Mit Kloppo, Zizou und Zlatan: Kann Padel zur neuen Trendsportart in Europa werden?

Der Mischung aus Tennis, Squash und Badminton kÀmpft gegen den US-Trend Pickleball

Padel begeistert (Ex-)Fußballstars und die Massen.
Padel begeistert (Ex-)Fußballstars und die Massen.
Inhalt
  1. Klopp, Flick und der „geilste Sport“ neben Fußball
  2. Padel vs. Pickleball
  3. Padel wartet auf den Durchbruch – bis jetzt?
  4. Weltweit 25 Millionen Spieler*innen
  5. Cupra investiert ĂŒber zehn Millionen Euro in Padel-Sponsoring
  6. Prada-SchlĂ€ger fĂŒr 1.500 Euro
  7. Padel bringt erste Stars hervor
  8. Yankees vs. Katar vs. WPT
  9. World Padel Tour startet im DACH-Markt durch
  10. „Padel wird im DACH-Markt riesig werden“
WĂ€hrend Pickleball derzeit die Massen in den USA mobilisiert, gibt es vor allem in Europa und Teilen SĂŒdamerikas mit Padel eine weitere Racket-Revolution. In das aufstrebende RĂŒckschlagspiel wird in den kommenden Jahren weltweit milliardenschwer investiert werden, Sponsoren wie die Automarke Cupra machen jĂ€hrlich achtstellige Summen locker, um flĂ€chendeckend dabei zu sein. Und selbst Fußballikonen wie Zinedine Zidane und Zlatan Ibrahimovic ziehen Padel-Zentren hoch. Zieht Deutschland nach? OMR hat das wachsende PhĂ€nomen unter die Lupe genommen.

Klopp, Flick und der „geilste Sport“ neben Fußball

„Mit Fußball zusammen ist das fĂŒr mich der geilste Sport der Welt“, sagt JĂŒrgen Klopp im Herbst 2022 bei der Eröffnung seiner ersten Padel-Halle in Berlin, die ĂŒber die Marke Padel FC von seinem Sohn Marc als GeschĂ€ftsfĂŒhrer geleitet wird. Mit Aussagen wie diesen befeuert Klopp den aktuellen Aufschwung der gesamten Sportart Padel, zugleich ist der Trainer des FC Liverpool das Gesicht einer Kampagne des Racket-Sport-AusrĂŒsters Wilson.
Nur ein halbes Jahr spĂ€ter schafft es Padel hierzulande wieder mit einem prominenten Fußballtrainer in die Schlagzeilen. Dann nĂ€mlich bringt Hansi Flick gemeinsam mit seinen drei MitgrĂŒndern Marcus Englert (Ex-Digital-Vorstand von ProSiebenSat.1), Studio71-GrĂŒnder Sebastian Weil und Unternehmer Jonathan Sierck die GrĂŒndung von The Padel City in die Medien. Das Start-up will Padel-Anlagen in ganz Deutschland aufbauen. Die vier GrĂŒnder haben dem Vernehmen nach zusammen mit weiteren Geldgebern rund fĂŒnf Millionen Euro in das Vorhaben gesteckt. Zu den Investoren gehört unter anderem der ehemalige Axel-Springer-Vorstand Andreas Wiele.
Was ist Padel ĂŒberhaupt?

Padel vs. Pickleball

Padel hat seinen Ursprung in Mexiko und ist eine Mischung aus Tennis, Squash und Badminton. Seht euch am besten mal die spektakulÀrsten Ballwechsel der World Padel Tour (WPT) im Jahr 2022 an:
Ein Padel-Court ist mehr als doppelt so groß als ein Feld beim Pickleball (Mehr ĂŒber die am schnellsten wachsende Sportart in den USA könnt ihr hier lesen). Gespielt wird auf dem zehn mal zwanzig Meter großen Platz ausschließlich im Doppel, sowohl in der Halle als auch im Freien – und zwar in einem nach oben geöffneten KĂ€fig aus GlaswĂ€nden und Metallverstrebungen. Die Punkte werden wie im klassischen Tennis vergeben. Das alles (und noch einiges mehr) unterscheidet Padel deutlich von Pickleball.
Doch die beiden Challenger im Racketsport haben auch diverse Parallelen: Das Netz hĂ€ngt Ă€hnlich tief, Art und GrĂ¶ĂŸe der SchlĂ€ger sind vergleichbar. Kurioserweise entstehen beide Sportarten unabhĂ€ngig voneinander in etwa gleichzeitig schon in den 1960er Jahren und explodieren sprichwörtlich jeweils erst so richtig wĂ€hrend der Corona-Pandemie. Was die beiden RĂŒckschlagspiele ebenfalls eint: Weder Padel noch Pickleball erfordern von den Spieler*innen große Anstrengung, das Verletzungsrisiko ist vergleichsweise gering und zudem ist die sportliche EinstiegshĂŒrde ziemlich niedrig. Selbst unerfahrene Racketsportler*innen können sich bereits nach wenigen Stunden spannende Ballwechsel liefern. Das ist wohl die beste Zutat, um eine Sportart zum MassenphĂ€nomen zu machen.

