Vor dem Ende der Likes: Sind Saves auf Instagram künftig eine zentrale Erfolgskennzahl?

Wir zeigen, wie Ihr Follower dazu bringt, Eure Beiträge zu speichern

Gibt es eine bislang wenig beachtete Funktion bei Instagram, die, wenn man sie richtig triggert, dabei helfen kann, die Sichtbarkeit des eigenen Accounts deutlich zu steigern? Darüber wird gerade in der US-Instagram- und -Influencer-Marketing-Szene diskutiert. Die Theorie: Posts auf der Bilder-Plattform erhalten durch „Saves“, also wenn Nutzer diese speichern, einen deutlichen Push. OMR dokumentiert die Diskussion, hat mit deutschen Influencern gesprochen und gibt Tipps, wie Ihr Saves generieren könnt.

Seitdem Instagram-Chef Adam Mosseri im Juni auf der von Facebook veranstalteten Konferenz F8 einen Test ankündigte, in dessen Rahmen Instagram in einigen Märkten die Likes ausblendet, ist die Verunsicherung groß in der Szene der Instagram-Influencer und der Influencer-Marketing-Macher. Ziel sei es, dass die Nutzer Instagram weniger als einen Wettbewerb empfinden, so Mosseri auf der F8-Bühne. Seitdem im Juli der Test auf sieben weitere Länder ausgeweitet wurde, gilt es als nahezu sicher, dass Instagram in naher Zukunft auf der gesamten Plattform öffentlich keine Like-Zahlen mehr anzeigen wird.

Eine zweieinhalb Jahre alte Funktion rückt plötzlich in den Fokus

Die Tests sorgen zum einen für Verunsicherung darüber, was es für Influencer bedeutet, wenn ihre Like-Zahlen nicht mehr öffentlich einsehbar sind. Zum anderen rätselt die Branche, was an die Stelle von Likes treten könnte, wenn deren Relevanz für Instagram möglicherweise abnimmt. Im Zuge dieser Entwicklung erfährt eine ältere Instagram-Funktion plötzlich deutlich mehr Beachtung als bisher: die Möglichkeit, Posts zu speichern, die seit Dezember 2016 existiert, sowie die gespeicherten Posts ähnlich wie bei Pinterest in „Collections“ (oder „Sammlungen“, wie sie in Deutschland heißen) zu organisieren, was seit April 2017 möglich ist.

Business-Profile können auf Instagram Zahlen darüber abrufen, wie häufig die eigenen Inhalte von Nutzern gespeichert wurden. Die Nutzer müssen dafür über das Menü in den Insights-Bereich wechseln und dort im Content-Reiter unter Feed-Beiträge auf „Alle ansehen“ tippen. Danach können sie die Metrik („Gespeichert“) und den Zeitraum einstellen und sich entsprechende Auswertungen anzeigen lassen.

„Mit Micro-Blogging lässt sich ein Goldschatz heben“

Die aktuelle Diskussion über Saves wurde James Nord, Gründer und CEO der New Yorker Influencer-Marketing-Plattform Fohr, angestoßen. Saves seien wie „Super Likes“, sagte Nord im April dieses Jahres in einer Folge seines Vlogs „A Drink with James“, und deutete damit an, dass Saves für Instagrams Algorithmus ein noch wichtigeres Signal als Likes seien. In einer jüngeren Folge seines Vlogs ruft James dazu auf, dieser Metrik mehr Beachtung zu schenken und im Rahmen der eigenen Content-Strategie bewusst auf Saves abzuzielen – mit Content, von dem die Follower etwas lernen kann.

Die aus den USA stammende Reise-Influencerin Christina Galbato (224.000 Follower) plädierte im Juni in einem ausführlichen Post auf ihrem Instagram Account für längere Texte unter den geposteten Bildern. Durch „Micro-Blogging“ in den Captions würden die Nutzer länger auf dem Post verweilen – was für Instagram das Signal sei, dass diese den Content des jeweiligen Accounts in ihrem Feed sehen wollen. „Und wenn die Caption ihnen genug Mehrwert einbringt, oder sie genügend inspiriert, speichern sie den Post für später oder teilen ihn sogar mit einem Freund. Und in diesen Tagen zählen für den geheimnisvollen Instagram Algorithmus Saves und Shares noch deutlich mehr.“

Mit Saves auf die Explore-Seite?

