Jokr-CEO, Wework-Sanierer und Foodpanda-Gründer Ralf Wenzel im OMR Podcast

Torben Lux31.7.2023

Wie der Unternehmer Oliver Samwer kennengelernt und was er mit Wework-Gründer Adam Neumann erlebt hat

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Jokr-CEO Ralf Wenzel während der Aufnahme für den OMR Podcast.

Es dürfte nur wenige vergleichbare Unternehmer-Geschichten wie seine in Deutschland geben: Ralf Wenzel baut während der frühen Rocket-Internet-Zeit Jamba mit auf, gründet später Foodpanda und fusioniert mit Delivery Hero, saniert für Softbank anschließend Wework, baut heute mit Jokr am Quick-Commerce-Marktführer Südamerikas. 2,5 bis 3 Milliarden Euro Funding hat er für seine Unternehmen eingesammelt – schätzt er. Im OMR Podcast blickt Wenzel auf seine bisherige Karriere zurück, erzählt kuriose Anekdoten und erklärt, was sein unternehmerischer Erfolg mit seiner Zeit in der DDR und Kuba zu tun haben.

Mehrfach betont Ralf Wenzel im Gespräch mit Philipp Westermeyer seine Wurzeln. Er sei sich der Gegensätze, die größer kaum sein könnten, mehr als bewusst. Im ehemaligen Ostberlin aufgewachsen, in einer politisch sehr aktiven Familie, die mit Unternehmertum, Innovation und Technologie gar nichts zu tun gehabt und den Großteil ihres Lebens einer Illusion gewidmet hätte, wie er sagt. Nach der Wende dann Informatik-Studium unter anderem auf Kuba, erste unternehmerische Projekte und schließlich der Kontakt zu Oliver Samwer. Zwischen diesen Welten voller Kontraste hätte es immer eine Art Magnetismus gegeben. Auf der einen Seite die komplizierte politische Vergangenheit, auf der anderen ein dynamischer Turbokapitalismus.

Die erste Begegnung mit dem Turbokapitalismus ist dann auch bei Rocket Internet. Ralf Wenzel lernt Teile des Gründerteams von Jamba kennen. Beim Klingelton- und Handyspiel-Unternehmen bleibt er bis 2007. „Ich habe Jamba mit gemanagt und begleitet von den Anfängen bis nach dem Verkauf“, so Wenzel. Nach einem fünf Jahre dauernden Ausflug in die Payment-Branche, Wenzel war COO bei Moneybookers (heute Skrill), geht es wieder zurück zu Rocket Internet. 

Foodpanda: Von Südostasien gen Westen

„Wir haben das Geschäftsmodell initial in Südostasien aufgebaut und skaliert“, sagt Ralf Wenzel über seine Zeit als CEO beim Food-Delivery-Unternehmen. Von der früheren Zentrale in Singapur geht es in Millionenstädte wie Hongkong und Taipeh, dann auch nach Europa. „Da sind damals schon mehrere hundert Millionen Funding in die Firma gegangen“, so Wenzel. „Wir waren zwischenzeitlich in über 40 Ländern aktiv gewesen. Mit mehreren 1.000 Leuten.“ 

Nach der Foodpanda-Übernahme durch Delivery Hero Ende 2016 geht das Berliner Unternehmen wenige Monate später an die Börse. Ralf Wenzel ist mittendrin und bleibt bis 2019 Chief Strategy Officer von Delivery Hero. Es folgt eine nicht weniger aufregende Episode: Softbank will mit seiner sogenannten „Unicorn Farm“ ein „Rocket Internet on steroids“ aufbauen – und Ralf Wenzel soll dabei sein. Auf seine Aufgaben als Managing Partner kann er sich aber nur kurz konzentrieren. „Ich wurde freundlich gebeten, ob ich nicht einspringen kann, Wework operativ zu retten“, sagt er. 

Das Coworking-Unternehmen sei damals der größte kommerzielle Mieter der westlichen Welt gewesen. „Das ging schneller, als mir lieb war. Die einzige Möglichkeit, Wework zu retten, den Immobilienmarkt und sich selber, Softbank, zu retten, war, Wework zu kaufen“, erinnert sich Wenzel. „Alles andere hätte in einer absoluten Katastrophe geendet.“ 

Quick Commerce in Südamerika

Knapp ein Jahr ist Ralf Wenzel mit der Umstrukturierung und Rettung von Wework beschäftigt. Und hätte auch die Option gehabt, das Unternehmen langfristig als CEO zu leiten. „Aber das war nicht, was ich mir langfristig vorstellen konnte“, sagt er. Nach ein paar weiteren Monaten bei Softbank entscheidet er sich im Frühjahr stattdessen für ein zu dem Zeitpunkt extrem gehyptes Geschäftsmodell: Quick Commerce. Jokr startet nach Gorillas und Getir, quasi als Ausgründung der „Unicorn Farm“ von Softbank. 

Als CEO und Founder fokussiert er sich in diesem Jahr noch voll auf Wachstum, gegen Ende des kommenden Jahres soll die Profitabilität folgen. Aktiv ist Jokr heute ausschließlich in Brasilien, und da vor allem in den drei Großstädten São Paolo, Belo Horizon und Rio de Janeiro. „In den drei Städten zusammen hat man eine Bevölkerung, die fast der von Deutschland entspricht“, sagt Ralf Wenzel. 

Wie der Unternehmen über den gesamten Quick-Commerce-Markt denkt, in welche Startups er als Angel investiert hat und weshalb die Arbeit mit riesigen Geldmengen dazu führt, dass er sich über komplett neue Aufgaben Gedanken macht, hört Ihr in der aktuellen Folge des OMR Podcasts. 

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Torben Lux

Torben ist seit Juni 2014 Redakteur bei OMR. Er schreibt Artikel und Newsletter, plant das Bühnenprogramm des OMR Festivals, arbeitet an der "State of the German Internet"-Keynote, betreut den OMR Podcast und vieles mehr.

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