Survival-König Fritz Meinecke über 7 vs. Wild, TV-Jobs und das Geschäftsmodell Abenteurer

Fritz Meinecke posiert für das Finale seines Youtube-Formats "7 vs. Wild" (Foto: Youtube).

Im OMR Podcast spricht der Youtuber über seinen Antrieb, Zukunftspläne – und Geld

Mal schläft er eine Nacht im vorher selbstgebauten Iglu, dann erkundet er sogenannte „Lost Places“ wie beispielsweise alte Industrieruinen oder fährt mit dem Fahrrad von Berlin nach Estland. Fritz Meinecke ist Deutschlands erfolgreichster Youtube-Abenteurer, die Videos zu seinem jüngsten Projekt „7 vs. Wild“ wurden über 60 Millionen Mal abgerufen. Im OMR Podcast spricht der Survival-Fan über sein Geschäftsmodell, die Relevanz verschiedener Plattformen und worauf es ihm bei Kooperationen sowie seiner Arbeit am meisten ankommt.

„Das war was Neues und richtig Großes, wo ich gesagt habe: Jetzt rasten wir mal aus“, sagt Fritz Meinecke im Gespräch mit Philipp Westermeyer. Gemeint ist die Youtube-Outdoor-Serie „7 vs. Wild“, die mit der 16. Folge Ende des Jahres zu Ende ging. Sieben Kandiaten wurden für sieben Tage mit nur sieben vorher ausgewählten Gegenständen voneinander isoliert in Schwedens Wäldern ausgesetzt. „Von der Produktion war das schon ein bisschen ans Fernsehen angelegt. Es ging darum, zu sehen, wie Leute in Extremsituationen reagieren“, erklärt Meinecke.

75.000 Euro sollte das Format ursprünglich ingesamt kosten, am Ende war es mit laut Meinecke ungefähr 100.000 Euro dann doch etwas mehr. Dass der Hauptsponsor Rhinoshield, ein Anbieter von Smartphone-Schutzhüllen, mit der Kooperation den Deal seines Lebens gemacht haben dürfte, hatten wir bereits Mitte Dezember vermutet. Für die Finanzierung des Projekts gab es im Gegenzug immerhin über 60 Millionen Videoaufrufe auf Youtube. „Wenn man die Zahlen und das Budget sieht, kann man denken, dass wir uns da völlig unter Wert verkauft haben“, erklärt Meinecke. „Man darf aber nicht vergessen: Wir sind mit einem halben A4-Blatt und der groben Idee da hingegangen. Im Nachhinein sagt jetzt natürlich jeder: krasses Ding. Aber wir hatten wirklich nur ein paar Sätze auf einem Zettel.“

Vom Bankkaufmann zum Bushcrafter

Dass Meinecke mal ein Produzent von millionenfach angeschautem Outdoor- und Survival-Content werden würde, war auch für ihn selber alles andere als eine geplante Option. Eine Ausbildung zum KFZ-Mechaniker „bei irgendeiner LKW-Butze an der Autobahn“ bricht er nach zwei Monaten ab. Die zum Bankkaufmann schließt er danach zwar ab, merkt aber auch schnell, „dass das nicht zu 100 Prozent das ist, was ich mein Leben lang machen möchte.“ Es folgen noch der Grundwehrdienst und ein Studium zum 3D-Grafiker für Comupterspiel-Entwicklung. „Man kann es sich vorstellen wie einen digitalen Handwerker. Ich habe digital gebastelt“, sagt Fritz Meinecke.

Schon während des Studiums startet er seinen Youtube-Kanal; in den ersten kurzen und unkommentierten Videos besucht er Lost Places. „Als ich damals angefangen habe, kannte ich niemanden, der selbstständig war. Ich kannte niemanden, der Youtube gemacht hat, Videoschnitt oder Websites“, so Meinecke. Nach und nach fügt er Affiliate Links von in den Clips genutzter Outdoor-Ausrüstung hinzu und sein Hobby beginnt langsam, sich zu refinanzieren. Als die Firma, in der als Grafiker arbeitet, 2016 Insolvenz anmelden muss, setzt er alles auf eine Karte, schreibt einen Businessplan und beantragt einen Gründungszuschuss. „Ich hatte jetzt sechs Monate Zeit, um mir den Arsch aufzureissen. Und danach musste ich auf eigenen Beinen stehen. Und das habe ich dann auch getan und gefühlt 14 Stunden am Tag gearbeitet.“

Kooperationen und Fritz Meinecke im TV

Der Lohn: Noch im selben Jahr bekommt Fritz Meinecke einen Auftrag fürs Fernsehen. Gemeinsam mit Comedian Wigald Boning besucht er in „Wigald & Fritz – Die Geschichtsjäger“ sechs Episoden lang vergessene Orte in Deutschland. Parallel wächst sein Youtube-Kanal, erste Kooperationen mit Partnern finden statt und die Affiliate-Einnahmen steigen. Heute kommt sein Channel auf über 1,8 Millionen Abos, auf Instagram folgen ihm 576.000 Fans, im eigenen Online-Shop verkauft er Merch.

„Wirtschaftlich kann ich mich nicht beschweren. Und ich frage mich seit Jahren, wann der Anstieg aufhört“, gesteht Fritz Meinecke. Die Einnahmen stehen für ihn aber nicht im Fokus. „Das, was ich an Geld verdiene, gibt mir Freiheit und Flexibilität für mich selbst. Aber auch für kommende Projekte, die ich dann noch geiler aufbereiten kann.“ Freiheit und Flexibilität sind es auch, die schon mal eine Kooperation kippen und neue TV-Formate nicht in Frage kommen lassen. „Youtube ist da das beste was ich machen kann. Ich kann wirklich machen, was ich will“, so Meinecke. „Wir haben eine Whatsapp-Gruppe und wenn wir was ändern wollen, schreiben wir kurz und fertig. Da muss ich nicht zu einem Senderchef oder über zig Verträge gehen, um eine Entscheidung zu treffen.“

Weshalb er auch einem eigenen Netflix-Format kritisch gegenüber steht, welche seinen wichtigsten Partner sind und warum er keine kostenpflichten Inhalte auf Plattformen wie Patreon anbietet, hört Ihr in der aktuellen Folge des OMR Podcasts.

Die Themen des Podcasts mit Youtube-Abenteurer Fritz Meinecke im Überblick:

  • KFZ-Mechaniker, Bankkaufmann, Grundwehrdienst, 3D-Grafiker für Computerspielentwicklung – Fritz Meineckes Weg zum und Anfänge als Youtuber (03:00)
  • Wirtschaftlicher Erfolg, große Kooperationen, Leidenschaft und Tipps für angehende Youtube-Creator (17:00)
  • Die große Produktion von 7 vs. Wild, TV-Anfragen, Netflix und Knossis Angelcamps (31:00)
  • Neue Projekte, gescheiterte Zusammenarbeiten mit der Bundeswehr und Paid-Content-Überlegungen (44:00)
  • Community Management, langfristige Pläne, Freundschaften und Isolation (56:00)
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