Der US-Instagram-Tool-Anbieter Later stellte dann im August in einem Blog-Artikel explizit die Theorie auf, dass Saves ein Schlüssel-Signal für Instagrams Algorithmus sind: „Je mehr ‚Saves‘ Dein Post bekommt, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Algorithmus den Post weiter oben in den Feeds der Nutzer platziert – oder sogar auf Instagrams Explore Seite!“ Auf der Explore-Seite zu landen gilt für viele ambitionierte Instagram-Account-Betreiber als Königsweg. Wer dort platziert wird, kann potenziell viele neue Follower gewinnen.

„Aus Influencer-Sicht waren die Saves immer schon eine interessante Zahl. Ob und wie die sich nachweislich auf den Algorithmus auswirken, ist aber Spekulation und so nie von Instagram offiziell bestätigt worden“, sagt Ann-Katrin Schmitz auf Anfrage von OMR. Sie betreibt gemeinsam mit Farina Opoku auf Instagram den großen deutschen Influencer-Account Novalanalove (eine Million Follower) und berät auch andere Account-Betreiber in Sachen Reichweitenaufbau.

„In Deutschland kommen solche KPIs fast immer später an“

Nach Schmitz‘ Wahrnehmung ist die Diskussion rund um die Saves in der deutschen Marketingbranche (zumindest in der Breite) noch nicht angekommen: „Wir bei Novalanalove wurden bis jetzt von keiner Marke oder Agentur auf die Saves angesprochen. Auch von Kollegen und Vermarktern in Deutschland habe ich nichts in der Richtung bis jetzt gehört. Kein Wunder, auf dem deutschen Markt kommen solche Influencer-Marketing-KPIs in der Regel immer später an.“

Zumindest an eine Korrelation zwischen ‚Saves‘ und guter Sichtbarkeit glaubt Schmitz schon: „Saves sind Interaktionen und je mehr Engagement, desto höher das Ranking im Algorithmus. Daher macht die These definitiv Sinn. Influencer mit vielen Saves werden in der Regel auch darüber hinaus gute Engagement-Zahlen haben.“

„Ich habe das aus mehreren Quellen gehört“

Jens Illgner, der als Fitness-Influencer unter dem Namen „Road to Glory Jil“ 190.000 Follower auf Instagram verzeichnet, hat zuletzt seine Abonnenten häufiger explizit dazu aufgefordert, seine Posts zu speichern. „Ich bin ganz sicher, dass Speichern den Algorithmus positiv beeinflusst. Ich habe das aus mehreren Quellen gehört und weiß das auch aus erster Instanz. Man kann das ja auch in Insights nachschauen, wie häufig ein Foto oder Video gespeichert wurde – oder auch geteilt, das ist genauso wichtig“, so Illgner gegenüber OMR.


Im November 2018 erläuterte Heiko Hebig, Partnership Manager Nordeuropa bei Instagram, in einem Interview mit OMR die drei zentralen Kriterien, nach denen der Algorithmus der Plattform die Inhalte sortiert. Neben Beziehungen (wem folgt ein Nutzer, mit welchen Accounts interagiert er besonders häufig) und Aktualität seien die Interessen des jeweiligen Nutzers der entscheidende Faktor, so Hebig. Diese Interessen würden anhand von Likes, Kommentaren, der Zeit, die der Nutzer mit dem jeweiligen Content verbringt, sowie vielen weiteren Signalen erhoben. Ein aktuelle Anfrage von OMR, ob Saves in dieser Reihe auch eine Rolle spielen, hat Hebig bislang nicht beantwortet.

