Rapper Sido als erster Kunde: Wie Fandreams.de Buzz für das Promi-Video-Business generiert

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Rapper Sido schaut sich während eines Livestreams die auf fandreams.de gekaufte Videobotschaft von Désirée Nick an (Quelle: Youtube)

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Gründer Daniel Dreier hat OMR verraten, welche Effekte Livestreams und Presseberichte auf die junge Plattform haben

Während seines wöchentlichen Livestream-Formats „Zuhause mit Sido“ wünscht sich der Rapper ein Video, in dem ihn die Unterhaltungskünstlerin Désirée Nick, die zuletzt viel Aufmerksamkeit als Teilnehmerin des TV-Formats „Promis unter Palmen“ erhalten hatte, beleidigt. Tausende schauen zu – auch, als Daniel Dreier, Gründer von fandreams.de, einer Plattform für Grußbotschaften Prominenter, mit dem Rapper telefoniert und Sido schließlich das gelieferte Video von Nick abspielt. Dutzende Medien berichten, ein echter PR-Coup für das junge Unternehmen. Dreier hat OMR verraten, welche Auswirkungen auf Anfragen und Buchungen die enorme Aufmerksamkeit hatte und wie er den unerwarteten Buzz erlebt hat.

Es ist der 3. April 2020, der Berliner Rapper Sido geht zum zweiten Mal mit seinem während der Corona-Pandemie gestarteten Format „Zuhause mit Sido“ auf Youtube live. Das Konzept der Show: jeden Freitag von 8 bis 20 Uhr streamen und seine Fans unterhalten. Dafür kocht er gemeinsam mit per Skype zugeschalteten Zuschauern sein Spezialgericht Rouladen, unterhält sich per Videocall mit prominenten Kollegen wie Moderator Klaas Heufer-Umlauf, Fotograf Paul Ripke sowie Streamer Knossi. Und er kommentiert das Weltgeschehen, indem er auf Artikel und Meldungen einiger Medien reagiert.

Einer dieser Artikel, den Sido bespricht, erscheint kurz zuvor am selben Tag um 9:20 Uhr hinter der Paywall von bild.de: „Bei ‚Promis unter Palmen‘ rastete sie aus. Jetzt beleidigt Désirée Nick jeden – für Geld!“. Die Schlagzeile erweckt ein so großes Interesse bei Paul Würdig, wie der Rapper mit bürgerlichem Namen heißt, dass er genau das auch will: sich gegen Geld von Désirée Nick, als Künstlerin bekannt für ihre deftige Sprache, beleidigen lassen.

„Dann kommt die allererste Bestellung rein und da steht der Name Sido“

Also stellt er kurzerhand eine Buchungsanfrage für eine Videobotschaft auf fandreams.de, dem im Bild-Artikel genannten Portal, das diese Wünsche vermittelt. „Ich dachte natürlich, dass uns da jemand direkt verarschen möchte und habe geantwortet, dass wir den echten Namen brauchen“, erzählt Daniel Dreier, gemeinsam mit Jens Scheidemann Gründer der Plattform und der dahinterstehenden Fandreams UG aus Berlin. Es folgt ein klärendes Telefonat während des Livestreams, die erfolgreiche Buchung des „Beleidigungs-Videos“ und schließlich auch das Abspielen des Clips. „Wir gucken uns das jetzt an! Seid Ihr einverstanden? Ich drück jetzt auf ‚Play‘“, kündigt Sido an – mit „Sido, Du abgefu**** alte Bi***“ beginnt der Clip von Désirée Nick.

Knapp eine Minute dauert das (nicht ernst gemeinte) Beleidigungs-Feuerwerk von Nick an. Währenddessen immer als Wasserzeichen eingeblendet: die URL fandreams.de. Bereits live schauen Tausende zu, der Highlight-Clip auf Sidos Youtube-Kanal mit über 1,2 Millionen Abonnenten kommt bis heute auf knapp 225.000 Aufrufe. Auch das greift die Bild für einen neuen Artikel, derzeit nicht hinter der Paywall, wieder auf. Zahlreiche Medien aus verschiedensten Genres berichten.

„Wir hatten vor dem Launch von fandreams.de am 1. April Pressemitteilungen verschickt, eine davon mit Désirée Nick als Aufmacher“, verrät Daniel Dreier im Gespräch mit OMR. „Die Nummer mit Sido war dann reiner Zufall und für uns was Wahrnehmung und Traffic angeht natürlich nicht schlecht.“ Der Livestream des Rappers habe den bisher größten Traffic-Peak erzeugt, der aber auch relativ schnell wieder abgeflacht sei. „Nachhaltiger sind da auf jeden Fall die zahlreichen Artikel. Man kann ganz genau sehen, wann ein neuer Beitrag veröffentlich wurde“, so Dreier.

