Hidden-Rucksack-Champion aus Köln: In acht Jahren zum Weltmarktführer für Schultaschen

Fond of GmbH Ergobag PinqPonq Sven Oliver Pink OMR Podcast

Drei der Gründer und aktuellen Geschäftsführer: Sven-Oliver Pink, Oliver Steinki und Florian Michajlezko (von links, stehend, Foto: fondofbags.com)

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Die Fond of GmbH machte zuletzt 69 Millionen Euro Umsatz – ohne externe Investoren an Bord

Im Februar 2010 gründet Sven-Oliver Pink mit drei Freunden die Fond of Bags GmbH – eine Physiotherapeutin hatte ihnen erklärt, dass die meisten Schulranzen schlecht für die Körperhaltung von Kindern seien. Nach der ersten Marke „Ergobag“ folgen bis heute noch sieben weitere, unter anderem für Business-Rucksäcke und T-Shirts. Das Unternehmen ist längst profitabel, machte zuletzt fast 70 Millionen Euro Umsatz. Im neuen OMR Podcast erklärt Gründer Pink, welche Strategie hinter diesem Wachstum steckt, warum die Firma heute nur noch Fond of GmbH heißt und welcher Markt aktuell erobert werden soll.

„Vor acht Jahren hatten wir keine Ahnung, kein Geld, kein Team, keine Prozesse“, sagt Sven-Oliver Pink im Gespräch mit Philipp Westermeyer. „Eigentlich geht es erst jetzt richtig los.“ Diese Formulierung wirkt angesichts der beeindruckenden Entwicklung des Unternehmens fast wie eine Kampfansage an den Rest der Branche: 69 Millionen Euro Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr, profitabel, über 200 Mitarbeiter und die drei Gründer Pink, Oliver Steinki und Florian Michajlezko halten rund 95 Prozent der Firmenanteile.

Trotzdem ist es eher Bescheidenheit, die in den Erzählungen von Sven-Oliver Pink überwiegt. Innovationen, zum Beispiel bei den ergonomischen Schulranzen von Ergobag, seien nicht ihnen selber eingefallen, sondern in Gesprächen mit Familien entstanden. „Im Nachhinein war unser größter Erfolgsfaktor völlige Ahnungslosigkeit“, so Pink.

Das erste harte Fond of Bags-Jahr

Trotz dieser anfänglichen Ahnungslosigkeit gehen die vier Gründer (Juliaan Cazin ist inzwischen nicht mehr an Bord) ins Risiko. Mit Hilfe von KfW-Krediten investiert jeder 60.000 Euro, für die ersten 6.000 Schultaschen gehen sie mit 200.000 Euro in Vorkasse. Zwar können sie die erste Produktion komplett verkaufen und 270.000 Euro umsetzen, am Ende des Geschäftsjahres steht dennoch ein Minus von 90.000 Euro in den Büchern.

90 Fachhändler hatten Pink und sein Team in diesem ersten Jahr mit klassischem Klinkenputzen davon überzeugen können, Ergobag ins Sortiment aufzunehmen. Heute sind es alleine in Deutschland 1.800 meist inhabergeführte Läden, weltweit sogar rund 5.000, die mindestens eine der inzwischen acht Fond of-Brands führen. Die Beziehung zu diesen Händlern ist laut Sven-Oliver Pink auch einer der größten Erfolgsfaktoren des Unternehmens: „Jeder Händler soll einmal pro Jahr geschult werden, um die Produkte und deren Innovationen zu verstehen und auch weitergeben zu können.“

Ein wirtschaftlicher Wendepunkt ist dann ein Businessplan-Wettbewerb des Handelsblatts 2011, bei dem das junge Unternehmen unter den besten zehn landet und Meetings mit insgesamt zehn CEOs gewinnt. Einer ist besonders begeistert vom Gründer-Team und der Idee: Jürgen Hambrecht, damals Vorstandsvorsitzender des Chemiekonzerns BASF, investiert 455.000 Euro und sichert sich damit 25,1 Prozent am Unternehmen. Zwar kaufen die Gründer die Anteile rund zwei Jahre später wieder zurück, das frische Kapital finanziert allerdings die nächste Produktion und sorgt für Profitabilität im zweiten Jahr.

So unterscheiden sich die Brands in Marketing und Vertrieb

Bei insgesamt acht Marken, bis auf „Funktion Schnitt“ (T-Shirts) alle aus dem Taschen- und Rucksack-Segment, läge es eigentlich nahe, gemeinsame Schnittstellen zu nutzen. Dem widerspricht Sven-Oliver Pink allerdings. „Für jede Marke haben wir komplett autarke Teams. Es gibt da eigentlich keine Marketing- oder Vertriebs-Synergien“, so der Gründer. Das liege unter anderem an den komplett unterschiedlichen Zielgruppen. Während im Schultaschen-Segment beispielsweise nur drei Prozent des Umsatzes online erzielt wird, seien es bei Lifestyle und Fashion rund 45 Prozent.

Aktuell bereiten Kollegen den Markteintritt in den USA mit einem Büro in New York vor, auch in China wurde bereits ein Vertriebs-Joint-Venture gegründet. Und obwohl Taschen und Rücksäcke aktuell noch ganz klar das Kerngeschäft sind, will sich Pink nicht festlegen, in welche Bereiche das Unternehmen in Zukunft noch vorstößt. Die Umfirmierung zu Fond of GmbH hatte das bereits angedeutet. „Wir sehen uns eher als Plattform für Potenzial-Entfaltung“, so Pink.