Sechs Strategien, um Saves zu generieren

Der Tool-Anbieter Later hat in seinem nützlichen Artikel zum Thema sechs (sich teilweise ähnelnde) Strategien vorgestellt, mit denen Instagram-Account-Betreiber leichter Saves generieren können sollen. Offenbar werden viele davon – ob bewusst oder unbewusst – bereits von deutschen Firmen und Influencern eingesetzt. Wir haben entsprechende Beispiele dafür herausgesucht:

1. Instagram Saves mit Infografik-artigem Content generieren

Deine Follower sollen etwas lernen? Mit Infografik-artige Bilder lassen sich nutzwertige Inhalte sehr schnell vermitteln. Die Rezeptplattform Eat Smarter nutzt dieses Mittel in ihrem Instagram-Feed sehr konsequent.

2. Instagram Saves mit längeren Posting-Texten generieren

Wie Christina Galbato schreibt: Längere Texte unter einem Bild erhöhen die Verweildauer und können natürlich viel mehr Informationen und damit Mehrwert beinhalten als Zwei-Satz-Captions. Und bei einem Post, der Mehrwert liefert, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer diesen speichern, deutlich höher. In Deutschland setzt dieses Mittel die Achtsamkeits-Coach-Königin Laura Malina Seiler (hier im ausführlichen OMR Porträt) offenbar sehr bewusst ein.

3. Instagram Saves mit Evergreen Content generieren

Welcher Content, der zeitunabhängig ist und die Nutzer immer interessiert, könnte zu mir passen? Das können Checklisten sein, Tutorials, Kalenderübersichten – oder Rezepte. Back-Influencerin Güldane Altekrüger beispielsweise hat sich durch das Posten von kompletten Brot- und Kuchenrezepten eine relevante Reichweite auf Instagram aufgebaut, die ihr dann entscheidend dabei geholfen hat, mehr als 100.000 Exemplare ihres ersten Buches zu verkaufen.


Die in Erfurt sitzenden Betreiber der Kalorienzähl-App Yazio geben ihren Instagram Followern Ernährungs-Tipps, die diese mutmaßlich immer wieder neu aufrufen.

4. Saves mit „Instagram Quotes“ generieren

„Instagram Quotes“ oder Visual Statements, wie man sie auch nennt, waren schon auf Facebook ein beliebter Reichweitentreiber. Nutzer, die auf Instagram nach Inspiration oder Motivation suchen, speichern sich möglicherweise auch Posts dieser Art. Die Freiburger von „Visual Statements“ haben ein ganzes Unternehmen auf Content dieser Art aufgebaut (hier im OMR Podcast) und sind damit nun auch auf Instagram erfolgreich.


Die Münsteraner Firma „Oder nicht oder doch“ verkauft Schreibwaren, Tassen, Kissen und andere Accessoires mit Sinnsprüchen für eine junge weibliche Zielgruppe und postet dementsprechend auch Inspirations-Statements über ihren Instagram Account.

5. Instagram Saves durch einen Call-to-Action generieren

Nicht nur Jens Illgner, auch Fitness-Instagrammer Benjamin Burkhardt („Smartgains“) ruft seine Follower ausdrücklich dazu auf, seine Beiträge zu speichern:


Melina Royer alias „Vanilla Mind“, Business- und Motivations-Coachin aus Lübeck, versieht einige Ihrer Posts ebenfalls mit einem expliziten Call-to-Action – in Verbindung mit einer langen Caption mit Ratgeber-Charakter.

6. Instagram Saves mit Tipps und Hacks generieren

Ratgeber, Tipps, Tutorials – wer Wissen vermittelt, dass die Nutzer in ihrem Alltag immer wieder gebrauchen können, der steigert die Wahrscheinlichkeit, dass die Nutzer seine Beiträge speichern – so wie etwa die Hamburger Instagram-Coachin Daria Pimkina.

Ultima Ratio: „Powersaves“ kaufen?

Wem es nicht gelingt, Saves in relevanter Zahl zu generieren, kann sich immer noch überlegen, welche einzukaufen – schließlich kann man im Internet alles kaufen. Dass das sinnvoll ist, würden wir jedoch ausdrücklich anzweifeln. Noch dazu lässt sich bei Saves anders als bei Likes nicht kontrollieren, welche Accounts die eigenen Inhalte gespeichert. Instagram nennt hier nur Zahlen und keine Account-Namen.

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