So macht Deutschlands meistgesuchte Darstellerin Lucy Cat Porno zur Influencer-Disziplin

Lucy Cat Influencerin OMR

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Attraktives Werbeumfeld mit junger Zielgruppe statt Schmuddelimage?

Auf Instagram folgen ihr 622.000 Abonnenten, das jüngste Youtube-Video schaffte es kürzlich mit fast 800.000 Views in die Trends und sie war mehrfach zu Gast bei Formaten von Rocket Beans TV. Die Rede ist hier aber nicht von einer „klassischen“ Influencerin aus dem Mode- oder Beauty-Bereich, sondern von Lucy Cat, Deutschlands meistgesuchter Porno-Darstellerin. Seit einigen Jahren wagt die 24-Jährige den Spagat zwischen Hardcore-Content und jugendfreien Social-Media-Inhalten. OMR erklärt, warum sie damit offenbar so erfolgreich ist und welche Chancen dadurch für Werbetreibende sowie Brands entstehen können.

Seit gerade einmal etwas mehr als zwei Wochen ist das neueste Video auf dem Youtube-Kanal von „Lucy Cat“ online. Rund 165.000 Abonnenten hat der Mitte 2014 erstellte Channel Stand heute. Der Clip „ICH GOOGLE MICH SELBST! | LUCY CAT“ kommt dafür schon auf über 783.000 Aufrufe, ist damit das vierterfolgreichste überhaupt und landete direkt in den Trends.

Der Einstieg ins Porno-Business mit sofortigem Erfolg

Lucy Cat ist seit inzwischen vier Jahren als Amateurdarstellerin aktiv. Das erste Video dreht sie im Wohnheim eines Kommilitonen, noch während ihres Studiums der Schifffahrtslogistik. Nach vier Semestern ist damit dann Schluss: Sie fokussiert sich seitdem komplett auf die Porno-Branche und produziert fast den gesamten Content in Eigenregie, wie sie im Gespräch mit Vice verrät.

Sie sehe die Amateurbranche wie Youtube mit sexuellem Content, schaut, welche „Trends“ gerade gefragt sind und geht auf Wünsche ihrer Fangemeinde ein. Das scheint in der Porno-Community gut anzukommen. 2017 landete Lucy Cat in der jährlich von Pornhub veröffentlichten Jahresstatistik auf dem ersten Platz der meistgesuchten Darstellerinnen in Deutschland.

Pornhub Statistik Lucy Cat OMR

2017 war Lucy Cat die meistgesuchte Darstellerin auf Pornhub.com. Auf Platz 2 folgt Katja Krasavice (Quelle: pornhub.com/insights/2017-year-in-review).

Schon 2014, kurz nach dem Start ihrer Porno-Karriere, erhält Lucy Cat einen Exklusivvertrag bei Mydirtyhobby – und ist so mit mehr als den sonst üblichen 25 Prozent an den von ihren Inhalten erwirtschafteten Umsätzen beteiligt. Die Erotik-Community ist Teil der Mindgeek-Gruppe, zu der unter anderem auch die Portale Pornhub, Youporn und Redtube gehören. Insgesamt generieren die Inhalte der Gruppe , die bis 2013 dem deutschen Unternehmer Fabian Thylmann gehört hatte, eigenen Angaben zufolge mehr als drei Milliarden Ad Impressions und 115 Millionen Visitors täglich.

Seit wann ist Lucy Cat auch abseits von Pornhub & Co. erfolgreich?

Es dauert nicht lange, bis Lucy Cat auch außerhalb der einschlägigen Porno-Portale Aufmerksamkeit erregt. Ende 2015 ist sie als Eisverkäuferin bei RTLs Show-Format „Das Supertalent“ zu Gast. Ihr „Talent“: einen ein Meter langen Luftballon schlucken. Auch wenn es natürlich nicht für die nächste Runde in der Castingshow reicht, erzeugt die gezielte Provokation Aufmerksamkeit.

