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Lea-Sophie Cramer: „Die einzige Angst, die ich hatte, ist berühmt zu werden“

Lea-Sophie Cramer

Lea-Sophie Cramer

Die Amorelie-Gründerin über TV-Prominenz, ihre Pläne nach dem Amorelie-Exit und das Bedürfnis noch einmal ein Unternehmen zu gründen

33 Jahre ist kein Alter für ein Role-Model. Aber Lea-Sophie Cramer hat auch ein dickes Brett zu bohren: Nur 0,4 Prozent des Wagniskapitals gingen bislang in von Frauen geführte Startups, sagt die Amorelie-Gründerin in der neuen Folge des OMR Podcasts. Das will die Berlinerin nun ändern. Nach ihrem Ausstieg aus dem operativen Geschäft beim Sextoy-Anbieter vor ein paar Monaten will sich Cramer verstärkt um die Förderung des weiblichen Gründer-Nachwuchs kümmern. Doch vorher geht sie mit Philipp Westermeyer noch einmal durch die Geschichte ihres eigenen Unternehmens-Babys, verrät Anekdoten aus der Gründungsphase, redet über TV-Prominenz und ihren inneren Drang, demnächst selbst noch einmal eine Firma hochzuziehen.

Wie bei vielen Gründern ihrer Generation begann auch Cramers Karriere bei Rocket Internet, dem Startup-Karrierebeschleuniger der Nuller-Jahre. Dort hat sie unter anderem das Asien-Geschäft des Couponing-Startups Groupon aufgebaut. Zu der Dynamik, die bei Oliver Samwers legendärem Company Builder gepflegt wurde, passt auch ihr eigener Einstieg ins Unternehmen: „Der erste Arbeitstag war im Flieger mit Oli nach Japan. Ich bin dann da auch gleich zwei Wochen geblieben, weil er am nächsten Tag meinte, er muss zurück, ich soll das mal alleine weitermachen“, erzählt Cramer im OMR Podcast.

Aus dem Erotik-Händler wird ein Sextoy-Produzent

Nach dreieinhalb Jahren bei Rocket habe sie jedoch genug gehabt vom Leben aus dem Koffer, „bei dem man Meilen sammelt, aber seine echten Freunde nicht mehr sieht“, so Cramer. Es habe sie zurück in ihre Heimatstadt Berlin gezogen. Nach ihrer lehrreichen Zeit im Dienst eines Company Builders wollte sie ihre Kraft endlich in den Aufbau eines eigenen Unternehmen stecken.

Im Januar 2013 launchte Cramer dann mit Sebastian Pollok den Online-Erotik-Shop Amorelie. Das Startup hat sie bis Anfang 2020 als CEO geführt. Mittlerweile hält sie nur noch eine Minderheitsbeteiligung und sitzt im Beirat. Im Gespräch mit Philipp Westermeyer blickt sie auf die Entwicklung von Amorelie zurück und zeichnet den Weg von einem reinen Online-Händler zu einem Produzenten von Sextoys nach, dessen Produkte heute in den Regalen von Drogeriefilialisten wie DM und Rossmann stehen, aber auch in Luxuskaufhäusern wie KaDeWe und Galeries Lafayette vertrieben werden.

Das Ziel: in die Mitte der Gesellschaft

„Wir haben angefangen, um das Liebesleben zu revolutionieren und Sexspielzeug in die Mitte der Gesellschaft zu rücken. So dass wir keine Angst mehr haben ‚Vibrator‘ zu sagen“, sagt Cramer. Im OMR Podcast berichtet sie vom Sextoy-Markt, den sie damals vorgefunden hätten: etwas schmuddelige Shops im Bahnhofsviertel und ebenso schäbige Online-Shops der Erotik-Ketten. Zugleich hätten Umfragen im privaten Umfeld und der Erfolg des Bestsellers „50 Shades of Grey“ ihnen klargemacht, dass es einen Markt für ein positives digitales Kauferlebnis gibt.

Der Erfolg von Amorelie scheint diese Annahme zu bestätigen. Das Unternehmen habe inzwischen um 130 Mitarbeiter und sei als Marke in 15 Ländern präsent, so Cramer. Zum derzeitigen Umsatz und Gewinn mag sich die Ex-CEO aber nicht äußern. Mit Verweis auf die letzten veröffentlichten Zahlen deutet sie immerhin an: „2017 haben wir 56 Millionen Euro Umsatz gehabt und 12 Millionen Gewinn, und haben uns seitdem natürlich weiterentwickelt.“ Und sie sagt, Amorelie mache inzwischen den Großteil des Umsatzes mit Eigenmarken.

