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Wie Teenager Tausende von US-Dollar verdienen, indem sie Schleim über Instagram verkaufen

Über den versteckten Handel auf Schulhöfen und im Netz

(Quelle: DailyDot)

Es dürfte eines der seltsamsten Internet-Phänome seit Langem sein: Auf Instagram verzeichnen Videos, in denen eigentlich nur zu sehen ist, wie ein Händepaar eine gallertartige Masse knetet und auseinanderzieht, teilweise Millionen von Aufrufen. Und in den USA setzen Teenager, die selbst hergestellten Schleim dieser Art verkaufen, teilweise mehrere Tausend US-Dollar im Monat um. OMR ist in die eigenartige Welt der „Slimer“ eingetaucht, erklärt die Ursprünge des Hypes und hat recherchiert, wie groß das Phänomen bereits in Deutschland ist.

Klebstoff, Waschmittel, Lebensmittelfarbe und eventuell noch ein Handy-Kamera: Viel mehr Zutaten braucht es nicht, um beim Slime-Trend mit dabei sein zu können. Die drei erstgenannten Elemente reichen angeblich aus, um „Slime“ der neuen Generation herstellen zu können. In den 70er Jahren hatte schon einmal ein Produkt unter diesem Namen in den Kinder- und Jugendzimmern der Welt für viel Wirbel gesorgt.

Zusammenhang mit dem ASMR-Hype?

Doch der heutige Schleim ist anders: fester und variantenreicher, durchsetzt mit Glitzerpartikeln oder kleinen Styroporkügelchen. Die können auch für einen unterschiedlichen „Klang“ der Masse sorgen. Mal gibt diese schmatzende, knatschende Klänge von sich, wenn sie mit der Hand traktiert wird, mal sind es eher knirschende Geräusche. Manche sehen deswegen beim aktuellen Slime-Hype auch eine Verknüpfung zu „Autonomous Sensory Meridian Response“, kurz ASMR. Bei diesem wissenschaftlich noch nicht erwiesenen Phänomen spüren Menschen angeblich ein Kribbeln am Kopf oder entlang der Wirbelsäulen, wenn sie bestimmte Klänge hören – Flüstern etwa (wir hatten uns bereits an dieser Stelle ausführlicher mit ASMR auseinander gesetzt).

Es sind offenbar vor allen Dingen weibliche Teenager, die sich von der haptischen, visuellen und auditiven Erfahrung des Schleims angesprochen fühlen. In Medienberichten erzählen viele junge Mädchen davon, dass es sie beruhige, wenn sie die Masse kneten. In den Kommentarspalten berichten Eltern davon, dass der Schleim ihren autistischen Kindern helfe.

Das Phänomen kommt aus Thailand

Der neue Slime-Trend war im Juni des vergangenen Jahres erstmals Buzzfeed aufgefallen; wenig später ging der US-Blog Fusion dem Phänomen ausführlicher auf die Spur. Offensichtlich stammt das Phänomen aus Thailand. Nachdem reichweitenstarke Accounts aus anderen Ländern die Videos aus Asien reposteten, schwappte die Schleimwelle auch in andere Regionen der Welt.

Mittlerweile lassen sich auf Instagram mehr als 2,6 Millionen Posts zum Hashtag #slime finden und es haben sich „Slime-Influencer“ herausgebildet: 47.000 Posts stammen von Accounts mit mehr als 15.000 Followern, so eine Sprecherin des Instagram-Analytics-Tools InfluencerDB gegenüber OMR.

Eine Suche nach dem Hashtag „slime“ listet mehr als 2,6 Millionen Posts

Bereits Neunjährige steigen in den Handel ein

In den USA ist rund um den Slime-Boom nicht nur eine eigene Szene von „Slimern“ entstanden, sondern auch ein kleiner und von der „Erwachsenenwelt“ lange kaum wahrgenommener Wirtschaftszweig. Viele junge Mädchen im Teenager-Alter, die meist zunächst aus eigener Begeisterung heraus selbst Slime hergestellt haben, haben dann irgendwann damit begonnen, diesen auch an ihre Freunde zu verkaufen.

