Galerist und Kunst-Institution: Johann König verkauft sogar dem Instagram-Gründer Kunst

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Johann König in seiner Galerie in Berlin (Foto: Nils Müller)

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Der Galerist Johann König spricht im OMR Podcast über seinen Werdegang und übt deutliche Kritik an der Politik

Als Teenager war Johann König noch „tierisch genervt von Kunst“. Heute, mit 38 Jahren, ist er Pächter einer ehemaligen Kirche in Berlin-Kreuzberg und gilt bereits seit einigen Jahren als einer der erfolgreichsten Galeristen Deutschlands. Künstler wollte er selber nie werden. Im OMR Podcast spricht er über das Geschäftsmodell einer Galerie, erklärt, weshalb Deutschland in Sachen Kunst einen riesigen Standort-Nachteil hat und verrät, wie er über besondere Aktionen Aufmerksamkeit erzielt.

„Das Geschäftsmodell ist: Wir verkaufen Kunst von Künstlern. Einen kleinen Teil nimmt zwar auch der An- und Verkauf ein, in der Regel produzieren wir aber selber“, sagt Johann König im Gespräch mit Philipp Westermeyer. „Wenn ein Künstler uns eine Idee vorstellt und wir die gut finden, finanzieren wir die – und gehen damit ins Risiko.“ 40 Mitarbeiter seien inzwischen für die Galerie König in der ehemaligen Berliner Kirche St. Agnes tätig, die pro Wirtschaftsjahr rund 20 Millionen Umsatz generiert.

Um die 40 Künstler vertreten König und sein Team aktuell, unter anderem den dänischen Bildhauer Jeppe Hein. Eine seiner Arbeiten war es auch, die Johann König 2002 zum Durchbruch verholfen hat. Eine Stahlkugel lag still im Raum und setzte sich erst in Bewegung, als jemand den Raum betrat und sie solange herumschwang, bis dieser quasi zerstört war. „Anfangs hielten mich viele für verrückt. Es war auch wirklich eine riskante Wette, weil ich die Produktionskosten gar nicht hatte“, erinnert sich König. „Die Aktion war dann aber ein enormer Erfolg.“

Der typische Kunde der König Galerie

Nicht ganz so verrückt, aber aus Marketing-Perspektive mindestens genauso effektiv dürfte ein großes Bild des Malers Norbert Bisky sein, das seit 2017 im Berliner Szene-club Berghain zu sehen ist. Da Bisky von der König Galerie vertreten wird und die Location weltweit bekannt ist, sei die Aktion laut Johann König einer der besten Deals, den er je abgeschlossen hat.

Käufer größerer Aktionen oder Installationen seien meistens Museen, ansonsten lande viel Kunst auch in Unternehmenssammlungen. Der typische Kunde der König Galerie im deutschsprachigen Raum sei aber ein anderer: „Das sind mittelständische Unternehmer, die meistens über mehrere Generationen Firmen leiten“, so König. „Die haben ein interessanten Verhältnis zum Geld und kaufen sehr unspekulativ, weil sie damit kein Geld verdienen wollen.“ Spannend findet Johann König auch die Art und Weise, wie Instagram-Gründer Mike Krieger Kunst kauft. „Ihn habe ich mal auf einer Kunstmesse in New York kennengelernt, gemeinsam mit seiner Frau hat er schon viel bei uns gekauft“, erklärt der Galerist. „Das Geld würde da sicher gar keine Rolle spielen, trotzdem hinterfragt er jeden Kauf ganz genau. Egal, ob etwas 6.000 oder 250.000 Euro kostet.“

Standortnachteil: Deutschland

Die Rolle und Funktion einer Kunst-Galerie vergleicht Johann König mit der eines Inkubators – die seiner Meinung nach politisch aber nicht gewürdigt, geschweige denn unterstützt werde. „Es ist eine Schweinerei, dass die politischen Gegebenheiten in Deutschland so schlecht sind für Galerien“, so König. „Als ich angefangen habe, waren die Bedingungen viel besser als heute. Damit schaden wir der Kunstlandschaft in Deutschland.“

Er kritisiert unter anderem die Festlegung der Mehrwertsteuer. Beim Kauf von Kunst in einer Galerie sind 19 Prozent fällig. „Im Buchhandel scheint die Politik zu verstehen, wie wichtig er für Verlage und Autoren ist. Da beträgt die Mehrwertsteuer sieben Prozent“, so der Galerist. Kaufe man direkt beim Künstler, betrage die Mehrwertsteuer nur noch sieben Prozent. „Damit schafft man mittelfristig den Handel ab. Der ist aber nötig, um überhaupt Ausstellungen zu finanzieren und ins Risiko gehen zu können.“ Sein Vorwurf: Für den deutschen Sammler sei der Kauf hierzulande teurer, als überall anders.

Im neuen OMR Podcast verrät Johann König außerdem, welchen Einfluss ein Unfall, bei dem er mit zwölf Jahren fast komplett erblindete, auf seine Karriere hatte, warum er mit dem Thema offensiv erst seit seinem Buch „Blinder Galerist“ umgeht und was er von Streetart-Legende Banksy hält.

