7vsWild: Wie Abenteurer Fritz Meinecke mit einer Youtube-Show Millionen-Reichweiten knackt

Fritz Meinecke (M.) und die anderen sechs Teilnehmer von 7vsWild (Foto: Fritz Meinecke)

Die Outdoor-Serie verzeichnet pro Folge drei bis fünf Millionen Views – besonders der Hauptsponsor macht den Deal seines Lebens

Fritz Meinecke ist schon länger als Outdoor-Creator erfolgreich auf Youtube unterwegs. Seine aufwendig produzierte Survival-Serie „7vsWild“ sprengt jetzt aber alle Erwartungen. Millionen Fans schauen zwei Mal pro Woche zu, wie sieben Menschen – darunter Meinecke – jeweils ganz allein in der Wildnis Schwedens ausgesetzt werden. Uns erzählt Fritz Meinecke, warum das Konzept der Youtube-Show so gut funktioniert, warum der Hauptsponsor den besten Deal von allen macht und wie ihm die Kooperation langfristig hilft.

„Ich wollte das Projekt schnell erklären können: sieben Tage, sieben Leute, sieben Gegenstände“, sagt Fritz Meinecke gegenüber OMR. Und damit hat der Outdoor-Youtuber die grundlegenden Pfeiler seiner ersten richtigen Serie ganz gut umrissen. Er und sechs weitere Abenteurer lassen sich Ende August 2021 jeweils an unterschiedlichen Stellen eines Flusslaufs in der Wildnis Schwedens aussetzen. Dabei haben sie bis zu sieben selbstgewählte Hilfsmittel wie Messer, Schlafsack, Feuerzeug. Das Ziel: Sieben Tage so überleben und tägliche Aufgaben lösen. Die Teilnehmer filmen sich dabei selbst in der Einsamkeit. Seit dem 6. November strahlt Meinecke die so entstandene Survival-Serie auf seinem Youtube-Kanal aus – zwei Folgen pro Woche mit einer Länge von etwa 30 bis 60 Minuten, 16 Folgen insgesamt. Die letzte Episode erscheint am 27. Dezember.

Eine TV-Serie auf Youtube

Und 7vsWild schlägt direkt ziemlich ein. Die erste Folge haben bis heute knapp vier Millionen Menschen gesehen. Folge vier sogar fünf Millionen. Das Besondere: Die Serie ist aufwendig produziert mit interaktiven Grafiken, professionellem Sprecher und Drohnenshots der Wildnis. Weil sich die Teilnehmer selbst mit kleinen Gopro-Kameras filmen, sind die Aufnahmen manchmal etwas verwackelt, dafür nah dran am Geschehen. Insgesamt könnte 7vsWild so auch als Reality-Show auf einem TV-Sender laufen. „Ich hatte schon lange die Idee, mal so ein Format zu machen, wo ich länger allein überleben muss. Wegen der Vergleichbarkeit wollte ich gern einige Leute dabei mitnehmen. Dadurch war das Projekt lange Zeit zu groß für mich“, sagt Fritz Meinecke. „Ganz grob sind neben den sieben Teilnehmern noch zehn Leute hinter den Kulissen für Location-Scouting, Rettungsdienst, Videoproduktion nötig.“

Am Ende lebt 7vsWild ganz klar von seinen Protagonisten. Mit dabei sind ausschließlich Creator, die selbst Outdoor-Content für Youtube, Instagram & Co. produzieren. Kleine Aufzählung: Neben Fritz Meinecke werden Fabio Schäfer, Chris aka Reloadiak, Niklas on Fire, Survival Mattin, David „Dave“ Henrichs und Pascal aka Der Bommel in der Wildnis ausgesetzt. „Der Erfolg liegt aus meiner Sicht an dem Format Reality-Doku. Das ist echt und realer Shit. Du hast Motivation, Tränen, Lachen, Verzweiflung, Unfälle. Und die Zuschauer überlegen immer mit, ob sie in der Situation genauso handeln würden“, so Meinecke.

