Stefan Tewes von Coffee Fellows: "Mit Hotels wollen wir weiter wachsen"

Tanja Karrasch15.11.2023

Der Gründer von Coffee Fellows gibt im OMR Podcast Einblick in seine Zukunftspläne für das Familienunternehmen

Stefan Tewes
Philipp Westermeyer mit Stefan Tewes von Coffee Fellows. Foto: OMR

Stefan Tewes war mal professioneller Hockeyspieler. Dann gründete er mit seiner Frau Kathrin die Coffeeshop-Kette Coffee Fellows. Inzwischen hat das Unternehmen nicht nur 230 Standorte in Deutschland, sondern expandiert zunehmend auch ins Ausland. Im OMR Podcast hat Stefan Tewes verraten, ob der Kaffeetrend einen Wandel erfährt, warum er jetzt auch Hotels betreibt und was der entscheidende Unterschied zwischen Starbucks und Coffee Fellows ist.

Nach über 20 Jahren im Geschäft kennt Stefan Tewes den perfekten Dreiklang für den Standort eines Coffeeshops: "Brauchst ne Ecklage, brauchst ne Süd-West-Terrasse, und am besten noch Touristen", sagt er. Und trotzdem liegt er auch heute noch teilweise daneben. Von den 230 Standorte im Inland und 20 weiteren im Ausland sind zwar die meisten profitabel, aber nicht alle. Im Schnitt gebe es immer auch fünf bis acht Läden, die defizitär seien und geschlossen werden müssten, erzählt Tewes im Podcast. Jede neue Coffeshop-Eröffnung ist ein Experiment: Ob ein Standort funktioniere, sehe man oft schon nach sehr kurzer Zeit, erklärt Tewes. Durch die Laufzeiten der Mietverträge müssten sie aber auch teilweise noch zwei bis drei Jahre mitgeschleppt werden.

Mit kleinen Bons viel Umsatz machen, kann herausfordernd sein, aber es lohnt sich: 120 Millionen Umsatz macht Coffee Fellows laut Stefan Tewes im Jahr mit Heißgetränken, Bagels und Co. „Meine Frau und ich sind da stolz drauf.“ Der Großteil der Läden wird von Franchisenehmer*innen betrieben. Hinzu kommen 30 Filialen der Kette "Campus Suite", die Coffee Fellows 2019 übernommen hat. Seit fünf Jahren führt das Familienunternehmen zusätzlich auch eigene Hotels –  die Idee dahinter: Wenn man bei Coffee Fellows frühstücken kann, warum dann nicht auch direkt übernachten? Vom ersten Standort in Dortmund sei man positiv überrascht gewesen, sagt Stefan Tewes, dann kamen weitere dazu. "Und damit wollen wir weiter wachsen."

„Gute Bäcker machen mittlerweile auch guten Kaffee“

Die Idee zur Coffeeshop-Kette hatte Tewes damals in den USA. 1999 eröffnet er mit seiner Frau dann den ersten Laden in München. Vom Vorbild Starbucks unterscheidet Coffee Fellows, dass das Gründer-Ehepaar von Anfang an auch auf Herzhaftes setzt. In den USA hingegen besteht das Food-Sortiment größtenteils aus süßen Produkten wie Kuchen oder Muffins, Herzhaftes kamen erst später dazu. Aus Stefan Tewes Sicht war es eine gute Entscheidung, auf die herzhaften Alternativen zu setzen: "Das war unser großer USP, unser großer Unterschied auch zur amerikanischen Konkurrenz." Große Konkurrenz hierzulande erfährt Coffee Fellows hingegen zunehmend durch Bäckereien. Davon gibt es viele, und: „Gute Bäcker machen mittlerweile auch guten Kaffee.“ Das sei ein großer struktureller Unterschied zu England oder Amerika. 

