OMR Takeaway: SEO-Update bei ChatGPT, Milliarden-Börsengänge und der OMR-Community-Check

Martin Gardt4.6.2026

Von massiven Verschiebungen der Such-Sichtbarkeit über Anthropics Rekord-Bewertung bis hin zu den echten Erfolgsgeheimnissen hinter funktionierender Community-Arbeit

In der neuesten Ausgabe von OMR Takeaway bekommt Chefredakteur Roland Eisenbrand prominente Unterstützung aus dem eigenen Haus. OMR-CMO Isabelle Gardt ist als Co-Host im Studio. Gemeinsam werfen die beiden einen Blick auf die rasanten Entwicklungen im KI-Markt, analysieren den Siegeszug von Creator-Produktionen gegenüber dem alten Hollywood und teilen exklusive Einblicke in die jahrelange Community-Strategie von OMR.

ChatGPT-Update: Wenn das KI-System die Such-Sichtbarkeit auswürfelt

Ein aktuelles Core-Update der deutschen Version von ChatGPT sorgt in der SEO-Welt für massive Verschiebungen. Laut Daten des Analyse-Tools Sistrix wurde fast die Hälfte aller bisherigen Domain-Zitierungen (47 Prozent) im Chatbot komplett ausgetauscht. Zu den großen Gewinnern des Updates zählt die Plattform Reddit, deren Sichtbarkeit als KI-Quelle um satte 59 Prozent zulegen konnte, während etablierte deutsche Mainstream-Medien ebenfalls gewannen. Große Verlierer sind dagegen Aggregatoren und Vergleichsplattformen wie Indeed, Glassdoor oder TripAdvisor. "Das ist ja ganz schön, weil ich jetzt sagen kann, wir haben in unserer Keynote darüber gesprochen und haben so ein bisschen gezeigt, wie man auf Reddit Sichtbarkeit generieren kann", sagt Roland. Er hatte auf der OMR26-Bühne gerade Reddit in der "State of Internet"-Keynote hervorgehoben.
Für traditionelle Publisher bringt das Update offenbart einen Hoffnungsschimmer, weil der Traffic-Verlust im klassischen SEO-Bereich nun zumindest teilweise durch KI-Zitierungen aufgefangen werden könnte. Auch wir bei OMR arbeiten daran, hier gut aufgestellt zu sein. "Erstmal freue ich mich für die ganzen Publisher, weil ich glaube, es war gerade super hart, da Traffic zu bekommen", sagt Isabelle. "Die Abteilung, die am meisten davon profitiert, ist am Ende OMR Reviews. Die optimieren da schon sehr auf GEO und schauen, dass die Tools in den LLMs gelistet werden."
Gleichzeitig sorgt auch Google für mehr Durchblick im GEO-Dschungel und hat einen neuen Search Generative AI Performance Report für die Search Console angekündigt. Mit diesem Tool erhalten Websitebetreiber künftig detaillierte Einblicke in ihre Performance innerhalb der verschiedenen Google-KI-Features wie den AI Overviews, dem KI-Modus oder den Discover-Funktionen. Neben den generierten Impressions lässt sich im Zeitverlauf genau nachvollziehen, welche eigenen Unterseiten als Quelle herangezogen wurden und aus welchen Ländern oder von welchen Geräten die Klicks stammen.

Das sind deine Takeaways:

  • Krasse Verschiebungen bei ChatGPT: Fast die Hälfte aller Domain-Zitierungen im deutschen Raum wurde durch das jüngste Core-Update ausgetauscht.
  • Reddit fliegt weiter hoch: Mit einem Zuwachs von 59 Prozent baut die Plattform seine Vormachtstellung als primäre KI-Informationsquelle massiv aus.
  • GEO wird zum Pflichtprogramm: Publisher müssen gezielt auf Generative Engine Optimization setzen, um in den Empfehlungen der LLMs sichtbar zu bleiben.
  • Verlierer-Plattformen: Aggregatoren und Vergleichsdienste verlieren spürbar an Relevanz in den Antworten der künstlichen Intelligenz.