Bescheidene Anfänge

Aber wie ist Fritz Meinecke überhaupt zum Outdoor-Youtuber geworden? „Im Alter von 22 Jahren habe ich Geocaching für mich entdeckt und das mit Freunden gemacht. Das war mein erster Schritt Richtung Outdoor“, erzählt er. „Ich war vor Jahren in Facebook-Gruppen zum Thema Outdoor und Survival aktiv. Erst hatte ich deshalb unzählige Freundschaftsanfragen. Als es dann Facebook-Seiten gab, habe ich eine gestartet und die ersten Follower gewonnen.“ Lange Zeit teilt er vor allem Fotos mit seiner Community. 2014 folgt der Start bei Youtube.

„Zu Beginn habe ich einfach Bilder zum Beispiel von Gipfeln gepostet. Aber dabei kommt gar nicht rüber, wie schwer der Aufstieg war. Da kam mir die Idee, eine Gopro mitzunehmen, unter das Video ein bisschen Musik zu legen und das auf Youtube zu veröffentlichen“, so Meinecke. „Ich habe erst später auch selbst in meinen Videos gesprochen, meine Ausrüstung vorgestellt, mal unterschiedliche Formate ausprobiert und jetzt ist das meine erste Webserie.“

Schon vor 7vsWild kommt sein Content gut an. Anfang November zählt sein Account über 1,3 Millionen Youtube-Subscriber. In seinen Videos verbringt er eine Nacht im Iglu, geht 50 Kilometer nur geradeaus, nimmt die Fans mit auf eine 1.500-Kilometer-Radtour. Zwischen 300.000 und manchmal auch drei Millionen Menschen schauen sich die Clips jeweils auf Youtube an, auf Instagram verzeichnet er vor 7vsWild bereits über 450.000 Follower. „Die Leute nehmen aus meinen Videos eine Grundmotivation für’s Leben mit. Rausgehen. Arsch hoch. Anpacken“, erzählt Fritz Meinecke. „Der zweite Faktor ist meine offene Art. Ich sage, was ich denke und zeige auch mal Sachen, die ich nicht schaffe. Und ich will nicht als Experte oder Profi dastehen. Ich lerne selbst beim Drehen der Videos.“

Einmaliger Deal für den Sponsor

Der große Gewinner des Formats ist neben Fritz Meinecke wohl der Hauptsponsor von 7vsWild. Das französische Unternehmen Rhinoshield stellt Handyhüllen her – darunter nach eigener Aussage besonders widerstandsfähige. In 7vsWild präsentiert Meinecke ein Smartphone mit Rhinoshield-Hülle in der ersten Folge als Teil des Notfallkastens für die Teilnehmer. Darüber hinaus erscheint der Sponsor zum Start jeder Episode und ist prominent in der Videobeschreibung verlinkt. Im Online-Shop von Rhinoshield erscheinen zum Start der Show passende Hüllen mit 7vsWild-Aufdruck.

Rhinoshield bei 7vsWild

So wird die Marke Rhinoshield in den Start jeder 7vsWild-Folge eingebunden

Der Deal: Rhinoshield bezahlt die komplette Realisierung des Projekts, also die Reisen nach Schweden, das Location-Scouting, die Unterkünfte, die Produktion der Videos. Dafür gibt’s die Reichweite. „Rhinoshield hatte mir schon zwei andere Projekte finanziert. Die haben super gut funktioniert, deshalb war Vertrauen da. Die sind aber trotzdem volles Risiko gegangen. Die Reichweite war ja nicht planbar“, sagt Fritz Meinecke. Er und Rhinoshield wollen nicht erzählen, wie viel Geld das Unternehmen für 7vsWild ausgegeben hat. Ein niedriger sechsstelliger Betrag ist realistisch. Rechnet man den Mediawert des Sponsorings dagegen (realistisch siebenstellig), ist der Deal für Rhinoshield außergewöhnlich gut. Meinecke wolle auch nicht nachverhandeln. „Ich bin da nicht zahlenfixiert. Ich war einfach dankbar, dass sie das möglich gemacht haben“, sagt er.

