Sebastian Pollok: Amorelie-Exit, dann Tellerwäscher, jetzt Startup-Investor

Sebastian Pollok, Gründer von Amorelie (Exit 2018) und dem Berliner VC Visionaries Club

Weshalb der Amorelie-Mitgründer Unternehmertum als Lebensprinzip versteht und mit Visionaries Club inzwischen einen VC-Fonds betreibt, dessen Ansatz weltweit einzigartig ist

Sebastian Pollok hat das Startup-Game einmal durchgespielt: Bei Rocket Internet Blut geleckt, im Silicon Valley seine Sporen verdient, mit Amorelie einen der deutschen Vorzeige-Startups hochgezogen und einen mustergültigen Exit hingelegt. Im OMR Podcast blickt Pollok zurück auf seine Anfänge im Business und erklärt die Strategie hinter seinem VC-Fonds Visionaries Club, mit dem er die nächste Gründergeneration aufbauen will.

Als Schüler hatte Pollock eigentlich schon die Kurve zum Unternehmertum eingeschlagen, doch dann kam ihm die WHU dazwischen. An der Business-Uni sei er dann in Richtung Beraterlaufbahn „brainwashed“ worden, räumt er in der Rückschau ein. Ein Kommilitone hätte ihn 2009 dann regelrecht überreden müssen, für ein halbes Jahr nach Berlin zu „diesem Rocket Internet“ zu gehen. Dort landete er dann im Kernteam eines Vorläufers von home24 und wusste an Tag eins, was, so Pollok, ganz tief in seiner DNA gesteckt habe: „Gründertum als Lebensweg“.

Polloks Beinahe-Investment in Instagram

Doch zunächst folgte eine Zwischenstation beim Wagniskapitalgeber E-Ventures, erst als Praktikant, dann als VC im Silicon Valley. Nach vielen erfolgreichen Investments – aber auch verpassten Deals mit Instagram und Pinterest – kehrte Pollok 2012 zurück nach Deutschland, um endlich selbst ein Unternehmen zu gründen.

Der Neustart verlief allerdings zäh. Finanziert von den eigenen Ersparnissen machte sich Pollok auf die Suche nach einem Businessmodell. „Schräg gegenüber vom Soho House in Berlin habe ich in einem von diesen Plattenbauten gewohnt und den ganzen Tag und häufig auch die Nacht an Ideen gebastelt – die größtenteils nichts waren. Das war schon ziemlich depressiv.“ In dieser Zeit traf er dann seine spätere Mitgründerin Lea-Sophie Cramer wieder. Die beiden kannten sich aus ihrer Praktikantenzeit bei BCG. Sie war ebenfalls auf der Suche und gemeinsam kam ihnen dann die Idee zu Amorelie.

Investoren standen Schlange

Anders als man vermuten würde, sei es kein Problem gewesen, Geldgeber für das neuartige Erotik-Versand-Konzept zu finden. „Wir waren eines der ersten professionellen Teams, die nicht gesagt haben, wir hören auf, wenn man anfängt zu kichern, sondern gehen den Schritt weiter“, sagt Pollok. Denn sie hätten festgestellt, wieviel Potenzial in dem Markt ist, wie hoch die Margen seien, wie niedrig die Retourenquoten. Das habe sie fasziniert – und viele Investoren, die mehr Geld in Amorelie stecken wollten, als das Startup überhaupt benötigt hat.

Die weitere Geschichte von Amorelie bis zum Exit ist bereits oft erzählt worden. Für Pollok, der das Unternehmen etwas eher als Cramer verließ, folgte abermals einer Phase der Neuorientierung. Wobei er sich zunächst mindestens sechs Monate verordnete, in denen er nichts machen wollte, was mit Business zu tun hat, sondern sich bewusst anderen Themen zuzuwenden. Es folgte „ein buntes Sammelsurium an verschiedenen Sachen“: ein Praktikum als Koch in einem Berliner Restaurant, eine zehntägige Schweigemeditation, um schließlich zur Erkenntnis zu gelangen, seinen unternehmerischen Werdegang als Investor fortzusetzen.

Von Gründern für Gründer

Sein VC Visionaries Club, den Pollok gemeinsam mit Robert Lacher gegründet hat, besteht aus zwei Fonds und steckt zum einen Geld in frisch gegründete Unternehmen und beteiligt sich zum anderen nach Series-A-Runden an Firmen. Diese Konstruktion sei das Ergebnis des Gedankenexperiments, wie ein Fonds hätte aussehen müssen, den sie sich selbst als Gründer gewünscht hätten so Pollok. Ein Ergebnis: Die Hälfte der Investoren hat selbst einen Hintergrund als Gründer aus dem Digitalsektor, die zum einen Expertise mitbringen, zum anderen sehr frühe Zugänge zu interessanten Gründungen. Die andere Hälfte sind Familienunternehmer, die wiederum anderes Know-how, eigene Netzwerke und potenzielle Kooperationsmöglichkeiten für Visionaries Clubs und die Portfolio-Unternehmen mitbringen.