Padel wartet auf den Durchbruch – bis jetzt?

In Deutschland wartet Padel seit einigen Jahren vergeblich auf den Durchbruch, doch nun könnte es zum Tipping Point kommen. „Deutschland ist einer der drei wichtigsten PadelmĂ€rkte weltweit. Wer sich da nicht frĂŒhzeitig aufstellt, wird hier in Zukunft keine große Rolle spielen“, sagt Patrick Pihan, der mit seiner Firma Padelbox einer der deutschen Padel-Unternehmer der ersten Stunde ist. Holger van Dahle, 1. Vorsitzender des DPV formuliert es gegenĂŒber OMR wie folgt: „Padel ist keine Trendsportart, Padel ist eine Boom-Sportart.“
Doch wie genau sieht dieser Boom aus und wie groß ist Padel jetzt schon?

Weltweit 25 Millionen Spieler*innen

TatsĂ€chlich stecken hinter der aktuellen Padel-Entwicklung mehr als nur frohlockende Aussagen von prominenten deutschen Fußballtrainern, die ein bisschen Spielgeld zu verteilen haben. Einige Fakten:
  • Padel ist ein weltweites PhĂ€nomen: Rund 25 Millionen aktive Spieler*innen sind in 51 nationalen VerbĂ€nden im FIP organisiert. Laut dem Padel-Weltverband wird in mehr als 90 LĂ€ndern Padel gespielt.
  • Europa erfĂ€hrt seit einigen Jahren einen wahren Padel-Boom. Spanien ist mit rund 20.000 Courts und ĂŒber fĂŒnf Millionen aktiven Spieler*innen (das entspricht rund elf Prozent der Gesamtbevölkerung) der grĂ¶ĂŸte Padel-Markt der Welt. In der Heimat von Starspieler Rafael Nadal hat Padel sogar Tennis in der Beliebtheitsskala ĂŒberholt und ist hinter Fußball die Sportart Nummer zwei. Auch Schweden gilt trotz der Schließung einiger defizitĂ€rer Anlagen mit ĂŒber 500.000 Spieler*innen und mehr als 3000 Courts nach wie vor als Boom-Nation im Padelsport.
  • Wie groß die Spieler*innenbasis in Deutschland ist, vermag niemand so recht zu sagen. Marktteilnehmer schĂ€tzen gegenĂŒber OMR, dass sich die Anzahl der Spieler*innen in den vergangenen drei Jahren von 20.000 auf 230.000 in etwa verzehnfacht habe. Bis 2030 wird hierzulande mit ĂŒber zwei Millionen aktiven Padelspieler*innen gerechnet. Ähnliche Wachstumskurven werden fĂŒr Frankreich (von 620.000 auf 2,6 Millionen) und Italien von 650.000 auf 2,4 Millionen) prognostiziert.
  • Der US-Markt soll von derzeit rund 500.000 Padel-Spieler*innen bis 2030 auf 20 Millionen anwachsen. Zum Vergleich: Pickleball spielen in den Staaten bereits heute rund 36,5 Millionen Menschen.
  • Mit Zlatan Ibrahimovic („Padel Zenter“), Zinedine Zidane („Z5 Padel“) und Tennisprofi Andy Murray („Game4Padel“) investieren diverse internationale Sportstars in Padel-Anlagen. Zu den Fans des Sports zĂ€hlen zudem aktuelle Profis wie Lionel Messi, Cristiano Ronaldo und Mario Götze. Und auch reichweitenstarke Ex-Fußballstars, von Andrea Pirlo bis David Beckham, rĂŒhren via Social Media die Werbetrommel fĂŒr Padel und generieren damit Views in Millionenhöhe – versehen mit dem Hashtag #LovePaddle.
  • In Großbritannien eröffnen derweil Unternehmer Houman Ashrafzadeh und der milliardenschwere Spotify-Co-Founder Sven Hans Martin Lorentzon im Sommer 2023 den grĂ¶ĂŸten Padel-Club auf der Insel. Laut „Swedish Breakit“ sehen die beiden UK hinter Deutschland und den USA als wichtigsten Wachstumsmarkt fĂŒr Padel.
  • Der „Global Padel Report“ von Playtomic und Monitor Deloitte prognostiziert Investitionen in neue Padel-PlĂ€tze in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro binnen vier Jahren. Laut Vermarktungsunterlagen der World Padel Tour (WPT) soll die Gesamtzahl der Padel-Courts in Europa bis Ende 2023 von derzeit 30.000 auf 40.000 anwachsen und 2025 bei ĂŒber 65.000 liegen.
Eine Tour durch die beeindruckendsten Padel-Center Stockholms