Ohnehin dürfte Meinecke zumindest durch Youtube-Ads für seine Mühen in Schweden entlohnt werden. Wenn wir nur die grobe Berechnungsgrundlage von einem Euro pro 1.000 Klicks verwenden, kommen allein mit den bisherigen Views 40.000 Euro zusammen. Da die Videos aber sehr lang sind und er dadurch mehrere Werbepausen einstellen kann, dürfte der Wert eher niedrig angesetzt sein. Hinzu kommen Einnahmen, die er mit Merch-Produkten zur Sendung verdient. Im Fritz-Meinecke-Shop sind der Hoodie und das T-Shirt mit 7vsWild-Logos bereits ausverkauft, nur ein Fan-Poster ist noch zu haben.

Etwas andere Art des Influencer Marketings

„Für uns war das kein großes Risiko, schließlich wurden wir ja nicht nackt irgendwo in Schweden zwischen Bäumen und Bären ausgesetzt“, sagt Benjamin Vöck, Marketing Specialist bei Rhinoshield Deutschland, gegenüber OMR zum Deal. „Wir kennen Fritz, durften bereits länger mit ihm zusammenarbeiten und haben ihm dadurch auch vertraut. Was er, die Teilnehmer und das Team dahinter dann aber auf die Beine gestellt haben, hat uns trotzdem total positiv überrascht. Die ersten Materialien, Schnitte und Grafiken waren für eine deutsche Youtube-Serie ziemlich Next Level und ab da dachten wir uns schon, dass 7vsWild etwas Besonderes wird.“ Für Rhinoshield gehöre es durchaus zur Strategie, als Sponsor Creatorn außergewöhnliche Projekte zu ermöglichen. Dadurch hat das Unternehmen die Chance, auch auf große Reichweitenerfolge relativ günstig aufzuspringen.

„Aus PR-Sicht wussten wir auch bereits durch vergangene Erfahrungen, dass die Outdoorszene relativ gut für uns läuft – die Verbindung zu hochwertigem und gut geschütztem Equipment liegt ja auch irgendwie auf der Hand“, so Benjamin Vöck. „Wie groß dann aber zum Beispiel die Nachfrage nach einem eigenen Case mit 7vsWild-Logo ist, hat uns ziemlich aus den Socken gehauen.“ Für Rhinoshield macht sich diese umgedrehte Herangehensweise ans Influencer Marketing anscheinend bezahlt. Wer große Projekte im Vorfeld unterstützt, kann am Ende darauf hoffen, nicht bestehende Reichweiten zu kaufen – sondern viel größeren Reach. „Uns freut die Aufmerksamkeit, die wir dadurch bei anderen deutschen Artists bekommen. Wir sind sehr gerne die Ermöglicher von interessanten, verrückten oder lustigen Projekten“, sagt Vöck.

Wie gut das Modell funktionieren kann, macht in den USA aktuell MrBeast, einer der weltweit größten Youtuber der Welt, vor. Mit dem Geld des finnischen Mobile-Game-Entwicklers Supercell hatte er zuletzt die Netflix-Serie Squid Game mit echten Menschen (und ohne Todesopfer) nachgespielt. 3,5 Millionen US-Dollar soll das Unternehmen für die Produktion und das Preisgeld bezahlt haben. Dafür taucht das Supercell-Game „Brawl Stars“ immer wieder prominent im Youtube-Video auf. Das Ergebnis: Bisher verzeichnet das Squid-Game-Video von MrBeast knapp 170 Millionen Aufrufe. Allein in den USA verzeichnete Brawl Stars 350 Prozent mehr Downloads in den ersten sechs Tagen nach der Ausstrahlung. Und weltweit gaben Spieler:innen in der Zeit 54 Prozent mehr Geld im Spiel aus – der Umsatz stieg auf 8,2 Millionen US-Dollar.

