Mit Kloppo, Zizou und Zlatan: Kann Padel zur neuen Trendsportart in Europa werden?
Henning Eberhardt28.4.2023
Der Mischung aus Tennis, Squash und Badminton kÀmpft gegen den US-Trend Pickleball
Padel begeistert (Ex-)FuĂballstars und die Massen.
Inhalt
- Klopp, Flick und der âgeilste Sportâ neben FuĂball
- Padel vs. Pickleball
- Padel wartet auf den Durchbruch â bis jetzt?
- Weltweit 25 Millionen Spieler*innen
- Cupra investiert ĂŒber zehn Millionen Euro in Padel-Sponsoring
- Prada-SchlĂ€ger fĂŒr 1.500 Euro
- Padel bringt erste Stars hervor
- Yankees vs. Katar vs. WPT
- World Padel Tour startet im DACH-Markt durch
- âPadel wird im DACH-Markt riesig werdenâ
WĂ€hrend Pickleball derzeit die Massen in den USA mobilisiert, gibt es vor allem in Europa und Teilen SĂŒdamerikas mit Padel eine weitere Racket-Revolution. In das aufstrebende RĂŒckschlagspiel wird in den kommenden Jahren weltweit milliardenschwer investiert werden, Sponsoren wie die Automarke Cupra machen jĂ€hrlich achtstellige Summen locker, um flĂ€chendeckend dabei zu sein. Und selbst FuĂballikonen wie Zinedine Zidane und Zlatan Ibrahimovic ziehen Padel-Zentren hoch. Zieht Deutschland nach? OMR hat das wachsende PhĂ€nomen unter die Lupe genommen.
Klopp, Flick und der âgeilste Sportâ neben FuĂball
âMit FuĂball zusammen ist das fĂŒr mich der geilste Sport der Weltâ, sagt JĂŒrgen Klopp im Herbst 2022 bei der Eröffnung seiner ersten Padel-Halle in Berlin, die ĂŒber die Marke Padel FC von seinem Sohn Marc als GeschĂ€ftsfĂŒhrer geleitet wird. Mit Aussagen wie diesen befeuert Klopp den aktuellen Aufschwung der gesamten Sportart Padel, zugleich ist der Trainer des FC Liverpool das Gesicht einer Kampagne des Racket-Sport-AusrĂŒsters Wilson.
Nur ein halbes Jahr spĂ€ter schafft es Padel hierzulande wieder mit einem prominenten FuĂballtrainer in die Schlagzeilen. Dann nĂ€mlich bringt Hansi Flick gemeinsam mit seinen drei MitgrĂŒndern Marcus Englert (Ex-Digital-Vorstand von ProSiebenSat.1), Studio71-GrĂŒnder Sebastian Weil und Unternehmer Jonathan Sierck die GrĂŒndung von The Padel City in die Medien. Das Start-up will Padel-Anlagen in ganz Deutschland aufbauen. Die vier GrĂŒnder haben dem Vernehmen nach zusammen mit weiteren Geldgebern rund fĂŒnf Millionen Euro in das Vorhaben gesteckt. Zu den Investoren gehört unter anderem der ehemalige Axel-Springer-Vorstand Andreas Wiele.
Was ist Padel ĂŒberhaupt?
Padel vs. Pickleball
Padel hat seinen Ursprung in Mexiko und ist eine Mischung aus Tennis, Squash und Badminton. Seht euch am besten mal die spektakulÀrsten Ballwechsel der World Padel Tour (WPT) im Jahr 2022 an:
Ein Padel-Court ist mehr als doppelt so groĂ als ein Feld beim Pickleball (Mehr ĂŒber die am schnellsten wachsende Sportart in den USA könnt ihr hier lesen). Gespielt wird auf dem zehn mal zwanzig Meter groĂen Platz ausschlieĂlich im Doppel, sowohl in der Halle als auch im Freien â und zwar in einem nach oben geöffneten KĂ€fig aus GlaswĂ€nden und Metallverstrebungen. Die Punkte werden wie im klassischen Tennis vergeben. Das alles (und noch einiges mehr) unterscheidet Padel deutlich von Pickleball.
