Schnell rein, schnell raus: Wie Pornoseiten mit Linkkarussells massiv Traffic generieren

Porno-SEO

Warum Seiten wie vielerporno.com plötzlich bei Google weit oben stehen

Sichtbarkeitsgewinne weit über 200 Prozent innerhalb von nur zwei Wochen – was für Suchmaschinenoptimierer wie ein Traum klingt, gelingt immer wieder offenbar neu aus dem Boden sprießenden dubiosen Porno-Seiten. Zu häufig gesuchten Suchbegriffen erscheinen sie eine Zeit lang weit oben in den Suchergebnissen und lenken damit Millionen von Besuchern auf ihre Seiten. Online Marketing Rockstars erklärt, wie das geht und was dahinter steckt.

Wer in der deutschen Google-Version „Porno“, „Kostenlose Pornos“ oder „Pornofilme“ eingibt, bekommt als Top-Ergebnisse nicht die erwarteten großen Player wie Pornhub, xHamster, Youporn etc., sondern die Seiten geilemaedchen.com, guterporn.xxx oder vielerporno.com zumindest aktuell (und wenn Googles SafeSearch-Funktion deaktiviert ist). Optisch und funktionstechnisch unterscheiden sich diese sogenannten „Tubes“ nicht von ihren großen Vorbildern: Kleine Vorschaubilder auf kostenlos angebotene Filme – daneben Werbebanner für Bezahlangebote. Wer sich die Seiten genauer anschaut, bemerkt, dass sie erst vor wenigen Wochen, teilweise erst vor Tagen in den Google-Rankings so nach oben geschossen sind. Wie kann das sein?

Google hilft unfreiwillig beim Aufstieg

Laut „Porno-Experte“ Daniel Schiemann, der selbst lange Pornoseiten-Betreiber in Marketingfragen beraten hatte und heute Firmen aus verschiedenen Branchen berät, ist die größte Voraussetzungen für den Aufstieg der „Kleinen“, dass Google jede größere Pornotube irgendwann auf die Blacklist setzt und aus den Rankings entfernt. Grund dafür sind meist Copyright-Beschwerden (schließlich werden auch teuer produzierte Filme kostenlos angeboten) oder andere zweifelhafte Geschäftspraktiken. Aber da Google auch Seiten aus seinen Rankings entfernt, die auf Pornoseiten weiterleiten, scheint dem Unternehmen das Thema insgesamt eher unliebsam zu sein.

Google-Suche Porno-SEO

Die ersten drei Ergebnisse bei der Google-Suche nach „Porno“

So kommt es also auch dazu, dass Copycats wie pornhubdeutsch.net und xhamster-deutsch.com auf dem ersten Platz ranken, wenn man nach deren großen Vorbildern sucht – die tauchen im Ranking gar nicht erst auf. Google hat den Weg frei gemacht für guterporn.xxx & Co. Und die wissen das für sich zu nutzen: So kommt guterporn.xxx laut dem SEO-Analyse-Tool Sistrix auf 13.342 Top-10-Rankings und auf Platz 1 bei Keywords wie „Kostenlose Pornos“, „Gina Wild“ oder „Gruppensex“. Noch am 22. Februar 2016 war die Seite bei Google überhaupt nicht sichtbar. Bei geilemaedchen.com ist das ähnlich: 11.485 Top-10-Rankings und die Nummer 1 bei „Sexclips“ oder „Pornosex“ – die Seite rankt seit dem 15. Juni 2015.

Das Porno-Link-Karussel

Laut SEO-Experte Bastian Grimm ist das Blacklisting aber nur die halbe Wahrheit hinter dem rasanten Aufstieg dieser Newcomer: „Niemand ist in der Lage, 15.000 Top-10-Rankings in einem hochkompetitiven Bereich innerhalb weniger Tage – mit einer komplett neuen Domain – aus dem Nichts zu generieren.“ Vielmehr stecke dahinter eine clevere Linkstrategie: „Sie rotieren ihre bereits existierenden Domainnamen und leiten diese immer auf eine neue Domain weiter, so dass ein Kaskadeneffekt entsteht.“

Sichtbarkeit guterporn.xxx

Der Sichtbarkeitsindex von guterporn.xxx (Quelle: Sistrix)

Was heißt das im Detail? Die Betreiber der Tubes wissen, dass sie jederzeit auf der Blacklist landen könnten und wollen ihren Erfolg so schnell wie möglich maximieren – und gleichzeitig langfristig erfolgreich sein. Fliegt also eine Seite aus dem Ranking, leitet sie sofort auf das nächste Projekt weiter, das schon optimiert bereit steht. Google kommt nicht schnell genug hinterher, das Linkprofil der beanstandeten Seite von seinen Servern zu löschen und so bekommt das neue Projekt wertvolle Links „virtuell“ noch gut rankender Seiten – meist über 20.000 Links. Vielerporno.com ist beispielsweise der Nachfolger von einfachporno.xxx, die wiederum auf einfachporno.com folgte. Genau zu dem Zeitpunkt, als die Seiten aus dem Index von Google geflogen sind, wurde die Weiterverlinkung auf den Nachfolger aktiviert. Nur so konnte vielerporno.com innerhalb von zwei Wochen im Sichtbarkeitsindex bei Sistrix von Null auf 54,520 springen.

Derzeit finden sich Tube-Seiten mit Namen wie pornoente.com, bundesporno.com oder eben vielerporno.com unter den bestplatzierten Ergebnissen zum Thema. Das liegt wohl auf der einen Seite daran, dass viele passende Namen schon vergeben sind und auf der Blacklist stehen. Auf der anderen Seite agieren die Seitenbetreiber international und sichern sich meist in die jeweilige Sprache übersetzte Domains. Manchmal eben mehr schlecht als recht.