Vom Erfolg überrascht

Wie gut läuft also das Reichweiten-Ereignis 7vsWild genau? Jede der bisher zwölf Folgen von 7vsWild schafft eine Million Views in wenigen Stunden – zusammengezählt liegt die Serie derzeit bei etwa 41 Millionen Views. Auch wenn darunter doppelt gezählte Zuschauer:innen sind oder manche nur kurz eingeschaltet haben. Viele TV-Sender wären mit solchen Quoten sehr glücklich. „Ich hätte mit guten Zahlen gerechnet, aber die sind im Vergleich zu meinen anderen Videos zehnfach stärker“, erzählt Meinecke. „Dass die Serie meinen Zuschauern gefällt, war mir klar. Aber dass das außerhalb von Youtube solche Wellen schlägt, hat mich total überrascht.“ Er habe von ganzen Familien gehört, die sich jeden Mittwoch und Samstag versammeln und die Show wie eine Prime-Time-Sendung schauen.

Neben der Art des Contents lassen sich – von außen betrachtet – weitere Gründe dafür ausmachen, warum Millionen zuschauen. Die Teilnehmer bringen ihre eigenen Reichweiten mit und kommentieren zum Teil auf ihren Youtube-Kanälen, was an den Tagen in Schweden passiert ist. Der bekannte Youtuber Simon Unge, der auch schon mit Fritz Meinecke Videos gemacht hat, reagiert auf seinem Kanal „ungespielt“ auf jede neue Folge und macht damit auch seine Community auf die Serie aufmerksam. Und Fritz Meinecke selbst feuert die Begeisterung mit seinem Zweitkanal zusätzlich an. Seine Reactions auf Ereignisse bei 7vsWild verzeichnen hier zum Teil 600.000 bis 850.000 Views. „Meine Kommentar-Videos sind das, was Youtube ausmacht. Stell dir vor, du guckst eine geile Serie und hättest die Möglichkeit, direkt die Gedankengänge der Teilnehmer zu verstehen.“

Auch der Youtube-Algorithmus dürfte die Videos derzeit stark pushen und vielen Usern empfehlen. Weil die Folgen zu einem klaren Zeitpunkt erscheinen, sind die Millionen Views schnell übersprungen – ein klares Zeichen für Youtube, dass die Videos inhaltlich stark sind. Hinzu kommt die Länge von mindestens 30, meist eher 60 Minuten. Hier bekommen Meinecke und Youtube viele Ads unter, was wiederum vom Algorithmus honoriert wird.

Langfristige Effekte?

Für Fritz Meineckes Kanäle bedeutet der Erfolg von 7vsWild einen heftigen Schub. Laut dem Analysetool Socialblade hat er aus 1,3 Millionen Youtube-Subscribern Anfang November über 1,7 Millionen gemacht – der Subscriber-Zuwachs ist derzeit zehn Mal so stark wie in normalen Zeiten. Auf Instagram sind laut Infludata seit dem Start der Serie über 50.000 neue Abonnent:innen dazugekommen.

Youtube-Zahlen zu Fritz Meinecke und 7vsWild

Nach dem Start von 7vsWild explodieren die Subscriber-Zahlen von Fritz Meinecke auf Youtube (Quelle: Nindo)

„Ob das meinen Kanal langfristig pusht, hängt davon ab, was da jetzt von mir kommt. Wenn die Leute der Outdoor-Kram interessiert, bleiben sie dabei. Wenn nicht, dann nicht“, sagt Meinecke. Wie es im nächsten Jahr mit der Brand 7vsWild weitergeht, kann er noch nicht sagen: „Ob es eine zweite Staffel oder ein anderes Format 2022 geben wird, ist gerade in Planung. Ich habe aber ultra Bock auf solche größeren Dinger. Und will langfristig die Qualität in allen Videos steigern.“ Die TV-artige Aufmachung wolle er auf zukünftigen Content übertragen. Bei einem TV-Sender sehe er sich aber nicht. Da könne er das alles nicht so machen, wie er will. Und gerade deshalb klappt es gerade so gut.

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