Doch die beiden Challenger im Racketsport haben auch diverse Parallelen: Das Netz hĂ€ngt Ă€hnlich tief, Art und GröĂe der SchlĂ€ger sind vergleichbar. Kurioserweise entstehen beide Sportarten unabhĂ€ngig voneinander in etwa gleichzeitig schon in den 1960er Jahren und explodieren sprichwörtlich jeweils erst so richtig wĂ€hrend der Corona-Pandemie. Was die beiden RĂŒckschlagspiele ebenfalls eint: Weder Padel noch Pickleball erfordern von den Spieler*innen groĂe Anstrengung, das Verletzungsrisiko ist vergleichsweise gering und zudem ist die sportliche EinstiegshĂŒrde ziemlich niedrig. Selbst unerfahrene Racketsportler*innen können sich bereits nach wenigen Stunden spannende Ballwechsel liefern. Das ist wohl die beste Zutat, um eine Sportart zum MassenphĂ€nomen zu machen.
Padel wartet auf den Durchbruch â bis jetzt?
In Deutschland wartet Padel seit einigen Jahren vergeblich auf den Durchbruch, doch nun könnte es zum Tipping Point kommen. âDeutschland ist einer der drei wichtigsten PadelmĂ€rkte weltweit. Wer sich da nicht frĂŒhzeitig aufstellt, wird hier in Zukunft keine groĂe Rolle spielenâ, sagt Patrick Pihan, der mit seiner Firma Padelbox einer der deutschen Padel-Unternehmer der ersten Stunde ist. Holger van Dahle, 1. Vorsitzender des DPV formuliert es gegenĂŒber OMR wie folgt: âPadel ist keine Trendsportart, Padel ist eine Boom-Sportart.â
Doch wie genau sieht dieser Boom aus und wie groĂ ist Padel jetzt schon?
Weltweit 25 Millionen Spieler*innen
TatsĂ€chlich stecken hinter der aktuellen Padel-Entwicklung mehr als nur frohlockende Aussagen von prominenten deutschen FuĂballtrainern, die ein bisschen Spielgeld zu verteilen haben. Einige Fakten:
- Padel ist ein weltweites PhÀnomen: Rund 25 Millionen aktive Spieler*innen sind in 51 nationalen VerbÀnden im FIP organisiert. Laut dem Padel-Weltverband wird in mehr als 90 LÀndern Padel gespielt.
- Europa erfĂ€hrt seit einigen Jahren einen wahren Padel-Boom. Spanien ist mit rund 20.000 Courts und ĂŒber fĂŒnf Millionen aktiven Spieler*innen (das entspricht rund elf Prozent der Gesamtbevölkerung) der gröĂte Padel-Markt der Welt. In der Heimat von Starspieler Rafael Nadal hat Padel sogar Tennis in der Beliebtheitsskala ĂŒberholt und ist hinter FuĂball die Sportart Nummer zwei. Auch Schweden gilt trotz der SchlieĂung einiger defizitĂ€rer Anlagen mit ĂŒber 500.000 Spieler*innen und mehr als 3000 Courts nach wie vor als Boom-Nation im Padelsport.
- Wie groĂ die Spieler*innenbasis in Deutschland ist, vermag niemand so recht zu sagen. Marktteilnehmer schĂ€tzen gegenĂŒber OMR, dass sich die Anzahl der Spieler*innen in den vergangenen drei Jahren von 20.000 auf 230.000 in etwa verzehnfacht habe. Bis 2030 wird hierzulande mit ĂŒber zwei Millionen aktiven Padelspieler*innen gerechnet. Ăhnliche Wachstumskurven werden fĂŒr Frankreich (von 620.000 auf 2,6 Millionen) und Italien von 650.000 auf 2,4 Millionen) prognostiziert.
- Der US-Markt soll von derzeit rund 500.000 Padel-Spieler*innen bis 2030 auf 20 Millionen anwachsen. Zum Vergleich: Pickleball spielen in den Staaten bereits heute rund 36,5 Millionen Menschen.
- Mit Zlatan Ibrahimovic (âPadel Zenterâ), Zinedine Zidane (âZ5 Padelâ) und Tennisprofi Andy Murray (âGame4Padelâ) investieren diverse internationale Sportstars in Padel-Anlagen. Zu den Fans des Sports zĂ€hlen zudem aktuelle Profis wie Lionel Messi, Cristiano Ronaldo und Mario Götze. Und auch reichweitenstarke Ex-FuĂballstars, von Andrea Pirlo bis David Beckham, rĂŒhren via Social Media die Werbetrommel fĂŒr Padel und generieren damit Views in Millionenhöhe â versehen mit dem Hashtag #LovePaddle.
- In GroĂbritannien eröffnen derweil Unternehmer Houman Ashrafzadeh und der milliardenschwere Spotify-Co-Founder Sven Hans Martin Lorentzon im Sommer 2023 den gröĂten Padel-Club auf der Insel. Laut âSwedish Breakitâ sehen die beiden UK hinter Deutschland und den USA als wichtigsten Wachstumsmarkt fĂŒr Padel.
