Viral-Phänomen „Pie Face Game“: Millionen-Reichweite und Amazon-Bestseller ohne eigenes Marketing?

Pie Face Game Marketing

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Kleines deutsches Affiliate-Projekt landet internationalen Hit

34 Millionen Views, fast 700.000 Shares und 250.000 Kommentare – ein nur elf Sekunden kurzer Clip ohne Sound wurde für ein kleines Facebook-Projekt aus Deutschland zum viralen Hit. Das Video zeigt zwei Brüder, die das „Pie Face Game“ spielen; der Verlierer bekommt Schlagsahne ins Gesicht und ist sichtlich sauer. Doch was hat die Affiliate-Seite wirklich von der unerwarteten Reichweite? Online Marketing Rockstars hat mit dem Betreiber gesprochen – und zeigt, wie der Spielwarenhersteller Hasbro immer wieder massiv von User Generated Content profitiert.

Das Prinzip vom Geschicklichkeitsspiel „Pie Face Showdown Game“ von Hasbro ist simpel und schnell erklärt: Zwei Spieler sitzen mit ihren Gesichtern dicht am Spielfeld und einer beispielsweise mit Schlagsahne oder einem nassen Schwamm beladenen Plastikhand. Beide drücken so schnell und oft es geht auf einen Knopf – der Schnellere gewinnt, der Langsame bekommt die Ladung Sahne ins Gesicht.

Genau so lief es auch bei zwei kleinen Brüdern aus Frankreich ab. Die Mutter filmte das Spektakel (der „Verlierer“ lässt seinem Unmut freien Lauf) und schickte den nur elf Sekunden kurzen Clip ohne Ton an die Facebook-Seite „Pie Face Game“ (@piefacespiel) mit zu dem Zeitpunkt nur rund 3.500 Fans. Am Freitag dem 9. Dezember wurde das Video dort um 9:30 Uhr veröffentlicht. Bis heute, zwei Wochen später, wurde es 34 Millionen Mal angeschaut, über 670.000 Mal geteilt, 333.000 Mal geliket und 250.000 Mal kommentiert.

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Posted by Pie Face Game on Friday, December 9, 2016

Was führte zu der enormen Reichweite für das „Pie Face Showdown Game“?

Im Gespräch mit Online Marketing Rockstars zeigt sich Markus S., Betreiber der Facebook-Seite und der dazugehörigen Domain pie-face.de, überrascht ob der Millionen von Views. „Am Wochenende, nachdem ich den Clip hochgeladen hatte, habe ich gar nicht mehr auf die Seite geschaut und Zeit mit der Familie verbracht“, sagt er. „Erst am Montag habe ich dann die Reichweite realisiert. Und auch erst dann einen Affiliate-Link zu Amazon hinzugefügt.“ Fanseite und Domain zu den Pie-Face-Spielen hätte Markus ähnlich wie eine Handvoll weiterer kleinerer Affiliate-Projekte ohne viel Aufwand in der Freizeit angelegt.

Warum gerade das kurze Video, das ihm die Mutter der beiden Jungs per Facebook geschickt hatte, so erfolgreich ist, kann er sich nicht erklären. Er habe kein Geld für Werbeanzeigen investiert. „Auf einen Schlag hatte die Seite über 55.000 neue Fans und ich habe sicher mindestens 1.000 direkte Nachrichten erhalten. Der Großteil wollte wissen, wo man das Spiel kaufen kann“, so Markus. Laut Facebooks Statistik kommt sowohl der Großteil der Viewer des Clips als auch der neuen Fans der Seite aus den USA, jeweils gefolgt von Brasilien, Mexiko, Frankreich und Großbritannien.

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Das Fan-Wachsum der Facebook-Seite „Pie Face Game“ nach dem Viral-Erfolg.

Die genaue Summe, die er bisher mit Hilfe des Videos umgesetzt hat, will Markus zwar nicht nennen. Wenn alles gut laufe, komme er bis Weihnachten aber auf einen niedrigen, vierstelligen Dollar-Betrag. Nahezu alle Affiliate-Sales kämen dabei aus den USA.