Das stärkste Produkt in den Filialen ist weiterhin ein Kaffee-Klassiker: der mittlere Cappuccino. Ob das in ein paar Jahren auch noch so sein wird, weiß Stefan Tewes nicht. Das Besondere am Kaffee sei ja, „dass er so eine ganz leichte Droge ist“, sagt er. „Du brauchst einen Kaffee, um wach zu werden. Insofern ist das natürlich auch ein echter Bedarf.“ Er könne sich aber dennoch vorstellen, „dass der Kaffee in seiner klassischen Funktion, so wie er heute ist, einen Wandel erfährt.“ Die jüngere Generation substituiere Kaffee beispielsweise auch gerne durch Kaltgetränke auf der Basis von Energydrinks. „Die müssen wir dann auch anbieten.“ 

Digitalisierung der Kassierfunktion

Nicht nur das Sortiment, auch die Läden will Stefan Tewes zukunftsorientiert weiterentwickeln. In den kommenden Jahren soll der Kassiervorgang digitalisiert werden, Kund*innen können dann künftig an Kiosken bestellen, mit einer App oder mithilfe eines QR-Codes. In einigen Läden werde das bereits pilotiert, sagt der 55-Jährige. Etwa 30 Prozent des Personalaufwandes komme über die Kassierfunktion. „Wir wollen das Personal, das wir überhaupt noch bekommen, zum Beispiel eher in die Kaffeeproduktion mit rein nehmen.“

Ganz neu ist eine „Coffee Fellow“-Filiale in Houston. Ein Amerikaner hat dort große Pläne mit der deutschen Kette. In welchen anderen Ländern der „Coffee Fellows“-Gründer großes Potenzial sieht, was guten Kaffee ausmacht und auf welche Marketingstrategien das Unternehmen setzt, erzählt Stefan Tewes im OMR Podcast. 

Die Themen des OMR Podcasts mit Stefan Tewes im Überblick:

  • (00:00:00) Intro
  • (00:04:30) Stefan Tewes Zeit als Hockey-Profi und bei Olympia
  • (00:05:46) Die Anfänge von Coffee Fellows
  • (00:09:20) Was macht einen erfolgreichen Standort aus?
  • (00:10:44) Jeder neue Standort ist ein Experiment
  • (00:14:57) Die stärksten Produkte: Die Tendenz geht zu weniger Milch
  • (00:16:59) Wie die Konkurrenzsituation aussieht
  • (00:18:10) Vergleich mit Starbucks und Investoren
  • (00:21:15) Wie das Franchisekonzept aufgestellt ist
  • (00:23:11) Erste Läden im Ausland als Test für Europaexpansion
  • (00:25:55) Nicht immer ein glückliches Händchen bei Akquisitionen
  • (00:29:56) Was sind die größten Herausforderungen des Geschäftsmodells?
  • (00:34:19) Unternehmen will mit eigenen Hotels weiter wachsen
  • (00:41:18) Gibt es schon die ersten Franchise-Millionäre? 
  • (00:43:40) Kund*innen fordern nachhaltig angebauten Kaffee
  • (00:49:38) Wie sich der Kaffeetrend in der Zukunft wandeln könnte
  • (00:54:38) Apropos Marketing – was Sinn ergibt, und was nicht
  • (00:58:50) Die Digitalisierung der Kassierfunktion
  • (01:01:40) Was ist Coffee Fellows wert? 
  • (01:07:37) Expansion ins Ausland: Der erste Standort in Houston
  • (01:10:48) Mehrwertsteuer für Gastro steigt – was bedeutet das für die Branche?
  • (01:15:20) Donuts, Bubble Tea und Co.: Ob es sich lohnt, auf aktuelle Foodtrends aufzuspringen 

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Gründer
Tanja Karrasch
Autor*In
Tanja Karrasch

Tanja Karrasch ist Redakteurin bei OMR. Vor ihrem Wechsel arbeitete sie für die TV-Produktionsfirma Bavaria Entertainment und war als Redaktionsleiterin für zwei ZDF-Shows zuständig. Sie hat bei der Tageszeitung Rheinische Post volontiert und anschließend als Redakteurin gearbeitet.

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