Gratis-Strom für „Peter7203“: Mit SEO-Glück zum Google-König bei Teslas Referral Programm

Ein glücklicher Tesla-Besitzer sammelt Gutschriften ein, weil er bei Google gut rankt

Ein Tesla-Modell an einer Tesla-Ladestation
Tesla-Besitzer*innen können bei erfolgreichen Weiterempfehlungen Credits erhalten, die sie beispielsweise an Teslas Supercharger-Aufladestationen gegen kostenlosen Strom eintauschen können (Bild: Tesla)

Tesla-Besitzer*innen sollen belohnt dafür werden, wenn sie Freunde oder Familienmitglieder davon überzeugen, ebenfalls ein Modell der E-Auto-Marke zu kaufen: Das ist der eigentliche Sinn und Zweck von Teslas Empfehlungsprogramm. Doch nun liegt ein Tesla-Besitzer aus der Rhein-Neckar-Region zu mehreren relevanten Suchbegriffen wie „tesla referral“ auf Platz 1 in Googles Suchergebnissen – und dürfte damit weit mehr als nur Bekannte erreichen. SEO-Glück oder gezielte Manipulation? OMR hat nachgefragt und sich umgehört.

„Mit der Weiterempfehlung durch Peter Vorteile sichern“, will Tesla auf der eigenen Website potenzielle Käufer*innen locken. „Bestellen Sie über den Empfehlungslink von Peter, um sich Gutschriften zu sichern, die Sie im Shop des Tesla Weiterempfehlungsprogramms gegen Prämien einlösen können.“ Wer über den Link einkauft, erhält Gutschriften, deren genaue Punktzahl von dem gekauften Modell abhängt – teurere Modelle bringen natürlich mehr ein. Auch der oder die Empfehlende erhält im Fall einer erfolgreichen Vermittlung eine solche Gutschrift. Diese Punkte können dann gegen Guthaben bei Teslas Lade-Stationen eingetauscht werden. Alle Teilnehmer an Teslas Empfehlungsprogramm bekommen einen eigenen Link zur Weitergabe an Bekannte, über den jeweils nachverfolgt wird, durch welche Teilnehmer*innen Bestellungen zustande gekommen sind.

Ein Screenshot des Weiterempfehlungs-Links von "Peter7203" auf der deutschsprachigen Tesla-Website

Ein Screenshot des Weiterempfehlungs-Links von „Peter7203“ auf der deutschsprachigen Tesla-Website

Ein Import-Export-Berater rankt noch vor Tesla selbst

Teslas Weiterempfehlungsprogramm hat mutmaßlich Tausende Teilnehmende; Google führt alleine bei einer Suche im entsprechenden Unterverzeichnis von Teslas deutschsprachiger Website 3.360 Links auf. Doch wie das „Teslamag“ zuerst bemerkt hat wird aktuell nur das Referral-Profil von „Peter7203“ zu Sucheingaben wie „tesla referral“ und „tesla weiterempfehlung“ bei Google innerhalb der ersten zehn Suchergebnisse aufgelistet – noch dazu auf Platz 1. Besonders erstaunlich: Die von Tesla selbst bereitgestellten Informationen über das Referral-Programm liegen erst auf Platz zwei.

Screenshot einer Google-Suche nach "tesla referral"

Wer bei Google nach „tesla referral“ sucht, um beim Kauf eines neuen E-Autos gleich noch eine kostenlose Gutschrift einzuheimsen, der stößt aktuell auf das Profil von „Peter7203“ auf dem ersten Platz der organischen Suchergebnisse

Das „Peter7203“-Profil gehört zu Peter Ruprecht, einem Unternehmensberater zum Thema Import, Export, Zölle, etc. Auf der Website seines Unternehmens hat er auf der „Über uns“-Seite den Weiterempfehlungs-Link platziert. Laut dem Suchmaschinen-Tool Sistrix ist diese Website aber bei Google fast nicht sichtbar; kann also auch keine „Authorität“ an verlinkte Seiten weitergeben (und damit deren Platzierung in den Suchergebnissen pushen). Am Telefon will sich Ruprecht gegenüber OMR nicht äußern, macht aber in den wenigen gewechselten Sätzen deutlich, dass er nichts bewusst dafür getan habe, um von Google innerhalb der Suchergebnisse so weit oben platziert zu werden.

Alles nur ein „Algorithmus-Schluckauf“?