- Der âGlobal Padel Reportâ von Playtomic und Monitor Deloitte prognostiziert Investitionen in neue Padel-PlĂ€tze in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro binnen vier Jahren. Laut Vermarktungsunterlagen der World Padel Tour (WPT) soll die Gesamtzahl der Padel-Courts in Europa bis Ende 2023 von derzeit 30.000 auf 40.000 anwachsen und 2025 bei ĂŒber 65.000 liegen.
Eine Tour durch die beeindruckendsten Padel-Center Stockholms
Cupra investiert ĂŒber zehn Millionen Euro in Padel-Sponsoring
Sponsoren bleibt der Aufschwung von Padel nicht verborgen. Zu den weltweit gröĂten Partnern im Padel zĂ€hlt die Automarke Cupra. Hierzulande ist der Hersteller aus dem Volkswagen-Konzern unter anderem Hauptsponsor des Deutschen Padel Verbands und der deutschen Nationalmannschaft. Court-Betreiber wie Padel Box, The Padel City und We Are Padel gehören ebenfalls zum Netz von Kooperationspartnern. âMit unseren Partnern teilen wir die Vision einer unaufhaltsamen Padel-Expansionâ, sagt Giuseppe Fiordispina, Leiter Marketing von Cupra Deutschland, bei Bekanntgabe der Partnerschaften.
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International wirbt Cupra zudem bei diversen nationalen Turnier-Serien wie beispielsweise in Frankreich als Namensgeber sowie als einer der gröĂten Sponsoren der globalen Turnierserie World Padel Tour (WPT). Experten schĂ€tzen gegenĂŒber OMR, dass Cupra mittlerweile ĂŒber zehn Millionen Euro in Padel-Sponsoring investieren dĂŒrfte.
Prada-SchlĂ€ger fĂŒr 1.500 Euro
Zu den weiteren Sponsoren im Padel zÀhlen namhafte Marken wie der Logistiker GLS und der DAX-Konzern Allianz, der Presenting-Partner der German Padel Tour ist. Ausrichter der Serie ist Spontent, das Unternehmen des ehemaligen Profivolleyballers Alexander Walkenhorst.
DarĂŒber hinaus schnuppern selbst Luxusmarken wie Prada Padel-Luft. Ob der 1.500 Euro teure SchlĂ€ger des milliardenschweren Familienunternehmens allerdings zum Kassenschlager wird, darf zumindest bezweifelt werden.
Zinedine Zidane bei der Eröffnung seiner Padel-Anlage in Frankreich
Padel bringt erste Stars hervor
Padel wĂ€chst nicht nur in der Breite. Im Profisportsegment kreiert das aufkommende Racket-Spiel in seiner Community mittlerweile Stars. Einer von ihnen heiĂt Paquito Navarro. Dem Spanier folgen bei Instagram immerhin bereits ĂŒber 500.000 Menschen. Im Pickleball scharen die erfolgreichsten Profis nur rund 30.000 Fans als Follower*innen um sich.
Paquito Navarro ist einer der bekanntesten Spieler im Padel.
Global ringen inzwischen vor allem drei Turnierserien um die Gunst der Padel-Profis. In dem Business ist ganz aktuell mÀchtig Bewegung, namhafte Sportinvestoren bringen sich in Stellung. Es geht um nicht weniger als die weltweite Vorherrschaft im Padel als Profisport.
Yankees vs. Katar vs. WPT
Erst Ende MĂ€rz 2023 sorgt Yankee Global Enterprises (YGE) mit einem Padel-Investment fĂŒr Aufsehen. Der EigentĂŒmer der New York Yankees aus der Major League Baseball (MLB) und Anteilseigner des italienischen Top-FuĂballclubs AC Mailand (bei dem Padel-Fan Zlatan Ibrahimovic unter Vertrag steht) beteiligt sich am Turnier-Veranstalter A1 Padel. Ziel ist eine strategische Expansion im US-Markt.
Ein Ă€hnlich junger Challenger ist die Serie Premier Padel, die von der International Padel Federation (FIP) 2022 gelauncht wurde. Die Besonderheit: Kein Geringerer als Qatar Sports Investments (QSI) unterstĂŒtzt Premier Padel als Geldgeber. âDie Welt hat nur die Spitze des Eisbergs dessen gesehen, was Padel weltweit erreichen kannâ, sagt der aus dem ProfifuĂball von Paris Saint-Germain bekannte QSI-Chairman Nasser Al Khelaifi. Es sei âan der Zeit, dass dieser spektakulĂ€re Sport und seine unglaublichen Athleten den Fans auf der ganzen Welt prĂ€sentiert werdenâ.
