EU AI Act: Was du jetzt über die Kennzeichnungspflicht wissen musst
Marie Traub1.9.2026
Seit dem 2. August 2026 gilt die Transparenzpflicht für KI-Content. Was du jetzt dazu wissen musst, erklären wir dir mit Dr. Nico Brunotte, Rechtsanwalt bei DLA Piper.
Inhalt
- Das ist der EU AI Act
- Wann ist die KI -Kennzeichnung Pflicht?
- Wie und wo muss die Kennzeichnung platziert sein?
- Vorgaben von Social-Media-Plattformen
- Dein KI-Onboarding
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Pflicht zur KI-Kennzeichnung besteht bei realistischen Bild-, Audio- und Videoinhalten (Deepfakes) sowie bei KI-Texten zu öffentlichen Themen ohne redaktionelle Kontrolle.
- Keine Kennzeichnungspflicht gibt es bei offensichtlich unrealistischen Motiven, KI-gestützten Korrekturen oder wenn Menschen den Text vor Veröffentlichung prüfen.
- Der Hinweis auf KI-Nutzung muss stets deutlich sichtbar direkt am Inhalt platziert werden, etwa als Hinweistext bei Bildern oder als akustischer Disclaimer bei Audioinhalten.
- Die Richtlinien der Social-Media-Plattformen müssen zusätzlich beachtet werden, da diese oft strenger als die gesetzlichen Mindestanforderungen sind.
Die komplette Podcast-Folge mit Rechtsanwalt Dr. Nico Brunotte findest du hier:
Das Thema im OMR Education Podcast
Lerne im OMR Education Podcast mit Dr. Nico Brunotte, was Unternehmen beim KI-Einsatz beachten müssen.
Hier geht's zur FolgeDas ist der EU AI Act
Der EU AI Act ist eine maßgebliches europäisches Gesetz, mit dem künstliche Intelligenz reguliert wird. Die einzelnen Regulierungen werden gestaffelt, also nach und nach, eingeführt – zuletzt mit der Pflicht zur Transparenz bei Content Anfang August (Artikel 50 des EU AI Act). Für dich bedeutet das: Du musst jetzt KI-generierte Inhalte unter bestimmten Bedingungen kennzeichnen.
Der EU AI Act regelt nicht allein den Umgang mit KI. Auch die DSGVO und das Urheberrecht sind wichtige Gesetze, die du bei deiner Arbeit mit KI beachten musst.
Wenn du dich noch tiefer mit dem EU AI Act beschäftigen möchtest, findest du mit dem Klick aufs Bild die offizielle Seite.
Wann ist die KI -Kennzeichnung Pflicht?
Für realistisch wirkende KI-Inhalte gelten nach dem EU AI Act strenge Transparenzregeln. Generell kannst du dabei in unterschiedliche Formate, wie Bild, Audio, Video oder Text unterteilen.
So müssen Bild-, Audio- und Videoinhalte gekennzeichnet werden
Egal, ob bei Bild, Audio oder Video – wenn es sich um ein Deepfake handelt, hast du die Pflicht, deinen KI-generierten Output zu kennzeichnen. Darunter fallen KI-erzeugte oder manipulierte Inhalte, die wirklichen Personen, Gegenständen, Orten oder Ereignissen ähneln und fälschlicherweise als echt erscheinen könnten. Ein Deepfake liegt auch dann vor, wenn einfach nur irgendeine echt wirkende Person dargestellt wird. Dabei muss es sich nicht um eine tatsächlich existierende Person handeln.
Ein Beispiel für ein Deepfake stammt aus dem Jahr 2023: Der Papst in einer dicken Daunenjacke. Ein Tiktok der Tagesschau, hat die Situation damals eingeordnet.
Keine Pflicht zur KI-Kennzeichnung besteht hingegen, wenn es sich bei der Darstellung um etwas offensichtlich Unrealistisches oder Unmögliches handelt, beispielsweise einen feuerspuckenden Drachen, der über dem Eiffelturm fliegt.
Weiter besteht keine Pflicht, deinen KI-generierten-Output zu kennzeichnen, wenn du die KI als unterstützendes Werkzeug eingesetzt hast. Das könnte etwa bei einer automatischen Beleuchtungskorrektur deiner Fotos der Fall sein.
So musst du Texte kennzeichnen
Du musst KI-generierte Texte als solche kennzeichnen, wenn sie über Themen von öffentlichem Interesse informieren und ohne menschliche redaktionelle Kontrolle veröffentlicht werden. Darunter fallen etwa automatisiert erstellte und ungeprüft veröffentlichte Nachrichtenartikel oder KI-generierte Beiträge zu politischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Themen in sozialen Medien.
KI-Texte musst du also dann nicht als solche kennzeichnen, wenn du die im Inhalt dargestellten Fakten kontrolliert sowie redaktionell oder sprachlich geprüft hast. Passende Beispiele sind geprüfte KI-generierte E-Mails, Skripte oder Kurztexte wie Headlines fürs Marketing.
Wie und wo muss die Kennzeichnung platziert sein?
Die KI-Kennzeichnung …
- … muss stets deutlich sichtbar sein.
- … darf nicht versteckt sein.
- … muss direkt im Zusammenhang mit dem jeweiligen Inhalt gewährleistet werden.
Beispiel: Kennzeichnung in der Beschreibung eines Youtube-Videos
Hier wird der KI-generierte Inhalt im ersten Satz der Videobeschreibung erwähnt.
Beispiel: Kennzeichnung auf Tiktok
Auf Tiktok können Creator*innen ihren Content als KI-generiert kennzeichnen.
Platzierung der Kennzeichnung bei Bild und Video
Bei Bildern und Videos ist ein Hinweistext direkt über oder unter dem Bild erforderlich. Der Hinweistext zur KI-Kennzeichnung könnte in etwa so lauten: „Dieses Bild wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt“.
Du kannst zur KI-Kennzeichnung für Bilder und Videos visuelle Marker in Form von Bannern oder Stickern des EU AI Office, der zentralen Aufsichtsbehörde für den EU AI Act, einbetten. Zum Material gelangst du hier: EU-Icons zur Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten.
Je nach Plattform, auf der du deinen KI-generierten Inhalt veröffentlichst, gibt es plattformeigene Kennzeichnungsschalter, die du beim Hochladen des Beitrags aktivieren musst.
Platzierung der Kennzeichnung bei Audioinhalten
Die Transparenzpflicht bei KI-Audioinhalten kannst du durch einen deutlichen akustischen Hinweis am Anfang und am Ende des Audioinhaltes erfüllen. In Audio-Beschreibungstexten (z.B. den Shownotes eines Podcast) kannst du zur Unterstützung der Transparenz einen Hinweis einbetten.
Vorgaben von Social-Media-Plattformen
Zahlreiche Social-Media-Plattformen haben zusätzlich in ihren Bedingungen und Richtlinien eigene KI-Kennzeichnungspflichten eingeführt. Diese Vorgaben sind oft strenger als das, was das aktuelle Gesetz erfordert. Informiere dich am besten auf den jeweiligen Social-Media-Plattformen selbst darüber. Hier findest du eine Liste zu den Support Seiten unterschiedlicher Plattformen:
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