Cupra investiert ĂŒber zehn Millionen Euro in Padel-Sponsoring

Sponsoren bleibt der Aufschwung von Padel nicht verborgen. Zu den weltweit grĂ¶ĂŸten Partnern im Padel zĂ€hlt die Automarke Cupra. Hierzulande ist der Hersteller aus dem Volkswagen-Konzern unter anderem Hauptsponsor des Deutschen Padel Verbands und der deutschen Nationalmannschaft. Court-Betreiber wie Padel Box, The Padel City und We Are Padel gehören ebenfalls zum Netz von Kooperationspartnern. „Mit unseren Partnern teilen wir die Vision einer unaufhaltsamen Padel-Expansion“, sagt Giuseppe Fiordispina, Leiter Marketing von Cupra Deutschland, bei Bekanntgabe der Partnerschaften.

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International wirbt Cupra zudem bei diversen nationalen Turnier-Serien wie beispielsweise in Frankreich als Namensgeber sowie als einer der grĂ¶ĂŸten Sponsoren der globalen Turnierserie World Padel Tour (WPT). Experten schĂ€tzen gegenĂŒber OMR, dass Cupra mittlerweile ĂŒber zehn Millionen Euro in Padel-Sponsoring investieren dĂŒrfte.

Prada-SchlĂ€ger fĂŒr 1.500 Euro

Zu den weiteren Sponsoren im Padel zÀhlen namhafte Marken wie der Logistiker GLS und der DAX-Konzern Allianz, der Presenting-Partner der German Padel Tour ist. Ausrichter der Serie ist Spontent, das Unternehmen des ehemaligen Profivolleyballers Alexander Walkenhorst.
DarĂŒber hinaus schnuppern selbst Luxusmarken wie Prada Padel-Luft. Ob der 1.500 Euro teure SchlĂ€ger des milliardenschweren Familienunternehmens allerdings zum Kassenschlager wird, darf zumindest bezweifelt werden.
Zinedine Zidane bei der Eröffnung seiner Padel-Anlage in Frankreich

Padel bringt erste Stars hervor

Padel wĂ€chst nicht nur in der Breite. Im Profisportsegment kreiert das aufkommende Racket-Spiel in seiner Community mittlerweile Stars. Einer von ihnen heißt Paquito Navarro. Dem Spanier folgen bei Instagram immerhin bereits ĂŒber 500.000 Menschen. Im Pickleball scharen die erfolgreichsten Profis nur rund 30.000 Fans als Follower*innen um sich.
Paquito Navarro ist einer der bekanntesten Spieler im Padel.
Global ringen inzwischen vor allem drei Turnierserien um die Gunst der Padel-Profis. In dem Business ist ganz aktuell mÀchtig Bewegung, namhafte Sportinvestoren bringen sich in Stellung. Es geht um nicht weniger als die weltweite Vorherrschaft im Padel als Profisport.

Yankees vs. Katar vs. WPT

Erst Ende MĂ€rz 2023 sorgt Yankee Global Enterprises (YGE) mit einem Padel-Investment fĂŒr Aufsehen. Der EigentĂŒmer der New York Yankees aus der Major League Baseball (MLB) und Anteilseigner des italienischen Top-Fußballclubs AC Mailand (bei dem Padel-Fan Zlatan Ibrahimovic unter Vertrag steht) beteiligt sich am Turnier-Veranstalter A1 Padel. Ziel ist eine strategische Expansion im US-Markt.
Ein Ă€hnlich junger Challenger ist die Serie Premier Padel, die von der International Padel Federation (FIP) 2022 gelauncht wurde. Die Besonderheit: Kein Geringerer als Qatar Sports Investments (QSI) unterstĂŒtzt Premier Padel als Geldgeber. „Die Welt hat nur die Spitze des Eisbergs dessen gesehen, was Padel weltweit erreichen kann“, sagt der aus dem Profifußball von Paris Saint-Germain bekannte QSI-Chairman Nasser Al Khelaifi. Es sei „an der Zeit, dass dieser spektakulĂ€re Sport und seine unglaublichen Athleten den Fans auf der ganzen Welt prĂ€sentiert werden“.
Einem anderen Player stĂ¶ĂŸt der zunehmende Wettbewerb im Padel-Profibereich mĂ€chtig auf. Die World Padel Tour (WPT) war jahrelang der unangefochtene Platzhirsch unter den Turnier-Serien und feiert 2023 bereits sein zehnjĂ€hriges Bestehen. Die Padel-Serie gehört seit Juli 2022 zu 100 Prozent dem spanischen Brauereikonzern Damm (Umsatz: rund 1,5 Milliarden Euro) und hat weiterhin eine Vormachtstellung. Sie zĂ€hlt beispielsweise 750.000 Subscriptions auf ihrer kostenfreien OTT-Plattform World Padel Tour TV.