Das Geschäftsmodell mit Grußbotschaften von Prominenten

Wie viele Buchungen es seit dem Launch inklusive PR-Coup zustande gekommen sind, möchte Daniel Dreier zwar nicht verraten. Es seien aber rund 85 Prozent der Videoanfragen auch umgesetzt worden. „Beim Rest mussten wir entweder manuell nachfassen oder die Anfragen wurden von den Prominenten abgelehnt“, sagt der Gründer. Ein spezieller Fall seien Anfragen kleinerer Unternehmen, die den Kanal als Promo-Vehikel während der Corona-Krise nutzen wollen. „Das ist aus Sicht der Unternehmer natürlich total verständlich“, so Dreier. „Die kommerzielle Nutzung, also die Prominenten als Testimonial zu nutzen, müssen wir aber leider ausschließen. Das wäre ein Werbedeal und würde eine deutlich ausführlichere Vereinbarung über die Nutzungsrechte beispielsweise erfordern.“

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Die Buchungs-Maske auf fandreams.de.

Das Geschäftsmodell von fandreams.de ist schnell erklärt. Das Unternehmen bietet die Dienstleistung auf der Plattform an, bei jeder erfolgreichen Buchung behält es eine Provision ein. Der Großteil fließe an die Künstler. „Grundlage ist da ein für die Branche üblicher Standardsatz“, sagt Daniel Dreier. Vorgaben gebe es eigentlich keine. „Der Kunde gibt seine Wünsche an und wir filtern lediglich beleidigende und alle unangebrachten Anfragen aus. Die Prominenten können dann entscheiden, ob und in welcher Form sie die Anfrage umsetzen.“ Nach den ersten zwei Wochen habe die durchschnittliche Videolänge bei 1:20 Minute gelegen.

Das Portfolio von fandreams.de

Was den meisten Besuchern der Seite auf den ersten Blick auffallen dürfte, ist das aktuell doch recht einseitige Portfolio von fandreams.de. Der Großteil ist in der Welt des Mallorca-Schlagers zu Hause, der Rest kommt eher aus der Kategorie „Dschungelcamp-Teilnehmer“. „Die sind einfach am affinsten für solche Ideen“, sagt Daniel Dreier. „Und die Nachfrage für diese Kategorie Prominenter ist sehr hoch.“ Der durch die Bild, Sido & Co. generierte Buzz sorge jetzt dafür, dass Dreier und sein Partner Jens Scheidemann viele Gespräche mit Künstlern führen, die von sich aus auf sie zukommen und dabei sein wollen.

Einer, der als erster zugesagt hatte, inzwischen aber nicht mehr auf der Plattform zu finden ist, ist Michael Wendler. „Die Prominenten und Künstler setzen die Preise selber fest. Wir geben aber natürlich Feedback, wenn zum Beispiel viel zu hohe Preise angesetzt werden“, so Dreier. „Das war bei Michael Wendler der Fall. Er wollte innerhalb einer Woche die Preise anziehen. Da haben wir die Notbremse ziehen müssen.“ Auch Mia Julia ist aktuell nicht mehr auf der Plattform zu finden.

Nicht überall stößt das Geschäftsmodell auf Zuspruch – im Gegenteil. Schlagersänger Ikke Hüftgold beispielsweise äußerte seinen Unmut schon kurz nach dem Launch der Plattform in einem Facebook-Post und schreibt unter anderem: „Millionäre, die ihren Fans ausgerechnet in diesen Zeiten den letzten Cent aus der Tasche holen wollen? Grußvideo 59€? Geile Geschäftsidee.“ Micky Krause entgegnete, er werde sich nicht bereichern und alle Erlöse einem caritativen Zweck spenden. „Die erste Spende ging an den Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen“, sagt Daniel Dreier.

Ehemaliger Mallorca-Bild-Redakteur als Kontakt zu Schlagerstars?

Eine weitere Behauptung von Ikke Hüftgold, neben den im Impressum aufgeführten Gründern würde auch der ehemalige Bild-Redakteur Ingo Wohlfeil „hinter der Seite stecken“, kommentiert Dreier so: „Mein Mitgründer Jens und Ingo sind seit Jahren lose befreundet und er hat nach seinem Ausscheiden bei Bild angeboten, uns mit seinem Netzwerk zu unterstützen.“ Wohlfeil moderierte unter anderem die Bild-Dschungelshow, wohnte zeitweise auf Mallorca, um von der Insel und dem „Ballermann“ zu berichten und dürfte entsprechend gut vernetzt sein. „Klar, das war hier und da hilfreich. Er konnte uns sicherlich ein paar Kontakte schneller herstellen, als wird das selber geschafft hätten“, sagt Dreier.

Ganz neu ist das Geschäft mit Videobotschaften Prominenter derweil auch nicht. Auf der US-Plattform cameo.com (hier die ausführliche OMR-Analyse von September 2019) sollen bereits Tausende mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten vertreten sein. „Wir haben uns den Markt angeschaut und sind dabei natürlich auch auf cameo.com gestoßen“, sagt Daniel Dreier. „Das war für uns dann auch eine Art Bestätigung, das hier auch zu testen.“ Eine Garantie, dass sich das Modell auf den deutschen Markt übertragen lasse, gebe es aber nicht. „Die amerikanische Gesellschaft und auch der Umgang mit sowie die Wahrnehmung von Prominenten unterscheidet sich schon deutlich zu Deutschland.“ Dreier und Scheidemann würden jetzt auch Gespräche mit Prominenten anderer Branchen führen, vor allem aus dem Sportbereich und einigen Kultureinrichtung gäbe es Interesse am Modell. „Es geht jetzt darum, viel zu testen – auch ohne, dass es zwangsläufig auf unserer Plattform stattfinden muss.“

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