In der Folge tritt sie in mehreren Videos beim Internet-Sender Rocket Beans TV auf (OMR Podcast mit Geschäftsführer Arno Heinisch und Moderator und Mitgründer Etienne Gardé), die bis zu 1,5 Millionen Mal geklickt werden und für einen weiteren Anstieg ihrer Bekanntheit sorgen. Das jüngste, eine Parodie auf das Schwangerschafts-Video von Bianca Heinicke von BibisBeautyPalace, erscheint vor wenigen Wochen.

Dass Lucy Cat auch dazu bereit ist, ihre inzwischen erreichte Bekanntheit und Reichweite für seriöse Zwecke zu nutzen, zeigt sich Anfang 2017. Gemeinsam mit der Agentur Serviceplan startet ihre Exklusiv-Plattform Mydirtyhobby eine Kampagne zur Aufklärung für Hodenkrebs-Früherkennung – mit Lucy als Testimonial. Das Versprechen der Aktion: Pro 1.000 Views spendet die Erotik-Community zehn Euro an eine Institution für Krebsforschung. Der Clip auf Youtube (rund 283.000 Aufrufe) und auf Facebook (316.000 Aufrufe) dürfte so 5.990 Euro generiert haben.

Kooperation mit Katja Krasavice und Anfragen von Brands außerhalb der Porno-Branche

Für den stärksten Bekanntheits-Boost allerdings hat und dürften bis heute die gemeinsamen Videos mit der umstrittenen Erotik-Youtuberin Katja Krasavice sorgen. Krasavice reizt seit Jahren die Richtlinien von Googles Video-Plattform aus und setzt voll auf Provokation. Im vergangenen Jahr warb sie beispielsweise für ein dubioses Snapchat-Abo, bei dem sie angeblich Porno-Inhalte zeigen wollte. Inzwischen setzt sie offenbar vor allem auf Musik-Videos und Auftritte in Clubs als Einnahmequelle. Die gemeinsamen Clips zählen auf beiden Kanälen jeweils zu den erfolgreichsten überhaupt. Und Krasavice war 2017 nach Lucy Cat die am zweithäufigsten gesuchte Person auf Pornhub in Deutschland.

Zum Start der Karriere von Lucy Cat ist Marc Birkefeld Director of Marketing Management bei Mindgeek Deutschland – er dürfte damit nicht ganz unbeteiligt am Social-Media-Erfolg der Darstellerin sein. Inzwischen ist Birkefeld Vice President bei der iVenture Group in Hamburg, sei aber immer noch beratend für Lucy Cat tätig. Im Gespräch mit OMR erklärt er die ursprüngliche Idee hinter der Social-Media-Offensive. „Am Anfang gab es nur die klassische Fanpage auf Facebook. Unser Ziel war aber, Lucy als Marke aufzubauen und natürlich Mydirtyhobby zu stärken, ohne dass die Seite im Vordergrund steht.“

Birkefeld und sein Kollege Dennis Byfield, der gemeinsam mit ihm von Mindgeek zur iVenture Group gewechselt war, sind sich sicher, dass eine Art Renaissance der Erwachseneninhalte ansteht. Das zeige schon die Masse an Content mit sexueller Note in den sozialen Netzwerken. Byfield sagt: „Werbetreibende müssen sich früher oder später mit dem wachsenden Thema Pornographie auseinandersetzen. Influencer aus dem Bereich bauen zur Zeit beeindruckende Reichweiten auf. Das kann gerade jetzt enorme Vorteile bringen.“ Birkefeld ergänzt: „Es trudeln immer mehr Anfragen für Lucy Cat ein, die nicht aus dem Porno-Bereich stammen. Das zeigt schon, wo die Reise hingeht.“ Ob das Umfeld Porno wirklich in absehbarer Zeit branchenübergreifend bei Werbetreibenden an Attraktivität gewinnt, bleibt abzuwarten. Ein Blick in die Kommentar-Spalten von Lucy Cats Instagram-Account zeigt zumindest, wo das Problem liegen könnte, das Advertiser abschreckt.

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