Agentic Commerce 2026: Bauen KI-Agenten den Onlinehandel radikal um?
Nadine von Piechowski2.3.2026
400 Folgen OMR Education Podcast! Und das feiern wir mit einer ganz besonderen Ausgabe. Tarek Müller ist zu Gast im Studio und erklärt, warum KI-Agenten die Art, wie wir suchen, finden und kaufen, radikal verändern.
Inhalt
- Vom Online-Shop zum Unified System
- Wo KI heute schon in der Bilanz zu sehen ist
- „Die KI will keine Gehaltserhöhung”
In der neuesten “Think with Tarek”-Episode des OMR Education Podcasts spricht Namensgeber Tarek Müller, Mitgründer und Geschäftsführer von About You, mit Host Rolf Hermann über ein Thema, das in der E-Commerce-Szene heiß diskutiert wird: Agentic Commerce.
Ein Key Takeaway der Folge: KI ist kein nettes Zusatz-Feature für den Shop, sondern kann in Zukunft über Erfolg und Misserfolg im E-Commerce entscheiden. KI-Modelle können nämlich den Online-Handel massiv ankurbeln, indem sie den Rechercheprozess vereinfachen und den Aufwand für das Suchen und Filtern drastisch reduzieren. Tarek berichtet davon, dass Large Language Models (LLMs) zunehmend zum Co-Piloten der Kund*innen werden. Schon heute macht dieser LLM-Traffic bei About You etwa ein bis zwei Prozent des organischen Google-Aufkommens aus und konvertiert dabei hervorragend.
Für Online-Händler*innen bedeutet das konkret:
- Löse dich von der Keyword-Fixierung: Da du Rankings in LLMs kaum noch aktiv monitoren kannst, musst du stattdessen deine Sichtbarkeit innerhalb der Trainingsdaten und Kontexte sicherstellen.
- Sorge für Sichtbarkeit außerhalb deiner eigenen Seite: Bedenke, dass KI-Modelle niemals raten, sondern gezielt nach verlässlichen Referenzpunkten im offenen Internet suchen.
- Belebe deine Content-Strategie neu: Platziere dein Produkt so konsistent in Foren, Testberichten und User-generated Content, dass die KI dich als logische Lösung für individuelle Bedürfnisse identifiziert.
- Reichere deine Feeds strategisch an: Gehe bei deinen Produktfeeds weit über rein technische Attribute hinaus und füttere sie mit Informationen zu spezifischen Anlässen für die Nutzung oder Zielgruppen.
Vom Online-Shop zum Unified System
Die eigentliche KI-Revolution findet allerdings nicht während der Produktauswahl, sondern im Checkout statt. Etwa durch das Universal Commerce Protocol (UCP) von Google wird die Transaktion zunehmend direkt im Interface der KI-Modelle vollzogen. Das bedeutet, dass Kund*innen deinen Shop gar nicht mehr besuchen müssen, um einen Kauf abzuschließen.
Wenn Kund*innen in Zukunft über KI-Assistenten wie ChatGPT oder Gemini einkaufen, übernimmt die KI die Suche und muss in Bruchteilen von Sekunden entscheiden, ob dein Angebot das beste ist. Dafür braucht sie sofortigen Zugriff auf alle deine Daten aus einer einzigen Quelle.
Bisher liegen Preise, Lagerbestände und Kundendaten oft in getrennten Systemen, die nur langsam miteinander kommunizieren. Ein KI-Agent wartet jedoch nicht auf die Synchronisation dieser Datentöpfe. Damit du als Ergebnis angezeigt wirst, müssen folgende Informationen über eine einheitliche Schnittstelle (API) in Echtzeit bereitstehen:
- Preise auf Knopfdruck: Die KI muss sofort wissen, welchen Preis du dieser spezifischen Person unter Berücksichtigung deiner Einkaufskosten und ihres Kundenstatus anbieten kannst.
- Verbindliche Lieferdaten: Präzise Angaben darüber, wie schnell die Ware ankommt und welche Paketdienste verfügbar sind, müssen sofort abrufbar sein.
- Dein Treueprogramm im Chat: Nur wenn dein System vernetzt ist, können Kund*innen auch bei der KI ihre gesammelten Punkte (wie About You Coins) nutzen oder persönliche Rabattcodes einlösen.
Wo KI heute schon in der Bilanz zu sehen ist
Dass sich der Einsatz von KI und der Unified-Ansatz lohnt, zeigen die Erfahrungen, von denen Tarek bei About You im OMR Education Podcast berichtet. Im Kundenservice werden laut Tarek etwa 50 Prozent der First-Level-Anfragen vollautomatisch durch KI beantwortet, was Kosten senkt und die Antwortgeschwindigkeit erhöht.
Auch in der Content-Produktion wurden die Karten neu gemischt:
- KI-Model-Fotos: Statt teurer Fotoshootings generiert die KI aus einfachen Büstenfotos hochwertige Model-Bilder für die Produktdetailseiten.
- Kostenreduktion: Die Kosten für diese Bilder sinken um etwa 90 Prozent.
- Conversion-Boost: Durch automatisiertes A/B-Testing von 20 KI-Bildvarianten gegen ein manuelles Foto wird fast immer ein Conversion-Rate-Uplift erzielt.
„Die KI will keine Gehaltserhöhung”
Zum Abschluss der Folge spricht Tarek davon, was strategische Führung im KI-Zeitalter bedeutet, und stellt ein Gedankenexperiment an. Würde er heute noch einmal komplett neu gründen, würde er das Unternehmen konsequent auf einem „weißen Blatt Papier“ planen. Sein Ansatz wäre dabei, jeden Prozess von Sekunde eins an „AI-Native“ zu denken, statt bestehende Strukturen mühsam mit KI anzupassen und zu automatisieren.
In diesem Szenario wandelt sich die Rolle der Führungskraft radikal: weg vom klassischen Koordinieren von Aufgaben hin zum strategischen Steuern einer digitalen Workforce. Für Tarek ist klar: Ein digitaler Agent schläft nie, ist nie krank und die Kosten pro Token sinken stetig. Wer diese Chance nutzt – egal ob als junges Start-up oder etabliertes Unternehmen –, kann sich heute im E-Commerce einen Vorteil verschaffen.