Wall Street Journal berichtet von der 11-jährigen Jillian Getlik aus New York, deren Verkaufszahlen so schnell stiegen, dass sie sich zwei „Geschäftspartnerinnen“ im gleichen Alter suchte. Ihre Bestellungen halten sie in Notizbüchern fest, teilen Produktion und Inventar untereinander auf. Das Geschwisterpaar Sabrina und Jonathan Licht (neun und zwölf Jahre alt), war nach einer ersten „Slime-Produktions-Session“ von ihrer Mutter verboten worden, erneut ihre Küche dafür zu nutzen. Nach harten Verhandlungen lenkte die Mutter ein; nun arbeiten die beiden Minderjährigen, wie sie dem WSJ erklärten, an einem Business Plan.

Wenn Teenager wie altgediente Unternehmer sprechen

Mittlerweile ist offensichtlich der Wettbewerb um die Kunden auf den nordamerikanischen Schulhöfen groß. So zitiert Buzzfeed die zwölfjährige Lani Whitmer aus Kalifornien: „Es gibt viele andere Leute, die Slime verkaufen, und das ist wirklich nervig, denn dann bekommt man nicht so viele Kunden, wie man will“. Auch die 13-Jährige Sarah Hansen beschwert sich gegenüber Buzzfeed über die „vielen Wettbewerber“.

Die 15-jährige Alyssa Singh aus Ontario in Kanada hat laut WSJ nach sechs Wochen Slime-Handel den „Broke Even“ geschafft hat: „Wenn ich an einem Freitagabend Slime bei Instagram poste, ist er ausverkauft, wenn ich am Samstagmorgen aufwache.“

Monatsumsatz von 3.000 US-Dollar

So wie Alyssa verkaufen offensichtlich viele der Teenies mittlerweile nicht mehr nur auf dem Schulhof, sondern auch im Netz: Über Instagram bauen sie mit Posts, die mit den gängigen Hashtags („slime“, „slimevideo“, „slimepoking“) versehen sind, Reichweite auf. Verkauft wird dann über Etsy, den japanischen Marktplatz Mercari, oder über eine eigene Website.

Die Erfolgreichsten unter ihnen setzen damit mehrere Tausend US-Dollar pro Monat um. Die 13-jährige Theresa Nguyen aus Texas beispielsweise bezifferte gegenüber Time.com ihren durchschnittlichen Monatsumsatz auf 3.000 US-Dollar. Mit 529.000 Followern gehört ihr Account „rad.slime“ zu den größten Slime-Accounts auf Instagram. Drei ihrer Videos verzeichnen mehr als eine Million Aufrufe. Zuerst verkaufte sie auf Etsy (ihr Shop dort verzeichnet 734 Verkäufe), heute tut sie das über eine eigene Website. Die Preise für einen Slime liegen dort zwischen 11 und 13 US-Dollar.

Setzen die größten Accounts fünfstellig um?

Mit 771.000 Followern verzeichnet der Account „slimequeeens“ eine noch größere Reichweite. Wer dahinter steckt, ist unbekannt. Die Macher verkaufen Schleim auf Mercari. Die Macherin von „Slimeysugar“ bezeichnet sich auf ihrem Instagram-Profil  (568.000 Follower) als „ersten Slime-Account in den USA“; der verlinkte Etsy-Shop weist 3.700 Verkäufe aus. Dicht dahinter liegt „Slimeycandy“ mit 506.000 Follwern und 2.628 Verkäufen auf Etsy. Es ist durchaus möglich, dass die drei genannten Accounts fünfstellige Summen im Monat umsetzen. Die zwölfjährige Sara Y. aus North Carolina verzeichnet mit ihrem Etsy-Shop bislang 1.300 Verkäufe. Laut Time.com hat sie innerhalb von zweieinhalb Monaten 4.800 US-Dollar umgesetzt – und das, obwohl ihr Instagram-Account „slimebysara_“ mit 25.000 Followern nicht zu den Schwergewichten der Szene gehört.