Respekt vor dem respektlosen Konkurrenten

Natürlich befragt Philipp Lea-Sophie Cramer auch zum Amorelie-Wettbewerber eis.de. Der ist zwar schon länger am Markt als die Berliner. Doch erst durch eine Neupositionierung vor rund fünf Jahren brachten die Bielefelder sich als direkten Angreifer ins Spiel. „Ich habe im Strahl gekotzt, als der Spot rauskam, weil der einfach so wahnsinnig gut ist“, räumt Cramer ein. Dabei nötigte ihr die Konsequenz der Konkurrenz-Attacke durchaus Respekt ab.

„Normalerweise würdest du ja als Wettbewerber gucken, was ist noch frei an Positionierung. So hätte ich das jetzt gemacht. Die haben aber nicht gesagt: Was ist frei? sondern: Wir nehmen genau dieselbe Positionierung von der CI, von der Marke, von der Kommunikation und gehen da noch konsequenter rein. Das fand ich erstmal eine sehr spannende Entscheidung.“

Warum Cramer zum Gesicht von Amorelie wurde

Von Philipp auf ihre Rolle als öffentliches Gesicht der Marke Amorelie angesprochen, erklärt Cramer die Hintergründe. Der ursprüngliche Plan sei gewesen, das Startup durch Marketing groß zu machen. Doch dann hätten die beiden Gründer die vielen Reglementierungen kennen lernen müssen, die einen beim Thema Erotik ausbremsen: „Wir dürfen einfach nicht kommunizieren. Wir dürfen die Leute nicht erreichen. Auch TV war am Anfang tabu. Wir waren eher verzweifelt. Das erste Jahr haben wir durch Groupon-Deals überlebt“, sagt Cramer.

Doch dann hätten sie PR als Alternative zum klassischen Marketing entdeckt. Nachdem ein Artikel in der Bild am Sonntag über das Gründerduo und ihr Sextoy-Startup erschienen war, hätten sie an einem Tag 65.000 Euro Umsatz gemacht, erzählt Cramer. Nur durch PR und Groupon-Deals sei Amorelie im ersten Jahr dann bereits auf eine Million Umsatz gekommen. „Da haben wir aus der Not eine Tugend gemacht“, sagt Cramer.

Schnell hätten sie gelernt, dass die Journalisten lieber mit einer Frau über Sexualität reden würden. Ihr Gründungspartner Sebastian Pollok blieb darum irgendwann hinter den Kulissen. „Ich bin in die Öffentlichkeit gegangen, weil es einfach notwendig war.“ Und weil es funktioniert hat: PR sei zum größten Umsatztreiber des Startups geworden, sagt Cramer. Zugleich habe sie durch die Medien, die über sie und ihre Firma berichtet haben, viel über ihre Zielgruppe gelernt. Dass etwa Leserinnen von Fitness-Zeitschriften eine Affinität zu Sextoys hätten.

Gerne bekannt, aber lieber nicht berühmt

Der PR-zentrierte Blick habe sich durch alle Bereiche von Amorelie gezogen. So hätte sie den Erfolg von Popup-Stores zunächst am Umsatz messen wollen. Dann erkannte sie aber, dass mediale Berichterstattung über eine mit Prominenten aufgeladene Opening-Party einen viel größeren Mehrwert haben kann.

Spätestens durch die ProSieben-Show „Das Ding des Jahres“ genießt Lea-Sophie Cramer selbst eine gewisse Prominenz. Seit der zweiten, 2019 ausgestrahlten Staffel ist sie in der von Stefan Raab produzierten Show dabei. Dort stellen Tüftler ihre Erfindungen einer Jury vor. In der sitzen neben Cramer noch Entertainer Joko Winterscheidt, Rewe-Einkaufschef Hans-Jürgen Moog und Model Lena Gercke (die wir bereits im Podcast hatten, wo sie auch über „Das Ding des Jahres“ gesprochen hat). Cramer habe sich im Videocall schnell von Raab überzeugen lassen, mitzumachen, erzählt sie Westermeyer. „Die einzige Angst, die ich hatte, ist berühmt zu werden.“ Also habe sie Frank Thelen angerufen und gefragt, wie schnell das passiere und wie es sei, wenn man plötzlich im Rewe erkannt werde. Der habe gemeint: Das dauert.