Virale Videos von Fans bescheren Hasbro erneut Ausverkäufe

Auch wenn der genaue Grund oder Auslöser für die hohen Abrufzahlen des Videos der beiden Jungs rückwirkend kaum nachzuvollziehen ist, zeigt der Erfolg doch, dass Hasbro mit dem Erwerb der Lizenz einen ganz guten Griff gemacht haben dürfte. Mitte 2015 hatte das Unternehmen die Rechte am „Pie Face Game“ von Esdevium Games übernommen. Der Grund für die Rückholaktion – Hasbro hat das „Pie Face Game“ selber ursprünglich schon 1968 erfunden – war ein weiterer viraler Erfolg des Spiels. Denn schon Anfang 2015 erzielte ein Video, bei dem sich ein Opa beim Spielen einer Solo-Variante des Spiels mit seinem Enkel vor Lachen auf dem Boden rollt, international Millionen-Reichweiten. Alleine auf der Facebook-Seite von Unilad wurde das Video bis heute fast 200 Millionen Mal angeschaut und über 2,7 Millionen Mal geteilt. Es folgten zahlreiche Medienberichte, unter anderem beim Mirror und der Huffington Post.

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Die Fan-Entwicklung der Facebook-Seite „Pie Face Game“ nach dem Viral-Erfolg.

Dieses Jahr scheint Hasbro nahtlos an den Erfolg vom „Pie Face Game“ anzuknüpfen; das Spiel ist erneut ein Kassenschlager. Schon vor dem aktuellen Video-Hit mit den beiden Brüdern vermeldete beispielsweise Amazon, dass das Kultspiel von Hasbro der meistverkaufte Artikel in der Kategorie „Toys“ während des Black Fridays und Cyber Mondays war. Auch heute dominiert das Brettspiel die entsprechenden Bestseller-Listen beim E-Commerce-Riesen. In der Kategorie „Board Games“ landet das „Pie Face Game“ auf dem zweiten Platz, auch „Hot New Releases“, „Most Wished For“ und „Gift Ideas“ wird von Hasbro dominiert. Auf Youtube gibt es zu der Suche „pie face game“ alleine für dieses Jahr 4,36 Millionen Ergebnisse, viele davon mit Aufrufen im hohen Millionen-Bereich. Das erfolgreichste stammt vom Kanal „Ryan ToysReview“ und kommt auf 14,2 Millionen Views.

Fördert Hasbro Fanseiten in Form von Kooperationen?

„Das Ganze ist tatsächlich ein Hobby, daher bin ich mit den im Verhältnis zur unfassbaren Reichweite eher geringen Einnahmen absolut zufrieden“, stellt Markus fest. Zwischenzeitlich war das Spiel bei Amazon ausverkauft. „Das dürfte meine Umsätze während des Video-Hypes etwas geschmälert haben.“ Ihm ist klar, dass vor allem Hasbro von viralen Clips wie dem auf seiner Facebook-Seite profitiert und damit einen enormen Mediawert quasi geschenkt bekommt. Denn auch das Video der beiden Jungs wurde in den Tagen nach der ersten Veröffentlichung von vielen weiteren Seiten übernommen: Beispielsweise Imgur, Reddit sowie die Facebook-Seiten Viral Thread und Demotivateur sorgten für zusätzliche Millionen-Abrufe. Inzwischen hat auch die Mutter das Video in zwei Versionen (ohne und mit Sound) auf einem offenbar extra dafür erstellten Youtube-Account hochgeladen und kommt damit auf immerhin fast 65.000 Views – inklusive weitere Anfragen zur Übernahme von StoYo Media, Bored Panda und Distractify.

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Amazon.com: Hasbro und Pie Face Game dominieren die Bestseller-Liste der Brettspiele.

Eine Kooperation zwischen Hasbro und Markus soll es aktuell übrigens noch nicht geben, Markus hält das aber nicht für ausgeschlossen. „Die kennen meine Seite und freuen sich natürlich über Projekte dieser Art. Und wir stehen auch immer mal wieder im Kontakt“, sagt er. „Vor ein paar Monaten war mal ein Gewinnspiel angedacht, das kam dann aber nicht zustande.“ Zum aktuellen Viral-Erfolg auf seiner Facebook-Seite habe sich bisher keiner gemeldet – die Ansprechpartnerin wäre schon vor der Veröffentlichung des Postings im Weihnachtsurlaub gewesen.

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