Wenn ihr außerdem wissen wollt, warum Europa noch viel ungeschöpftes Potenzial für Gründer bietet, in welche Firmen Visionaries Club bislang investiert hat und warum Pollok selbst kein Geld in ein neues Amorelie stecken würde, dann hört unbedingt rein in die neue Ausgabe des OMR Podcasts.

Unsere Podcast-Partner im Überblick:

Hubspot ist ja schon länger als Anbieter eines der größten und erfolgreichsten CRM-Systeme bekannt. Der Sales Hub Enterprise ist für viele von Euch sicherlich das spannendste CRM-Tool. Vor allem für kleinere und mittelgroße Unternehmen bietet sich die einfach zu bedienende Software an, um die Sales-Prozesse im Blick zu behalten und erste Schritte in Sachen Marketing-Automation zu gehen. Also werft mal einen Blick drauf!

Erfolgreiche Digitalisierung im Business hängt nicht zuletzt an der Bandbreite des eigenen Internetanschlusses. Unser Partner Vodafone bietet im Rahmen seiner Gigabit-Wochen das dazu passende Angebot. Der Geschäftskundentarif „Red Business Internet & Phone“ bietet dank Vodafones firmeneigenen Glasfaser-Kabelnetz bis zu 1.000 M-Bit. Und das ganze aktuell zu einem Preis, bei dem man nicht zögern muss: nur 34,90 Euro (statt regulär 49,90). Alle Infos zum „Red Business Internet & Phone“-Tarif gibt es unter: vodafone.de/business-cable.

Neu als Partner dabei ist L’Oréal, das führende Beauty-Unternehmen der Welt. Die Franzosen verstehen sich als Treiber der Digitalisierung und sind gerade dabei, das Thema Beauty Experience auf ein neues Level zu heben. Es geht zum Beispiel um Ideen wie Skin Genius, eine persönliche Hautdiagnose, die aus drei Selfies ermittelt wird. Und das ist nur eine von einer ganzen Reihe Beauty-Tech-Ideen, an denen bei L’Oréal gerade gearbeitet wird. Da würdet Ihr gerne mitmischen? Kein Problem: Schaut Euch unter careeres.loreal.com an, welche Stellen die Kollegen gerade in den Bereichen Digital-Marketing und Produktmanagement zu besetzen haben.

Zum Schluss möchten wir Euch noch auf den spannenden Masterstudiengang Executive MBA in Media Management an der Hamburg Media School (HMS) hinweisen. Das berufsbegleitende Studium macht Euch – immer mit Blick auf die Digital- und Medienbranche – fit im Managen von Budgets bis zum Lesen von Bilanzen. Alle Infos findet Ihr unter hamburgmediaschool.com.

Alle Themen des OMR Podcasts mit Sebastian Pollok im Überblick:

  • Wem er seinen ersten Kontakt mit der Berliner Startup-Szene zu verdanken hatte (ab 3:22)
  • Wie aus einem Praktikum in Hamburg ein VC-Job im Silicon Valley wurde (ab 4:00)
  • Warum er die Gelegenheit verpasste, als einer der Ersten in Instagram zu investieren (ab 6:31)
  • Weshalb der Wunsch zu gründen Pollok zunächst in eine Krise führte (ab 9:52)
  • Wie es schließlich zur Gründung von Amorelie kam (ab 11:40)
  • Warum die erste Finanzierungsrunde direkt größer ausfiel als geplant (ab 13:05)
  • Wieso der Start von Google und Facebook ausgebremst wurde (ab 15:59)
  • Wie das Amorelie-Gründerteam die Rollen aufgeteilt hat (ab 18:51)
  • Warum er nach dem Exit als Praktikant in einem Restaurant angeheuert hat (ab 22:17)
  • Wie zehn Tage Einsamkeit sein Empfinden von Sinn verändert haben (ab 26:36)
  • Warum Pollok mit Visionaries Club einen Gründer-zentrierten VC ins Leben gerufen hat (ab 30:49)
  • Welche Strategie dahinter steckt, Digital- und Familienunternehmer als Limited Partner zu akquirieren (ab 34:21)
  • Wie viel Kapital Visionaries Club mittlerweile raisen konnte (ab 38:48)
  • Wieso Pollok mit seinem Wagniskapital-Unternehmen nicht in B2C-Startups investiert (ab 41:29)
  • Welche Firmen Visionaries Club zwölf Monate nach dem Start im Portfolio hat (ab 43:46)
  • Welche finanziellen Ziele Visionaries Club mit seinen Fonds anstrebt (ab 50:15)
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