lastige Formate. Aktuell ist das Tool nur auf Einladung nutzbar bzw. kann man sich um die Nutzung bewerben. Ich war mit meiner Einladung erfolgreich und habe deswegen die Freude und das Privileg, den TikTok Ads Manager im Self Service (Beta) seit über drei Monaten aktiv benutzen zu dürfen. Aus dieser Zeit möchte ich nun ein Fazit ziehen und Euch meine Erkenntnisse und Zahlen mitgeben.

Aber lasst uns zuerst einen kleinen Trip in den Dschungel des TikTok Ads Managers machen, um dessen grundlegende Funktionen kennenzulernen. Vorweg gesagt: Wer sich mit Facebooks Ads Tool gut auskennt, dem wird Vieles bei TikTok recht bekannt vorkommen. Das sind die ersten Schritte:

  • Ihr registriert Euch über einen individuellen Einladungs-Link.
  • Dann erstellt Ihr Euer Unternehmenskonto.
  • Im nächsten Schritt erstellt Ihr Euer Werbekonto/Eure Werbekonten, worauf ein Überprüfungsprozess folgt.
  • Die Bezahlung läuft momentan ausschließlich über eine Kreditlinie mit einem vorgegebenen Budget durch deinen TikTok-Ads-Ansprechpartner.
  • Die Rechnung über die Werbekosten erhaltet Ihr in der Regel zum Monatsende, Agenturen und Dienstleister müssen als in Vorleistung gehen, oder das Werbebudget im Voraus vom Kunden einfordern.
  • Solltest du in Europa werben wollen (und nicht in den asiatischen Märkten), musst du zuerst deinen Ad Account für die aktuell verfügbaren EU Länder freischalten lassen (Whitelisting). Das machst du, indem du deinem Berater eine Mail schreibst, mit der ID des Ad Accounts und den Ländern, für die du “gewhitelisted” werden möchtest.
  • Genau wie auf diversen anderen Plattformen, begegnet uns hier eine Tracking Möglichkeit, nämlich der TikTok Ads Pixel. (Ich weiß, sehr einfallsreich!)
  • Deine Pixel Installation überprüfst du mit dem (wer hätte es anders erwartet) TikTok Pixel Helper!
  • Eine direkte Third-Party-Integration durch den Google Tag Manager ist möglich. Dafür müsst Ihr einfach das Google Konto mit Euerm TikTok-Ad-Account verbinden (leider momentan noch sehr “beta-like”).
  • Aktuell kannst du Conversions nur via Page Load (URL) oder Button Click (Inline Action) messen, jedoch ohne weitere Parameter wie Value und co.
    Audiences werden nur auf Basis der TikTok Visitor gebildet. Das bedeutet, Ihr könnt nicht auf Eure Facebook/Google Webseitenbesucher-Daten zurückgreifen.

Was unterscheidet den TikTok Ads Manager von den üblichen Verdächtigen?

Da nun soweit alle Grundlagen stehen, können wir uns ansehen, welche spezifischen Besonderheiten und Gemeinsamkeiten der TikTok Ads Manager mit seinen Kollegen aus den anderen sozialen Kanälen hat. Grundsätzlich wirst du dich als Facebook Advertiser im TikTok Ads Manager sofort wohlfühlen. Vieles ist sehr ähnlich und für einen Fachmann selbsterklärend. Jedoch finden sich auch viele Eigenheiten.

Besonderheiten Ähnlichkeiten
Kampagnen­ziele Traffic, App Installs und Conversions
Anzeigen­gruppen Aufbau von Targeting (demografisch, geografisch usw.), zusätzliche Platzierungsmöglichkeiten auf anderen Kanälen
Ziel-URL wähle ich auf Anzeigengruppenebene
Noch keine Funktion, um einen existierenden Account zu verlinken
Ad Tags und Ad Category sollen festgelegt werden
Targeting Interessenstargeting noch nicht ausgereift, aktuell in der Länderauswahl nur Asien – DE kommt bald Custom & Lookalike Audiences
Nutzerkommentare können deaktiviert werden Bekannte Optionen wie Customer File, App Activity, Engagement & Website Traffic
Lookalikes leicht abgewandelt: Mindesbudget bei 20 Euro
Anzeigen-formate & Settings Assets werden auf Anzeigenebene hochgeladen
Heruntergeladene Videos aus TikTok können nicht hochgeladen werden, weil zu geringe Auflösung! (Workaround mit Videoleap
Text und CTA aus einer Vorauswahl an Beispielen anpassen
Akkurate Messung des Kampagnenerfolgs Verwenden von URL Parametern, bspw. zur Analyse in Google Analytics

 

Ich will endlich harte Zahlen, Daten und Fakten sehen, Sebastian!