World Padel Tour startet im DACH-Markt durch

2023 finden auf der World Padel Tour 27 Turniere in 14 LĂ€ndern statt. Nachdem sie 2022 erstmals in Österreich gastierte, feiert die Serie dieses Jahr ihre Deutschland-Premiere. „Jedes Land braucht ein Hero-Event“, sagt Dominik Beier, Managing Director des ausrichtenden Unternehmens Emotion. Emotion ist im Tennis zum Beispiel als Veranstalter des Wiener ATP-500-Turniers Erste Bank Open und diverser Davis Cups bekannt.
Der deutsche Tour-Stopp soll vom 25. September bis 1. Oktober stattfinden. Den Ort kann der 31-JĂ€hrige im GesprĂ€ch mit OMR jedoch noch nicht preisgeben. Beier & Co. kalkulieren fĂŒr das WPT-Turnier in Deutschland mit einem siebenstelligen Budget, das sie ĂŒber die SĂ€ulen Ticketing, Sponsoring, Merchandising und TV-Vermarktung versuchen zu refinanzieren.

„Padel wird im DACH-Markt riesig werden“

Das WPT-Event in Deutschland ist ein Gemeinschaftsprojekt von Emotion und der WWP Group. Um Padel in der DACH-Region groß zu machen, bĂŒndeln die beiden Unternehmen ihre KrĂ€fte seit kurzem in einem Joint Venture. WWP ist vor allem fĂŒr ihr Premium-Skievent in KitzbĂŒhel bekannt. Beim Hahnenkammrennen geben sich alljĂ€hrlich nicht nur große Brands wie Audi, Boss und Mastercard die Klinke, sondern auch Prominente von Arnold Schwarzenegger bis Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone.
„Padel ist fĂŒr viele Top-Marken spannend“, sagt Thomas Weirather, der sich aufseiten von WWP um die Padel-Vermarktung kĂŒmmert und sich dem Thema ganzheitlich nĂ€hert. Was „bis dato grundsĂ€tzlich noch etwas fehlt“, sei der „Eventcharakter rund um den sportlichen Wettbewerb“. Laut Weirather geht es zudem darum, „sowohl nationale Champions als auch eine gefunnelte Community“ aufzubauen, um den Padel-Sport letztlich nach vorne zu bringen. Er sagt: „Wir werden bei den WPT-Events nun viel testen – geht es eher Richtung Business-Plattform wie dem Hahnenkammrennen oder eher Richtung Entertainment-Plattform wie Beachvolleyball? Oder wird es gar eine Kombination dieser beiden AnsĂ€tze?“
So oder so haben sich WWP und Emotion ambitionierte Ziele gesteckt: „Wir wollen so schnell es geht große und progressive Brands gewinnen, damit wir weiter in das Produkt Padel investieren können“, sagt Weirather. Die Marschroute sei es, „hoffentlich bald schon auf Augenhöhe mit anderen Premium-Sportevents im DACH-Raum zu sein“. Laut Dominik Beier werden dafĂŒr Marken gesucht, „die sich selbst als First Mover, Early Adopter oder auch Founding Partner“ verstehen. „Genau diese Chance gibt es jetzt. Denn dass Padel auch im DACH-Markt riesig wird, ist nicht mehr von der Hand zu weisen“, sagt der Sportunternehmer.
PS: Falls Ihr bisher noch nicht mit der Sportart Padel in Kontakt gekommen seid, könnt Ihr das beim OMR-Festival nachholen. Schaut dafĂŒr doch am besten mal beim Court in der Halle A1 vorbei.

PadelPickleballProfisportSportTennis
Henning Eberhardt
Autor*In
Henning Eberhardt

Henning ist in der OMR-Redaktion fĂŒr Sport- und Gaming-Inhalte zustĂ€ndig. Davor pendelte er als Redakteur von 2010 bis 2019 fĂŒr die Sportbusiness-Plattform SPOBIS zwischen Fußballstadion und Formel-1-Rennstrecke, ehe es ihn fĂŒr fast vier Jahre zum Marketing-Medium absatzwirtschaft in die Handelsblatt-Gruppe verschlug.

Alle Artikel von Henning Eberhardt

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