Einem anderen Player stöĂt der zunehmende Wettbewerb im Padel-Profibereich mĂ€chtig auf. Die World Padel Tour (WPT) war jahrelang der unangefochtene Platzhirsch unter den Turnier-Serien und feiert 2023 bereits sein zehnjĂ€hriges Bestehen. Die Padel-Serie gehört seit Juli 2022 zu 100 Prozent dem spanischen Brauereikonzern Damm (Umsatz: rund 1,5 Milliarden Euro) und hat weiterhin eine Vormachtstellung. Sie zĂ€hlt beispielsweise 750.000 Subscriptions auf ihrer kostenfreien OTT-Plattform World Padel Tour TV.
World Padel Tour startet im DACH-Markt durch
2023 finden auf der World Padel Tour 27 Turniere in 14 LĂ€ndern statt. Nachdem sie 2022 erstmals in Ăsterreich gastierte, feiert die Serie dieses Jahr ihre Deutschland-Premiere. âJedes Land braucht ein Hero-Eventâ, sagt Dominik Beier, Managing Director des ausrichtenden Unternehmens Emotion. Emotion ist im Tennis zum Beispiel als Veranstalter des Wiener ATP-500-Turniers Erste Bank Open und diverser Davis Cups bekannt.
Der deutsche Tour-Stopp soll vom 25. September bis 1. Oktober stattfinden. Den Ort kann der 31-JĂ€hrige im GesprĂ€ch mit OMR jedoch noch nicht preisgeben. Beier & Co. kalkulieren fĂŒr das WPT-Turnier in Deutschland mit einem siebenstelligen Budget, das sie ĂŒber die SĂ€ulen Ticketing, Sponsoring, Merchandising und TV-Vermarktung versuchen zu refinanzieren.
âPadel wird im DACH-Markt riesig werdenâ
Das WPT-Event in Deutschland ist ein Gemeinschaftsprojekt von Emotion und der WWP Group. Um Padel in der DACH-Region groĂ zu machen, bĂŒndeln die beiden Unternehmen ihre KrĂ€fte seit kurzem in einem Joint Venture. WWP ist vor allem fĂŒr ihr Premium-Skievent in KitzbĂŒhel bekannt. Beim Hahnenkammrennen geben sich alljĂ€hrlich nicht nur groĂe Brands wie Audi, Boss und Mastercard die Klinke, sondern auch Prominente von Arnold Schwarzenegger bis Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone.
âPadel ist fĂŒr viele Top-Marken spannendâ, sagt Thomas Weirather, der sich aufseiten von WWP um die Padel-Vermarktung kĂŒmmert und sich dem Thema ganzheitlich nĂ€hert. Was âbis dato grundsĂ€tzlich noch etwas fehltâ, sei der âEventcharakter rund um den sportlichen Wettbewerbâ. Laut Weirather geht es zudem darum, âsowohl nationale Champions als auch eine gefunnelte Communityâ aufzubauen, um den Padel-Sport letztlich nach vorne zu bringen. Er sagt: âWir werden bei den WPT-Events nun viel testen â geht es eher Richtung Business-Plattform wie dem Hahnenkammrennen oder eher Richtung Entertainment-Plattform wie Beachvolleyball? Oder wird es gar eine Kombination dieser beiden AnsĂ€tze?â
So oder so haben sich WWP und Emotion ambitionierte Ziele gesteckt: âWir wollen so schnell es geht groĂe und progressive Brands gewinnen, damit wir weiter in das Produkt Padel investieren könnenâ, sagt Weirather. Die Marschroute sei es, âhoffentlich bald schon auf Augenhöhe mit anderen Premium-Sportevents im DACH-Raum zu seinâ. Laut Dominik Beier werden dafĂŒr Marken gesucht, âdie sich selbst als First Mover, Early Adopter oder auch Founding Partnerâ verstehen. âGenau diese Chance gibt es jetzt. Denn dass Padel auch im DACH-Markt riesig wird, ist nicht mehr von der Hand zu weisenâ, sagt der Sportunternehmer.
PS: Falls Ihr bisher noch nicht mit der Sportart Padel in Kontakt gekommen seid, könnt Ihr das beim OMR-Festival nachholen. Schaut dafĂŒr doch am besten mal beim Court in der Halle A1 vorbei.
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