Unsere Podcast-Partner:

Wer uns regelmäßig hört, dürfte längst die Kollegen der Berliner Performance-Marketing-Agentur Claneo kennen. Das Gründer-Trio Magdalena Mues, Matthäus Michalik und Martin Grahl kann inzwischen eine Top-Kundenliste vorweisen mit Brands wie HelloFresh, Steigenberger Hotels und vielen mehr. Wir selber arbeiten auch mit den Kollegen zusammen und sind sehr zufrieden. Auch Ihr habt jetzt die Möglichkeit, Euch davon zu überzeugen. Am 11. und 12. September bietet das Team auf der Dmexco eine Erstberatung an – inklusive der Chance, zehn Rabatt auf das erste gemeinsame Projekt zu erhalten. Also direkt einen Termin ausmachen per Mail an omr@claneo.de.

Neu dabei als Podcast-Partner sind diese Woche die Realtime-Marketresearch-Experten von Appinio. Die Kollegen machen Kundenbefragungen und Marktstudien quasi in Echtzeit. User beantworten Eure Fragen innerhalb der Appinio-App – und liefern so repräsentatives Feedback nach nur wenigen von Minuten. Zu den Unternehmen, die davon bereits profitieren, gehören unter anderem Red Bull, VW, About You und viele mehr. Wenn Ihr den Dienst auch mal ausprobieren wollt: Schreibt einfach eine Mail an omr@appinio.com und erhaltet 20 Prozent Rabatt auf das erste Projekt.

Zum Schluss noch ein kurzer Hinweis in eigener Sache: Wir starten schon bald mit unserer OMR Academy. Per E-Learning könnt Ihr dann von zu Hause beispielsweise Marketing-Kniffe zu Facebook und Instagram lernen und erfahrt, welche Ads wie funktionieren. Mit zwei bis drei Stunden Lernaufwand pro Woche auch neben dem Job absolut machbar. Schaut mal rein, der nächste Kurs startet am 18. September.

Alle Themen des Podcasts mit Galerist Johann König im Überblick:

  • Wer ist Galerist Johann König eigentlich? Und was machen die anderen Mitglieder der Künstler-Familie König? (ab 03:30)
  • Wie ein Unfall mit zwölf Jahren König fast das Augenlicht gekostet hätte – und ihm der Kunstlehrer in einer Blindenschule einen neuen Zugang zur Kunst ermöglicht hat (ab 05:00)
  • Deshalb hat König 2002 seine erste Galerie eröffnet – und ist nicht selber Künstler oder Kurator geworden (ab 07:30)
  • Das Startkapital hat König Investitionen in den neuen Markt, seinem Onkel und dem Integrationsamt Berlin zu verdanken (ab 08:15)
  • Weshalb Johann König nicht Kunstgeschichte studiert hat (ab 10:20)
  • Für den Galeristen ist es ein Wunder, dass er heute von seiner Arbeit leben kann (ab 12:50)
  • Wie König in einer Anzeige in der Zeitschrift „Texte zur Kunst“ mit seiner Sehbehinderung gespielt und für seine erste Ausstellung geworben hat (ab 13:30)
  • Nachdem der Galerist in seinen ersten drei Ausstellungen nichts verkaufen konnte, lies er in der vierten eine Stahlkugel mit 70 Zentimeter Durchmesser die Galerie zerstören – ohne, dass er das Geld für die Aktion hatte (ab 16:20)
  • Obwohl viele die Ausstellung der Kugel für verrückt hielten, wurde sie zu Königs Durchbruch (ab 18:45)
  • Mit welchen Künstlern arbeitet Johann König heute vor allem zusammen? (ab 22:20)
  • Wie viel Umsatz generiert die König Galerie im Jahr? (ab 24:40)
  • Die Fashion-Linie Cos von H&M hat 2016 Bildhauer Michael Sailstorfer beauftragt – und damit auch Marketing für die König Galerie gemacht (ab 29:10)
  • So will Johann König Menschen für Kunst begeistern (ab 33:30)
  • Deshalb hängt im Berghain ein Gemälde aus der König Galerie von Norbert Bisky – laut König einer der besten Deals, den er je abgeschlossen hat (ab 35:10)
  • Wie viele (aktive) Kunden hat Johann König? (ab 36:30)
  • Zu seinen Kunden zählt König unter anderem den Instagram-Gründer Mike Krieger (ab 37:40)
  • Gibt es direkte Wettbewerber von Johann König? (ab 43:10)
  • Galerien als Inkubator für neue Kunst und Königs Vorwurf an die Politik (ab 47:35)
  • Weshalb sind riesige Galerien wie die Gagosian Gallery in New York nicht in Deutschland möglich? (ab 48:50)
  • Wie nutzt Johann König Kunstmessen wie die Art Basel für seine Künstler? (ab 52:30)
  • Ist Königs guter Draht zu Unternehmern sein Erfolgsgeheimnis? (ab 54:30)
  • Johann König hat fast 35.000 Abonnenten bei Instagram. Wie hat er die Reichweite aufgebaut und wie nutzt er sie? (ab 57:10)
  • Sieht er sich selber als Brand? (ab 59:00)
  • Wie haben Kritiker sein Buch „Blinder Galerist“ bewertet? (ab 1:01:15)
  • So steht Johann König zum Kunsthandel über Auktionshäuser (ab 1:03:20)
  • Wie sehen Johann Königs langfristige Pläne aus? (ab 1:07:30)
  • Aus dem Galerie-Spinoff „König Souvenir“ ist unter anderem der Europa-Kapuzenpullover „EUnify“ entstanden (ab 1:09:30)
  • Macht sie Johann König Sorgen um die Konjunktur und Auswirkungen auf den Kunsthandel? (ab 1:12:00)
  • Königs Meinung zu Banksy (ab 1:14:15)

Viel Spaß beim Anhören – und vielen Dank für jede positive Bewertung!

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