Nun gut, lasst uns direkt ans Eingemachte gehen: Welche Zahlen und Ergebnisse könnt Ihr bei TikTok erwarten? Um Euch einmal einen Eindruck zu vermitteln (und den Beweis zu liefern, dass das alles an den Haaren herbeigezogen ist), folgend ein Screenshot von vier von uns umgesetzten Kampagnen, die auf Conversions ausgelegt waren. Der erste Screenshot zeigt den Kampagnen-Level.

  • Insgesamt ausgegebenes Werbebudget: 522,43 Euro
  • CPC (Kosten pro Klick): 0,07 Euro
  • CPM (Kosten pro 1000 Impressionen): 0,38 Euro
  • Gesamte Impressionen: 1.377.443
  • Klicks: 7.753
  • CTR (Klickrate): 0,56 Prozent
  • Konversionen: 1
  • CPA (Kosten pro Handlung): 522,43 Euro

(Bild vergrößern durch Anklicken/-tippen)

Nun, wie interpretieren wir diese Zahlen? Zunächst einmal wird deutlich, dass TikTok ein unglaublicher Reichweitenkanal ist. 1,3 Millionen Impressionen für 500 Euro? In diesem Moment fallen vermutlich diverse Facebook Advertiser unter Euch Lesern in Ohnmacht. Eine solche Reichweite mit einem derartigen Budget zu generieren, dürfte aktuell auf kaum einer anderen Plattform möglich sein.

Wie sieht es mit Conversions aus? Hier muss man ganz klar sagen: Die Datenbasis ist nicht aussagekräftig genug, um das zu bewerten. Zusätzlich sprechen wir hier von Top-Funnel-Kampagnen und einer Brand, die noch nicht besonders stark auf TikTok ist. Mit einem Produkt, das besser für TikTok geeignet ist, sowie mit mehr Budget, könnte es möglicherweise noch einmal deutlich besser funktionieren, über Tiktok Conversions zu generieren.

Im zweiten Bildausschnitt aus dem TikTok Ads Manager siehst du die verschiedenen Ad Sets aus einer anderen Kampagne. Die Zahlen sind wie folgt:

  • Insgesamt ausgegebenes Werbebudget: 1.108,82 Euro
  • CPC (Kosten pro Klick): 0,16 Euro
  • CPM (Kosten pro 1000 Impressionen): 1,53 Euro
  • Gesamte Impressionen: 726.382
  • Klicks: 7.040
  • CTR (Klickrate): 0,97 Prozent

(Bild vergrößern durch Anklicken/-tippen)

Hier sehen wir auch noch die verschiedenen Ad Groups und wie diese auf die verschiedenen Ad Sets reagiert haben. Das Thema war hier etwas “nischiger”, weshalb trotz mehr Budget weniger Impressionen generiert wurden (wir haben deutschsprachige User in UK/IT/FR/SP angesprochen). Die Klickrate ist hier deutlich besser, der Cost-per-Click (CPC) im gleichen Zuge aber auch doppelt so hoch wie im vorherigen Beispiel.

Mein Fazit nach 3 Monaten TikTok Ads Manager

Mein persönliches Fazit nach 90 Tagen TikTok Ads Manager Deepdive: Mehr Reichweite für weniger Geld geht (fast) nicht! Mal ganz von der beinahe lächerlich hohen Reichweite abgesehen, die Creator organisch auf TikTok erhalten können: 1,3 Millionen Impressions für einen Spend von 500 Euro? Na wenn das nicht günstig ist, weiß ich auch nicht.

Die in unserem Fall ausgebliebenen Conversions mögen wie bereits beschrieben auch mit dem Budget und dem Produkt zusammenhängen. Von anderen Advertisern ist zu hören, dass das bei ihnen deutlich besser funktioniert. Ihr solltet Euch deswegen von meinem Test nicht davon abhalten lassen, das Ganze selbst auszuprobieren und auch Tiktok Ads auf Conversion zu buchen.

Mein Fazit beruht wie gesagt auf einem sehr kleinen Test ohne großes Budget, deshalb bildet euch hier auch eure eigene Meinung testet erstmal unvoreingenommen die Plattform, wenn ihr könnt. Wenn dann Eure Inhalte auch wirklich in den schnelllebigen Stil von TikTok passen, werdet hoffentlich auch Ihr im Reichweitenfreudenjubel singen: TikTok on the clock but the party don’t stop, no!

Update, 30. April:
Auf Wunsch des Autoren haben wir den Artikel geändert.

Über den Autor:

Sebastian Vogg

Sebastian Vogg ist Geschäftsführer der Performance-Marketing-Agentur Online Marketing Vogg. Zu den Kunden seiner Agentur gehören u.a. Westwing, Truefruits und Motel One. Sebastian Vogg ist Facebook Marketing Partner for Technical Services, sowie zertifizierter Facebook Blueprint Buying & Planning Professional.