Anthropics Mega-Börsengang & der Siegeszug von Claude

In der Tech-Welt sorgt der offiziell angekündigte Börsengang von Anthropic für Aufsehen. Nach einer jüngsten Funding-Runde wird das KI-Unternehmen mit 900 Milliarden US-Dollar bewertet und zieht damit an Konkurrent OpenAI vorbei, dessen letzte Bewertung bei 730 Milliarden Dollar lag. Laut Berichten von The Information erwirtschaftet Anthropic derzeit sogar rund 35 Prozent mehr Umsatz als OpenAI.
Diese Marktdynamik spiegelt sich auch in der operativen Nutzung bei OMR wider, wo die Begeisterung für das Modell Claude rasant wächst. Isabelle hat ihren gesamten Workflow nach dem Festival von ChatGPT auf Claude umgezogen und nutzt das Tool intensiv für Aufgaben wie Kalenderpflege oder automatisierte Task-Planungen in Asana. "Ich bin sehr begeistert und probiere gerade ganz viel aus. Was ich super finde, ist, dass viel mehr Rückfragen gestellt werden. Dadurch kommt es viel seltener zu Halluzinationen", eklärt OMR-CMO Isabelle Gardt. Auch in den Marketing- und Tech-Teams von OMR sorgt das System durch die rasche Erstellung von Website-Mockups für enorme Geschwindigkeitsvorteile..

Das sind deine Takeaways:

  • Milliarden-Wettlauf der KI-Giganten: Anthropic kündigt den Börsengang an und überholt OpenAI mit einer Bewertung von 900 Milliarden US-Dollar.
  • B2B als Umsatztreiber: Das profitable Enterprise-Geschäft sichert Anthropic aktuell einen deutlichen Umsatzvorsprung vor der Konkurrenz.
  • Claude gewinnt den Usability-Check: Durch proaktive Rückfragen liefert Claude präzisere Antworten und minimiert die Fehlerquote durch Halluzinationen.
  • Enorme Effizienzsprünge: Der Einsatz im Marketing beschleunigt Prozesse wie das visuelle Prototyping von Webseiten via Claude Code dramatisch.

Youtube dominiert das Wohnzimmer

Der US-Kinomarkt erlebt eine fundamentale Wachablösung durch die Creator Economy: Am vergangenen Wochenende überholten zwei Independent-Horrorfilme von Youtubern an den Kinokassen den Star-Wars-Blockbuster "The Mandalorian & Grogu". Die Produktionen Obsession (150 Millionen Dollar weltweites Einspielergebnis) und The Backrooms (81 Millionen Dollar) beweisen, dass virale Internet-Phänomene ein Millionenpublikum ins Kino locken können. Roland Eisenbrand betont die veränderte Mediennutzung: "In den USA und Großbritannien ist Youtube im Wohnzimmer schon quasi der meistgesehene Sender geworden. In Deutschland hat die Plattform die größte Connected TV-Reichweite und Sehdauer."
Youtube selbst nutzt diesen Trend strategisch und hat gerade gezielt 70 Top-Marketingentscheider nach Berlin eingeladen, um aufwendige Langform-Videoproduktionen von bekannten Creator*innen wie Steffen Henssler, Jasmin Gnu oder Otto Bulletproof vorab zu vermarkten. Für Werbetreibende verschiebt sich der Fokus im Wohnzimmer damit unaufhaltsam weg vom klassischen Linear-TV hin zu professionellem Creator-Content. Isabelle Gardt sieht eine Notwendigkeit für ein Umdenken bei Marken, schränkt aber ein: "Wenn man die Werbung da sieht, dann denkt man, das ist so alte Welt. Und gleichzeitig musst du früh dran sein, um bei solchen langfrsitigen Produktionen dabei zu sein." Denn Werbetreibende, die sich etwa an Steffen Hensslers neues Youtube-Format hängen wollen, müssen als Presenting Partner direkt überzeugt sein, dass das erfolgreich wird – noch bevor die erste Folge online ist. Der Vorteil: Wenn eine Youtube-Serie dann so richtig durch die Decke geht, liegen gezahlte Werbekosten – z.B. für eine Presenting Partnerschaft – oft unter möglichen CPMs (Cost per Mille, Tausenderkontaktpreis).
Das sind deine Takeaways:
  • YouTuber erobern die Kinokassen: Creator-Produktionen wie The Backrooms hängen klassische Hollywood-Blockbuster bei den Ticketverkäufen ab.
  • König des Connected TV: Youtube verzeichnet mittlerweile auch in Deutschland die höchste Reichweite und Nutzungsdauer auf dem Fernsehbildschirm.
  • Vermarktungs-Offensive im Wohnzimmer: Youtube pitcht aufwendige Langform-Formate von Top-Creator*innen gezielt als hochwertige Premium-Werbeumgebung.