Was das mit einem Konzept für eine Eisdiele zu tun hat, welche Brand im Fond of-Kosmos mal gescheitert ist und wie Sven-Oliver Pink über Tablets statt Schulbücher und damit verbundene Auswirkungen auf das Schulranzen-Business denkt, erfahrt Ihr in der aktuellen Podcast-Folge.

Unsere Podcast-Partner:


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Alle Themen des OMR Podcasts mit Sven-Oliver Pink im Überblick:

  • Das hat Sven-Oliver Pink vor der Gründung der Fond of GmbH gemacht (ab 03:45)
  • Wie kam das Gründer-Quartett auf die Idee, unter der Brand „Ergobag“ ergonomische Rucksäcke für Kinder herzustellen? (ab 04:50)
  • So lange dauerte es von der Idee bis zur ersten Produktion in Asien (ab 06:30)
  • Die Produktentwicklung für den ersten Rucksack dauerte nur vier Tage, heute dauert diese Phase bis zu einem Jahr (ab 08:00)
  • Mit dieser Strategie haben die Gründer dafür gesorgt, Rucksäcke und Taschen mit Innovationen zu versehen (ab 09:00)
  • So hat Fond of bis heute 1.800 Händler in Deutschland überzeugt, Schultaschen von Ergobag zu führen (ab 10:20)
  • Deshalb haben sich Sven-Oliver Pink und sein Team von Anfang an auf enge Partnerschaften fokussiert – und E-Commerce nur nebenbei gemacht (ab 14:15)
  • Nur drei Prozent des Schultaschen-Umsatzes entsteht online – bei der Lifestyle-Brand Pinqponq sind es rund 45 Prozent (ab 16:00)
  • Diese Fond of-Marken sind bei Amazon gelistet und das ist die Strategie dahinter (ab 17:30)
  • Alleine Ergobag macht heute 30 Millionen Euro Umsatz im Jahr (ab 18:45)
  • So hat das Unternehmen den damaligen BASF-CEO Dr. Jürgen Hambrecht überzeugt, zu investieren (ab 20:30)
  • 2014 haben die Gründer die Anteile wieder zurückgekauft (ab 22:40)
  • So viel Umsatz macht das Unternehmen ingesamt – und das peilt Sven-Oliver Pink für das aktuelle Geschäftsjahr an (ab 26:15)
  • Deshalb investiert Fond of zur Zeit viel Geld in die jüngeren Marken (ab 27:30)
  • Weltweit arbeitet das Unternehmen mit rund 5.000 Fachgeschäften zusammen (ab 29:45)
  • Sven-Oliver Pink hat jetzt zum ersten Mal das Gefühl, dass die Zahl der Fachhändler abnimmt (ab 32:00)
  • So entstanden nach Ergobag die sieben weiteren Fond of-Brands (ab 33:00)
  • Mit Affenzahn hat das Unternehmen inzwischen auch eine Marke für Kindergarten-Rucksäcke (ab 34:30)
  • Satch ist die erfolgreichste Fond of-Marke, dicht gefolgt von Ergobag (ab 35:20)
  • Deshalb bezeichnet Sven-Oliver Pink das Unternehmen als „Plattform für Potenzial-Entfaltung“ (ab 37:00)
  • Anfang des Jahres hat Fond of die Damenhandtaschen-Brand Klatta eingestellt (ab 39:30)
  • Sieht Pink die Marken des Unternehmens als Vertical Brand? (ab 40:30)
  • Wie sähe seine Herangehensweise bei einer reinen Vertical Brand wie Horizn Studios für Koffer aus? (ab 43:00)
  • Plant Fond of die Eröffnung eigener Ladengeschäfte? (ab 44:00)
  • Mit „Funktion Schnitt“ hat Fond of auch eine T-Shirt-Brand im Portfolio (ab 45:50)
  • Für diese Fond of-Marken ist Instagram die wichtigste Plattform (ab 47:30)
  • Deshalb ist Sven-Oliver Pink kein großer Fan von Test-Siegeln (ab 48:30)
  • Vor drei Jahren gab es ernste und gute Angebote von Private Equity-Firmen – deshalb hat Fond of abgelehnt (ab 49:30)
  • Wie sieht der Kontakt mit Wettbewerbern aus? (ab 51:50)
  • Das war die Idee hinter der Business-Rucksack-Brand Salzen (ab 55:20)
  • Welcher Markt ist nach Deutschland der wichtigste für die Fond of GmbH? (ab 58:00)
  • Mit diesen Brands bereitet das Unternehmen aktuell den Markteintritt in den USA vor (ab 58:20)

Wie immer könnt Ihr den aktuellen OMR Podcast bei SoundcloudiTunes (falls die aktuelle Episode noch nicht sichtbar ist, einfach abonnieren) oder per RSS-Feed anhören. Auch auf SpotifyStitcher und Deezer findet Ihr uns. Und es gibt jetzt auch einen Alexa Skill! Viel Spaß beim Anhören – und vielen Dank für jede positive Bewertung.

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