„Es ist schon merkwürdig, dass ‚Peter7203‘ bei Google höher als Tesla selbst rankt“, sagt Benjamin Szturmaj, Experte für Suchmaschinenoptimierung, gegenüber OMR. „Das ist für die User einerseits hilfreich, weil man einen Referral gefunden hat. Andererseits ist es unfair, dass es nur ein einziger ist.“ Szturmaj arbeitet als Suchmaschinenoptimierer in den Diensten des Auto-Vermieters Sixt; privat veröffentlicht er auf seiner Website Inhalte rund um Tesla. Auch er hat dort seinen Weiterempfehlungs-Code platziert.

Es gebe theoretisch schon Methoden, mit denen sich Google Rankings zumindest kurzfristig manipulieren lassen, so Szturmaj: „Mit vielen eingekauften Links kann man kurzzeitig einen Algorithmus-Boost generieren.“ Im Fall von Peter7203 sieht er aber keine Anzeichen dafür: „Ich gehe von einem Algorithmus-Schluckauf aus, der vermutlich mit dem nächsten Update wieder verschwinden wird.“

Lade-Guthaben im Wert von mehreren Tausend Euro

Für Ruprecht könnte der „Schluckauf“ jedoch angenehme Nebeneffekte generieren. Denn wann immer Tesla-Käufer*innen in spe nach „tesla referral“ suchen, um beim Kauf noch eine Gutschrift zu erhalten, und dann über den ersten Link bestellen, werden auch „Peter7203“ Punkte gutgeschrieben. 23 Referrals weist sein Profil aktuell auf. „Da werden nur die Zahl der Autos angezeigt, die ausgeliefert worden sind. Die Zahl der Bestellungen kann noch höher liegen“, sagt Benjamin Szturmaj.

Der Suchmaschinenexperte selbst rankt aktuell beispielsweise bei einer Suche nach „tesla referral code“ bei Google auf Platz 5. Nach eigenen Angaben besitzt er seit Dezember 2021 ein Tesla Modell 3; sein Empfehlungs-Link zählt aktuell 33 Referrals. „Das hat mir bislang 50.000 Kilometer Supercharging Guthaben eingebracht“, so Szturmaj. Auf diese Weise könnte er mehrere Tausend Euro an Ladekosten eingespart haben.

Zwei Gratis-Roadster dank Empfehlungs-Marketing

Tesla hatte das Weiterempfehlungsprogramm erst vergangenen November in den USA und dann Ende März in Europa neu gestartet, nachdem es Anfang 2019 eingestellt worden war. Das Programm habe zu viele Kosten verursacht, schrieb Tesla CEO Elon Musk damals bei Twitter. Durchaus denkbar, war doch die Teilnahme an dem Programm in der Vergangenheit sogar noch lukrativer. Anfangs konnten die Teilnehmenden bei einer hohen Zahl von Weiterempfehlungen sogar komplette Autos gratis erhalten. Später konnten sie teilweise an Gewinnspielen, bei denen Autos verlost wurden, teilnehmen.

Besonders Influencer und „Content Creator“ mit großen Reichweiten profitierten in der Anfangszeit. Der norwegische Tesla-Influencer Bjørn Nyland soll sich durch die Platzierung seines Weiterempfehlungs-Links in seinem reichweitenstarken Youtube-Kanal sogar zwei Tesla Roadster gesichert haben. Laut der inoffiziellen Tracking-Website Tesla Stats soll der KFZ-Sachverständige und Auto-Influencer Ove Kröger alias „Doc Tesla“ (der auch einen eigenen Youtube-Kanal betreibt) über den gesamten Zeitraum hinweg die meisten Referrals unter allen deutschen Teilnehmenden generiert haben: Sein Weiterempfehlungs-Link weist aktuell 705 Referrals aus. Auf Platz zwei liegt laut „Tesla Stats“ Horst Lüning, Betreiber des Online-Shops Whisky.de und ebenfalls Youtuber (hier im OMR Porträt).

Hoffen auf einen Cybertruck

Die Teilnehmenden von Teslas Empfehlungs-Programm in den USA können aktuell zumindest an einem Gewinnspiel teilnehmen, bei dem sie einen Cybertruck gewinnen können. Tesla hat die ersten Auslieferungen des Pickups zuletzt für die zweite Hälfte von 2023 angekündigt. Seit der Ankündigung im Jahr 2019 war die Markteinführung des Cybertrucks immer wieder verschoben worden.

Dank an Florian Elbers und Axel Jack Metayer, durch die wir auf das Thema aufmerksam geworden sind!

Roland Eisenbrand
Autor*In
Roland Eisenbrand

Roland ist seit mehr als zehn Jahren als Journalist in der Digitalbranche aktiv. Seit 2014 verantwortet er als Head of Content (und zweiter Mitarbeiter) alle inhaltlichen Komponenten von OMR, darunter vor allem den OMR Blog und redaktionelle Arbeit rund um das OMR Festival.

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