Auch wenn die eigene Prominenz nicht Cramers Ziel ist, so dürfte ihre mediale Präsenz ihr geholfen haben, eine für eine Unternehmerin respektable Social-Media-Reichweite aufzubauen. Bei Instagram folgen ihr bald 23.000 Menschen, bei Linkedin sind es über 43.000 Follower. Gerade befindet sie sich in einer Social-Media-Pause, die die Berlinerin jedoch dazu nutzen will, eine Strategie für ihre künftige Nutzung der Plattformen zu entwickeln. Eine zentraler Aspekt dabei: Cramer möchte ihre Reichweite künftig stärker einsetzen, gezielt Wissen über Unternehmertum weiterzugeben und Kontakte herzustellen.

Ein Jahr lang Neues lernen

Seit ihrem Amorelie-Exit befinde sie sich selbst in einem „Year of Learning“, so Cramer. Wobei daraus bedingt durch die Corona-Krise und einen Kreuzbandriss anderthalb Jahre werden könnten, so Cramer. Denn sie möchte eine Coaching-Ausbildung machen und sich verstärkt um Investments in Early-Stage-Startups kümmern. Als Vollzeit-Investorin sieht sie sich aber nicht. Vielmehr steht am Ende ihres Year of Learning vermutlich eine neue Gründung an. „Ich liebe dieses operative Tun“, sagt Cramer. „Ich finde es total spannend, mir zu überlegen, wie ich so einen PR-Kanal als Umsatzkanal aufbaue oder wie man es schafft, bei DM seine Produkte zu listen oder ein Toy-Party-Netzwerk zu managen.“

Wenn Ihr tiefer in die oben genannten Themen einsteigen wollt, neugierig seid, welches Startup Lea-Sophie Cramers Großmutter ihr nahegelegt hat, und außerdem erfahren möchtet, warum es bei Amorelie keine Peniskäfige gibt, hört Euch den neuen OMR Podcast an.

Unsere Podcast-Partner im Überblick:

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Alle Themen des Podcasts mit Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer im Überblick:

  • Wie eine Begegnung mit Oliver Samwer Lea-Sophie Cramer dazu gebracht hat, ihren Beraterjob in der Probezeit zu kündigen (ab 5:00)
  • Warum die Amorelie-Gründer schon früh einen großen Teil ihrer Firma an ProSiebenSat1 verkauft haben (ab 6:24)
  • Was die Bestseller von Amorelie waren und wie sich das über die Jahre verändert hat (ab 11:52)
  • Wo die Schmerzgrenze bei der Produktauswahl von Amorelie liegt (ab 16:16)
  • Wieso der Ausstieg von Mitgründer Sebastian Pollock das Unternehmen verändert hat (ab 18:55)
  • Was beim einstigen Branchenführer Beate Uhse alles falsch gelaufen ist (ab 22:40)
  • Warum sie sich zum Testimonial ihres Sextoy-Startups gemacht hat (ab 32:00)
  • Wie Amorelie PR zu einem steuerbaren Kanal, der Umsatz liefert, entwickelt hat (ab 44:50)
  • Warum es ein Vorteil sein kann, ein Produkt zu haben, das polarisiert und wie man das nutzt (ab 47:40)
  • Wie sie ihrer Familie kurz vor Weihnachten erklärte, dass sie ins Sextoy-Business einsteigt (ab 50:00)
  • Was Markus Lanz mit ihrer Rolle als Jurorin in Stefan Raabs Show „Das Ding des Jahres“ zu tun hat (ab 54:28)
  • Warum Lea-Sophie Cramer keine Berühmtheit werden will, aber ihre Bekanntheit schätzt (ab 58:48)
  • Wann sie das ungenutzte Potenzial ihres Linkedin-Profils entdeckt hat (ab 1:04:52)
  • Wieso sie ihren Instagram-Account als eine Art Stiftung versteht (ab 1:08:17)
  • Was Lea-Sophie Cramer tut, um mehr Frauen zum Gründen zu animieren (ab 1:15:37)

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