Wahres Community Building: Warum eine Whatsapp-Gruppe nicht reicht

Im zweiten Teil der Folge teilen Roland und Isabelle wertvolle Learnings zum Thema Community Building – ein Begriff, der im modernen Marketing oft als bloßes Buzzword missverstanden wird. In einem Linkedin-Post kritisierte Isabelle zuletzt die grassierende Unart vieler Marken, das bloße Eröffnen einer Whatsapp- oder Facebook-Gruppe bereits als erfolgreichen Community-Aufbau zu verbuchen. Wahre Community-Arbeit erfordere jahrelange, kontinuierliche Pflege, echte Interaktion und das bedingungslose Ernstnehmen von Feedback. Sie erinnert sich an die harten Anfänge der eigenen OMR-Gruppen ab 2016: "Es war wirklich viel Selftalk. Und irgendwann war das so eine kritische Masse von, glaube ich, 2.000 Leuten und dann fing es an, dass die Community selbst Fragen gestellt hat."
Ein zentraler Erfolgsfaktor für OMR sei das kompromisslose Investment in menschliches Community Management, das auch im Zeitalter von KI nicht einfach ausgelagert werden kann. Ein dediziertes Team gehe ganzjährig auf Feedback ein. Während des OMR Festivals werde das auf 13 Personen aufgestockt, um jede Nachricht individuell zu beantworten. "Wenn ich Marken, die Community wirklich aufbauen wollen, was empfehlen kann, dann investiert wirklich in Community Management. Die wichtigste KPI ist für mich, dass die Leute wirklich hinter uns stehen, uns öffentlich verteidigen, ehrliches Feedback geben." Neben digitalen Kanälen setze OMR verstärkt auf exklusive Offline-Formate wie Behind-the-Scenes-Events im eigenen Büro, um die Core-Community enger zu binden.

Das sind deine Takeaways:

  • Community braucht Zeit: Ein echter Austausch entsteht nicht per Knopfdruck in einer Whatsapp-Gruppe, sondern erfordert jahrelangen, aktiven Beziehungsaufbau.
  • Menschliches Management schlägt KI: OMR setzt bewusst auf menschliche Interaktion im Support, da Algorithmen den feinen Grad zwischen Lob und kritischer Ironie oft nicht fehlerfrei filtern können.
  • Die Verteidigungs-KPI: Eine starke Community zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Marke bei unberechtigter Online-Kritik eigenständig in den Kommentaren verteidigt.
  • Offline-Aktivierung als Hebel: Physische Treffen und exklusive Behind-the-Scenes-Einblicke schaffen eine deutlich tiefere emotionale Bindung als rein digitale Interaktionen.
KICommunity BuildingCommunity ManagementPodcast
Martin Gardt
Autor*In
Martin Gardt

Martin kümmert sich vor allem um neue Artikel für OMR.com und den Social-Media-Auftritt. Nach dem Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft ging er zur Axel Springer Akademie, der Journalistenschule des Axel Springer Verlags. Danach arbeitete er bei der COMPUTER BILD mit Fokus auf News aus der digitalen Welt und Start-ups. Am Wochenende findet Ihr ihn auf der Gegengerade im Millerntor.

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