Mittlerweile hat der Slime-Hype auch Auswirkungen auf die „traditionelle Wirtschaft“: Weil in den USA der Klebstoff „Elmer Glue“ vielgenutzte Zutat bei der Herstellung von Slimes ist, sind die Verkaufszahlen des Herstellers sprunghaft angestiegen. Laut CNBC soll sich der Absatz im vergangenen Dezember sogar verdoppelt haben. Auf Social-Media-Plattformen lassen sich diverse Posts von Eltern finden, die mit ihren Kindern mehrere Läden abklappern, weil „Elmer Glue“ in vielen Läden ausverkauft ist. Mittlerweile postet das Unternehmen auf Instagram selbst Slime-Rezepte – aber mit deutlich weniger Erfolg als viele seiner minderjährigen Kunden.

Noch keine richtig großen deutschen Accounts

In Deutschland ist der Slime-Hype ebenfalls schon angekommen – vermutlich ebenfalls über Videos auf Instagram und Youtube. Doch offenbar nimmt das Phänomen hierzulande bei weitem noch nicht das Ausmaß an, wie es das in den USA tut.

Die größten deutschen Instagram-Acounts weisen gerade einmal etwas mehr als 1.000 Follower auf: „CloudySlimey“ beispielsweise 1.843 Follower, „SatisfyingPostsXO“ 1.400 Follower und „SlimeShopGermany“ 1.354 Follower. Ein auf dem Instagram-Profil von „SlimeBarGermany“ verlinkter Etsy-Shop weist erst einen Verkauf auf. Vereinzelt lassen sich auch Slime-Verkaufsangebote bei Ebay Kleinanzeigen finden. Eine Sprecherin des deutschen Klebstoffherstellers Uhu bestätigt gegenüber OMR, dass das Unternehmen das Phänomen kenne, aber keine signifikanten Auswirkungen auf die Absätze spüre.

Etablierte Youtuber profitieren von der Aufmerksamkeit

Offenbar ist das Thema hierzulande eher ein Reichweitentreiber auf Youtube. Vor allen Dingen Biance Heinicke alias „BibisBeautyPalace“ hat den Hype für sich genutzt, wie eine Suche nach „Slime“ innerhalb ihres Kanals zeigt. Vier Videos zum Thema Slime haben rund 17,3 Millionen Views eingebracht. Auch ihr Partner „JulienCo“ setzt mit Videos zum Thema offenbar erfolgreich auf die bereits vorhandene Aufmerksamkeit auf. Hinzu kommen Videos, in denen andere Youtuber aus Duschschaum von Heinickes eigener Produktlinie Bilou Schleim herstellen: Drei davon verzeichnen jeweils fast eine Million Abrufe.

Offensichtlich verdienen deutsche Youtube-Kanalbetreiber derzeit eher Geld damit, ihren jungen Zuschauern in Videos zu erklären, wie sie selbst Slime herstellen können – und in den Video-Beschreibungen Affiliate-Links zu den einzelnen Zutaten zu posten. Der Kanal Jumanji TM beispielsweise verzeichnet mit mehreren Videos zum Thema Schleim herstellen rund sechs Millionen Views und hat unter diesen Provisions-Links zu Amazon gepostet. Nach derselben Methode verfährt die „Deutsche Youtube-Familie Vier Mal Spaß“. Die Klick-Statistiken der Bitly-Links sind gesperrt – fünfstellige Klickzahlen dürften aber auch durchaus möglich sein.

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2 Kommentare

  1. Kevin Voigt 19.04.2017 um 11:18 Uhr Antworten

    Das erinnert mich stark an ein Revival des „90er Slime“. Das war ja mitunter nur eine eklige und glibbrige Masse, welche auch immer so schön blubberte…

  2. Barte2 19.04.2017 um 16:12 Uhr Antworten

    Ist doch gut. So entstehen neue, junge Unternehmer. Zumindest in den Ländern, in denen junge Menschen dazu scheinbar so einfach die Möglichkeit dazu haben.

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