Profitiert am Ende doch der Platzhirsch?

Guterporn.xxx oder vielerporno.com – zwei aktuelle „Ranking-Könige“ sind auf Borja Mera aus Gijon in Spanien registriert. Er scheint insgesamt sehr aktiv zu sein und hat mindestens 18 Webseiten mit dem Begriff „Porn“ registriert, weitere haben eindeutige Titel wie „pizzaxxx.com“. Er ist Gründer des Portals Cumloader.com, einer Bezahlseite für Porno-Inhalte, die mittlerweile geschlossen ist. Andere aktuelle Überflieger wie pornokraft.com (Platz 1 beim Keyword „Porno“) sind in Luxemburg registriert (Rue Gabriel Lippman 34 in Munsbach). Genau auf diese Adresse sind auch Pornhub und Youporn registriert, die beide zum Branchenriesen Mindgeek (ehemals Manwin) gehören, der seinen Sitz in Luxemburg hat.

Was dann allerdings auffällt: guterporn.xxx hat die meisten seiner 26.000 Backlinks von pornodrome.tv (ebenfalls in der kleinen Straße in Luxemburg registriert). Warum sollte also Mindgeek der Konkurrenz Backlinks zur Verfügung stellen und so deren Ranking pushen? Wahrscheinlich ist, dass alle genannten Projekte zum Branchenriesen gehören. Cumloader.com, das Unternehmen von Borja Mera ist zwar mittlerweile Geschichte. Die Adresse ist aber mittlerweile in der Rue Gabriel Lippman 34 in Luxemburg registriert. Es weißt einiges darauf hin, dass Mindgeek also zumindest bei einem Teil der Porno-Aufsteiger seine Finger drin hat, um sich den SEO-Traffic, der durch Googles Blacklisting verloren geht, wieder zu holen.

Beträchtlicher Traffic durch SEO-Erfolge

Und der ist nicht zu knapp: Laut dem Analyse-Tool Similar Web kam etwa guterporn.xxx auf 4,9 Millionen Visits – im Januar 2016 waren es noch Null, im Februar 500.000. Die Seite geilemaedchen.com kommt auf immerhin 1,8 Millionen Visits und pornokraft.com auf 4,1 Millionen. Daniel Schiemann hatte bei seinem Besuch im Rockstars Podcast erzählt, dass der CPM (Cost per Mille, Preis pro Tausend Kontakte) für die Top-Bannerflächen auf solchen Tubes einen zwischen 30 Cent und zwei Euro liege. Laut Similar Web liegen die Page Impressions von guterporn.xxx bei etwas über 20 Millionen. Rechnet man mit diesem Wert und etwa einem Euro TKP, könnte die Seite mit einem Banner über 20.000 Euro verdienen.

Visits guterporn.xxx

Die Entwicklung der Visits von guterporn.xxx (Quelle: Similar Web)

Besonders langfristig ist diese Entwicklung – wie schon beschrieben – nicht. „Die Wette dabei ist einfach: Wie lange braucht Google, um zu löschen? Sie wetten auf lange – und daran tun sie gut“, sagt Daniel Schiemann. Insgesamt müssen alle im Porno-Business aber auch auf andere Möglichkeiten setzen, als nur cleveres Porno-SEO.

Auch die Videosuche wird wichtig

Eine davon ist überraschend die Google-Videosuche. Im Gegensatz zu den Suchergebnisse nimmt es das Unternehmen hier offenbar nicht mehr so genau wie früher. Noch vor zwei Jahren hatte Google auch bei deaktivierter SafeSearch-Funktion keine expliziten Inhalte in der Video- und Bildersuche gezeigt. So stieg Konkurrent Bing zur „Porno-Suchmaschine“. Hier wurden Inhalte schließlich gezeigt. Mittlerweile leitet auch Google in der Videosuche auf Pornos weiter.

Das bietet für die Branche eine ganz neue Chance – und es entstehen neue Aufgaben. „Da hilft eine explizite Videobeschreibung, die sehr sehr SEO friendly ist auch enorm im Rank“, sagt Daniel Schiemann. Bei Youtube kann man sehen, wie wichtig SEO für das Auffinden der Inhalte ist. Diese Art von Youtube-SEO ist jetzt also auch für die Pornobranche wichtig.

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Diskussion auf OMR
  • Pornoente.com

    Zuerst mal vielen Dank, dass unsere Seite Pornoente.com Artikel erwähnt wurde.

    Leider kann ich nicht alle Dinge im Artikel zu stimmen. Vorallem in Bezug auf die TKP Preise. Preise von bis zu 2 Euro entsprechen nichtmal annähernd der Realität. Das wäre ein Traum jedes Tubenbetreibers :). Egal um welche Tubenseiten es sich handelt.
    Je nach Bannerplatzierung und abhängig von Mobil, Tablet oder Desktop sind realistische Preise von 0,05 bis max. 0,20 cpm für extrem guten Traffic aus DACH (DE, CH, AT). Andere Ländere schneiden da meist noch viel schlechter ab….

  • porn

    Dinge im Artikel zu stimmen. Vorallem in Bezug auf die TKP Preise. Preise von bis zu 2 Euro entsprechen nichtmal annähernd der Realität. Das wäre ein Traum jedes Tubenbetreibers :). Egal um welche Tubenseiten es

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